Bild: Sony Music
Zum 40-jährigen Jubiläum der Kultscheibe „Falco 3“ stößt der Falke sogar Taylor Swift vom Chart-Thron - und seine Original-Band bringt mit Stargästen und Falco “live on screen” die Hits von anno dazumal nochmals live auf die Bühne!
Eine kleine Zeitreise: Vor 40 Jahren, 1985, schrieben Michael Jackson und Lionel Richie angesichts der Hungersnot in Äthiopien “We Are the World”, Künstlerinnen wie Tina Turner und Madonna befanden sich am Zenit ihrer Karriere und Bruce Springsteen war mit “Born in the USA” weltweit in aller Munde – ihm wird aktuell mit dem Biopic “Deliver Me From Nowhere” mit “The Bear” Jeremy Allen White in der Hauptrolle in den Kinos Tribut gezollt, sein 1982 erschienenes “Nebraska”-Album wurde neu aufgelegt.
Aber auch in Österreich passierte Großes: Opus eroberte mit “Live Is Life” den deutschsprachigen Sprachraum und im November kletterte das Album “Falco 3” in Österreich auf Platz eins der Charts – mit dabei heutige Kultsongs wie “Vienna Calling”, “Jeanny” und “Rock Me Amadeus”, das 2023 sogar die Vereinigten Bühnen Wien für ein Falco-Musical inspiriert hat. Und nun, 40 Jahre später, klettert das dritte Album des 1998 verstorbenen Falken erneut auf den ersten Platz der Ö3-Charts und verdrängt damit sogar Taylor Swifts “The Life Of A Showgirl” vom Spitzenplatz. Und Falcos Originalband feiert das Jubiläum dann ab Mitte November unter dem Titel “Falco in Concert – 40 Jahre Rock Me Amadeus” live in ganz Österreich, mit ganz speziellen Gästen und Falco höchstpersönlich, zumindest auf großer Leinwand.
Falcos drittes Album machte den Wiener Musiker zum internationalen Superstar – es fand sich auch in den britischen Charts und sogar auf Platz 3 (!) in den amerikanischen Billboard 200. Besonders eine der (neben Rainhard Fendrichs “I Am From Austria”) heimlichen Österreich-Hymnen, “Rock Me Amadeus”, bleibt einzigartig: Es ist bis heute der einzige deutschsprachige Song, der sowohl in den USA als auch in Großbritannien Platz 1 erreichte.
Vierzig Jahre später wurde nun in den Archiven gekramt und “Falco 3” erscheint als Deluxe-Version mit zahlreichen Extras neu: Klar ist das Kalkül, aber auch eine willkommene Prise Nostalgie – denn Falco funktioniert immer noch. Vielleicht, weil seine Musik – ähnlich wie beim 2014 verstorbenen Udo Jürgens, dem ebenfalls live Tribut gezollt wird – eigentlich nie wirklich weg war, das zeigte auch der gigantische Erfolg des Falco-Musicals “Rock Me Amadeus” der VBW, bei dem sich nach fast zweijähriger Spielzeit Ende Juni dieses Jahres zum letzten Mal der Vorhang hob: Über eine halbe Million Besucher*innen erinnerten sich da kollektiv an den vielleicht größten, zumindest aber einzigartigsten österreichischen Entertainer – und das liegt zuvörderst eben an den auf “Falco 3” befindlichen Stücken.
Der Vorgänger, “Junge Römer” aus dem Jahre 1984, ist objektiv gesehen eigentlich besser, knackiger. Er wurde aber damals nicht wirklich wertgeschätzt und verstanden, erst als Falco gemeinsam mit dem niederländischen Produktions-Duo der Bolland-Brüder für “Falco 3” poppiger wurde, ging der Knoten auf - wenngleich er sich selbst manchmal widerwillig zeigte. Die Festspieltournee mit dem Tanztheater Wien führte den Falken im August 1986 auch auf den Salzburger Residenzplatz – und war ein Riesenerfolg, wenngleich ein veritabler Skandal: Eine in die Tanzchoreografie eingebaute Nacktszene hat den Erzbischof dermaßen verärgert, dass hierauf fünf Jahre lang keine Pop-Konzerte mehr am Residenzplatz gespielt wurden. Damals schrieb sogar das Playboy-Magazin:
Und dann diese Provokation! Diese Nackerte am Hals des Kardinals. Zu den Klängen von Tschaikowskys Pathétique. Falco ist nicht auf der Bühne, aber er hat sich das Ganze ausgedacht. Im Pausen-Break geschieht’s, während er sich umzieht. Da tritt das Tanztheater Wien mit einem Kardinal auf, der einen Priester mit einer ziemlich aufgedonnerten Olé-Schönheit traut, und dann kommt diese Nackerte (lediglich eine Seidenscherpe um die Hüften) und beginnt mit dem Monsignore einen Breakdance, und als ob das noch immer nicht genug wäre, läuft ein halbnackerter Ballerino mit einer roten Fahne über die Bühne.
Der Skandal von damals ist heute freilich schon längst gegessen: Nach einer fantastischen Saison im letzten Jahr mit unter anderem Wanda, Christina Stürmer und Paul Kalkbrenner wird am Residenzplatz auch 2026 wieder populär konzertiert, bereits angekündigt sind Pizzera & Jaus. Aber die werden wohl auch nicht nackig sein.
Der Mann, der 1985 mit “Jeanny” – einem Song über eine Vergewaltigung – die Nation spaltete, liebte Reibung, Unsauberkeit, Risiko – aber auch die Perfektion. Die Neuauflage von “Falco 3” treibt die Perfektion mit einer überaus glatten Produktion an die Spitze, wirkt überladen – lässt aber den Schweiß und das Skandal-Feeling von damals über weite Strecken missen. “Rock Me Amadeus” gibt es zudem, in unterschiedlichen Versionen, gleich zehnmal – eine Version lauter, glatter und länger als die andere. Einzig die Live-Mitschnitte zeigen den Falken zwar im Maßanzug, aber roh, exaltiert und virtuos.
Spannend ist vielleicht auch die “Tourist Version” von “Vienna Calling”, die mit Ansagen und Motorengeräuschen arbeitet – ein kleiner, aber feiner (wenngleich alter) Geniestreich. Und fein sind auch einige der Kuriositäten, etwa der “Rough Mix” von “It’s All Over Now, Baby Blue” (Bob Dylan), das Live-Duett “Flyin‘ High” mit Opus und “Without You” live von den damaligen Festwochen am Rathausplatz: Das war einer von Falcos selbst komponierten Songs, der damals fürs Album aussortiert wurde und nun endlich sein Rampenlicht erhält, den er verdient hat. Genau diese Stücke rechtfertigen die Neuauflage – nicht die zigfach aufgewärmten Singles: “Falco 3” ist auch ohne viel zu viel Ballast ein Meisterwerk.
Dieses Meisterwerk, dieses Jubiläum verpufft jedoch nicht im Radio allein: Ab Monatsmitte wird der Falke, seine Brillanz, seine Leistungen für die österreichische Musiklandschaft, die heute bis zu Bilderbuch hinein wurzeln, gebührend gefeiert. Denn mit Originalaufnahmen aus der Karriere von Falco bringt seine Band gemeinsam mit heimischen Star-Solisten den Falken nochmals auf die Bühnen Österreichs: In der originalen Band stehen neben Bandleader und Keyboarder Thomas Rabitsch (auch Drahdiwaberl, Hallucination Company) zudem Bernhard Rabitsch (Trompete und Percussion), Robert Pistracher (Bass), Peter Paul Skrepek (Gitarre; auch bei Drahdiwaberl), Peter Vieweger (Gitarre; auch bei Drahdiwaberl und den ESC-Teilnehmern von 1983, Westend) und Florian Holoubek (Schlagzeug; live auch bei Wanda) auf der Bühne.
Während Falco selbst auf einer großen, in das Bühnenbild integrierten LED-Wall scheinbar wieder auf der Bühne steht, hat Thomas Rabitsch einige handverlesene Gäste zusammengebracht, die im Duett mit Falco seine unvergesslichen Hits neu auf die Bühne bringen - darunter Ana Milva Gomes, Drew Sarich, Edita Malovcic, Georgij Makazaria (Russkaja, Gentlemen Music Club), Johannes Krisch, Roman Gregory (Alkbottle), Skero und Tini Kainrath. Sie alle erinnern gemeinsam an eine der besten Textzeilen Falcos, die sich ins kollektive Gedächtnis gebrannt hat: „Er war ein Superstar, er war so populär, er war so exaltiert, because er hatte Flair, er war ein Virtuose, war ein Rockidol, und alles rief: come on Rock Me Amadeus!“
Einige der fünf Tournee-Termine sind bereits ausverkauft, darunter natürlich das “Heimspiel” in der Raiffeisen Halle im Gasometer: Vierzig Jahre (!) vor der Nutzung als Konzerthalle waren die Gasometer übrigens stillgelegt und dienten hie und da auch als Filmkulisse – darunter für den James-Bond-Film “Der Hauch des Todes”. Aber auch Falco nahm damals in den Gasometern auf: Im Musikvideo zum zweiten Jeanny-Teil, “Coming Home” (1986), nutzte er sowohl die Innenräume der gigantischen Zylinder als auch Aufnahmen der Außenansicht.
Doch damit nicht genug: Zum Jubiläum von “Falco 3” und demnach auch “Rock Me Amadeus” gibt es vom “Falco Meets Amadeus”-Musical 2026 eine Neufassung! “Falco Meets Amadeus” erzählt ebenso bildgewaltig und exzentrisch von zwei absoluten Ausnahmeerscheinungen in der Musikgeschichte und kombiniert dabei alle großen Falco-Hits live mit der spannenden Geschichte des legendären Wieners. Die sensationelle neue Bühnenshow gewährt einen tiefen Einblick in die Gedanken- und Gefühlswelt des Künstlers und des Menschen hinter der schillernden Pop-Ikone und würdigt dabei das großartige Lebenswerk des Falken. In “Rock Me Amadeus” besingt er (gespielt von Alexander Kerbst) Mozarts Ruhm, Schulden und Frauen - Themen, die auch ihn selbst prägten: Beide waren Ausnahmekünstler, ihrer Zeit voraus, mit unverwechselbarem Stil und bewegten Lebensgeschichten zwischen Genie und Wahnsinn - zwei Ikonen, deren Vermächtnis weit über ihren frühen Tod hinausreicht.
Außerdem wird am 15. Mai im K.U.L.T. in Hof bei Salzburg nochmals Falcos legendäres und historisches Donauinsel-Konzert vor 150.000 Besucher*innen live auf die Bühne gebracht: Die F.A.L.C.O.tribute-Band kopiert (nicht nur) das damalige Konzert von 1993 originalgetreu - die pulsierenden Beats von ”Rock Me Amadeus" und der energische Rhythmus von “Der Kommissar” inklusive! Auch da ist jeder Song eine nostalgische Erinnerung.