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Amy Macdonald: "Ich liebe es zu träumen, wenn ich Songs schreibe!"

24.06.2025 von Manuel Simbürger

Der schottische Superstar Amy Macdonald im Interview über ihr neues Album, das Zeitalter des Streamings und über schottische Musik.

Ihre Songs berühren und bewegen, sie inspirieren und fesseln die Menschen – weshalb Amy Macdonald seit Jahren zu den größten und einflussreichsten Songwriterinnen aus Großbritannien zählt. Nach mehreren Nummer-1-Alben ("A Curious Thing" als auch “Life In A Beautiful Light” eroberten ebenso in Österreich die Chartsspitze), über 12 Millionen verkaufte Einheiten, ein Dutzend Platinauszeichnungen sowie Streams in Milliardenhöhe schlägt die mittlerweile 37-Jährige das nächste, lang erwartete Kapitel auf.

"Is This What You’ve Been Waiting For?"

“Is This What You’ve Been Waiting For?” lautet nicht nur der frech-herausfordernde Titel ihres sechsten Studioalbums, das am 11. Juli erscheint, sondern auch die erste Singleauskopplung daraus. Obendrein kündigte Macdonald eine große UK/Europa-Tournee an, in deren Rahmen bis Anfang 2026 neben einer XL-Stadionshow in Glasgow (OVO Hydro) auch etliche Dates im deutschsprachigen Raum stattfinden werden – unter anderem am 16. Februar im Wiener Gasometer.

Aber vorher ist da ja noch das Album. Hinter der provokanten Frage “Is This What You’ve Been Waiting For?” verbirgt sich eine umwerfende Sammlung von Songs, mit denen Macdonald eindrucksvoll unterstreicht, weshalb ihre Karriere nun bereits seit rund zwei Jahrzehnten anhält: Auch dieses Mal versteckt sich die Schottin kein bisschen, sie lässt alles raus, setzt auf die reinigende Kraft der Musik und auf vertonten Eskapismus.

Gesungen wird nur über das, was man kennt

Die Themenpalette, die sie in den neuen Songs auffächert, basiert dabei durchweg auf persönlichen Erfahrungen oder auf Beobachtungen aus ihrem unmittelbaren Umfeld: Es geht um schwierige Situationen und Struggles, um toxische Freundschaftskonstellationen, um das Gefühl, in einer Beziehung gefangen zu sein – oder auch um den Mut, bewusst mit gesellschaftlichen Erwartungshaltungen zu brechen und Konventionen erfolgreich abzuschütteln. Dabei zählen das Weitermachen, das Überleben und Vorwärtskommen im Leben zu den inhaltlichen roten Fäden, die das neue Album durchziehen.

Der explosive Titelsong sorgt bereits für Aufsehen: Über einem treibenden Beat und dramatischen Becken-Sounds präsentiert Macdonald einen euphorischen Schlachtruf – und zapft damit zugleich die elektrisierende Kraft ihrer gefeierten Liveshows an. Tatsächlich speist sich die Energie der Single aus der einzigartigen Verbindung, die Macdonald laut eigenen Aussagen fühlt, wenn sie auf einer Bühne steht.

Wir baten Amy Macdonald anlässlich des Album-Releases zum entspannten Plausch.

Worauf bezieht sich der Titel “Is This What You've Been Waiting For?” genau?

Genau genommen war die Eröffnung des The Sphere in Las Vegas in diesem Fall die entscheidende Inspirationsquelle. Ich wachte auf und sah überall diese Videoclips von der Eröffnung – und ich dachte nur: Das ist ja der Hammer! Mich hat das total umgehauen, denn es hat mich daran erinnert, was für einzigartige Erlebnisse derartige Konzertabende doch sind. Live-Musik kann durch nichts ersetzt werden. Mich hat das sehr inspiriert, und ich musste darüber nachdenken, was die Musik mir bedeutet – und die Shows waren für mich schon immer das Wichtigste überhaupt.

Andererseits hat die Streaming-Ära dazu geführt, dass permanent neue Musik produziert werden muss, andauernd, wie in einer Tretmühle. Weniger ganze Alben, sondern einzelne Songs. Dauernd wird etwas veröffentlicht, Musik ist wie noch nie so zugänglich wie heutzutage. Außerdem: Dadurch, dass man durch Social Media stärker in Kontakt mit den Fans steht, wird man dauernd gefragt, wann das neue Album, die nächste Single, die nächste Tour kommt. Die Leute erwarten immer noch mehr Songs und immer neuen Content in den Socials. Das erzeugt durchaus einen Druck auf mich als Künstlerin.

Du hast es bereits angesprochen: Einzelne Songs sind heutzutage wichtiger als Alben. Besonders wichtig scheint es zu sein, auf verschiedenen Playlists vertreten zu sein. Was denkst du darüber?

Playlists sind heutzutage tatsächlich die wichtigste Art und Weise, um deine Songs möglichst vielen Leuten vorstellen zu können. Und ich finde es sehr schade, dass gesamte Alben an Bedeutung verloren haben. Ich liebe es, von meinen Lieblingskünstlern das neue Album in Händen zu halten, es handelt sich schließlich um ein Gesamtwerk.

Als Künstlerin wiederum liebe ich es, ein Album zusammenzustellen, zu überlegen, welche Songs auf das Album kommen. Ich werde nie eine Künstlerin sein, der es nur um die einzelnen Songs geht. Für mich liegt die künstlerische Magie in einem Album. Ich hoffe, dass das Musikalbum nie verschwinden wird. Es gibt aber, denke ich, nach wie vor viele Künstler, denen ein Album wichtig ist.

Und wie sieht es mit den Charts aus? Sind diese heutzutage überhaupt noch von Bedeutung?

Charts scheinen keine große Bedeutung mehr zu haben, besonders Single-Charts. Das finde ich irgendwie schade, denn früher war man immer ganz aufgeregt, wo man in den Charts landen wird. Das vermisse ich. Aber auch hier geht es wieder darum: Musik ist überall zugänglich. Jeder kann diese Art von Musik hören, die er will – und zwar wie, wann und wo er will. Da rückt die Frage, was gerade oft im Radio gespielt wird, sehr in den Hintergrund.

Trotzdem: Wenn das eigene Album in den Charts erfolgreich ist, fühlt sich das immer noch toll an. Einfach, weil man das Gefühl hat, dass das Projekt, an dem man so lange gearbeitet hat, geschätzt wird und Menschen Freude daran haben.

Kommen wir zurück zu deinem neuen Album. Wie unterscheidet es sich für dich persönlich von deinen bisherigen Werken – musikalisch oder auch emotional?

Ich denke, es hört sich irgendwie größer und mutiger an. Ich renne aber nie Modeerscheinungen nach oder denke mir im vorhinein: Ich möchte anders klingen als zuvor. Ich schreibe einfach Songs über Themen, die mir etwas bedeuten. Ich möchte, dass die Songs für sich selbst sprechen, sich selbst führen. Es gibt keinen Vorab-Plan. Wir gehen einfach ins Studio und arbeiten drauflos.

Ich bin stolz auf mein neues Album, ich finde, es ist toll geworden. Sehr abwechslungsreich. Es gibt Up-Tempo-Songs, es gibt langsamere Songs. Jeder Song hat eine Bedeutung, eine Tiefe. Es gibt für jeden etwas und jeder wird einen Song finden, mit dem er sich identifizieren kann.

Wie üblich ist das Album von Themen geprägt, die dich persönlich berühren. Du singst über persönliche Erlebnisse oder Beobachtungen aus deinem unmittelbaren Umfeld. Welche Themen werden auf deinem neuen Album behandelt?

Ich sehe ein Album als eine Sammlung von Kurzgeschichten. Die Songs sind die Kurzgeschichten. Diese können wirklich von sehr vielen Dingen inspiriert sein. Dinge, die mir persönlich passiert sind, oder auch Dinge, die Familie oder Freunde widerfahren sind. Oder Dinge, die gerade in der Welt geschehen. Generell handelt es sich um Themen, bei denen sich viele wiedererkennen, sich identifizieren können. Wir alle haben dieselben Gefühle.

Einer meiner liebsten Albumsongs ist „Can you hear me?“. Dieser ist inspiriert von einem Auftritt, den ich auf einem Festival hatte. Bevor ich auf die Bühne ging, war ich etwas besorgt, weil das Publikum sehr, sehr jung war und ich befürchtete, dass sie die meisten meiner Songs nicht kennen würden. Als ich dann aber auf der Bühne war, hat mich die extrem positive Resonanz des Publikums weggeblasen!

Das ist natürlich wieder das Positive am Streaming: dass junge Leute es leichter gemacht wird, Musik zu entdecken. Dieses Publikum war so großartig, sie kannten alle Texte meiner Songs! Man merkte, wie glücklich sie waren, nach all dem, was sie in der Pandemie durchmachen mussten, hier zu sein. Wie sorgenlos sie in dem Moment waren. Dieses Feeling hat sich auf mich auf der Bühne übertragen, ich war sehr relaxt. Diese Erfahrung gibt mir Hoffnung in die Zukunft und in die junge Generation. Ich wollte unbedingt einen Song für sie schreiben. 

Gibt es Themen, über die du spezifisch nicht schreibst?

Ich denke nicht. Wenn mich etwas berührt und inspiriert, schreibe ich darüber. Ich denke aber, ich würde wahrscheinlich keine allzu politischen Songtexte schreiben. Meiner Meinung nach sollte Musik Eskapismus sein – etwas, das die Menschen auch wollen und brauchen. Wir werden seit Jahren ständig mit negativen News bombardiert. Für mich ist es mehr effizient, davon mal abzuschalten. Ich liebe es zu träumen, wenn ich Songs schreibe und neige dann dazu, mich dabei nicht zu sehr auf negative Dinge konzentrieren.

Du warst nie eine klassische Pop-Diva. Wie gehst du mit dem Musikgeschäft um, das oft auf Image und soziale Medien setzt? Und wie hast du gelernt, dich in einer oft oberflächlichen Branche zu behaupten?

Das stimmt, dieses Diva-mäßige hatte ich nie an mir! Das hat wohl damit zu tun, dass ich aus Glasgow komme! (lacht) Wenn ich anfangen würde, mich plötzlich wie eine Diva zu benehmen, dann würden mich Familie und Freunde sofort auf den Boden der Tatsachen zurückholen – und zwar unmissverständlich! (lacht)

Die Musikindustrie kann sehr hart sein. Schon im frühen Alter wurde ich für mein Aussehen und mein Gewicht kritisiert, aufgrund von Social Media ist das sogar noch schlimmer geworden. Manche Menschen scheinen ihre Zeit damit zu verbringen, andere runterzumachen, was nicht sehr nett ist.

Ich versuche, einfach ich selbst zu sein, so gut es geht. Ich versuche nicht, jemand anderes zu sein. Wenn mich Leute nicht mögen, dann ist das deren Verlust. Ich tue mein Bestes und denke über solche Dinge so wenig wie möglich nach.

Einer deiner Markenzeichen ist dein schottischer Akzent. Wurde dir jemals dazu geraten, diesen zu ändern?

Nein, Gott sei Dank noch nie! (lacht) Ich bekomme in ganz Europa viel Liebe für meinen schottischen Akzent, die Leute scheinen ihn zu mögen – auch, wenn sie vielleicht manchmal Probleme haben, ihn zu verstehen. Es ist außerdem sehr schön, verschiedene Dialekte in der Musik zu hören. Viele Jahre lang war die Sprache in Musik sehr amerikanisiert. Das zeigt doch, in welcher schönen Welt wir leben.

Wie sehr hat deine Heimat Schottland dich als Künstlerin geprägt?

Ich habe ehrlich gesagt nie zu sehr versucht, schottisch zu sein. Aber ich bin sehr stolz auf meine Heimat. Zu Beginn meiner Karriere habe ich mich oft als inoffizielle Vertreterin und Sprecherin von Schottland gefühlt. Viele Leute haben mir erzählt, dass sie aufgrund meiner Musik Schottland besuchten. Oder dass sie sich mehr über Schottland informiert haben wegen mir. Das ist sehr cool.

Meine Musik wird immer einen schottischen Touch haben. Darüber denke ich aber nicht nach, er ist einfach da. Mein Stolz auf meine Heimat wird in meiner Musik immer durchkommen.

Was denkst du über die aktuelle schottische Musikszene?

Derzeit scheint traditionelle schottische Musik wieder im Kommen zu sein. Das ist sehr cool. Schottland hatte nie wirklich eine eigene Musikindustrie und das ändert sich gerade. Der Support untereinander ist groß. Ich freue mich immer sehr, wenn schottische Acts erfolgreich sind. 


Live-Termine


Amy Macdonald - "Is This What You've Been Waiting For?"

16. Februar 2026 | Wien, Raiffeisen Halle im Gasometer


Infos auf dem Stand vom 24.06.2025  

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