Bild: oeticket / Stefan Kuback
Aus die Maus: Die Fantastischen Vier gehen auf Abschiedstournee, 2027 werden Michi, Thomas D, Smudo und And.Ypsilon den Stecker ziehen – und spielen im Februar ihre allerletzten Konzerte in Salzburg und Wien.
Unter dem Motto „Trink aus! Wir müssen gehen“ gehen Die Toten Hosen wieder auf eine große Tournee, die sie kommenden September auch ins Wiener Ernst-Happel-Stadion führt: Bei dem Tourneetitel ist für viele ihrer Fans natürlich die Angst groß, dass es sich im fünften Jahrzehnt (!) nach ihrer Gründung auch um die letzte Tournee der Hosen handeln könnte – auch wenn man es auf der Bühne nicht wirklich merkt, jünger werden Campino und Co. ja nicht. Allerdings hüllen sich Die Toten Hosen zu dieser Vermutung (noch) in Schweigen …
Eine andere deutsche Legende wird sich jedoch definitiv von der Bühne verabschieden: Nach dem Aus von Fettes Brot 2023 gehen nun auch Die Fantastischen Vier ab 2026 auf „Der letzte Bus“-Tour, die sie 2027 dann auch nach Österreich führen wird – ihr allerallerletzten Konzerte sind tatsächlich für Februar in Salzburg und Wien geplant.
Vor gut drei Jahrzehnten kasperlten vier Stuttgarter in bunten Klamotten durch die Charts und berappten “Die da” (freitags ist sie nie da). Deutscher Rap – das kann nur ein Joke sein, Zukunft hat das keine?! Weit gefehlt. Die Fantastische Vier gelten seit ehedem unangefochten als die Masterminds und Vordenker des deutschen Hip-Hops, heute sind sie längst eine Institution und bringen mehrere Generationen an Fans bei ihren Gigs zum Toben.
Kein Wunder, dass sie im Laufe ihrer Karriere in Österreich nicht nur die größten Hallen - zuletzt 2024 die Wiener Stadthalle - gefüllt haben, sondern auch Festivals wie das Nova Rock (2015), das Forestglade (1996, 1999 und 2010), sowie das FM4 Frequency (2004 und 2008) und das Sound & Snow (2019) zum Überkochen brachten - und nicht zuletzt sogar als eine der wenigen Pop-Bands wie auch Die Toten Hosen oder Kraftwerk sogar im ehrwürdigen Burgtheater (2008) spielen durften.
“Wann war nach dem ersten wirklich großen Hit ‘Die da’, als man den Fantastischen Vier noch keine lange Karriere zugetraut hat, der Punkt, an dem aus einem vermeintlichen One-Hit-Wonder die Speerspitze des deutschen Rap wurde?”, fragten wir Thomas D. kurz vor Corona. “Der erste Moment war für uns ‘Die vierte Dimension’, das Album nach ‘Vier gewinnt’. Als wir noch die lustigen, bunten ‘Die da’-Jungs waren, haben wir uns selbst und der Welt da draußen bewiesen, dass wir auch eine ernsthafte und ernst zu nehmende Band sind. Die Welt draußen hat es erst mit dem Nachfolger ‘Lauschgift’ mitbekommen. Auf ‘Lauschgift’ gab es den Song ‘Sie ist weg’, einen Hit, mit dem wir gleichzeitig gezeigt haben, dass die Band gewachsen ist. Erwachsen zu sagen ist gefährlich, wenn man von Leuten spricht, die hauptberuflich spielen. Mit ‘Lauschgift’ haben wir der Welt gezeigt, dass die Fantas da sind, um dazubleiben. Der Michi hat damals gesagt, dass das unser letztes Album sein wird – und das behauptete er bei jedem Album bis zum 20-jährigen Jubiläum. Dann kam bei ihm die Erkenntnis: Scheiße, das könnte für immer sein.”
Aber natürlich: Nichts währt für ewig. Seit “Lauschgift” sind nun auch schon wieder 20 Jahre (!) vergangen, Die Fantastischen Vier selbst gibt es nun schon seit gut 35 Jahren - bald 40, wenn man ihre Anfänge als Terminal Team und Die Zwielichtigen Zwei mitzählt. Und jetzt scheint also die Zeit gekommen, wo nicht SIE weg ist, sondern Fanta 4: Einmal begibt man sich noch in den Nightliner - und der “letzte Bus” fährt für Fanta 4 ab.
Was macht die Fantastischen Vier nach vier Jahrzehnten noch immer relevant als Hip-Hop-Truppe, zu der junge Künstler als Godfathers des Deutsch-Rap emporsehen? Dazu erzählt uns Thomas D.: “Relevant bleiben ist eine gute Frage. Viele Leute, die heute Hip-Hop machen, sind damals noch gar nicht geboren gewesen. So wie für uns James Brown: Seine Relevanz war weg, er hatte aber noch die alten Hits. Man vergleicht uns gerne auch mit den Rolling Stones (lacht). Die haben auch keine Relevanz mehr, wenn die eine neue Platte rausbringen, interessiert mich das nicht. Ich will ‘Satisfaction’ hören oder ‘Sympathy for the Devil’. Wir versuchen natürlich mit jeder Platte zu einer Essenz zu kommen, wir versuchen, die vergangenen zwei, drei Jahre unseres Lebens zu reflektieren. Aber das sind die Leben von Menschen, die jetzt 50 sind. Ich frage mich ernsthaft, weshalb da unten ein 14-jähriger steht und das feiert. Ich denke manchmal, die werden von ihren Eltern gezwungen, aber dafür sind es wiederum zu viele. Irgendwie schaffen wir das wohl. Das Geheimnis ist Authentizität.”
Und ja, authentisch waren Fanta 4 immer, zu jedem Zeitpunkt ihrer Karriere - auch in ihrem Spätherbst: Aber es ist auch verständlich, dass man nun einen Schlussstrich ziehen möchte - bekanntlich sollte man aufhören, bevor es peinlich wird. Vielleicht ziehen ja auch die Rolling Stones nach und gehen bald auf “Abschiedstour”? Wobei: Mit Abschiedstourneen ist es ja bekanntlich so eine Sache, wie ein Fanta 4-Fan auf Facebook schreibt:
Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei! So ein letzter Bus kann viele Runden drehen. Manchmal wird der Bus aus Nostalgie ganz schnell wieder aus der Garage geholt. Schluss ist für mich erst, wenn der Bus “verrostet ist” oder “kein TÜV” mehr bekommt.
Aber auch, wenn wir uns in absehbarer Zukunft (vielleicht) von den Hosen und (ziemlich sicher) von Fanta 4 verabschieden müssen: Glücklicherweise gibt es da noch mehr Bands, die irgendwo zwischen Rap und Punk auch die Fackel der Haltung - tanzbare Momente inklusive - hochhalten:
Apache 207 ist einer der erfolgreichsten, aber auch ehrlichsten und vermutlich auch nachdenklichsten deutschen Rapper - das bewies er erst diesen Sommer mit seinem vierten Studioalbum “21 Gramm”. Seine Stimme ist rau und kratzig, der Bass wummert, die Snares treiben - 80er-Vibes an allen Ecken und Enden, dazu gibt es Feiersongs ebenso wie verletzliche Momente. Am 7. Jänner wird er in der Wiener Stadthalle D gastieren [TICKETS].
Nicht minder erfolgreich ist auch Gzuz, Mitglied der 187 Strassenbande. Auch er hat vergangenen Sommer ein neues Album veröffentlicht, nämlich “Scherbenhaus”. Darauf beweist er, dass er nicht nur eine der besten Stimmen der deutschsprachigen Rap-Geschichte hat, sondern zeigt auch zumindest in den Untertönen, dass er mehr als nur ein schräger Typ sein kann und erwachsen wird. Am 6. Februar gastiert er in der Raiffeisen Halle im Gasometer [TICKETS].
Zugegeben, AnnenMayKantereit sind jetzt weder Punk noch Rap, aber immerhin kantiger Indie mit Haltung: Zuletzt war es ja eher still um die Jungs, aber am diesjährigen LIDO SOUNDS haben sie wieder einmal alles abgerissen und bewiesen, dass ihnen der Abstand - Severin, Christopher und Henning wandelten alle auf Solopfaden - gut tat. Aber nun sind sie wieder zurück - und bald gibt es vielleicht auch neue Musik? Am 19. und 20. September gastieren sind in der Wiener Stadthalle D und der Grazer Stadthalle [TICKETS].
“Die wollen nur spielen” rappt der ironische Bastard aus Rock und Rap namens SDP auf ihrem neuen, elften Album - und tatsächlich trifft bei SDP Spaß auf Tiefgang: Vincent und Dag, das chaotisch-charismatische Duo aus Berlin, liefert erneut eine Platte ab, die irgendwo zwischen Klamauk und kluger Gesellschaftskritik pendelt - aber immer mit einem Augenzwinkern, viel Spaß und ein bisschen Unbekümmertheit. Auf SDP freuen wir uns sowohl für das Gastein Sounds am 12. Dezember (mit Ski Aggu und Ikkimel), als auch für das FM4 Frequency (mit Kraftklub und Ski Aggu) [TICKETS].
Apropos Kraftklub: Die Chemnitzer - irgendwo zwischen Indie, Punk und Rap - versprechen nicht nur, ein Highlight kommendes Jahr am FM4 Frequency zu werden, immerhin steht ihr fünftes Album “Sternen in Karl-Marx-Stadt” bereits in den Startlöchern: Es erscheint am 28. November und die neuen Singles beweisen, dass sie dreizehn Jahre nach ihrem Debüt “Mit K” inhaltlich und musikalisch einen Full-Circle-Moment vollziehen! Noch vor dem FM4 Frequency spielen Kraftklub am 7. und 8. März in der Stadthalle Graz und der Wiener Stadthalle D [TICKETS].
Erst kürzlich gab es von 01099, Paul und Gustav gemeinsam mit CRO die ziemlich geil pumpende Single “So heiß”, und “so heiß” war es erst im September an gleich zwei (!) Abenden auch, als CRO auf seiner “Cronicles”-Tour die Wiener Stadthalle D bis zum letzten Platz füllte. Mit der Pandamaske als Markenzeichen begeistert der wandelbare Künstler seit seinem Debüt “Raop” (2012), und mit nur 25 Jahren war er 2015 der jüngste Künstler für MTV-Unplugged! CRO heizt am 13. Dezember beim Gastein Sounds ordentlich ein [TICKETS].
Der Hamburger Rap-Pionier Samy Deluxe und Mikis Takeover! Ensemble lassen die Grenzen zwischen Hip-Hop und Klassik einstürzen. Okay, die Frage liegt natürlich auf der Hand: Was haben ein klassisches, kammermusikalisches Ensemble und ein Rapper gemeinsam? Die einfache Antwort: Eine Bühne, die Liebe zur Musik und die ungelöste Frage, was eigentlich Hochkultur ist. So hat man einen der wichtigsten deutschen Rapper noch nicht gehört! “Hochkultur zwischen Hochstaplern” passiert am 15. Mai im Wiener Konzerthaus [TICKETS].
Zwölf Alben in zwölf Jahren, fast immer an der Chartspitze: Kontra K gilt zudem als einer der besten Hip-Hop-Acts Deutschlands - kein Wunder, dass er dafür sogar mit Lana Del Rey ("Summertime", 2023) zusammengearbeitet hat! Anders als viele seiner Kollegen stilisiert er sich - zuletzt auf seinem neuen Album “Augen träumen Herzen Sehen” - in seinen Texten jedoch nicht als harter Gangsta, sondern motiviert seine Fans zu Positivem. Am 17. November gastiert Kontra K auch in der Wiener Stadthalle D [TICKETS].
Seit mehr als 25 Jahren prägt Kool Savas die deutsche Hip-Hop-Szene, erst letzten Monat veröffentlichte er sein achtes Studioalbum “Lan Juks”: Das neue Werk ist eine Reise durch sein gesamtes Leben, eine Ode an sich selbst. Denn darauf rappt Savas mit - beziehungsweise gegen - sein 25-jähriges Ich, eine ziemlich geile Idee, die ihn jedoch viel Zeit, Geduld und Nerven gekostet hat. Dieses Deutschrap-Erlebnis wird am 13. Juni auch in der Eishalle Amstetten ordentlich gefeiert [TICKETS].
Die deutschen Ska- und Indie-Punker Feine Sahne Fischfilet bewiesen erst im Herbst bei einem ziemlich geilen, sommerlichen Gastspiel in der Wiener Arena mit ihrem neuen Album “Wir kommen in Frieden”, dass sie nicht nur live enorm stark sind, sondern die Mischung aus Pathos und Sozialkritik perfekt beherrschen. Und Knallen tut es bei ihnen ausreichend, auch wenn man beweist: Man kann auch poppig. “In Frieden” kommen Feine Sahne Fischfilet kommenden Sommer auch am Nova Rock, sowie bereits diesen November in Dornbirn, Linz und Graz [TICKETS].
Clueso hat nicht nur gemeinsam mit Fanta 4 auf “Zusammen” zusammengearbeitet, sondern beweist auch als Solo-Künstler, dass er auf einzigartige Weise Pop, Hip- und Singer-Songwriter-Elemente verbindet - auch zu hören auf seiner neuesten Single “lovesick”. Textlich klingt die Single zwar eher nach einem Blues, musikalisch aber nach Fernweh und Leichtigkeit, luftig und eingängig wie auch schon “Déjà vu” und “Minimum”. Mehr neue Musik von Clueso gibt es am 5. Juni in der Arena Wien, natürlich Open Air [TICKETS].
Apropos Kollaborationen: Fanta 4 waren zwar nie eine klassische Feature-Band, aber sie haben nicht nur mit Clueso gemeinsame Sache gemacht. 2007 hatten Fanta 4 auf “Einfach sein”, einem Song von ihrem siebten Album “Fornika”, niemand Geringeren als Herbert Grönemeyer zu Gast, ein augenzwinkerndes Generationentreffen zwischen Pop-Intellekt und Hip-Hop. Erstaunlich, dass Grönemeyer sogar leicht verschmitzt rappen kann - und wir freuen uns auf seine “Mittendrin Akustisch”-Tour am 19. Februar 2026 in der Wiener Stadthalle D [TICKETS]!