Bild: Laurent Noichl
Wenn Ski Aggu kommenden März mit seiner "Insider"-Tour in den Gasometer kommt, sind nur die dabei, die live dabei sind: Denn Handys sind verboten!
Iron Maiden und Ghost haben bei ihren letzten Touren ihre Fans gebeten, die Handys doch bitte in den Hosentaschen zu behalten und nicht ständig mitzufilmen. Altmeister Bob Dylan lässt bei seiner “Never Ending Tour”, die ihn diesen November nach Wien und Salzburg führt, Handys sogar wegsperren. Ebenso - etwas überraschend - Phoebe Bridgers: Obwohl sie im Gegensatz zu den zuvor genannten Musikern einer Generation entstammt, in der alles Erlebte mit einem Handy festgehalten werden muss, sind auch bei ihrer “Lost Tour” Smartphones im Publikum strengstens verboten.
Und auch Superstar Sabrina Carpenter denkt immer wieder darüber nach, ihren Konzertbesucher*innen einen “safe space” ohne Handy zu ermöglichen - oder aufzuzwingen. Als sie selbst vergangenes Jahr privat ein Konzert besucht hatte, bei dem Smartphones verbannt waren, “haben alle gesungen, getanzt und gelacht” - ohne ständig einen Bildschirm in die Höhe halten zu müssen. Das hat ihr unglaublich gut gefallen.
Und tatsächlich: Über ein derartiges Verbot kann man natürlich trefflich streiten. Bei vielen Shows ist ein Blick auf die Bühne gar nicht mehr möglich, weil alle Anwesenden ihre Arme und Handys dermaßen in die Höhe recken, dass man die Musikerinnen und Musiker nur durch deren Bildschirme betrachten kann - und das von der ersten bis zur letzten Minute. Andererseits macht auch hier wohl wie so oft die Dosis das Gift: Es ist nachvollziehbar, dass man sich mehr als nur das Tourshirt als Erinnerung mit nach Hause nehmen möchte - oder aber auch, dass man “seine Bubble” auf TikTok und Instagram mit Content unterhalten oder gar mitnehmen möchte. Und vielleicht auch ein bisschen angeben.
Zudem darf man auch nicht vergessen: Gerade kleinere Artists bekommen durch abertausende Fanvideos auch Aufmerksamkeit - selbst viele Pop-Größen der letzten Jahre verdanken ihrer Berühmtheit vor allem der Verbreitung von Videos ihrer Auftritte. Beispielsweise Chappell Roan ging mit ihren Auftritten auf TikTok viral und erreichte so internationales Publikum - und das ohne eigene Kosten.
Bei Chappell Roan 2025 am FM4 Frequency waren Handys im Publikum im Einsatz.
Natürlich dürfte es auch als Künstlerin oder Künstler auf der Bühne nicht besonders angenehm sein, statt in die Gesichter der Fans lediglich auf ein Meer aus mobilen Endgeräten zu schauen. Sind Handys in unserer Gesellschaft mittlerweile wirklich so unverzichtbar geworden? Sind Erinnerungen wirklich nur passiert, wenn sie in irgendeinem Datenspeicher festgehalten wurden? Oder ist die Idee, Handys auf Konzerten zu verbieten, ein guter Ansatz, der uns dazu zwingt, endlich wirklich im Hier und Jetzt zu bleiben? Immerhin wird so dann jeder Live-Moment auch mit einem exklusiven Charakter aufgeladen - Berichte über die Konzerte beschränken sich dann, so wie früher, nur auf Nacherzählungen. Um die Show wirklich gesehen zu haben, muss man tatsächlich vor Ort gewesen sein.
Ob sich dieser aufkeimende Ansatz durchsetzt, ist fraglich: Trotz der Verbote können sich alle von Iron Maiden bis Phoebe Bridgers, von Bob Dylan bis etwa auch Childish Gambino nicht über mangelnde Nachfrage beschweren. Und auch Ski Aggu wird wohl ab Donnerstag seinen “Insider”-Tourstopp kommenden März im Gasometer in Windeseile ausverkaufen, obwohl auch hier Handys verboten sein werden - oder vielleicht gerade deswegen?
Denn gerade weil Ski Aggu in den letzten Jahren - mit Singles wie “Spring” oder “Verschwommen” - viral gegangen ist, möchte er jetzt seine Energie dorthin zurückbringen, wo sie am unmittelbarsten zu spüren ist - in seiner Community. “Keine Handys, keine Außenstehenden. Nur die, die wirklich dazugehören”, ist die Unterüberschrift seiner “Insider”-Tour, die nun auf sein aktuelles Album “Ski Aggu Musik” folgt. Die Stoßrichtung ist also klar: Was im Gasometer passiert, bleibt unter denen, die auf und vor der Bühne stehen.
Dabei setzt Ski Aggu bewusst auf Nähe statt Distanz: Keine tausenden Handybildschirme zwischen ihm und seinem Publikum. Stattdessen geht es zurück zu dem, worauf es wirklich ankommt: auf Musik, Eskalation und eine Community, die gemeinsam einen Abend erlebt, ohne ihn für Social Media festhalten zu müssen. Wer dabei ist, erlebt den Abend ausschließlich im Hier und Jetzt.
Das Handyverbot bei seiner “Insider”-Tour passt zumindest zu seinem Auftreten wie die Faust aufs Auge: Immerhin beweist er - maskiert - immer wieder, dass man ihm seine Vita niemals wirklich glauben kann - man denke da etwa an die vielleicht-oder-vielleicht-doch-nicht-Beziehung mit Ikkimel oder seine Auszeit in Australien. Für ihn, als Künstler, ist das natürlich ein Schutzpanzer, der neben seiner ikonischen Skibrille dafür sorgt, dass eigentlich niemand so richtig zu ihm vordringen kann - und er sich ein bisserl Narrenfreiheit bewahren kann.
Und dadurch kann man sich auch etwas mehr auf seine Musik konzentrieren - und um die geht es ja letztlich auch, sowohl auf Spotify, am Plattenspieler oder dann in wenigen Monaten auch wieder live. Speziell, wenn man sein vergangenen Freitag erschienenes neues Album “Ski Aggu Musik” hernimmt: Das macht einfach nur Spaß, das sind Banger, die vielleicht nur aus seiner Feder kommen können - aber keine dahinterstehende Person brauchen. “Geheim, was ich ins Handy tipp': Ski Aggu, ihr kennt mich nicht”, heißt es etwa in seinem neuen Track “Wer ist Aggu?”. Somit: Ein Handy brauchen wir zwar diese Woche Donnerstag zum Kartenkaufen - aber im März, beim Konzert dann nicht. Da geht es dann im Gasometer nur um: “Live spürt man mehr.” Eskalation!