Bild: oeticket / Stefan Kuback
Vergangenen Samstag veröffentlichten The Rolling Stones alias The Cockroaches ihre neue Single “Rough And Twisted” - allerdings vorerst nur auf streng limitiertem Vinyl. Am 10. Juli soll dann ihr vermeintlich letztes Album “Foreign Tongues” erscheinen.
Sie sind immer noch die größte lebende Rockband der Welt: The Rolling Stones. Und genau deswegen können sie sich mit ihren Fans ein paar kleine Späße erlauben: Ihr letztes Album “Hackney Diamonds” erschien im Oktober 2023, als Gäste hierauf waren unter anderem Paul McCartney, Elton John und Lady Gaga zu hören. Bereits dieses Album wurde nicht “normal” angekündigt: Ende August erschien damals in einer lokalen Londoner Zeitung eine Annonce der fiktiven Glasreparatur-Firma “Hackney Diamonds” - ein englischer Slangbegriff für zersprungenes Glas nach einem Raubüberfall. Die Annonce enthielt Anspielungen auf Stones-Klassiker wie “Shattered”, “Gimme Shelter” und “Satisfaction”, der i-Punkt des Firmenlogos war die ikonische Stones-Zunge. Wenig später ging eine Webseite online, bei der man mittels eines Nothammers Informationen zum neuen Album sichtbar machen und einen Teaser der ersten Single “Angry” hören konnte.
Ähnlich kreativ gingen die Stones nun erneut zu Werke: Bereits zu Monatsanfang beschäftigte die Musikwelt die Frage, “who the fuck are The Cockroaches?”. Plakate, die an mehreren Orten in London aufgetaucht waren, schauten nämlich mit dem Aufdruck “The Cockroaches” und einem QR-Code zwar auf den ersten Blick unscheinbar aus. Bei näherer Betrachtung, etwa durch das Scannen des Barcodes, verdichten sich jedoch die Hinweise, dass sich dahinter eine kryptische Ankündigung von The Rolling Stones verbirgt - denn schon seit den Achtzigern standen sie mehrfach als “Kakerlaken” getarnt auf der Bühne. Zudem gibt es ein altes Foto, auf dem Gitarrist Keith Richards ein T-Shirt mit der Aufschrift „Who The Fuck Is Mick Jagger?“ trägt - nicht unähnlich zu dem Cockroaches-Shirt auf der Webseite.
Aber vor einem Album gibt es immer noch eine Single: Am Samstag (11. April) erschien “Rough And Twisted” - allerdings bis dato nicht digital, sondern nur auf White-Label-Vinyl und noch dazu limitiert auf 1.000 Stück in ausgewählten Plattenläden weltweit. In Österreich gab es weniger als 10 Exemplare der Platte zu entstehen - zum Preis von 10,07 Euro, der angeblich das Erscheinungsdatum des kommenden Stones-Albums, das möglicherweise mit “Foreign Tongues” betitelt sein wird, verraten soll. Auch wenn die Single nicht unter dem Namen “The Rolling Stones”, sondern eben unter “The Cockroaches” verkauft wurde: Selbstverständlich waren alle Exemplare sofort vergriffen und werden im Internet bereits um anderthalbtausend Euro gehandelt.
Die nächste schlechte Nachricht: Angeblich soll es von der Single bis zum Erscheinen des Albums gar keine digitale Version zu hören geben! Dafür die gute Nachricht: “Rough And Twisted” mag vielleicht nicht das Potenzial haben, zu einem wahren Klassiker aus dem Spätherbst der Stones zu werden - aber dennoch hätte dieser lärmende Blues-Kracher durchaus gut auf das Meisterwerk “Exile on Main Street” gepasst! Auch wenn sich die musizierenden Herren in ihren späten Siebzigern oder frühen Achtzigern befinden, so klingt “Rough And Twisted” sehr juvenil und nach einer ordentlichen Portion Spaß im Studio - mit Ronnie Woods klagender Slide-Gitarre (mit Anklängen an George Thorogood, der einst als Kandidat für die zweite Gitarrenrolle bei den Stones galt), Keith Richards Glam-Rock-Stomp und Mick Jaggers kratziger Mundharmonika, die zum Einsatz kommt, wenn er nicht heult wie vor vier oder gar fünf Jahrzehnten!
Der Text zu “Rough And Twisted” zeichnet wenig überraschend das Bild eines Rock-Superstars in seinen Achtzigern, jedoch als naiven Unschuldigen, der von einem teuflischen Verführer auf Abwege gebracht wird - jemand, der ihm verspricht, er werde “wie Nijinsky tanzen", ein polnischstämmiger russischer Balletttänzer, von seinen Zeitgenossen hochgelobt wurde. Als vollkommen galt seine Fähigkeit, einen Sprung scheinbar in der Luft anzuhalten: Bis heute ist der Name Nijinsky daher ein Synonym für perfekte Tanzkunst. Wenn Jagger aber knurrt, dass sein Publikum nur “all diesen verrückten, komplett kaputten Scheiß” wolle, blitzt ein klein wenig politische Dimension auf - doch letztlich klingt die Single eher wie ein sexuell aufgeladenes Abenteuer, was, nun ja, bei Jagger nicht sonderlich verwundert …
“Foreign Tongues” wäre nun das 25. Studioalbum der Stones, das wie gesagt am 10. Juli erscheinen soll - und auch das letzte Album der Stones werden könnte. Ein Großteil des neuen Songmaterials entstand angeblich in denselben Sessions wie das von “Hackney Diamonds”. Produziert wurde das Album erneut von Andrew Watt, der sich zum Go-to-Produzenten für Veteranen entwickelt hat: Der 35-jährige New Yorker hatte zuletzt Alben von Iggy Pop, Ozzy Osbourne und Elton John neuen Schwung verliehen - und sitzt auch bei dem mit Spannung erwarteten Album von Beatles-Legende Paul McCartney am Regler: Dessen “The Boys of Dungeon Lane” soll bereits im Mai erscheinen.
Und wie schaut es mit einer Tournee aus? Das letzte Mal waren die Stones 2022 bei uns im Happel-Stadion zu Gast, und erst im vergangenen Dezember wurden aktuelle Tourpläne gestrichen, weil für Keith Richards das Touren zu anstrengend ist. Aber vielleicht kann er sich nun, nachdem das Album im Kasten ist und auf seine Veröffentlichung wartet, doch dazu überreden lassen?
Fix ist lediglich hingegen, dass sein Bandkollege nach Österreich kommen wird: Ronnie Wood. Bekanntlich spielt er nicht nur bei den Stones zweite Gitarre, sondern ist auch als Solokünstler aktiv. Erst vergangenes Jahr veröffentlichte er mit “Fearless” eine umfassende Sammlung aus 60 Jahren seines Musikschaffens, darunter Highlights von den Stones, aber auch den Faces, der Jeff Beck Group, The Birds, mit Rod Stewart und eben seiner Solokarriere. Mit diesem gigantischen Arsenal an Rockgeschichte wird er am 16. Juli im Vorprogramm von Van Morrison auf Burg Clam gastieren - für Stones-Fans zumindest eine kleine Entschädigung, sollten wir tatsächlich ein weiteres Jahr ohne Livekonzert von ihnen auskommen müssen: Bereits 2025 musste man “nur” mit Chris Jagger, dem Bruder von Mick Jagger, am 7. Mai in der heimeligen ((szene)) Auslangen finden …