Bild: Universal Music
Adéla – das ist der neue Popstar von nebenan: Nun geht die “slowakische Madonna” mit ihrem Debütalbum “Prima” erstmals überhaupt auf Tour durch Europa – und selbst die größten Locations scheinen für sie fast schon zu klein!
Beyoncé. Taylor Swift. Billie Eilish. Chappell Roan. Ariana Grande. Olivia Rodrigo. Sabrina Carpenter. Madison Beer. Wenn man sich heute einige der größten Namen des Pop-Zirkus zu Gemüte führt, dann fällt nicht nur auf, dass sie zuvörderst weiblich sind – sondern zudem aus Amerika kommen. Natürlich gibt es mit Dua Lipa und Charli XCX (Großbritannien), Rosalía (Spanien), Blackpink (Südkorea), Bad Bunny (Puerto Rico) und The Weeknd (Kanada) einige Ausnahmen, aber Amerika dominiert – wie dereinst die Insel, von den Beatles und den Rolling Stones über David Bowie bis hin zu Queen – heute den populären Musikmarkt.
Das kommt freilich nicht von ungefähr: Der US-Musikmarkt ist der größte der Welt, und zudem haben Hollywood und die einhergehende amerikanische Popkultur von Disney bis MTV seit Jahrzehnten ihre Popästhetik an die Spitze gepeitscht. Insbesondere Los Angeles und New York sind nicht einfach Städte, in denen Musik gemacht wird, sondern komplette Ökosysteme aus Songwriting-Camps, Produzenten, Choreografen, Tänzern, Stylisten, Labels, Managements und Medien. Demnach schielen auch alle, die nicht aus dem “Land der Träume” kommen, nach Amerika, orientieren sich zumindest an amerikanischen Trends – oder verlegen sogar ihren Lebensmittelpunkt dahin.
So auch die erst 23-jährige Adéla Jergová, die quasi ums Eck von uns geboren ist: in Bratislava. Ab ihrem dritten Lebensjahr wuchs sie, umgeben von Ballett, in Moskau auf und träumte – inspiriert von “Hannah Montana” – von einer Musikkarriere. Als Autodidaktin lernte sie Englisch durch amerikanische Fernsehserien und war schnell “amerikanisiert”: Als ihre Eltern mitbekamen, dass ihr Kind plötzlich fließend Englisch spricht, waren sie bass erstaunt. Bereits als Teenagerin tanzte sie beim Wiener Staatsballett (!) und zog später nach London und – siehe da – nach Los Angeles, um ihre Karriere voranzutreiben.
2023 nahm sie nebst 19 weiteren jungen Frauen an der Castingshow “Dream Academy” teil, wo sie nach ihrer Performance von “Pink Venom” der südkoreanischen K-Pop-Girlgroup Blackpink frühzeitig ausschied: Dabei war die Einschätzung der Juroren, dass sie ihr Talent nicht in das aus der Castingshow resultierende Kollektiv Katseye einbringen, sondern ihr massives Talent besser solo vorantreiben sollte. Eigentlich ein wahrer Ritterschlag. Dennoch: Für einen Moment war dieser Rückschlag für Adéla “das schlimmste Jahr ihres Lebens” – aber die Netflix-Dokumentarserie “Pop Star Academy: Katseye” ihr Tor zum eigenen Durchbruch.
2024 folgte ihre erste Single “Homewrecked”, gefolgt von “Superscar”. 2025 wurde Grimes – die kanadische Electro-Gigantin und Mutter der drei Musk-Sprösslinge X Æ A-12, Y und Techno Mechanicus – auf sie aufmerksam, und gemeinsam produzierten sie “MachineGirl”. Im Video der nächsten Single, “SexOnTheBeat”, hatte Christina Aguilera einen Cameo-Auftritt. Erst vergangenen August erschien Adélas erste EP “The Provocateur” – und sie spielte unter anderem im Vorprogramm von Demi Lovato im New Yorker Madison Square Garden, der Hochzeitslocation von Taylor Swift, sowie am Lollapalooza. Alles kein Lärcherl.
Bereits so früh in ihrer Karriere wird Adéla international als eine “neue Madonna” gehandelt – wegen ihrer hedonistischen Texte einerseits, ihrem rebellischen, aber auch – wie der Boulevard titeln würde – “versexten” Auftreten andererseits; wenig Kleidung, High Heels, gebleichte Augenbrauen, rosa Haare und generell viel Glamour und Bling-Bling. Adéla erfindet dabei das Rad nicht neu: Ihre Musik schlägt den Bogen von Hyperpop zu Dance und wieder zurück, und dies auf eine überaus theatralische Weise – das kommt beim jungen, teils queeren Publikum insbesondere auf TikTok natürlich saugut an.
Auch, weil Adéla in erster Linie authentisch wirkt: Ihre Songs schreibt sie tatsächlich selbst. “Ich denke viel über mein Leben und über Erfahrungen nach. Ich schreibe meine Songs wie ein Tagebuch – aber weniger ein emotionaler Ansatz, sondern ich versuche, mich dabei selbst zu hinterfragen”, verrät sie in einem Interview. Und: Sie hat die Schulbank gedrückt. “Popkultur ist für mich das, was der Zweite Weltkrieg für einen weißen Mann mittleren Alters ist”, erzählt sie dem Teen Vogue: “Ich weiß alles über diese Scheiße.” Und weiter: “Ich habe so viele ganz normale Mädchen dabei beobachtet, wie sie zu Popstars wurden, und ich habe gesehen, wie das funktioniert – von Rihanna und Beyoncé über Madonna, Miley Cyrus bis hin zu Ariana Grande”, die sie übrigens als ihren “parasozialen Polarstern” bezeichnet. Kein Wunder, dass sie somit die Klaviatur der neuen, modernen Popmusik verinnerlicht hat und aus dem Effeff beherrscht.
Dazu gehört natürlich auch eine leidige – “sickening”, wie Adéla selbst sagen würde – Diskussion, vor der auch sie nicht verschont bleibt: Mancherorts wird ihr Körpereinsatz nicht verstanden, die Grenze zwischen Empowerment und Objektivierung hinterfragt. Aber: Kontroversen waren schon immer ein gutes Marketing, und in einer Landschaft voller “Safe Pop” sorgt sie für Reibung – etwas, das aller Effekthascherei zum Trotz Sympathie erweckt. Zumal es bei Adéla nicht aufgesetzt wirkt: Sie hat sich, als Migrantin fernab von zuhause und gar über dem Ozean, selbst erfunden und gefunden und ist kein Produkt einer Label-Strategie – vielmehr lebt sie ihr eigenes Bewusstsein, versteht – und spielt – mit ihrer Bubble, ihrer Generation.
Und auch von ihrem eigentlich Wunschziel Katseye hat sie sich mittlerweile meilenweit emanzipiert: Während diese auf Sweetness setzen, prägt Adélas Musik eine “Fuck you and fuck off”-Attitüde, eine Rauflust, die vor keiner vermeintlichen – und erst recht nicht männlichen – Autorität einen beschissenen Bückaugust macht.
Am 4. September erscheint nun endlich ihr Debütalbum “Prima” – man hofft, vielleicht sogar mit Features der ehemaligen “Pop Star Academy”-Mitstreiterinnen Lara Raj und Megan Skiendiel (Katseye) sowie Emily Kelavos (Sainte Satine), die immer noch gute Freundinnen sind – und mit Adéla auch ein gemeinsames Insta mit dem Handle @s3x0mgh0t haben. Leadsingle von “Prima” ist nun nach dem viel diskutierten Banger “KGB” die Pop-Hymne “Ain’t In LA”, die von großen Träumen und ihrem nicht wirklich babyleichten Fußfassen in Amerika erzählt: Mittlerweile hat sie zumindest eine große Hürde überwunden – denn ihre ersten Shows in UK bogen sich unter einem gigantischen Ansturm, und auch für ihre ersten Konzerte in Kontinentaleuropa ist die Nachfrage enorm. Bereits bei den ersten Pre-Sales zu Wochenanfang ächzten die Server der Ticketvertriebe von Paris bis nach Berlin, und auch beim offiziellen Vorverkaufsstart am Freitag um 9 Uhr sharp (!) wird dies nicht anders ablaufen.
Ihre bisherige harte Arbeit hat sich allem Anschein nach ausgezahlt: Als erste slowakische Künstlerin überhaupt hat sie es mit “Ain’t In LA” nicht nur in die Billboard Hot 100 Charts geschafft, sondern verkauft als im Grunde Außenseiterin aus dem Stand auch die mittelgroßen Hallen hierzulande aus: Manchmal können Träume wahrlich Berge bewegen – und Adéla ist mit ihrem vertonten Spring Break das beste Beispiel hierfür.