WUK / Europavox
Freude schöner Götterfunken! Das Europavox Festival kehrt ins WUK zurück und erweitert wieder euren Horizont. Bereits zum fünften Mal teilt sich die Crème de la Crème des europäischen Musikschaffens eine Bühne. Von Bukarest bis Vilnius, von Soul über Rock bis Neoklassik lädt der wunderschöne Backsteinbau in der Währinger Straße an zwei Tagen zur auditiven Reise und kredenzt einen wohlfeil ausgesuchten Ausschnitt des Kontinents in Wien. Wir haben Astrid Exner, Kommunikationsleitung im WUK und Europavox-Jurymitglied zum Festival, zur heimischen Musikszene, zum diesjährigen Line-Up und natürlich zu ihrem Europaverständnis befragt.
Europa ist zunächst einmal der Kontinent, den wir bewohnen. Es ist aber natürlich auch ein politischer Zusammenschluss, zu dem sich das WUK bekennt und der das Europavox Festival im Rahmen des Creative-Europe-Programms der EU fördert.
Das Europavox-Projekt hat mehrere Standbeine. Die Festivals in sieben europäischen Städten – darunter auch im WUK in Wien – sind der sichtbarste Bereich. Es gibt aber mit europavox.com auch eine Plattform, die sich vorgenommen hat, das europäische Pitchfork zu werden. Jeden Monat trifft sich eine Jury, um festzulegen, welche Acts neu in den Europavox-Pool aufgenommen werden sollen. Das WUK ist Teil dieser Jury. Unsere Rolle ist es vor allem, österreichische Musikschaffende zu pitchen. Und wenn wir das Festival-Line-Up buchen, wählen wir wiederum hauptsächlich aus diesem Pool.
Das herkömmliche WUK-Programm ist viel stärker von Marktrealitäten abhängig. Bands verlangen eine bestimmte Gage und dann kommen noch Technik-, Security-, Catering- und sonstige Kosten on top. Man muss sich überlegen: Zieht diese Band genug Leute an, die bereit sind, einen Ticketpreis zu zahlen, der die entstandenen Kosten zumindest abdeckt? Das bedeutet, dass unbekannte Bands ein größeres Risiko und einen größeren Marketing-Aufwand darstellen, weil sie eben noch nicht so viele Fans haben und erst bekannt gemacht werden müssen. Mit dem Europavox Festival haben wir die Freiheit, dieses Risiko einzugehen und ein Line-Up zum Entdecken auf die Bühne zu stellen.
Doppelfinger ist in der Europavox-Jury super angekommen. Einige internationale Jury-Mitglieder kommen zum Festival im WUK, und wenn er sie hier mit Heimvorteil auch live überzeugen kann, zieht das sicher einige Folgebookings in ganz Europa nach sich.
Freekind. Das sind zwei Frauen aus Kroatien bzw. Slowenien, die sich auf der Kunstuni Graz kennengelernt haben. Denen kann man eigentlich gar kein Länderkürzel geben, weil sie so paneuropäisch sind.
Allerspätestens, seit My Ugly Clementine 2021 den Award für das beste Indie-Album Europas bekommen haben, ist klar, dass aus Österreich nur großartige Indie-Exporte kommen. Auf das öffentlich-rechtliche FM4 und die gesamte Musik-Medienlandschaft schaut man auch bewundernd und ein bisschen neidisch. Dass Medien wie das !ticket Magazin die lokale Szene und ein Entdeckerfestival wie das Europavox Vienna unterstützen, ist nämlich international nicht selbstverständlich.
Die Liste an österreichischen Acts, die noch in den Europavox-Pool gevotet werden müssen, ist lang! Wir schlagen regelmäßig Acts vor, die unserer Meinung nach bereit für internationale Gigs sind. Ich warte zum Beispiel schon ungeduldig darauf, dass Good Wilson aufgenommen werden. Nicht nur, weil es die Band eines ehemaligen WUK-Zivildieners ist, sondern weil wir ja auch mitbekommen, welche anderen Förderungen und Entwicklungen die lokalen Bands bekommen und durchmachen und welches Support-System sie um sich haben. Auch Alicia Edelweiss fehlt uns noch im Europavox-Pool, ebenso wie Pure Chlorine und Franz Fuexe.
Das sehe ich ein bisschen anders. Politische Statements müssen nicht immer mit erhobenem Zeigefinger kommen, um laut und deutlich verstanden zu werden. Wenn wir wie selbstverständlich ein Line-Up aus allen Ecken Europas nach Wien holen und nicht groß betonen, wie außergewöhnlich das ist, dann sagen wir damit auch, dass Zusammenhalt und Solidarität eigentlich selbstverständlich sein sollten. Mit der Europavox Kids-Schiene gehen wir erste Schritte abseits des Erwachsenenfestivals. Den „besten Speisen und Getränken“ sind wir natürlich auch nicht abgeneigt - mal schauen, was die Zukunft bringt.
Das hat einen ganz banalen Grund: Creative-Europe-Projekte benötigen Partner aus unterschiedlichen europäischen Ländern. Und in diesen sieben Ländern hatten die Projektleiter aus Frankreich zufällig passende Kontakte, die Europavox mitgestalten wollten. Vielleicht werden es in Zukunft ja noch mehr!
Erstmals findet am 11. November um 16 Uhr das diesjährige Europavox Festival im Wiener WUK auch mit dem Ableger Europavox Kids und einem Special Unplugged Akustik-Set von Matthäus Bär statt. Der Eintritt ist frei!
Am ersten Tag des diesjährigen Europavox Festivals gastieren am 11. November am 20 Uhr Theodore, doppelfinger und Mischa Blanos im WUK.
Als Mulit-Instrumentalist lebt der griechische Musiker Theodore Polychronolpoulos aka Theodore in zwei Welten. In einer entfaltet er sich auf der Bühne hinter einem Piano, in der anderen schafft er epische, synthlastige cineastische Soundscapes, die das Rückgrat seiner Produktionen darstellen. Theodore wurde in traditioneller griechischer Musik ausgebildet, ließ 2011 seine kulturelle Erziehung hinter sich, um in London Komposition zu studieren. Dieser Schritt hat seinen Sound radikal verändert, in etwas Großartiges. Es gibt viele Ähnlichkeiten zwischen dem Style des griechischen Musikers und der isländischen Band Sigur Rós (mit der Theodore als Support schon auf Tour war!), mit einem cinematischen Sound, der weitläufige Streicher und Synths auf zarten Hooks und einem starken lyrischen Inhalt balanciert. Es überrascht also gar nicht, dass Theodore mittlerweile auch Filmmusik schreibt, unter anderem einen neuen interpretativen Live-Soundtrack für den Stummfilmklassiker "Buster Keaton, der Filmreporter".
Der 23-jährige Österreicher Clemens Bäre alias doppelfinger schreibt und komponiert seit Jahren Musik – wollte aber zunächst nicht, dass diese jemals die Ohren der Öffentlichkeit erreicht. Musik ist für Clemens ein Mittel, um sich mit seinen eigenen Gedanken und Gefühlen zu beschäftigen und diese zu verarbeiten. Aber Musik ist auch ein Mittel der Kommunikation, und schließlich wurde sein Wunsch, gehört zu werden, zu groß – ein Glück für uns. Das kürzlich erschienene Debütalbum von doppelfinger, "by design", steht für seinen Wunsch, sich nicht mehr zu verstecken, nicht nur einfach durch den Akt der Veröffentlichung, sondern auch durch die Texte, die sich intensiv damit auseinandersetzen. Vor allem "my oh my" offenbart den Konflikt zwischen dem Wunsch, seine Gedanken und Gefühle zu teilen, und dem Unvermögen, dies zu tun. Die Isolation, in der Clemens seine Musik zu schreiben pflegt, wird durch langsame und nachdenkliche Melodien deutlich transportiert.
Mischa Blanos – halb russisches, halb rumänisches Wunderkind – gewann bereits im Alter von zehn Jahren internationale Preise. Der Auslöser seiner Kunst und Karriere war die Zeichnung eines Dreiecks, die einer seiner Professoren in einer Meisterklasse in Rotterdam anfertigt hatte. Die Zeichnung, erklärt Mischa, war zweigeteilt: Die linke Seite – stellvertretend für seine interpretatorischen Fähigkeiten – war voll (er hatte Dmitri Schostakowitsch und Maurice Ravel zu diesem Zeitpunkt bereits gemeistert). Die rechte Seite jedoch, die für die kompositorischen Fähigkeiten stand, war leer. So begann er, seine eigenen Geschichten zu erzählen. Seine erste EP, "Second Nature", wurde 2018 auf dem französischen Label InFiné veröffentlicht. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits mit seinem Soloprojekt Acoustic Electronic und dem Trio Amorf, das von Minimal House- und Techno-Vibes angetrieben wird, in ausverkauften Hallen unterwegs.
Am zweiten Tag des diesjährigen Europavox Festivals gastieren am 12. November am 20 Uhr Emilie Zoé, shishi, freekind. und Alessandro Baris im WUK.
Schon als Kind wollte Emilie Zoé mit Musik und Gesang Geschichten erzählen. Als Erwachsene hat sie sich diesen Traum erfüllt. Mit rohem E-Gitarren-Sound und wilder Fantasie ist die autodidaktische Musikerin zu einer der führenden Figuren der Schweizer Indie-Szene geworden – für ihre innovative Arbeit erhielt sie 2019 sogar einen Swiss Music Award. Neben ihren eigenen Projekten ist die Singer-Songwriterin seit einigen Jahren mit ihrer Musik auch in anderen Kunstformen aktiv: Theater, TV-Shows, Filmmusik und Lesungen. Da sie schon immer englischsprachige Künstler_innen gehört hat, verwendet sie diese Sprache auch für ihre eigenen Texte, auch wenn es nicht ihre Muttersprache ist: Emilie Zoé ist in der französischen Schweiz geboren und aufgewachsen.
shishi spielten ihr erstes Konzert im Jahr 2017. Die Band ist in der litauischen alternativen Musikszene jedoch so allgegenwärtig, dass es scheint, als gäbe es sie schon viel länger. In gewisser Weise stimmt das auch, denn shishi wurde von drei Musikerinnen mit beträchtlicher Erfahrung gegründet. Giedrė Nalivaikaitė (Lead-Vocals, Gitarre) war zuvor Mitglied des Retro-Pop-Duos Elle G, und Dominyka Kriščiūnaitė (Bass, Gesang) und Elena Neniškytė (Schlagzeug, Gesang) spielten bei in Litauens größter Reggae-Band Ministry Of Echology. Mit shishi hatte das Trio jedoch etwas vollkommen andere ist Kopf. "Die Band wurde von drei Sängerinnen gegründet, die versuchten, Instrumente zu spielen, die sie nicht beherrschten". Auch wenn ihre ersten Auftritte noch etwas rough waren, erregte die Band sofort Aufmerksamkeit und sammelte bald Nominierungen bei allen möglichen litauischen Musikpreisen. Mit einer groovigen Mischung aus Surf, Soul, Rap und Trash (so beschreibt die Band mehr oder weniger ihren Sound) veröffentlichten shishi 2018 ihr Debütalbum "NAx80".
Die berühmte österreichische Universität für Musik und darstellende Kunst Graz, kurz Kunstuniversität Graz (KUG), war schon immer ein Treffpunkt für junge begabte Musiker_innen aus dem ganzen Balkan. Viele KUG-Absolvent_innen gründeten später mit ihren Kommiliton_innen erfolgreiche Bands und grenzüberschreitende Projekte und spielten jahrelang zusammen. Die Frauen von freekind. haben es jedoch schneller geschafft. Die kroatische Pianistin und Sängerin Sara Ester Gredelj und die slowenische Schlagzeugerin Nina Korošak Serčič teilen ihre Leidenschaft für Neosoul, R&B und jazzige HipHop-Grooves. Beide leben in Österreich und debütierten 2019 als freekind. mit ihrer selbstveröffentlichten Single "I’m gonna live". Internationale Gigs ließen nicht lange auf sich warten: Das Duo spielte beim Novi Sad Jazz Festival in Serbien und absolvierte eine Tour durch Kanada, gemeinsam mit dem Rapper und Beatboxer Adam Fainman aka Beatox aus Manitoba.
Alessandro Baris ist ein italienisch-amerikanischer Multiinstrumentalist, Komponist und Produzent elektronischer Musik mit Sitz in Bologna. Intim und intensiv, detailliert und evokativ, seine musikalische Sprache ist irgendwie vom endlosen Lebenszyklus beeinflusst. In seinen frühen Teenagerjahren kam Alessandro mit der Musik in Berührung, als er begann, Schlagzeug zu lernen; dann später die Gitarre. Er studierte auch elektronische Musikproduktion und Klangverarbeitung am Konservatorium für Musik und Tempo Reale in Florenz.
Das Europavox Festival gastiert an zwei Tagen im WUK, am 11. und 12. November. Tickets gibt es bei oeticket.com.