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Musical & Show

Wie der Falke aus der Asche ...

04.10.2023 von Manuel Simbürger

Das kunterbunte Karussell der Jukebox-Musicals dreht sich munter weiter: Nach Künstlern wie Whitney Houston, Udo Jürgens, Michael Jackson, Tina Turner oder (aktuell am Broadway) Britney Spears kommt nun dem musikalischen Erbe von Hans Hölzel alias Falco die Ehre zuteil, im Musical-Gewand ein weiteres Level der Unsterblichkeit zu erringen. „Rock Me Amadeus – Das Falco Musical“ feiert ab 7. Oktober im Wiener Ronacher Uraufführung.

Hommage an Falco – und Wien

Dass die Uraufführung in Wien stattfindet, passt natürlich wie die Pomade zu Falcos stets perfekt gestylter Frisur, ist der 1998 verstorbene Popstar doch das Sinnbild des Ur-Wieners für den Rest der Welt und irgendwie auch für Österreich selbst. Keiner war und ist so sehr Superstar, so populär, so exaltiert und hatte so sehr Flair wie Hans Hölzels Bühnen-Alter Ego, das auf so faszinierend-verstörende Weise die inneren Dämonen des von Selbstzweifeln und diversen Süchten geplagten Wieners mit seinem kreativem Ausnahmetalent vereinte wie hierzulande niemand mehr nach und vor ihm. Nicht ganz verständlich eigentlich, wieso nicht das Konterfei eines Falken die heimische Landesflagge ziert. „Das Stück ist eine Hommage an den großen österreichischen Künstler, der bis heute aus der Popgeschichte nicht mehr wegzudenken ist“, so VBW-Musical-Intendant Christian Struppeck, der höchstpersönlich das Buch zum Falco-Musical schrieb. „Zudem wollen wir zur kulturellen Vielfalt der Stadt beitragen und durch den lokalen Bezug des Stücks auch ihr Kulturgut hochhalten.“ Es dürfte ab Oktober also richtig leiwand ur-wienerisch im Ronacher werden, oida.

Psychogramm mit Kult-Songs

Streng genommen ist „Rock Me Amadeus – Das Falco Musical“ nicht das erste, nun ja, Falco-Musical. In den vergangenen Jahrzehnten gab es „F@lco – A Cyber Show“ (ebenfalls im Ronacher), „Falco meets Amadeus“  sowie „Falco – Das Musical“, welches nach wie vor durch Österreich und Deutschland tourt. „Rock Me Amadeus – Das Falco Musical“ aber ist BESSER, weil viel mehr als „bloß“ ein Jukebox-Musical mit Falco’ischer Musik-Untermalung. „Es ist ein Spektakel mit Tiefgang“, verspricht Regisseur Andreas Gergen (u. a. „I am from Austria“). Das sei es auch, was das aktuelle Stück von den Vorgängern unterscheidet, betont er: „Wir haben es mit einem Psychogramm zu tun. Wir erforschen, wie Falco war und wer er war.“

Eingebettet in eine beeindruckende Bühnenshow und unterstützt durch raffinierte Choreografien, ein aufwändiges Bühnenbild und schillernde Kostüme taucht das Publikum nicht nur in das Wien der 80er- und 90er-Jahre ein, sondern auch in eine aufregende Reise durch Emotionen, Erfolge – und ja, auch Eskapaden. Denn die hintersten, dunkelsten seelischen Ecken des Musikers werden ebenfalls besucht. Zum allerersten Mal wird die gesamte Lebensgeschichte von Hans Hölzel auf die Bühne gebracht, angefangen von seinen Anfängen in Wiener Underground-Clubs bis hin zum internationalen Durchbruch, Nr. 1-Hit in den USA sowie gnadenloser innerlicher Boxkampf inklusive. Und weil Metaphern immer noch die größte Wahrheit des Lebens sind, wird Hans Hölzel/Falco in „Rock Me Amadeus – Das Falco Musical“ von zwei verschiedenen Darstellern zum Leben erweckt: Newcomer Moritz Mausser spielt Hölzel/Falco, Alex Melcher verkörpert dessen Alter Ego, also seinen provokanten inneren Dämonen. Säße Freud im Publikum, er würde am lautesten applaudieren.

Nah ...

Trotzdem, ist ja logisch, dürfen Falco-Songs nicht fehlen, im Gegenteil: Das Publikum darf sich auf die größten Hits des Falken freuen, „jedem Song kommt eine dramaturgische Funktion innerhalb der Geschichte zu, die Lieder werden mit der Handlung zu einem Theaterstück verwoben“, so Gergen. Durchaus überraschend: Es werden auch vier brandneue Stücke zu hören (und sehen) sein. Komponiert wurden diese von Ferdi und Rob Bolland, die Falco bereits mit „Amadeus“ in Weltstar-Sphären katapultierten. Die Brüder standen der Produktion zudem als kreative Berater zur Seite, genauso wie Falco-Entdecker Markus Spiegel und Musikproduzent Robert Ponger. Eng zusammengearbeitet wurde zudem mit der von Falcos Mutter Maria gegründeten „Falco Privatstiftung“. „Da ich viele Jahre lang mit Falco im Studio gearbeitet habe, kann ich mit Sicherheit sagen, dass dieses Musical seine Persönlichkeit und sein Vermächtnis widerspiegelt“, zeigt sich Rob Bolland zufrieden.

... und doch ein bisserl fern

Authentizität wird in „Rock Me Amadeus – Das Falco Musical“ also groß, aber nicht fett geschrieben. Bei der Recherche habe man „viele Geschichten gehört“ und diese „wie Puzzleteile zusammengesetzt“, erklärt Gergen, danach wurde „eine ganz eigene Interpretation“ gefunden – was schlau ist, denn Hölzel war ein einzigartiges Potpourri aus Kunst- und Menschwerk; eine strenge Interpretation würde per se an der komplexen Psyche des Falken zerschellen. Das sieht auch Hauptdarsteller Mausser so, der in „Rock Me Amadeus – Das Falco Musical“ seine erste Hauptrolle spielt: „Imitation mache ich keine, weil da kann man nur scheitern. Ich spiele mit den Eigenschaften und dem Stil, die man von Falco kennt und benutze es für meine Interpretation.“ Intensiv habe er sich im Vorfeld mit dem Sänger auseinandergesetzt, bezeichnet Falcos Songs als „provokant, rebellisch und gesellschaftskritisch“. Zig Falco-Dokumentationen (und auch den Film mit Manuel Rubey) kennt er mittlerweile, erzählt Mausser, zudem habe er sich fünf Tage lang im Zimmer eingesperrt „und mir die Dauerdröhnung Falco gegeben“. Erst durch die Arbeit am Musical hat er Falco und den Menschen dahinter so richtig kennengelernt. Ein Kunststück, das vielleicht nicht mal dem Falken selbst so richtig gelang.

Moritz Mausser im Interview

Ist der Druck groß, eine Legende wie Falco zu verkörpern?

Absolut. Der Druck ist hoch und mich wundert es, soweit ziemlich entspannt damit klar zu kommen. Ich versuche alles abseits der Bühne auszublenden, dann bin ich auch nicht abgelenkt. Mein VBW-Debüt als Kronprinz Rudolf in „Elisabeth“ nahm mir zumindest den Druck, damit mein Profi-Debüt zu haben.

Wie ist deine persönliche Beziehung zu Falco?

Ich kannte ein paar Songs von ihm und mochte seinen Stil. Seine Lieder sind provokant, rebellisch und gesellschaftskritisch.

Welcher Falco-Song liegt dir am meisten – und welcher am wenigsten?

Falcos Lieder sind meistens im sogenannten „Passagio“. Das ist die Region in der Stimme, wo der Übergang zwischen Brust und Kopfstimme liegt und diese ist tricky zu navigieren, aber das habe ich mittlerweile gut im Griff. Es war ein sehr spannender Prozess, die Songs zu erarbeiten.

Ist es genauso herausfordernd, sich Falcos blasierte Kunstsprache anzueignen?

Nein, tatsächlich macht es Spaß, damit zu spielen. Es gehört zu diesem Charakter einfach dazu. Es hat natürlich gedauert, ein Gefühl dafür zu bekommen. Eigentlich war es schwieriger, die Stimme für Hans Hölzel zu finden. Die konnte und wollte ich noch mehr an meine eigene heranbringen, weil mir das Authentische in der Sprache wichtig ist.

Wie gehst du an die Rolle heran? Möchtest du Falco imitieren oder deine eigene Version von ihm darstellen?

Imitation mache ich keine. Ich habe diese Rolle im Workshop kreiert und ganz bewusst nicht auf die Imitation gesetzt, weil da kann man nur scheitern. Ich spiele mit den Eigenschaften und dem Stil, den man von ihm kennt und benutze es für meine Interpretation.

Werden auch die dunklen Seiten von Falcos Persönlichkeit im Musical ein Thema sein?

Ja, wir werden auch zeigen, dass hinter dem glänzenden Falco ein Mensch steckt, der auch Schattenseiten in seinem Leben hatte.

Ihr werdet auch vier brandneue Songs präsentieren. Ist hier die Gefahr des Scheiterns auf unterschiedlichen Ebenen nicht sehr groß? Wieso geht man das Risiko trotzdem ein?

Die Lieder sind im Gegensatz zum restlichen Material für das Stück geschrieben, da passt es dramaturgisch schon mal super. Noch dazu sind die Lieder von originalen Falco Schreibern, Rob und Ferdi Bolland, also wenn wer weiß wie es geht, dann die beiden. No risk, no fun.

Und welche Songs von Falco werden wir nun im Musical zu hören bekommen?

Da müsst ihr euch leider noch gedulden.

„Rock Me Amadeus – Das Falco-Musical” der VBW feiert ab 7. Oktober im Ronacher Weltpremiere. Tickets gibt es bei oeticket.

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