Bild: Christopher Glanzl
Mit Berni Wagner (Hauptpreis), Der Kuseng (Förderpreis), Antonia Stabinger (Programmpreis) und dem Kabarett Simpl (Sonderpreis) stehen die diesjährigen Preisträger*innen des Österreichischen Kabarettpreis fest. Bis die Preisverleihung am 24. November im GLOBE Wien über die Bühne geht, kann man sich auf den Kleinkunstbühnen des Landes noch selbst von den Qualitäten der Gewinner*innen überzeugen!
Kabarett und Satire sind Teil der österreichischen Identität, seit 1999 wird der “Österreichische Kabarettpreis” verliehen: Während vier Preisträger*innen bereits gekürt wurden - Berni Wagner, Der Kuseng, Antonia Stabinger mit ihrem Programm “Angenehm” und das renommierte Wiener Kabarett Simpl - stehen die Gewinner*innen von Fernseh- und Onlinepreis noch nicht fest, bis gestern konnten hier noch die Einreichungen vorgenommen werden. Der/die Sieger*in beider Kategorien wird mittels öffentlichen Votings vom Publikum gewählt: Das Voting für beide Preise findet zwischen 11. und 31. August statt.
Die offizielle Preisverleihung findet dann am 24. November im ebenfalls renommierten GLOBE statt, nach seinem Debüt 2023 wird der Abend auch hier wieder von Clemens Maria Schreiner moderiert werden - den wir aktuell mit seinem Programm “Fehlerfrei” in ganz Österreich erleben dürfen!
Aber: Wer sind denn die diesjährigen Preisträger*innen überhaupt - und warum sind sie ausgezeichnet worden?
Mit dem Hauptpreis würdigt die Jury das kontinuierliche und nachhaltige künstlerische Wirken von Kabarettist*innen, deren hervorragende Qualitäten sich im ausgezeichneten Programm widerspiegeln: Der Preis geht dieses Jahr an Berni Wagner für sein Programm “Monster”.
Fünf Soloprogramme und einige kabarettistische Kollaborationen lang (zum Beispiel das im Vorjahr vom Österreichischen Kabarettpreis ausgezeichnete “GHÖST”) bewieis Berni Wagner einen scharfen Blick auf die Ausstülpungen unserer Gesellschaft. Mit enormer Energie, starker Bühnenpräsenz und hoher Wuchteldichte arbeitete er sich an aktuellen Themen ab. Mit einer eigenen Dynamik spielte er sympathisch und dennoch eindringlich Alltagsszenen - mit einem starken Fokus auf seine persönlichen Anliegen: die Natur (immerhin ist er gelernter Biologe) und damit eng verknüpft die Nachhaltigkeit, aber auch die Nächstenliebe und das zwiespältige Verhalten als Mann.
Gerade sein Männerbild befindet sich seit seinen Anfängen - seinem ersten Soloprogramm “Schwammer” 2013 - im Wandel. heute erzählt er in “Monster” on patriarchalen Strukturen und von diffusen Ängsten toxisch genährten Monstern. Wie er mit dem Thema Männlichkeit umgeht, lässt einen schaudern, lachen und gelegentlich den Mund offenstehen. wie es sich für ein gutes Kabarett gehört!
Mit dem Förderpreis würdigt die Jury Nachwuchskünstler*innen, die mit der Premiere ihres aktuellen Programms Aufmerksamkeit erregt und Vorfreude auf zukünftige Produktionen geweckt haben: Der Preis geht dieses Jahr an Der Kuseng für sein Programm “Hoamatlond, Hoamatlond”.
“Jede Generation braucht ihren Niavarani”, sagt Der Kuseng augenzwinkernd – und spätestens seit seinem Debütprogramm “Hoamatlond, Hoamatlond” ist klar: Er ist nicht nur ein würdiger Nachfolger, sondern hat sich ein eigenständiges Bühnen-Alter Ego erschaffen. Der Kuseng unternimmt in seinem ersten Solo-Stück eine Zeitreise zurück in seine oberösterreichische Kindheit – zwischen Landgemeinde, Jugendkultur und iranischem Elternhaus. Er formt daraus eine pointierte Reflexion über gesellschaftliche Normen, Zugehörigkeit, Identität – und über all das, was uns trotz Unterschieden verbindet. Nie belehrend, stets mit wachem Blick und auf Augenhöhe mit dem Publikum.
Der Kuseng schafft Bühnenräume, in denen Herkunft, Geschlecht oder Milieu keine Trennungslinien sind, sondern Teil eines größeren Ganzen. Sein Humor baut Brücken, sein Spiel trägt Haltung – dabei ist er zugleich Schauspieler, Slam Poet, Komiker und Geschichtenerzähler, uneitel, präzise und offen. Mit feinem Gespür für Sprache, Lebenswelten und das richtige Timing verwandelt Der Kuseng persönliche Erfahrungen in universelle Erzählungen. Sein besonderer Mehrwert: Er bringt zum Lachen, ohne auszuteilen.
Mit dem Programmpreis zeichnet die Jury herausragende oder außergewöhnliche Kabarett- oder Kleinkunstprogramme oder satirisch-literarische Produktionen aus: Der Preis geht dieses Jahr an Antonia Stabinger für ihr Programm “Angenehm”.
Wenn bereits das erste Solo-Programm einer Kabarettistin mit dem Programmpreis ausgezeichnet wird, dann ist dies wohl außergewöhnlich – aber im Falle von Antonia Stabinger nicht ungerechtfertigt, titelte immerhin die Presse über ihr Programm “Angenehm”: “Mit Antonia Stabinger ist Feminismus lustvoll und lustig.” So uneingeschränkt richtig dieser Satz ist, so steht Antonia Stabinger mit all dem, was sie sich und ihrem Publikum zumutet, jedoch für weit mehr als “nur” feministische Botschaften: Als scharfsinnige Beobachterin und absurd-witzige Botschafterin gesellschaftskritischer heikler Themen ist sie eine zentrale Stimme einer österreichischen Kabarettist*innen-Generation, die zum einen einander schätzt und kooperiert, und für die zum anderen die Begriffe wie politische Unbestechlichkeit, Respekt, Gerechtigkeit und Menschlichkeit keine hohlen Schlagwörter sind, sondern ein Wertgefüge, dem man mit urkomischer Leichtigkeit ein relevantes Gewicht zu verleihen vermag.
Und so gerät ihr Debütprogramm sprachlich wie schauspielerisch brillant, das Besondere dabei: sie setzt sich gleichsam selber aus, macht sich angreifbar, indem sie gesellschaftliche und politische Fragestellungen aufgreift, die ihr persönlich nahegehen und unter den Nägeln brennen - und läuft so nicht in Gefahr eines vordergründigen, plumpen, besserwisserischen Zynismus. Dabei gerät ihr oft auch sehr polemisches “Angenehm” mal feinsinnig, mal wuchtig, mal dezent, umschreibend - in Folge direkt und auch hart – zugleich immer am Punkt, pointiert im ureigensten Sinn.
Der Sonderpreis wird an Menschen verliehen, die sich auf besondere Weise um die Satire im deutschsprachigen Raum verdient gemacht haben: Der Preis geht dieses Jahr an das Kabarett Simpl.
In Österreich und insbesondere in Wien gibt es zahlreiche berühmte und zu Recht gut frequentierte, beim Publikum beliebte Kleinkunstbühnen: Vom Rabenhof Theater bis zum Wiener Stadtsaal, vom Kabarett Niedermair (gewissermaßen dem “Geburtsort” von Josef Hader) bis hin zur Kulisse - nicht zu vergessen auch die beiden anderen “Häuser” von Simpl-Chef Michael Niavarani, das sommerliche Theater im Park und das relativ neue GLOBE in St. Marz. Doch bereits seit über einem Jahrhundert (!) prägt das Kabarett Simpl die heimische Kulturlandschaft mit seinem unverwechselbaren Mix aus politischer Satire, treffsicherem Humor und musikalischem Können. Das Ensemble versteht es heute wie damals, aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen pointiert und zugleich unterhaltsam auf die Bühne zu bringen – stets mit einem feinen Gespür für den Zeitgeist und einer beeindruckenden Wandlungsfähigkeit. Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Spaltungstendenzen erfüllt das Kabarett Simpl mit seinem Programm eine verbindende Funktion, ohne dabei belehrend zu sein.
Besonders hervorzuheben ist die kollektive Leistung des Ensembles, das mit seinem harmonischen Zusammenspiel, seiner Spielfreude und seiner Professionalität Maßstäbe setzt. In einer Zeit, in der sich die Comedy-Landschaft rasant verändert, bleibt das Kabarett Simpl ein Garant für stilvolles, intelligentes und handwerklich exzellentes Kabarett. Mit dem Sonderpreis soll nicht nur das aktuelle Ensemble gewürdigt werden, sondern auch dessen Beitrag zur Pflege und Weiterentwicklung einer lebendigen Kabarettkultur, die in Österreich fest verwurzelt ist. Das Kabarett Simpl steht beispielhaft für die Verbindung von Tradition und Innovation – und verdient damit einen Platz im Rampenlicht der Bühnenkunst.
Unser Tipp: Genießt den langsam auslaufenden Sommer und den Herbst doch mit einem der “ausgezeichneten” Kabarett-Programmen auf den Kleinkunstbühnen unseres Landes - wobei natürlich noch zahlreiche weitere Kabaretts einen Besuch wert sind! Die 13 besten Kabarett-Premieren haben wir am HEADLINER für euch zusammengestellt - vom Heidelbeerhugo bis David Scheid, von David Stockenreitner bis hin zu Hosea Ratschiller!
Und am 24. November dann auf ins GLOBE, wenn der Österreichische Kabarettpreis dann offiziell verliehen wird!