Bild: Stefan Baumgartner
Den Viper Room im 3. Wiener Gemeindebezirk gibt es nun seit bereits fast 20 Jahren: Gefühlt Millionen Stufen führen im Durchgang neben dem von regen Besuchern liebevoll "Kebab-Ferl" genannten Istanbul Restaurant in der Landstraßer Hauptstraße 38 hinab in ein dunkelschwarzes Gewölbe, das - ebenfalls gefühlt - beinahe täglich nationalen wie internationalen Wilden, die zwischen Punk, Hard Rock und den mannigfaltigen Spielarten des Heavy Metals changieren, eine Bühne bietet. Zwischendurch gibt es auch immer wieder Party-Nächte, wie etwa die rege besuchte 80er-Zone oder (am ersten Samstag jedes Monats) das Jumpdafuckup!, bei dem nicht nur das breite Spektrum zwischen Headbangen und Tanzen abgedeckt wird, sondern in der "Extreme Metal Chill Out Zone" Gast-DJ MrGOATSI auch sämtliche Extreme auslotet (mit entsprechendem Zuspruch: hitzige Vorträge inklusive).
Wie oft bin ich schon nach wilden Stunden die Millionen Stufen wieder raufgeschlichen, geplättet nicht nur vom kathartischen Lärm, sondern auch von der Getränke-Karte - teilt das wohl kompetenteste Barpersonal ganz Wiens die Alkoholika immerhin in einem ähnlichen Tempo aus, wie wenige Meter vor der Bar die Schlagzeuger ihre Felle bearbeiten: Dabei fließt nicht nur das Bier (Kozel kleschkalt!) in Strömen, Clubchef Martin Borovnik hat den 2007 gegründeten Club auch mittlerweile zu einer kleinen Whisky-Hochburg etabliert. Seit diesem Herbst darf sich der Viper Room auch damit rühmen, gar einen eigenen Whisky feilzubieten - wahlweise glasweise vor Ort oder gern auch flaschenweise (für daheim). Im Gespräch entführt uns Martin in die kunterbunte Welt seines - neben Heavy Metal - zweiten Steckenpferdes.
Das liegt in erster Linie daran, dass Whisky mein absolutes Lieblingsgetränk ist, das ich vor circa 15 Jahren schätzen gelernt und mich seitdem intensiv damit auseinandergesetzt habe. Und schon vor Jahren hab ich damit begonnen, die Whiskyauswahl im Club breiter aufzustellen.
Diese Tastings sind für alle geeignet, auch für Einsteiger. Jedes Tasting hat ein bestimmtes Thema, wie zum Beispiel eine Reise um die Welt, wo Whiskys aus aller Welt verkostet werden. Oder spezielle Fässer, etcetera. Das nächste Tasting findet am 10. Jänner statt, hier werden wir uns dem Thema "Blends" widmen, also Whiskys, die aus verschiedenen Whiskys zusammengesetzt werden - ähnlich wie beim Wein der Cuvee.
Grundsätzlich laufen die Tastings so ab, dass wir acht Whiskys verkosten, nach vier gibt es eine kurze Pause, bei denen sich die Leute mit Snacks eine kleine Unterlage schaffen können, weil acht Whiskys ist ja nicht so ganz wenig (lacht). Zu jedem Whisky gibt es dann die Informationen und während der Verkostung kümmert sich DJ Eraserhead um die metallische Untermalung.
Ein gelungenes Tasting ist für mich, wenn man neue Highlights und Raritäten kennenlernt. Oder eine der größten Überraschungen war bei einer „Reise um die Welt“ der Ondjaba, der aus Namibia kommt und über Elefantendung gedarrt wird. Alle waren begeistert davon und er kam sofort in unser Sortiment und ist seitdem einer der beliebtesten Whiskys bei uns.
Mittlerweile haben wir eine gar nicht mehr so kleine Community, die immer wieder mal vorbeikommt, um etwas Neues kennenzulernen. Wir haben seit einiger Zeit einen Monatswhisky: Das ist ein Whisky, den ich entweder selbst aussuche, oder beraten werde, was gerade so Neues rausgekommen ist und was spannend wäre. Und dann gibt es noch das „Speeddate“: Von dem Whisky gibt es dann eine Flasche, die verkostet wird, ist die leer, kommt die Nächste. Es gibt keine Wiederholungen. Dabei handelt es sich zum Beispiel oft um Einzelflaschen, die ich auf Whiskyauktionen ersteigere.
Whisky ist jetzt nicht das große Business im Club, eher ein gemeinsames Hobby von uns allen, aber den Leuten gefällt das und ich selbst merke immer wieder, dass man auch beim Whisky nie auslernt.
Whisky hat sich in den letzten Jahren international extrem entwickelt, es entstehen überall neue Destillerien, darum machen wir auch immer die Reisen um die Welt, um auch selbst kennenzulernen, was so passiert. Das ist auch einer der Vorteile eines Tastings: Niemand muss sich extra eine Flasche kaufen, sondern wir verkosten gemeinsam acht Flaschen.
Ich persönlich bin klar in Schottland daheim, mit den meist dreifach destillierten Iren kann ich persönlich weniger anfangen, wobei ich da weit davon entfernt bin, alle zu kennen.
Einige japanische Whiskys sind richtig gut, aber auch Indien ist gut vertreten und speziell der Kavalan aus Taiwan ist teilweise großartig. Aber auch Schweden, Israel, Deutschland, Österreich, Italien, Australien und viele andere sind mittlerweile sehr aktiv, mal besser, mal schlechter (lacht).
Nicht wirklich auf unserer Liste sind Bourbons, vielleicht probieren wir da mal ein Tasting, aber wenn, dann nur mit jemandem, der davon auch ein wenig Ahnung hat, dazu zähl ich mich nicht ...
Ich kann mich nicht mehr explizit an den ersten Whisky erinnern, aber ich denke, das war ein Glenmorangie, den ich beim Billardspielen gewonnen habe. Wirklich Eindruck hat allerdings erst das erste Tasting im Schwarzen Raben hinterlassen, durch das ich dann richtig in das Thema reingekippt bin, weil das auch wirklich interessant und lehrreich war.
Ich denke, dass es Whisky wurde, hat sich rein zufällig ergeben, er schmeckt mir einfach am Besten. Aber es gibt natürlich auch spannende andere Themen wie Rum oder Gin - wir haben ja auch Gin Tastings im Club. Aber man darf nicht vergessen, dass es sich bei aller Leidenschaft natürlich um starke alkoholische Getränke handelt, sodass die Spezialisierung auf die eine Spirituose, die man am meisten mag, sicher recht sinnvoll ist.
Eine große Faszination machen aber zum Beispiel die unterschiedlichen Lagerungen aus, hier gibt es eine Unmenge an verschiedenen Fässern, in denen der Whisky gelagert wird und die, je nachdem, was davor drin war, sowohl Geschmack, als auch Farbe an den Whisky abgibt. Whiskys werden in Fässern gelagert, in denen vorher zum Beispiel Rotwein, Weißwein, Sherry, Cognac, Rum oder was auch immer gelagert war. So kommen mit unterschiedlichen Whiskys und unterschiedlichen Fässern die unglaublichsten Geschmäcker zustande.
Jeden Whisky einer Destillerie nicht, aber es gibt durchaus bevorzugte Destillerien. So bin ich derzeit stark auf Octomore gekommen, der rauchigste Whisky den es gibt und der von Bruichladdich produziert wird. Den habe ich vor Jahren, wo ich noch nicht so im Thema war, probiert und was soll ich sagen: Ich hab ihn verschenkt, weil ich ihn nicht trinken konnte, ich hatte das Gefühl, ich habe einen Aschenbecher abgeleckt (lacht). Aber das hat sich dann über die Jahre stark verändert.
Andere Lieblingsdestillerien sind Arran und Glenallachie, die beide viele verschiedene spannende Fässer abfüllen. Und natürlich viele Islay-Destillerien, da von dort die rauchigeren Whiskys kommen, wie eben Caol Ila oder auch Ardbeg, Lagavulin, Kilchoman, Laphroaig, oder die neueste Destillerie im Bunde, Ardnahoe.
Bei Whiskys ist es in erster Linie spannend, was man rausschmeckt. Wir machen uns oft den Spaß und vergleichen das, was Andere über einen Whisky schreiben, da sind schon spezielle Geschichten dabei (lacht). Wirklich interessante Geschichten gibt es aber von den Destillerien selbst, die haben teilweise 200 Jahre Geschichte hinter sich, da ist oft vieles passiert! Oder ein japanischer Whisky, der monatelang auf einem Schiff rumgefahren wird, um schließlich in Schottland abgefüllt zu werden. Zuletzt hab ich ein Buch geschenkt bekommen über einen, der in Japan die ganzen Destillerien besucht hat und über ihre Entwicklung schreibt. Auch über das große Sterben der Destillerien Anfang der Neunziger in Japan. Da gibt es vieles zu lesen und zu erfahren!
(lacht) Auf die Idee, einzelne Whiskys Bands zuzuordnen bin ich bisweilen noch gar nicht gekommen. Ich denke, es ist auch recht egal, Hauptsache, die Band ist gut und der Whisky schmeckt. Enttäuschend ist dann eher, wenn man in Konzertlocations nur Four Roses bekommt, wo man sofort weiß, heute gibt es keinen Whisky zum Konzert, nichtmal mit Cola (lacht). Oder man bekommt gleich gar keinen Whisky. Zu einem perfekten Metalkonzert gehört für mich eindeutig ein guter Whisky. Darum freu ich mich auch, dass es seit einiger Zeit am Brutal Assault die Whiskybar gibt.
Ich hab selbst schon so manchen gekostet, es war aber noch keiner dabei, wo ich gesagt hätte, wow, den muss ich wieder trinken. Speziell der Blackened ist ja ein Bourbon Blend und somit schon nicht ganz mein Fall, einen Motörhead Whisky aus Schweden von der Mackmyra Destillerie gibt es, der ist ok. Mackmyra macht das allgemein nicht so schlecht. Und den Grave Digger von der deutschen Kilian Destillerie hatten wir bei einem Tasting dabei - der ist eh auch: okay.
Eigentlich kam es nicht mit der Destillerie zur Zusammenarbeit, mein Whiskyhandler meines Vertrauens, der Hirschenbrunner in der Neustiftgasse, hat mir die Möglichkeit eröffnet, da er einen Whiskyhändler kennt, der Fässer verkauft, die von Destillerien befüllt werden. Da hatten wir drei Fässer zur Auswahl, von denen zwei dann geschmacklich in Frage kamen - jedoch nur eines dann finanziell interessant war, das andere Fass wäre deutlich teurer gewesen. Ich wollte den Preis vom Viper Room Whisky aber unbedingt unter 100 € halten, damit wir nicht nur die ansprechen, die sich schon sehr auf Whisky spezialisiert haben, sondern auch jene, die den Whisky mal kosten wollen, oder sich eine schöne Flasche vom Viper Room daheim hinstellen wollen.
Ich habe versucht, über die Jahre ein interessantes, aber auch ausgewogenes Musik-Programm im Club zu etablieren und dennoch ein wenig anders als andere Clubs zu sein. Ich denke, wir haben uns da nicht so schlecht positioniert und ungefähr so ist auch der Whisky. Er hat ein schönes, ausgewogenes Verhältnis zwischen Rauch und Süße, was ihn wirklich angenehm zu trinken macht, aber er ist dennoch speziell.
Wie oben schon beschrieben, hatte wir jetzt nicht die ganz große Auswahl, zum Einen finanziell, zum Anderen aber auch, weil derzeit ein Fassmangel herrscht, weil die großen alles aufkaufen, wodurch der Preis für ein Fass deutlich gestiegen ist und auch noch weiter steigen wird.
Da ich selbst gern rauchigen Whisky trinke, wollte ich einen, der guten Rauch hat, aber nicht so extrem, dass so mancher damit nix anfangen kann. Die Reifung im Sherry Fass hat ihm dann richtig gut getan. Und interessant war auch die Auswahl der Prozent, verkostet haben wir ihn in Fassstärke mit 62 %, wir haben uns dann für eine Abfüllung mit 53,5 % entschieden, mit denen er eine gute Stärke hat, aber nicht ins Schnappsige abdriftet, was schonmal passieren kann, wenn ein Whisky über 60 % hat.
Nein, wir haben keine speziellen Signature Drinks dazu, weil ich der Meinung bin, pur schmeckt er immer noch am Besten. Wer einen spannenden Drink verkosten will, kann mal das Smokey Coke probieren, das wir seit circa einem halben Jahr anbieten. Das ist Whisky Cola mit einem rauchigen Islay Whisky. Das war vor einiger Zeit noch undenkbar, hat sich aber angeblich in Schottland schon etabliert und ist eine angenehme Alternative, mal nicht einen Kurzen zu trinken, aber dennoch den Rauch der Islay Whiskys im Glas zu haben.
Ich bevorzuge Nosing Gläser, in denen der Geruch nicht zu schnell entweicht. Auf keinen Fall trinke ich Scotch auf Eis, da er einfach durch die niedrigere Temperatur an Geschmack verliert. Gern kann man aber einen oder mehrere Tropfen Wasser hinzufügen. Einerseits, weil Whisky sich dann öffnet und seinen Geschmack weiterentwickelt, andererseits für manche auch, um die Prozent ein wenig zu reduzieren. Beides ganz normale Vorgänge, die nichts Böses an sich haben und speziell bei Whisky in Fassstärke bei den Tastings auch gängig ist, da werden immer extra Pipetten dafür bereit gelegt.
Sowas entwickelt sich meist zufällig, indem man jemanden trifft, der derartiges anbietet, oder jemand jemanden kennt. Aber Gläser sind nicht geplant, die Preise für Gläser sind extrem gestiegen in den letzten Jahren. Ein paar davon würde man sicher loswerden, aber ich bin nicht sicher, ob es den Aufwand wirklich wert ist.
Was hoffentlich kommen wird, ist eine neue Whisky-Edition. Da muss man abwarten, was angeboten wird, welche Möglichkeiten es gibt. Aber jetzt haben wir seit drei Monaten die erste Edition, ich freu mich extrem, dass das geklappt hat und das Ergebnis wirklich gut geworden ist, vielleicht ergibt sich in einem Jahr dann die zweite, aber wirklich geplant ist es noch nicht. Ich halte nur meine Augen offen (lacht).
Ich hab einen Grundsatz, ich spendiere Bands erst nach dem Auftritt ein Glas Whisky! Das hat jetzt aber auch nix damit zu tun, dass die Bands sonst zu besoffen wären, aber vorm Gig ist einfach meist für niemanden die Zeit, sich entspannt einen Whisky zu gönnen. Nach einem Gig, wenn dann auch alles rausgetragen ist und alle entspannt sind, ergibt es sich aber durchaus, dass wir noch plaudern und dabei ein gutes Glas Whisky gemeinsam trinken. Wenn das passiert, ist es in jedem Fall immer der krönende Abschluss.