Bild: Luna Rosa Ceto
Edna Million ist die außergewöhnlichste Singer/Songwriterin des Landes. Diese Auszeichnung hat sie sich mit ihrem ersten Album „The Pool“ und düster-intensiven Liedern aus dem Stand verdient. Ein Gespräch über Dunkelheit, den Wunsch nach Klarheit und ihre liebe Not mit der Gitarre.
Ich war für mein Studium ein halbes Jahr in Göteborg. Aber natürlich habe ich in der Zeit auch geschrieben.
Noch dunkler. Ich habe Familie in Schweden, die habe ich allerdings bisher immer nur im Sommer besucht. Den Winter habe ich sehr unterschätzt. Es war eigentlich durchgehend dunkel, auch wenn es hell ist, ist es dunkelgrau. Ich habe schon ziemlich gelitten darunter. Man stellt sich das gemütlich vor, und dass man eben Filme schaut. Aber es war hart.
Gar nicht so düster. Ich wollte mich nicht in diese Dunkelheit reinlehnen. Im Gegenteil: Ich musste ein bisschen gegen die Düsterkeit anschreiben.
Ich bin keine, aus der die Songs nur so rausfließen würden. Andere schreiben jede Woche einen Song, bei mir dauert es eher zwei, drei Monate. Deswegen braucht es schon länger, bis überhaupt genug da ist für ein Album. Am Debütalbum habe ich insgesamt vier oder fast fünf Jahre gearbeitet. Da gab es eben noch keine Frist. Ich funktioniere besser mit Deadlines.
Ich bin ein unglaublich großer Nino-Fan. Ich glaube, rein vom Anhören habe ich bei ihm viel über Songwriting gelernt. Aber auf Deutsch zu singen, wäre für mich unmöglich. Ich würde mich nackt fühlen.
Ich denke ja auf Deutsch. Wenn ich auf Englisch texte, gibt es einen Filter oder Übersetzungsaspekt. Den finde ich ganz angenehm, weil es dadurch durchdachter wird, was ich in einem Text ausdrücke. Ich will in meiner Musik nicht so ein Tagebuch-Gefühl haben. Auch wenn ich das zugegeben bei anderen Artists sehr gern mag. Ich habe auch keine Lust, Liebeslieder oder Break-up-Songs zu machen, obwohl ich sie gern höre. Das ist in gewisser Weise natürlich widersprüchlich.
Ja. Zumindest beim ersten Album wollte ich lieber Szenen schreiben wie für einen Film. Ich möchte auch zwischen Edna Million und mir als Privatperson trennen. Wobei der Unterschied gar nicht so groß ist. Vielleicht kann ich in ein paar Jahren ein bisschen mehr Persönliches zulassen und auch mehr Verletzlichkeit erreichen.
Man öffnet sich in dem Moment komplett und kann sich nicht hinter anderen Leuten in einer Band verstecken. Das macht aber auch den Reiz aus. Ich lerne langsam damit umzugehen, angeschaut zu werden.
Ich bin am liebsten nüchtern auf der Bühne. Diese Kontrolle brauche ich. Ich könnte mir überhaupt nicht vorstellen, vor einem Konzert auch nur irgendwas zu trinken. Aber ich verstehe, warum Leute das brauchen. Mir ist die volle Klarheit lieber. Es würde nichts Gutes dabei rauskommen, wenn ich nach zwei Bier auf die Bühne gehe.
Am Anfang war ich in Charlottenburg. Das war eh schön, aber nicht unbedingt das Berlin, das man sich vorstellt, wenn man mit 19 hinzieht. Es hatte fast schon wieder was von Wien. Nach einem Jahr bin ich dann nach Kreuzberg gezogen. Jetzt ist es richtig Berlin.
Momentan gar nicht. Aber eine Zeit lang habe ich viel bei Open Stages gesungen. Das hat mir überhaupt erst den Mut gegeben, selbst etwas zu machen. Alle Anderen hatten ihre Lieder schon auf Spotify, obwohl sie auch noch ganz am Anfang standen. Das war für mich wichtig. Ich habe gemerkt: Ich muss nicht warten, bis mich vielleicht jemand entdeckt, ich kann das selber in die Hand nehmen.
Ich möchte es auf jeden Fall intensivieren und professionalisieren. Das Studium der Historischen Linguistik mache ich rein aus Interesse. Man kann damit überhaupt nichts machen, außer weiterhin auf der Uni zu bleiben. Es ist natürlich superschwer, von der Musik zu leben. Ich habe beschlossen, es einfach einmal zu probieren. Der Beginn war gut, ich habe das Glück, dass es langsam ins Rollen gekommen ist. Jetzt schaue ich einmal, wohin es rollt. Ich bin noch jung und als Musikerin allein unterwegs, darum ist der Druck nicht so groß. Aber ich weiß natürlich nicht, wie es mit 40 sein wird.
Vielleicht an meinen Gitarrenkenntnissen. Ich habe zwar schon ein bissl Unterricht gehabt, aber ich muss mich jedes Mal wieder mit dem Instrument anfreunden. Das ist sehr viel Arbeit. Ich habe null theoretisches Wissen. Es ist bei jedem Song, den ich schreibe, wieder ein Herumirren. Andererseits ist es eine große Freiheit, nicht zu wissen, was man tut.