Bild: Marshall Wieczorek
The Black Dahlia Murder kommen auf Jubiläumstour: Ihr drittes Album "Nocturnal" feiert den zwanzigsten Geburtstag - Grund genug, um im Flex die Kerzen auszupusten.
Wer jüngeren Semesters ist und heute auf die Bandbreite zwischen Motionless In White und Slaughter To Prevail steilgeht, sollte hier ein Öhrchen spitzen: Vor 20 Jahren haben nämlich The Black Dahlia Murder ihr drittes Album “Nocturnal” veröffentlicht - ein Album, dass das Quintett kommenden Jänner dann auch bei uns, im Wiener Flex, nochmals entsprechend und mit einer speziellen Setlist abfeiert - selten, dass Härte und Melodie so gekonnt Hand in Hand gingen, wie hier.
Dabei hat es noch vor vier Jahren gar nicht gut um die Band ausgeschaut: Im Mai 2022 verstarb Sänger Trevor Strnad, doch glücklicherweise gab man bekannt, die Band nicht aufzulösen. Bereits 2024 gab es mit “Servitude” das bisher aktuellste, zehnte Album der Band. Aber nun soll es vorerst einmal um einen Rückblick gehen!
Reisen wir also zurück in das Jahr 2007, als mit “Nocturnal” die vielleicht beste Fortführung dessen, was Bands wie In Flames, At The Gates, Dissection oder Carcass aufgebaut hatten, erschien: Slayer gewannen für “Final Six” einen Grammy (!), Sabaton veröffentlichten ihr drittes Album “Metalizer” und Machine Head “The Blackening”, Five Finger Death Punch debütierten mit “The Way of the Fist” und von Korn erschien ihr “Untitled”-Album.
Und The Black Dahlia Murder legten nach ihrem Einstand mit “Unhallowed” und dem Nachfolger “Miasma” noch einen drauf: Allen damaligen Besetzungsproblemen zum Trotz hat das Quintett ein Album eingeschrotet, das nicht nur auf höchstem Niveau eingespielt war, sondern einfach nur “metal as fuck” war: Die ehemaligen Metalcore-Einflüsse hat man fast ad acta gelassen, dafür dürfte man hie und da sogar zum Black Metal - etwa zu Dissection - geschielt haben. Dafür sorgten nicht nur die immer wieder im Highspeed-Bereich durch die Boxen donnernden Songs, sondern auch insbesondere Brüllwürfel Trevor Strnad: Neben Grunzorgien kreischt er sich nämlich immer wieder gern durch norwegische Dickichte, die sonst eher den nächsten Verwandten der Pandas zugestanden werden. Kein Wunder, dass da der Opener schon mit “Everything Went Black” betitelt ist.
Jedenfalls: Was die damals eigentlich noch ziemlich jungen Jungs an technischen Spielereien in ihren Wahnwitz einbauen, ist stellenweise immer noch atemberaubend.
Wenn einen das finale “Warborn” nach einer knappen halben Stunde in leichter Bolt Thrower-Manier (nur viermal so schnell) schon wieder aus der Scheibe rausprügelt, sitzt man erst mal auf seinem Arsch und fragt sich, was da gerade über einen hereingebrochen ist. Und dieses Gefühl hat sich auch nach zwei Jahrzehnten nicht abgeschwächt: Bist du gelitten, was für ein Meisterwerk, diese Scheibe!