Soll unsere Gesellschaft da wirklich hin?
Vor zwei Jahren in Wien vom Spielplan genommen und die Uraufführung schließlich Ende März in Dresden, fand die restlos ausverkaufte österreichische Erstaufführung gestern doch noch statt. Ibrahim Amir hat
Homohalal für das Werk X, beziehungsweise vor alledem
an die gegenwärtigen, politischen Gegebenheiten angepasst. "Die Situation ist heute eine andere als 2015 - 'Homohalal' lebt von der jetzigen politischen Situation. Die Politik hat sich ja in Österreich komplett verändert, und das muss man im Stück erwähnen", erläutert der Autor im Gespräch mit Ö1.
Der Künstlerische Leiter des Werk X, Ali M. Abdullah, versucht bei der aktualisierten Fassung Menschen als Gattungswesen zu betrachten, die unabhängig von ihrer Herkunft, von ihrer Kultur ähnliche Fehler begehen. Letztlich unterscheiden sich die Menschen darin nicht so stark voneinander und das soll Fragen in uns aufwerfen, wie Abdullah gegenüber Ö1 betont: "Das wär schön, wenn so eine Inszenierung dazu anregt, dass man sich fragt: Wohin könnte das führen, wie sieht die Zukunft aus und wollen wir wirklich, dass unsere Gesellschaft dorthin sollte?"
Pressestimmen
Mit einer famosen Inszenierung von Ali M. Abdullah kehrt die Komödie nun nach Wien zurück. (derStandard)
Ali M. Abdullah, Regisseur und Co-Leiter des ambitionierten Theaterhauses, macht es richtig. Er lässt die im Prinzip klassisch gebaute und ziemlich finstere Konversationskomödie des aus Syrien stammenden Autors Ibrahim Amir heftig an die Kanten des Genres schrammen, ohne dieses auszuhebeln. (Tiroler Tageszeitung)
In Wien flicht Regisseur Ali M. Abdullah nun gewandt die gegenwärtige innenpolitische Lage in eine stark bearbeitete Fassung ein. Überhaupt findet er für das Stück, das zwischen Komödie und Tragödie changiert, eine überzeugende Umsetzung. Der Coup der Inszenierung ist ein Swimmingpool in der Mitte der sonst leeren Bühne (Ausstattung Renato Uz). [...] Das Spiel unter Wasser hat was: Blitzartig können die Akteure zwischen Spaß - einander anspritzen - und Ernst - den anderen grob unter Wasser tauchen - wechseln. Auch an Land wirkt das Bühnenspiel mit verronnenem Make-up, derangierten Frisuren und tropfenden Anzügen gleich viel aufrichtiger und kraftvoller. (Wiener Zeitung)
Die Typen, die Schauspieler sind allerdings köstlich. Constanze Passin als Gutfrau Albertina ("Wer hat seinen Bausparvertrag zur Verfügung gestellt? Undankbare Brut!") erlag dem Macho-Charme Abduls (Arthur Werner), Werner spielt auch Said, den Angepassten, Stephanie K. Schreiter seine blonde Frau, Ghazala. Yodit Tarikwa gibt Barbara, die schwarze, katholische Österreicherin, die sich kurz in Said verliebte, konvertierte und Imamin wurde. (DiePresse)
Der Abend funkelt in seinen akkuraten Dialogen und performativen Wendungen. Die grandiosen Performer (Constanze Passin, Yodit Tarikwa, Daniel Wagner, Arthur Werner, Stephanie K. Schreiter, Christoph Griesser) opfern ihre Schauspielkunst nie der kabarettistischen Karikatur. (derStandard)
"Homohalal" ist ein kluges Stück. (DiePresse)