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Charlotte de Witte: "Bier, DJ und Techno" statt "Wein, Weib und Gesang"

30.06.2026 von Stefan Baumgartner

Bei Charlotte de Witte heißt es “Bier, DJ und Techno” statt „Wein, Weib und Gesang“: Ihr Techno ist nämlich so heiß, dass gerade erst bei ihrem Auftritt in Las Vegas die Bühne zu brennen begann. Das Beatpatrol ist gerüstet.

Ihre ersten Mixtapes hat Charlotte de Witte schon im Teenager-Alter für ihren Schulweg zusammengestellt. Mit 16 ging sie im heimatlichen Gent erstmals in Clubs, besorgte sich eigene Plattendecks und beschloss, es selbst mit dem Auflegen zu versuchen.

Anfangs lernte man sie da noch als Raving George kennen, bis 2015 legte sie nämlich unter männlichem Pseudonym auf – einerseits, um in der Männerdomäne Fuß zu fassen, andererseits, um nicht auf ihr Frausein reduziert zu werden. Übrigens: Im Artikel werden wir auf die “weibliche Form für DJ mit fünf Buchstaben” – DJane – verzichten. Viele Künstlerinnen fühlen sich hierbei nicht ernst genommen und/oder auf ihren tanzenden Körper reduziert.

Mit dem Namenswechsel zu Charlotte de Witte änderte sich auch ihr Sound, wurde härter, bissiger, fokussierter: Und mittlerweile zählt die Belgierin zu den einflussreichsten DJs der Welt, hat sich mit ihrer klaren künstlerischen Vision und ihrer rohen Energie etabliert. Ihr unverwechselbarer Stil verbindet druckvolle, reduzierte Sounds mit einem steten Blick nach vorn und subtilen, genreübergreifenden Einflüssen – so auch zu hören auf ihrer aktuellsten, acid- und garage-punk-lastigen EP “Amor”, die in Zusammenarbeit mit der brasilianischen Künstlerin CERES entstand und deren portugiesische Vocals die Identität und Atmosphäre des Landes unmittelbar einfangen; Immerhin lebt Charlotte de Witte seit einigen Jahren mit ihrem Mann, dem italienischen DJ Enrico Sangiliano, samt Katzen und Hunden in der Nähe von Lissabon. 

Und dies war nicht die einzige Kollaboration dieses Jahr: Sieben Jahre ist es bereits her, dass sie und “Schranz”-Meister Chris Liebing “Liquid Slow” veröffentlichten, diesen Februar folgte mit “Symphonie des Seins” ihre hypnotischere Seite, bestach sie doch hierauf insbesondere mit der Vocal-Performance: Für die Vocals nutzte das Duo authentische, im Netz gefundene Trip-Berichte von Ayahuasca- und DMT-Erfahrungen. Mehr Acid geht echt nicht – wenngleich Charlotte de Witte maximal den (verantwortungsbewussten) Bierkonsum propagiert: Ebenfalls seit Jahresanfang ist ihr Konterfei auf den Dosen der belgischen Biermarke Jupiler zu sehen.

Doch bereits letzten November setzte sie einen Meilenstein ihrer Karriere und unterstrich eindrucksvoll ihre kreative Bandbreite: Denn da erschien ihr selbstbetiteltes Debütalbum, ein bewusstes Statement und “mehr als nur eine Sammlung von Tracks”, wie sie erzählt, “sondern eine Reflexion darüber, wer ich bin, woher ich komme und was mich antreibt: die Tanzfläche.”

Tatsächlich hört sich das Album wie eine Autobiografie einer Person an, die neben ihrem musikalischen und diversen Output in den vergangenen Jahren auch ein kreatives Ökosystem rund um ihre zwei Labels KNTXT und Époque, wobei sich letzteres der belgischen Rave- und Trance-Geschichte widmet, aufgebaut hat – Radioshow, Events inklusive. “Ich mag es pur, roh und repetitiv”, erzählt sie da etwa – und versteht Techno als etwas, die einen in Trance versetzt, anstatt die Sinne zu überreizen. Techno, das ist eine Form der Entspannung, mit einem Gefühl der Dunkelheit und Melancholie – und demnach weit mehr als nur ein euphorisches Tanzen im Glücksrausch.

“Dieses Album ist wie ein ehrlicher Blick in den Spiegel: Auf das, wie sich meine Soundidentität in den letzten 15 Jahren entwickelt hat. Es ist eine Definition dessen, wer ich bin, was ich bin und wo ich heute stehe. Ich bin als Künstlerin enorm gewachsen, und auch Techno hat sich als Genre stark verändert. Die Platte ist eine Art Hommage an die Clubmusik und an all die Clubs, die mein Leben verändert haben. Auf diesem Album möchte ich meine Wurzeln aufzeigen und versuchen, diese Clubessenz einem größeren Publikum näherzubringen.” Und tatsächlich hat sich in den anderthalb Jahrzehnten viel getan: Damals war die Anzahl weiblicher DJs noch überschaubar – Nina Kraviz war eine ihrer Inspirationsquellen. Mittlerweile haben sich zahlreiche Frauen auch neben de Witte etabliert, man denke etwa an Amelie Lens, Paula Temple und Deborah de Luca. Auch wenn die Misogynie in der Szene immer noch existiert: Immerhin “muss” Charlotte de Witte nicht mehr Raving George heißen.

Noch vor wenigen Jahren schrieb Charlotte de Witte Geschichte, als sie als erste Frau das Mainstage-Closing beim Tomorrowland übernahm; Heute liefen in den frühesten Morgenstunden beim Electric Daisy Carnival in Las Vegas bei ihrem Set zwar nicht die Gemüter der alten, weißen Herren – dafür jedoch die Bühne heiß: Während ihrem konfrontativen Auftritt fing sie Feuer, das Set lief jedoch weiter. Zu hören waren unter anderem eigene Tracks wie “No Division”, “Amor”, “Overdrive” und “The Resistance” mit Theo Nasa. Dazu kamen Acid- und Trance-Kanten wie “The Techno Code” von Enrico Sangiuliano, “Pitchin' (In Every Direction)” von Hi-Gates im Shugz & Trance Wax Remix sowie “Free Tibet” von Hilight Tribe im Vini Vici Remix. Auch “Music Is The Answer” von Vini Vici, Tristan & Avalon landete im Set, das erneut dokumentierte, wie gekonnt Charlotte de Witte zwischen massivem Druck und Psytrance zu changieren versteht.

Das Beatpatrol ist auf einen der größten Rave-Momente des Jahres jedenfalls gerüstet, die Feuerlöscher stehen bereit.

Line-up Beatpatrol:
Freitag, 04. September: Charlotte de Witte, Timmy Trumpet, Miss Monique, Dimension, Hybrid Minds, FAST BOY und ¥ØUUK€ ¥UK1MATU
Samstag, 05. September: Alok (pres. Rave The World), Marlon Hoffstadt, Scooter (Live), Melanie C, Sigma und Mestiza


Live-Termine


Charlotte de Witte am Beatpatrol

04. bis 05. September 2026 | Wien, Galopprennbahn Freudenau
Charlotte de Witte spielt am ersten Festivaltag.


Infos auf dem Stand vom 30.06.2026  

Tickets Beatpatrol
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