Arthur Nikisch, unter dessen Leitung 1884 in Leipzig Anton Bruckners 7. Sinfonie uraufgeführt wurde, krönte seinen unermüdlichen Einsatz für Bruckners Musik als Leipziger Gewandhauskapellmeister in der Saison 1919/20 mit der ersten zyklischen Aufführung von Bruckners Sinfonien 1 bis 9. 100 Jahre später nimmt das Internationale Brucknerfest Linz 2019 dieses Jubiläum zum Anlass, sich mit dem Motto "Bruckner und die Sinfonik" auseinanderzusetzen. Im Rahmen der Programmatik werden alle neun Bruckner-Sinfonien von 4. September (Bruckners Geburtstag) bis 11. Oktober (Bruckners Todestag) aufgeführt.
Alle guten Dinge sind neun
Bruckners Sinfonien wurzeln mit einem Bein in der Tradition, mit dem anderen betreten sie "Neue Welten". Diese Spannung zwischen alt und neu, zwischen Tradition und Innovation, gehört zum Wesen von Bruckners Sinfonik, was eine zyklische Aufführung der Sinfonien 1 bis 9 verdeutlicht.
Spannung spiegelt sich ähnlich in der Darbietung der Werke wieder: anstelle sie numerisch zu spielen, stehen die Sinfonien chronologisch nach ihrer Fertigstellung am Programm. So erklingt etwa die 2. Sinfonie nach der 5. Sinfonie, weil die gewählte Fassung von 1877 erst nach der Fertigstellung der 5. Sinfonie entstanden ist.
08/09 1. Sinfonie Linzer Fassung 1877
Bruckner Orchester Linz/ Markus Poschner
16/09 5. Sinfonie 1875/76, rev. 1877/78
Münchner Philharmoniker/ Valerij Gergiev
18/09 2. Sinfonie Fassung 1877
Orchestre des Champs-Élysées / Philippe Herreweghe
22/09 4. Sinfonie Fassung 1878/80, zusätzlich auch Finale von 1878
Staatliches Sinfonieorchester Estland /Neeme Järvi
24/09 6. Sinfonie 1879-1881
Münchner Philharmoniker / Valerij Gergiev
25/09 7. Sinfonie 1881-1883
Münchner Philharmoniker / Valerij Gergiev
26/09 8. Sinfonie Fassung 1887
Konzerthausorchester Berlin / Eliahu Inbal
28/09 3. Sinfonie Fassung 1888/89,
9. Sinfonie 1891-1894
Bruckner Orchester Linz/ Markus Poschner
Ergänzend zur Gesamtaufführung von Bruckners Sinfonien, und um das Neuartige an Bruckners sinfonischer Sprache zu verdeutlichen, stehen Sinfonien anderer Komponisten auf dem Programm. Unter anderem erklingen
Wolfgang Amadeus Mozarts Linzer-Sinfonie (Münchner Philharmoniker/ Valerij Gergiev), L
udwig van Beethovens 1. und 8. Sinfonie (Bruckner Orchester Linz/ Markus Poschner) und beispielsweise
Bläsersinfonien von Gaetano Donizetti, Charles Gounod und Joachim Raff (Calamus Consort).
Folgend dem Motto "Bruckner und die Sinfonik", wurden in den Programmen der
Klavierabende und Kammerkonzerte Werke aufgenommen, denen ein sogenannter sinfonischer Zug zu eigen ist: zum Beispiel die
Symphonischen Etüden von Robert Schumann (Aaron Pilsan), die
Fantasie C-Dur von Robert Schumann und die
Waldstein-Sonate von Beethoven (Sir András Schiff).
Kirchen + Klangwolke
Mit
Konzerten in jenen
Kirchen, die in Bruckners Leben eine wichtige Rolle einnahmen, wird das Programm abgerundet. Dazu zählen die
Stiftsbasilika St. Florian mit einem
Gedenkkonzert zu Bruckners Todestag am 11. Oktober sowie der Linzer
Mariendom. In letzerem findet am 29. September ein
Jubiläumskonzert zum 150. Jahrestag der Uraufführung von Bruckners e-moll Messe statt. Last but not least gibt es auch in dieser Festivalausgabe wieder die
Klangwolke.
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