Bild: Andreas Graf
Anlässlich des neuen Albums “The Revenge of Alice Cooper” und der Ankündigung von gleich zwei Österreich-Konzerten des “Gruselpapstes” Alice Cooper - 2026 am Clam Rock und am Lovely Days - öffnet Bloodsucking Zombies From Outer Space-Sänger Dead “Richy” Gein für uns seinen Alice-Cooper-Schrein und erklärt uns, was ihn mit Alice Cooper so stark verbindet: Denn ohne Alice Cooper würde es seine Band vermutlich gar nicht geben.
Seit weit über 20 Jahren treiben die Bloodsucking Zombies From Outer Space schon ihr Unwesen – eingebunden in ein Potpourri zwischen einem „Monster Mutant Boogie“ und einem „Mörder Blues“ erzählen die selbsternannten Shock-Rock-Rebellen allerlei Horrorgeschichten, treiben es bunt mit Zombies, Werwölfen und Skeletten. Das programmatische Fundament für die Zombies gelegt hat vor noch vielen Jahrzehnten mehr und lange vor der Bandgründung nicht nur das Faible von Sänger und Bandkopf Dead “Richy” Gein zum Genre des Horrofilms (siehe dazu das Interview an dieser Stelle am HEADLINER), sondern vor allem auch das Album “Trash” von Alice Cooper.
Heute schlängeln sich Motive der Alben „School’s Out“, „Billion Dollar Babies“ oder „Welcome To My Nightmare“ den Oberarm von Richard „Dead Richy Gein“ Maier entlang, bis man ganz oben bei der originalen Unterschrift von Alice Cooper ankommt. Die hat sich der Vollblut-Fan 2015 in der Wiener Arena geholt und gleich mit Tinte und Nadel verewigen lassen. Damals hat seine Band, die Bloodsucking Zombies From Outer Space, das erste von bislang drei Mal als Support seines großen Idols auf die Bühne gehen dürfen – die Hosen waren gestrichen voll. Dazu muss man wissen: Richy ist kein normaler 08/15-Fan, Gruselpapst Cooper ist seine Religion und – neben seiner ausufernden Leidenschaft für Horror und Gemetzel – schlussendlich eben auch die Grundlage für seine eigene Band, die seit gut 20 Jahren das Psychobilly- und Horrorpunk-Genre weit über die deutschsprachigen Landesgrenzen hinaus definiert.
In seiner stattlichen 100-Quadratmeter-Wohnung sind mehrere Wandecken für Cooper-Memorabilia reserviert. Die größten Raritäten? Die Erstauflage des 1970er-Albums „Easy Action“, die er sich in Wien unterzeichnen ließ oder eine auf nur 100 Stück limitierte Picture-LP von der „The (El Paso) Show“, die er sich via ebay aus Frankreich besorgte. Platten, CDs, Figuren, Unterhosen, Eintrittskarten und das berühmte Spielgeld, das Cooper bei seinen Konzerten durch die Hallen flattern lässt, finden sich ebenso wie eine Peitsche oder ein Gehstock, den sich Maier direkt bei den Konzerten holte. So manches Kunststück hat sich der kreative Niederösterreicher auch selbst gebastelt und neben ordnerweise Zeitungs- und Magazinausschnitten aus mehreren Dekaden hat sich der Mitt-40-Jährige so manches Programmheft samt Fotos und Setlist selbst gebastelt. „Die gibt es mittlerweile kaum mehr und ich habe mir damit dauerhafte und schöne Erinnerungen beschert.“
Regale, die nicht mit Alice-Cooper-Memorabilia vollgestellt sind, sind für seine nicht minder stattliche Horrorfilm-Sammlung reserviert - und ja, selbst am Klo findet man weitaus mehr als nur Klopapier … Da liegt natürlich die Frage nah: Hat Alice Cooper in seiner Nebenrolle als Freddys Adoptivvater für ihn sogar den eher mauen sechsten Teil von „Nightmare on Elm Street“ (kommenden September im Rahmen des SLASH Filmfestivals im Kino zu sehen!) retten können? Maier lacht und zeigt, wie weit die rosarote (oder in dem Falle: blutrote) Fanbrille gehen kann: “Für mich natürlich hundertprozentig! Ich finde ihn auch nicht so schlecht, das waren halt die bitteren Neunziger mit diesen Videogame-Elementen, die heute eben altbacken wirken." Sprachs, und zeigt uns einen weiteren seiner selten Schätze: Das VHS-Tape von “Nightmare on Elm Street VI” mit 3D-Brille.
Die lebenslange Liebe zum Schockrocker begann für Maier 1989 als Zehnjähriger. Da entdeckte er beim alljährlichen Familiengroßeinkaufstag das Cover der damals brandneuen „Trash“ und war wie paralysiert. „Das war spooky. Leder, Nieten und diese böse Atmosphäre haben mich in den Bann gezogen.“ Maiers Vater war dem Prog-Rock ergeben, sein Onkel hörte alles von Bob Dylan bis Pungent Stench, aber mit Cooper ließ sich sogar die liberale Familie schockieren. Im beschaulichen Grünbach am Schneeberg war Maier mit seinem Faible für Horrorfilme, Metal und seinen Ohrringen Außenseiter. „Da war man das Mädel oder der Schwule“, erinnert er sich zurück, „vor allem, als es beim Kirtag zwei Cooper-Patches gab, die ich fortan mit Stolz trug.“ 1997 findet sein erstes Live-Konzert in der Wiener Neustädter Arena Nova statt – freudige Heulkrämpfe inklusive. Über ein Dutzend weitere sollen folgen. Mehrmals Wien, Burg Clam, aber auch Prag oder Brünn. An einen Fanclub hat er aber nie gedacht. „Alice war mein Künstler“, lacht er, „den wollte ich immer für mich alleine haben.“
Die Magie von Alice Cooper liegt für Maier in seiner Vielseitigkeit. „Er hat so viele unterschiedliche Phasen. Die Hard-Rock-Phase, die wilde Metal-Phase, dazwischen hatte er auch eine New-Wave-Phase. Die visuellen Splatter-Horror-Shows, durch die ich ihn kennenlernte, hat er erst in den 80er-Jahren etabliert. In den 70ern hat er auch schockiert, aber das hatte was Vaudeville-mäßiges. Es war immer großes Theater und das hat mich fasziniert.“
Auf die Probe gestellt wurde sein Cooper-Fantum nur zweimal. Einmal, weil Alice im Spätherbst seiner Karriere extrem bibelfest geworden ist, das andere Mal, weil er in der 2014er-Doku „Super Duper Alice Cooper“ zugab, in den 80ern entgegen früheren Beteuerungen doch Koks und Speed in rauen Mengen konsumiert zu haben. „Das ist eigentlich unglaublich naiv, aber es hat mich kurzfristig erschüttert. Da hatte ich meine erste Sinnkrise“, lacht er. Doch einen echten Fan erschüttert nichts und die Liebe zu seinem Idol ist nach mehr als drei Dekaden unverändert intensiv. „Ich bin einfach froh, dass es ihn noch gibt und er immer noch auf Tour ist. Vor dem Moment seines Ablebens fürchte ich mich …“
Aber vor dem Ableben von Alice Cooper, das hoffentlich noch in weiter Ferne liegt, wird Richard “Dead Richy Gein” Maier sein Idol zumindest noch einmal in Österreich live sehen können - kommenden Sommer als Headliner beim Lovely Days oder beim Clam Rock. “Oder bei beiden”, lacht er: Immerhin ist das neue Album “The Revenge of Alice Cooper" eine kleine Sensation geworden - spielen nach vereinzelten Beiträgen auf den letzten Alben nun gleich drei Mitglieder der originalen ”Alice Cooper Band" wieder zusammen - Michael Bruce, Dennis Dunaway und Neal Smith. Zuletzt gab es diese Konstellation auf voller Albumlänge 1973, auf “Muscle of Love”!
Während wir nun die neue “Monster”-Single der Bloodsucking Zombies From Outer Space hören, laden wir Dead “Richy” Gein noch zu einem kurzen Wordrap zu Alice Cooper - inklusive Best-of-Playlist:
Hart, aber die großen Alben „School’s Out“ und „Trash“ haben auch einige schwächere Nummern.
Seine Werke mit den Hollywood Vampires finde ich eigentlich verzichtbar.
Ihn das erste Mal persönlich kennenzulernen. Er sah sich zwei Songs von uns live an und hat mich wirklich wahrgenommen.
Die originale Alice-Cooper-Band. Ansonsten Drummer Jonathan Mover, der bei der „Trash“-Welttournee hinterm Schlagzeug saß.
Meine ersten Patches – damit habe ich gleichzeitig alle Freunde verloren (lacht).
Poison
Ich war zehn Jahre alt, als ich gemeinsam mit meinem Bruder in der SCS ein Schallplattengeschäft durchstöberte. Dort entdeckten wir die neu erschienene CD “Trash”. Neugierig – fast wie bei einer Mutprobe – setzte ich die Kopfhörer zum Probehören auf. Dieser Moment hat mein Leben verändert. Wir legten unser Taschengeld zusammen, um die CD zu kaufen, wobei ziemlich schnell klar war, wer sie für sich beanspruchen würde. Das war die Initialzündung für mein Alice-Cooper-Fantum! Abgesehen von dieser persönlichen Geschichte ist “Poison” auch songwriting-technisch ein absolutes Meisterwerk – und die Vocal-Production des Refrains sucht bis heute ihresgleichen.
Dead Babies
Das nächste Album, das ich in die Finger bekam, war “Killer”. Anfangs war ich irritiert, weil es so gar nicht nach “Trash” klang. Aber mit begrenztem Taschengeld war das nun mal eine Investition für mindestens einen Monat – also hörte man die Platte so lange, bis sie einem gefiel. Und das tat sie! Bis heute zählt “Killer” zu meinen Lieblingsalben, und “Dead Babies” sticht für mich durch die gruselige Atmosphäre und die provokanten Lyrics heraus. Die sozialkritische Dimension des Songs habe ich allerdings erst einige Zeit später verstanden.
I Love the Dead
Für mich eine absolute Hymne – und der Urknall für alles, was später als Gothic oder Horrorrock bezeichnet wurde. Die dazugehörige Bühnenshow hat mich nachhaltig geprägt und wurde bis heute von niemandem in dieser Intensität übertroffen.
Roses on White Lace
80er-Heavy-Metal-Alice at its best! Mit “Raise Your Fist and Yell” – und speziell diesem Song – zeigte Alice all seinen Epigonen, wo der Hammer hängt. Sicherlich einer der härtesten Songs in seiner Diskografie.
Pain
Ein absoluter Gänsehaut-Moment. Dieser Song zeigt einmal mehr, was für ein gnadenlos guter Texter Alice ist.
Pass the Gun Around
Das “DaDa”-Album entstand während seiner “Blackout-Phase” – ein Werk, das wohl nur die Hardcore-Fans zu schätzen wissen. Ich liebe es. “Pass the Gun Around” ist für mich sowohl musikalisch als auch textlich ein Meilenstein.
Might As Well Be on Mars
Bei diesem Song waren sich damals Feuilleton, die Mukker-Fraktion und Alice-Fans sofort einig: Hier wurde ein wirklich starkes Stück Musik geschrieben.
Ballad of Dwight Fry
Ein All-Time-Favorite – und live immer ein Gänsehautmoment. Dass Alice mit diesem Song dem Schauspieler Dwight Fry, bekannt als Renfield in “Dracula”, ein Denkmal gesetzt hat, finde ich großartig und inspirierend.
Luney Tune
“I’m swimming in blood …” – jedes Mal absolute Gänsehaut! Ich liebe generell die frühen Produktionen mit Bob Ezrin, in denen er viel mit Orchesterarrangements experimentierte und den Songs einen cineastischen Anstrich gab. Großartig!
Cold Ethyl
Niemand hat das Thema Nekrophilie so charmant und zugleich catchy umgesetzt wie Alice. Und ich bin mir ziemlich sicher: Er war wieder einmal der Erste.
Steven
Für mich einer der intensivsten und zugleich verstörendsten Alice-Songs überhaupt. Eine wahre Blaupause dafür, wie sich Horror und Theatralik meisterhaft mit Rockmusik verbinden lassen.
Devil’s Food / The Black Widow
15 Songs sind ohnehin schon eine Herausforderung – deshalb habe ich hier frech zwei Stücke in den Ring geworfen. Sie gehören einfach zusammen, und allein wegen Vincent Price sind sie für mich schon Kult!
Novocaine
Ein unterschätztes Juwel aus den 2000ern. Musikalisch vielleicht ein bisschen cheesy, aber ich liebe den sarkastischen Text – und die Melodie bleibt ewig hängen.
From the Inside
Ein sehr persönlicher Song aus Alice Coopers Entziehungskur Zeit in einer Nervenheilanstalt. “Where's my make-up – where's my face” hat mir sehr oft schon aus der Seele gesprochen mit und abseits der Zombies.
Elected
Ein großartiges Stück Rockmusik – und textlich leider aktueller denn je. Wobei: Im Gegensatz zum Real-Life-Trump wirkt Alice' Politsatire fast schon lieb und naiv-harmlos.