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Kabarett & Comedy

Kaya Yanar im Gespräch

13.04.2023 von Hannes Kropik

Kaya Yanar, der am 20. Mai seinen 50. Geburtstag feiert, begann seine Karriere 2001 mit der SAT1-Comedy-Serie „Was guckst du?!“. Der Sohn türkischer Gastarbeiter begründete damit das Genre der „Ethno-Comedy“ und wurde dafür – unter anderem – mit dem Deutschen Fernsehpreis und der Romy für die beste Programmidee ausgezeichnet. Mittlerweile lebt der Deutsche mit seiner Frau und den beiden Söhnen in der Schweiz – und tourt mit seinem aktuellen Programm „Fluch der Familie“ auch wieder durch Österreich.

In deinem neuen Programm dreht sich alles um die Familie. Welchen Einfluss hatte deine Familie auf den Berufswunsch, Comedian zu werden?

Meine Eltern waren Gastarbeiter. Sie sind nach Deutschland gekommen, um ein besseres Leben zu finden. Das ist ihnen nicht wirklich gelungen, denn sie hatten Jobs, die sie nicht mochten, und mit der deutschen Sprache und Kultur sind sie auch nie warm geworden. Als Kind habe ich das erkannt und mir gesagt: Ich möchte nicht überleben, sondern leben. Ich möchte das tun, was ich liebe. Und dazu hat immer gehört, andere zum Lachen zu bringen.

Wie reagieren deine Familienmitglieder darauf, dass sie immer wieder in deinen Programmen auftauchen? Sagen die nicht irgendwann: „Diggi, lass gut sein?“

Die freuen sich, dass ich immer wieder neues Material finde. Mein Bruder sagte neulich: „Hey, ich komme ja noch ganz gut weg in deinem Programm!“

Deine Eltern, die große Probleme mit der deutschen Sprache hatten, haben dich und deinen Bruder dennoch ausschließlich auf Deutsch erzogen – wie sehr hat dieses Sprachgewirr deinen Humor gefördert?

Das war definitiv mitentscheidend. Ich konnte mich mit keiner Sprache richtig identifizieren. So ist ein ironischer Abstand und eine Ambivalenz zu den Sprachen entstanden. Auf der einen Seite habe ich es interessant gefunden, in welchen Sprachen man das Leben beschreiben konnte, auf der anderen Seite mochte ich das trennende Element nicht.

Dein erster Sohn ist Ende 2019 zur Welt gekommen, da warst du selbst bereits 46. Wie hat sich dieser – vergleichsweise späte – Familienzuwachs auf deinen Job ausgewirkt?

Ich sehe es als Nährboden für neue Comedy. Mein Material war schon immer sehr persönlich. Ich habe oft beschrieben, wie es mir gerade gegangen ist. Aber ja, ich habe meine Karriere zurückgefahren: Ich trete seltener auf und nehme weniger Engagements an. Ich bin in der glücklichen Lage, mir das leisten zu können. Familienvater zu sein, ist mir wichtiger als die Karriere.

2018 hast du in einem Programm erzählt, deine Freundin habe dich mit den Worten „Tour oder Therapie“ auf die Reise geschickt. Mittlerweile ist sie deine Frau und Mutter eurer beiden Söhne – aber: Bist du jetzt wieder auf Tour, weil sie dich aus dem Haus haben wollte?

Im Gegenteil, sie möchte, dass ich als Vater präsent bin – und damit hat sie recht. In der Pandemie hatte ich viel Zeit für meine Familie und habe es sehr genossen. Ich weiß, dass es ein Privileg ist, Zeit mit der Familie zu verbringen. Insofern bin ich glücklich und dankbar dafür, dass ich mir die Zeit einteilen kann.

Apropos Pandemie: Hast du in dieser Zeit ohne Auftritte deinen Beruf noch mehr zu schätzen, vielleicht sogar zu lieben gelernt? Und genießt du das Lachen, den Applaus heute noch mehr als vor den Lockdowns?

Absolut. Ich war schon vorher dankbar für diesen schönsten Beruf der Welt. Aber die Pandemie hat mich nochmal demütiger gemacht. Ich habe realisiert, dass ich nicht systemrelevant bin. Blumengeschäfte, Baumärkte und Friseurläden haben lange vor den Theatern aufgemacht. Da habe ich gemerkt: Ich brauche eine funktionierende, gesunde Gesellschaft, damit ich meinen Beruf ausüben kann. Also bitte: Bleibt gesund!

Du wirst im Mai 50 Jahre jung. Ist das ein Moment zurückzublicken? Was waren die Highlights in deinem Künstlerleben?

Sicher war „Was guckst du?!“ mein erster Meilenstein. Meine Highlights waren immer jene Momente, in denen ich Leute zum Lachen bringen konnte. Egal, ob das via TV, Bühne oder neuerdings Streaming und diverse Social-Media-Kanäle geschehen ist.

Was unterscheidet den Comedian Kaya Yanar 2023 von dem aus den Anfangstagen?

Ich bin gelassener geworden und meines unfassbaren Glücks bewusst. Es hätte so viel schief gehen können. Aber zu meinem beruflichen Erfolg ist dann – etwas spät, aber immerhin – nochmal der private hinzugekommen. Das ist eine eher seltene Kombination. Ich liebe meine Familie und meinen Beruf. Dass ich beides haben kann, ist wunderbar.

Weil du „Was guckst du?!“ ansprichst: Warum hat dieses Format damals so gut funktioniert, dass du praktisch über Nacht zum Superstar aufgestiegen bist?

Weil es überfällig war. Die Gesellschaft war gefangen in einer politischen Korrektheit, und die Sendung konnte sie daraus befreien. Wir haben heute übrigens ähnliche Verhältnisse.

Die Welt hat sich seit deinen Anfangstagen dennoch massiv verändert: Warum kommst du immer noch so gut bei den Leuten an?

Das müsstest du die Leute fragen. Oder besser nicht, sonst überlegen die es sich nochmal (lacht). Ein Grund könnte aber sein, dass viele Fans mit mir aufgewachsen sind und gute Erinnerungen an mich haben.

Du begeisterst dein Publikum mit der Fähigkeit, unterschiedlichste Akzente und Sprachen imitieren zu können. Ist das ein spezielles Talent oder steckt da harte Arbeit dahinter?

Ich glaube, es ist ein Talent. Man kann für Comedy nicht hart arbeiten, sonst fehlt einem die nötige Leichtigkeit.

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Kaya Yanar präsentiert sein neues Programm „Fluch der Familie” ab Mitte April in Innsbruck, Graz, Salzburg, Wien und Linz. Tickets gibt es bei oeticket.com.

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