„Präzise Vernichtung und loderndes Inferno“ haben wir der bündigen „Pesta“-EP, die letzten Sommer einen Vorgeschmack auf „Mark of the Necrogram“ gab, bereits ebenso attestiert, wie auch „zwingende Kompromisslosigkeit und feurige Eiseskälte“ – und Necrophobic tun auch auf Langstrecke gut daran, diese Marschrichtung konsequent fortzuführen und nicht einen Hauch von der kühl-diabolischen Melodik abzuweichen. Ja, Szeneneulinge mögen vielleicht vermuten, Necrophobic hätten Inspiration im reichen Fundus Watains gesucht, doch wenn überhaupt, so ging es andersrum vonstatten – kein Wunder, teilten sich die Gitarristen Ramstedt und Bergebäck während ihrer Zeit bei Nifelheim mit Watain den Proberaum; Wo wir bei letztgenannten jedoch eine stets aufblitzende Schroffheit schätzen, so suhlen sich Necrophobic in der zölestischen Glanz und Glorie, die Dissection vor und neben ihnen bis zum Exzess (jedoch mit einem Mehr an Mystik) perfektioniert haben – und das, obwohl sie dereinst mit ihrem Debüt „The Nocturnal Silence“ lediglich als skandinavischer Abklatsch von Deicide verschrien waren. Doch bereits damals hätte es offensichtlich sein müssen, dass das Dunkel hier liebreizender, liebkosender mäandert, sich durch stiebenden Nebel ein gierig geifernder Erlkönig aufbäumt, der nicht nur die Unschuld eines fiebernden Kindes rauben mag. Über die Jahre hinweg hat sich dieses Bild freilich gefestigt: Gerade auch die Spätwerke wie „Hrimthursum“ und dem programmatischen „Death To All“ sprachen hierfür Bände. Doch ein neuer Zenit scheint mit dem „Necrogram“ erreicht, Argumente hierfür aufzuzählen wäre möglich, in seiner vollen Ausschöpfung jedoch müßig: Wenn Strokirk etwa in „Odium Caecum“ mit seinem ruppigen „Uh!“ den Mega Therion betört und das Pandemonium beschwört, oder im hierauf folgenden „Tsar Bomba“ bedrohlich den Titel grollt, so vermeint man dem lieblichen Splittern von Gebein zu lauschen – eingelullt von einem naturgemäß verspielt-feinfühligem Solo im letzten Drittel, das in halsbrecherischer Geschwindigkeit beinah nahtlos in den Mahlstrom „Lamashtu“ gezogen wird und später bei „Requiem For A Dying Sun“ in einer Varianz weitergesponnen wird: Dieses Geschick, halsbrecherische Spannungsbögen zu spinnen, stammt zweifelsohne aus der NWoBHM, von Vorreitern wie Iron Maiden, Diamond Head, Raven, Tygers of Pan Tang oder auch Satan, die in den Vorzeiten das Maß aller Dinge waren. Ein neuer, wenngleich dämonischerer Zenit, der Genrehistorie stellt zweifelsohne „Mark of the Necrogram“ dar: Mehr noch als auf den ohnehin starken Vorgängern sprüht hier Testosteron in Konfidenz, wird ein kriegslüsterner, militanter Rundumschlag forciert, der galoppiert wie ein gierender Deckhengst, dessen Nüstern femininen Odem erahnt haben. Und exakt jenen testosterongesteuerten Dämonen leiht Strokirk die Stimme, Friberg und Sterner die Peitsche auf der nackten Haut des jeweils anderen.