Ziggy Stardust war vielleicht das prägnanteste, prominenteste Alter Ego von David Bowie, bürgerlich David Jones. Mit dem 1972 ins Leben gerufenen Charakter, dem Sinnbild eines sexuell promiskuitiven, von Drogenexzessen gezeichneten Rockstars, dessen Anliegen an die Menschheit – die Verkündung der Botschaft von Liebe und Frieden – letztlich an seinem ausschweifenden Lebensstil scheitert, der ihn mit den Fans entzweit und in einen persönlichen Abgrund führt, gelang ihm selbst der Durchbruch. Autobiographische Parallelen, sowie zum Archetyp des verdammten Messias sind naheliegend – und zeigten schon früh in seiner diversen Karriere sein Geschick, den Bruch zwischen Ich und Über-Ich selten glatt und komplett zu vollziehen, sondern stets als Chimäre zwischen Mensch und Chamäleon in Erscheinung zu treten.
„My death waits …“ sang er dann 1973 in seinem Konzertfilm „Ziggy Stardust and the Spiders from Mars“. Es war dies ein Neusprech von „La Mort“, das auf Jacques Brels viertem Album „La Valse à Mille Temps“ veröffentlicht wurde – ein Stück, das in seiner Übersetzung und mit Bowies markanter Stimme den Tod nicht nur von seiner verzehrenden Seite zeigte, sondern zwischen den Zeilen auch der lichten Himmelfahrt frohlockte: der Tod als
Freund Hein. Der Gevatter ist ein Wegelagerer an der Neige einer Promenade, die dereinst zwischen weiblichen Schenkeln begann – und somit schließlich nicht viel mehr als ein zwar unausweichlicher, aber doch wegweisender Schlussakkord zahlreicher schöner Atemzüge in der freien Natur auf fröhlicher Wanderschaft.