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Esther Graf: Mentale Stärke ist superwichtig

12.09.2024 von Sebastian Fasthuber

Aus Spittal an der Drau in Kärnten kommend, ist Esther Graf nun schon länger in Berlin zu Hause: Mit Features auf Songs von SDP, Sido und Finch machte sie sich einen Namen, heuer erschien ihr Debütalbum „Happy Worstday“. Mit weit mehr als 2 Millionen monatlichen HörerInnen auf Spotify ist sie die meistgestreamte österreichische Künstlerin, inzwischen erstrahlte ihr Bild auch schon am New Yorker Times Square. Ein Gespräch über riesengroße Ambitionen, Selbstkritik und ungefragtes Feedback von Männern. 

Dein Erfolg in Deutschland ist an der österreichischen Musikszene vorbei passiert. Musstest du nach Berlin gehen, um dir etwas aufzubauen?

Es ist nicht so, dass ich gesagt hätte: Berlin ist die schönste Stadt der Welt, ich möchte da unbedingt hin. Aber ich wollte mich nie auf Österreich beschränken. Und meine Musik ist wahrscheinlich etwas zu wenig österreichisch, als dass sie hier direkt Früchte getragen hätte. In Berlin habe ich gute Chancen gesehen und da waren auch Leute, die an mich geglaubt haben.

Du kommst aus Kärnten und musstest für die Musik früh mobil werden.

Genau. Ich habe schnell verstanden: Es wird sehr schwer, eine Musikkarriere aus Spittal an der Drau zu machen. Zumindest mit dem, was ich vorhabe. Ich habe geschaut, wo es die größten Möglichkeiten gibt. Über Salzburg und Wien bin ich nach Berlin gekommen. Ich kannte schon einige Leute. Auf gut Glück wäre ich nicht hingezogen.

Im Mai 2024 warst du das Gesicht der Equal-Kampagne von Spotify, die weibliche Artists in die Auslage stellt. Dein Bild prangte am New Yorker Times Square. Was war das für ein Gefühl?

Voll krass. Ich konnte für einen Moment innehalten. Ich habe es wohin geschafft, das wurde mir da klar. Man ist ja immer damit beschäftigt sich zu optimieren. Oft vergisst man, was man eigentlich schon alles geschafft hat. Ich bin ein sehr selbstkritischer Mensch. Mir fällt schwer zu sagen: Es läuft toll. Aber das war ein Moment, wo ich einfach nur Stolz und Dankbarkeit gespürt habe. Ich habe als Musikerin eine Daseinsberechtigung. Das muss ich mir selbst ab und zu sagen.

Wie funktioniert die Spotify-Kampagne?

Eine Art Gremium von Spotify selbst wählt monatlich eine Künstlerin aus. Ich habe das zuvor schon bei anderen Artists gesehen und fand es immer schon ganz toll. Es war auf meiner Bucketlist. Es ist ja nicht nur dieses Billboard am Times Square damit verbunden, sondern eine ganze Kampagne. Man wird von Spotify ein Monat lang in die Auslage gestellt, kommt in mehr Playlists und kriegt viel Support auf Social Media. Rund um die Veröffentlichung meines Albums hat es auch vom Zeitpunkt total gut gepasst.

Gingen die Streaming-Zahlen gleich in die Höhe?

Ja. Das war heftig. „Mama hat gesagt“, mein Song mit SDP und Sido, kam auch gerade raus. Die Zahlen waren crazy. Und es stehen ja echte Menschen dahinter. Ich habe mir in den letzten Jahren eine Fanbase aufgearbeitet. Auf einmal ging es darüber hinaus. Ich habe plötzlich eine ganz andere Zielgruppe erreicht.

Ist es als junge weibliche Künstlerin immer noch schwieriger in der Musikindustrie?

Ich versuche mich nicht zu sehr mit anderen Artists zu vergleichen. Da wird man nur verbittert. Jeder geht seinen Weg. Aber man muss sich als Frau schon einiges anhören. Viele Männer meinen, ihren Senf abgeben zu müssen. Das muss bei einem Ohr rein, beim anderen raus gehen. Es gibt aber auch konstruktives Feedback. Das muss man rausfiltern lernen. Bei einer Frau wird das Erscheinungsbild stärker beurteilt. Ich kenne keine Künstlerin, die nicht enorm viel in ihren Style und Social Media reinbuttern würde. Mentale Stärke ist superwichtig. Denn am Ende muss ich bei mir sein. Das Problem ist: Ich mache es gern allen recht. Aber das funktioniert nicht, sonst zerreißt es dich. Es existieren da draußen einfach auch Leute, die mich nicht gut finden. Punkt.

Du singst: „Tausend Leute, die sind deutlich talentierter – Doch da draußen will es keiner mehr als ich“. Bist du so getrieben?

Ja, ich will das unbedingt. Und ich habe immer so sehr dran geglaubt. ich komme aus einem Dorf. Da war ich als Kind eine der besseren Sängerinnen, es gab ja auch keine große Auswahl. Aber auf dem Weg wurde es anders. In Salzburg dachte ich mir: Boah, die können viel besser singen als ich. In Wien war das Niveau sowieso ein ganz anderes. Okay, ich bin nicht die virtuoseste Sängerin, aber ich habe dafür einen absoluten Ehrgeiz. Wenn ich mir was vornehme, ziehe ich das durch.

Musikalisch willst du dich nicht zwischen Pop-Punk und R’n’B entscheiden. Eine ungewöhnliche Kombi.

Als ich die ersten Pop-Punk-Songs gemacht habe, hat sich für mich eine Welt aufgetan. Für mich ist beides einfach Popmusik. Man kann aus verschiedenen Welten einen Einfluss haben.

Was schreibt sich leichter: Ein Lovesong oder ein Trennungslied?

Früher habe ich so viele Heartbreak-Songs geschrieben, dadurch fällt mir das leicht. Mein erstes Liebeslied fand ich voll cringe. Ich musste mich erst daran gewöhnen. Spannender finde ich einen Lovesong zu schaffen, der sich echt anfühlt.

Du beginnst dein Album mit einem Liebeslied auf dich selbst.

Das war gar nicht leicht zu schreiben. Wie kann ich meine Story in drei Minuten erzählen? Ich bin ja keine Rapperin. Dann hatte ich die Idee einer Laudatio an mich selbst. So konnte ich mehr über mich sagen als in einem normalen Song. Zuerst habe ich im Kopf das Konzept entwickelt und es dann noch mit den richtigen Worten gefüllt.

Welche Vorbilder hast du?

Das klingt vielleicht komisch, aber ich war immer ein großer Fan von Heidi Klum. Sie ist einen spannenden Weg gegangen, hat sich selbst nie Grenzen gesetzt. Sie ist aber auch total Mutter und Familienmensch. Das mit der Karriere unter einen Hut zu bringen, finde ich stark. Auf musikalischer Ebene fallen mir Avril Lavigne und Miley Cyrus ein. Und P!nk ist auch eine krasse Frau. Jetzt gerade finde ich Olivia Rodrigo cool. Es gibt aktuelle viele tolle Künstlerinnen. Wir sind grad gut dabei, für ganz viel Sichtbarkeit zu sorgen.

Esther Graf gastiert Ende Oktober in Wien, Salzburg und Graz, kommenden August dann in der fantastischen Burgarena Finkenstein. Tickets gibt es bei oeticket.

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