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Made in Austria

Wer ist Edna Million?

28.03.2024 von Stefan Baumgartner

Edna Million ist Österreicherin, 23 Jahre jung. Aktuell studiert sie Historische Linguistik in Göteborg, nebenbei laden die vielen dunklen Stunden im Norden zum Komponieren ein. Herausgekommen ist (nach einer 2022 erschienen EP) mit "The Pool" ihr Debütalbum, das zuerst einmal altersuntypisch nicht nach Taylor Swift klingt. Oder Madison Beer. Oder Billie Eilish. Außerdem ist "The Pool" ein Album, das mit dem androgynen Timbre ihrer dunklen Stimme radikal mit jedweden Gender-Erwartungen bricht und vermutlich selbst Patti Smith, immerhin die "Godmother of Punk", stolz machen würde - wäre es ihrer Feder entsprungen.

Schmäh ohne: Ja, eigentlich ist Million nebst zahlreichen anderen KünstlerInnen, die sich fernab von Girly-Girl-Ästhetik bewegen, ja von Patti Smith musikalisch sozialisiert worden, doch so fern, wie sie sich vom aktuellen Pop bewegt, wenn sie zur halbakustischen, minimalistischen Gitarrenbegleitung ihre Texte mehr rezitiert denn singt, ist sie dem Status der Schülerin bereits sprunghaft entwachsen. Ihre Stücke kommen von einem Ort des Alleinseins, da purzeln die Mollakkorde, und der lakonische Gesang zieht hinein in eine cinematografische, verstaubte, urige Atmosphäre einer düsteren Vorstands-Tschumsn, die freilich aus zigarettenrauchgeschwängerten Sepia-Tönen allein besteht. Und so fallen, desto weiter sich der geneigte Hörer den 10 Stücken des Albums hingibt, naturgemäß weitere nahliegende Bezugspunkte ein: Tom Waits und PJ Harvey. Und desto dringlicher der Sog des Albums auf eben diesen geneigten Hörer einwirkt, umso tiefer zieht es einem: Ja, das klingt schmucklos, aber kraftvoll. Das ist kein Stadion-Pop mit Konfettiregen, sondern einfach nur außergewöhnliche Musik, die durch ihr Dasein allein für eine introspektive Erweckung sorgt.

Daher die einzig logische Quintessenz: Wer Edna Million nicht bereits kennt - zum Beispiel vom Popfest Wien 2023 - lernt sie hoffentlich bald kennen, etwa morgen, wenn am 29. März ihr Album durch den Spotify-Algorithmus gejagt wird. Oder am 4. April, wenn sie ihr Album im ehrwürdigen Porgy & Bess live vorstellt, begleitet von Ernst Molden - der übrigens als Gast auf "The Pool" an der zweiten Gitarre nicht den Fehler macht, einfach "der Molden" zu sein. Sondern einen Schritt zurück tritt, sich der jungen Songwriterin unterordnet, ihr im Hintergrund allein zur Seite steht, umblättert und vielleicht gespannt räuspert, wenn sie ihre Geschichte erzählt - doch an ihrer ureigenen Ästhetik nichts rührt. Gerade ein alter Kenner wie er weiß: Edna Million ist - auch wenns platt und aufgelegt klingt - wahrlich "eine unter Millionen". Die lässt man einfach machen, und es ist vortrefflich.

Edna Million: live

Edna Million präsentiert am 4. April ihr Album im Wiener Porgy & Bess, es folgen Konzerte am 27. Juni in der Linzer Tabakfabrik, am 27. Juli am Weingut Georg Toifl in Kleinhöflein bei Retz, sowie am 29. August im Wiener Theater am Spittelberg und am 2. Oktober in der Arge Kultur Salzburg.

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