Das Festspielhaus ist ein wichtiges europäisches "Tanzhaus", weil es die so vielfältigen Facetten dieser Kunst aufgreift und programmiert und die verschiedenen Stile nicht gegeneinander ausspielt. (Martin Schläpfer)
Seit inzwischen 22 Jahren ist das Festspielhaus St. Pölten Treffpunkt für internationale Tanzkompagnien, waghalsige Akrobaten, Weltklasse-Musiker, hochkarätige Solisten, und nicht zu vergessen bietet es Kulturangebote für alle zum Mitmachen. Auch bei der heutigen Präsentation zur kommenden Spielzeit – mit nicht weniger als einer deutschsprachigen Erstaufführung, acht Österreich-Premieren und einer Koproduktion - behauptet die Spielstätte um Brigitte Fürle abermals seinen internationalen Stellenwert als Tanz- und Musikhaus.
Schwanensee muss man unbedingt live spielen. (Martin Schläpfer)
Ein Must Hear gibt das Tonkünstler-Orchester selbst mit Giuseppe Verdis Requiem, das nicht selten als seine "beste Oper" tituliert wird. Chefdirigent Yutaka Sado heißt bei diesem musikalischen Spektakel über Leben, Tod und Erlösung den Wiener Singverein am 17. Februar im Festspielhaus willkommen. Das „360-Grad-Orchester“ lädt 19/20 mit Gästen wie Andrè Schuen, Daniel Müller-Schott sowie Johannes Moser zu 12 symphonischen Abonnement-Konzerten.
Den Reigen in Sachen Unterhaltungsmusik eröffnet der britische Gitarrist, Komponist und einer der Gründerväter des Fusion-Genres John McLaughlin am 26. Oktober. Auf ihn folgen internationale Acts wie Mayra Andrade, Yaron Herman oder Canadian Brass.
Allen schrägen Vögel empfehlen wir dringlichst Vertikal von Mourad Merzouki anzusehen. In der Österreich-Premiere lässt der Choreograf seine Tänzer gegen die Schwerkraft antreten und den vertikalen Raum erobern.
Auf verstimmten Kneipenpianos und Synthesizer führen der isländische Multiinstrumentalist Ólafur Arnalds und die deutsch-japanische Pianistin Alice Sara Ott in neue Dimensionen der Klangwelt Chopins. Und geballt-musikalische Lebensfreude pur garantiert das Janoska Ensemble im Zusammenspiel mit Trompeter Thomas Gansch.
Als die künstlerische Leiterin des Festspielhauses St. Pölten, Brigitte Fürle, uns mit dem Ukulele Orchestra of Great Britain ihren Geheimtipp der kommenden Saison verriet, mussten wir ein wenig schmunzeln. Spätestens nach einem Videoausschnitt waren aber auch wir hin und weg und wollen mehr Ukulele. Baldigst!
Zum Saisonfinale wird’s mit einem riesigen Gruppentanz vorm Festspielhaus nochmals besonders heiß: 150 lokal gecastete Laientänzer (von 10 bis 75 Jahren) performen Sylvain Èmards charakteristische Liaison aus traditionellen Elementen des Line Dance und zeitgenössischem Tanz.
Zugegeben, um keine endlose Geschichte (und eine kleine Ode an dieses wunderbare Haus) zu tippen, konnten wir lediglich einen Bruchteil des abwechslungsreichen Programms vom Festspielhaus St. Pölten 19/20 erwähnen. Noch dazu haben wir ein paar wichtige Details ausgeklammert, die hier – das Gewissen macht Druck – noch angeführt seien.
Yutaka Sado bleibt bis 2025 Chefdirigent des Tonkünstler-Orchester Niederösterreichs.
19/20 ist die 23. Spielzeit des Festspielhauses St. Pölten.
Dass sich St. Pölten als Europäische Kulturhaupstadt 2024 bewirbt ist kein Witz. (Und für die Wahl-St.Pöltner unter uns: Wir wissen, die Landeshauptstadt hätt' es redlich verdient.)
Das Festspielhaus ist ein Eisbrecher für den positiven Imagewandel von St. Pölten - auch für die Bewerbung zur Europäischen Kulturhauptstadt 2024. (Brigitte Fürle)