Collage: oeticket / Eventim
Dieses Jahr bin ich erst Mitte Dezember dazu gekommen, mich um Weihnachten zu kümmern - ich hatte die Wochen davor (dem Überangebot, seit gefühlt Ende des Sommers zum Trotz) sogar erstmals vergessen, einen kleinen Lebkuchen- und Spekulatius-Vorrat für zuhause einzukaufen. Also rasch und viel zu spät rein ins Getümmel, auf die Mariahilferstraße, und rein in die Geschäfte, um anstatt des Internethandels lieber die lokale Wirtschaft zu unterstützen - besser eine kleine gute Tat als keine, "geht's der Wirtschaft gut, geht's uns allen gut".
Natürlich schoben sich die Menschen, natürlich war von weihnachtlicher Glückseligkeit wenig zu spüren - auch wenn (oder: gerade weil?) aus den Lautsprechern der Einkaufstempel besinnliche Lieder wimmerten. Beinahe wäre ich versucht gewesen, die den Körper durchfahrende Hektik mit ein, zwei Turbopunsch am nahen Christkindlmarkt zu bekämpfen, aber letztendlich sprach ich mich dann doch dagegen aus: Überzuckerter und überteuerter Billigalkohol wird nicht besser, wenn er heiß genossen wird, während von links und rechts, von vorn und hinten der personal space niedergetrampelt wird.
Also - ein kurzer Anruf an eine Freundin, der Aufruf: Backen wir doch Kekse! Gesagt, getan. Alexa (also, nicht die Freundin, sondern der virtuelle Sprachassistent von Amazon) wurde gleich verboten, stimmungsvolle Weihnachtslieder zu spielen. Stattdessen spielten Lisa (also, die Freundin) und ich musikalisches Ping-Pong mit Liedern, die uns gerade so am Herzen lagen. Wir hörten Nieve Ella, Iluka, Zaho de Sagazan oder auch Nessa Barrett. Dazu gab es Pistazien-Likör, also in etwa das beschwingte Pendant zur Dubai-Schokolade.
Dann plötzlich ein Anruf von der lieben Frau Mutter: Ihr war grad langweilig gewesen (als Pensionistin darf man dieses Luxusgefühl genießen) und sie hätte auf oeticket herumgesucht und sie würde sich zu Weihnachten Karten für Klaus Eckel auf Burg Finkenstein wünschen - es würde sogar noch Randplätze geben, das ist Papa sehr wichtig. Da hätte ich mir doch glatt zuvor einen weihnachtlichen Mahlstrom im Buchgeschäft sparen können, hätte ich das früher gewusst!
Auf der anschließenden Heimfahrt aus dem leider nicht winterlichen Schwechat zurück in die Großstadt schlich sich dann endlich so etwas wie ein Weihnachtsgefühl ein: Das lag vielleicht zum Teil am Pistazien-Likör, aber auch am Geruch der frischen Kekse im Rucksack. Nicht einmal die angeheiterten Menschenmassen am Wiener Hauptbahnhof, noch die (wetterbedingten?) Verspätungen der Wiener Linien ("Wir danken für Ihr Verständnis!") konnten da meine Laune trüben. Endlich zuhause angekommen wurden nach einem langen Tag schließlich die Füße hochgelegt, die ersten Kekse verkostet und zwecks Entspannung die deutsche Wochenzeitschrift Zeit durchgeblättert - in der Blattmitte in übergroßen Lettern:
LAST CHRISTMAS - Diesen Liedern entkommt im Advent keiner.
Wusstest du, dass George Michaels 40 Jahre alter Hit "Last Christmas" lange der erfolgreichste Dauerbrenner in den deutschsprachigen Weihnachtscharts war, dieses Jahr aber von Mariah Careys "All I Want For Christmas Is You" abgelöst wurde? Erfolgreich quälen kann man mich ja mit beiden, das ist wie eine Wahl zwischen Kohlsprossen und Karfiol als Beilage.
Wusstest du, dass "White Christmas" von Bing Crosby 50 Millionen Mal verkauft wurde, mit Versionen anderer Künstler*innen sogar 150 Millionen Mal? Die Erben des guten Herrn haben wohl ausgesorgt und brauchen sich nicht über die Rewe-Rabattmarkerl freuen.
Wusstest du, dass das längste Weihnachtslied der Welt - "Heiligobnlied" - 156 Strophen hat? Zum Glück war es damals, als mein priesterlicher Großonkel noch lebte und mit uns gemeinsam Weihnachten feierte, ihm wohl unbekannt, ansonsten hätte ich noch länger auf die Bescherung warten müssen. Da steht mir das kürzeste Weihnachtslied - "The World's Shortest Christmas Song" - mit 5 Sekunden schon deutlich besser zu Gesicht. Damit ist es aber immerhin etwa dreimal so lang wie das kürzeste je aufgenommene Musikstück, "You Suffer" von der englischen Grindcore-Band Napalm Death.
Mit all diesen elementaren Informationen, die ich vielleicht irgendwann einmal in der "Millionenshow" brauchen könnte, im Gepäck, habe ich schlussendlich dann doch eine Weihnachtsliste auf Spotify zusammengestellt - eine Liste mit einigen der Lieder, denen man im Advent tatsächlich kaum entkommt. Und zwischendrin auch ein paar Schmankerl aus Österreich, im Form von Alkbottle und Rian. Mit der Liste werde ich jetzt die letzten Arbeitstage vor Weihnachten noch meinen lieben Kolleg*innen etwas Stimmung über Hammer, Amboss und Steigpügel fegen.
Übrigens: Sollte man deine Mama (Papa, Freundin, Freund, Onkel, Tante, Oma, Opa, ...) zwar nicht unbedingt mit Klaus Eckel glücklich machen, sondern mit zum Beispiel "Holiday on Ice", den Ehrlich Brothers, maschek., Manuel Rubey & Simon Schwarz, Zucchero, Bryan Adams oder Melissa Naschenweng - auf oeticket gibt es noch bis zum 27. Dezember zahlreiche Rabatte, sodass man sich ein paar Euro für einen Glühwein (oder Pistazien-Likör) sparen kann.
Und wenn man nicht weiß, was die Mama (Papa, Freundin, Freund, Onkel, Tante, Oma, Opa, ...) glücklich macht, dann sollte man sich zwar ein kleines Eck(el) schämen, aber auch noch einen stimmungsvoll gestalteten Gutschein kaufen. So spart man sich zumindest den Stress, von Geschäft zu Geschäft zu hetzen - und hat vielleicht nach dem fordernden Jahr noch ein bisschen Energie über, die letzten Tage des Jahres nicht nur auf der Couch mit Weihnachtsfilmen von "Kevin - Allein zu Haus" bis "Terrifier 3" zu begehen, sondern auch etwas zu erleben.
In dem Sinne: Ich wünsche euch allen besinnliche letzte Meter, bevor 2025 sicherlich wieder einige Überraschungen parat hat! Kommen die Rolling Stones wirklich kommenden Sommer nach Österreich, wie es die boulevardesken Gerüchte-Spatzen bereits aufgeregt von den Dächern pfeifen? Wer feiert mit dem FM4 Frequency 25. Geburtstag? Kommt Måneskins Damiano David auch nach Österreich? Gehen System Of A Down wieder auf Tour? In einem Jahr sind wir schlauer!