Bild: Arno Steinfort
Dass Bülent Ceylan witzig ist, das hat er bereits in mehreren Comedy-Programmen zuhauf und auch hierzulande - selbst in den größten Hallen - bewiesen. Nun macht er auch wieder Musik – und hat sogar bei einem wahren Kult-Label sein neues Zuhause gefunden! Ein Label, das seine Liebe zum Heavy Metal teilt …
Bereits seit den späten Neunzigern steht der deutsche Komiker Bülent Ceylan auf der Bühne und arbeitete sich zügig von kleinen Clubs über den Quatsch Comedy Club bis hin zur eigenen Sendung im Hauptabendprogramm von RTL hinauf: „Die Bülent Ceylan Show“ startete 2011. Zumeist begrüßte Bülent da Fachkolleg*innen – von Atze Schröder (im April in Österreich) und Kaya Yanar (im März in Wien) bis hin zu Mario Barth (im Februar in Österreich) und Cindy aus Marzahn.
Im zweiten Sendejahr gab es jedoch eine ganz spezielle Folge: Die amerikanischen Nu-Metal-Legenden Korn waren bei ihm zu Gast, und Bülent überraschte gemeinsam mit ihnen auf der Studiobühne nicht nur mit flottem Mundwerk, sondern zeigte, dass er sämtliche Heavy-Metal-Register auch noch ziehen kann – von Headbangen über die Pommesgabel bis hin zum Grölen hatte der sympathische Mannheimer alles im Talon! Anscheinend waren sogar Korn selbst so beeindruckt, dass auch gleich die Gegeneinladung folgte: Beim Rocko-del-Schlacko-Festival stand Bülent dann kurz darauf das erste Mal bei Korn auf einer großen Heavy-Metal-Festival-Bühne – später sollten dann sogar noch eigene Comedy-Auftritte im Rahmen vom Summer Breeze Open Air und sogar in Wacken (!) folgen!
Zugegeben, gänzlich überrascht der Hang von Bülent zum wilden Heavy Metal nicht: Immerhin erinnerte bereits der Schriftzug seiner Bülent-Ceylan-Show stark an die Genregrößen Metallica, und auch seine langen Haare sprechen (wenn mir einmalig ein klitzekleines Vorurteil erlaubt wird) Bände. 2012 kam Bülent dann endlich erstmals auch nach Österreich, im Jahr darauf durfte ich mit ihm im Vorfeld zu seinem Programm „Wilde Kreatürken“ plauschen – und da erzählte er mir, dass er vor seiner Comedy-Karriere sogar in zwei lokalen Bands, Gist und Maine, gesungen hatte!
Und dass seine Liebe zum Heavy Metal auch keine aufgesetzte ist, kein billiger Marketingschmäh, wurde deutlich, als wir etwa über sein persönliches Traum-All-Star-Bandprojekt sprachen: Für den Gesang wünschte sich Bülent da Ozzy Osbourne, James Hetfield oder Jonathan Davis, an den Gitarren wollte er Kirk Hammett, John Petrucci und Yngwie Malmsteen hören, am Bass Steve Harris, Justin Chancellor oder Robert Trujillo, und am Schlagzeug Joey Jordison, Danny Carey oder Lars Ulrich. Szenekenner wissen: Alles Kapazunder, da kann man wenig falsch machen!
2024 führte Bülent nach zwei Comedy-Shows 2011 und 2014 erneut der Weg nach Wacken, allerdings diesmal mit massig Heavy Metal und einer Band im Gepäck – auf der großen Festivalbühne debütierte er da unter dem Motto „Ich liebe Menschen“.
Hä? Sind Metaller nicht diese ganzkörpertätowierten, vollbärtigen, ungepflegten Grummelgnome, die alles und jeden hassen – und nicht lieben? Immerhin heißt es bei der deutschen Thrash-Metal-Legende Kreator ja sogar „Hate über alles“? Dass man das alles nicht so ernst nehmen darf, verrät Sänger Mille Petrozza nicht nur in seiner aktuellen Biografie „Your Heaven, My Hell“, sondern wusste Bülent auch schon in unserem zweiten Gespräch, das wir 2014 führten: „Manchmal sind die Metaller schon knallhart, wenn es um Themen wie Ozzy gegen Dio geht, aber zum Beispiel Wacken ist trotz der Größe eines der friedlichsten Festivals überhaupt! Wir sehen zwar alle krass aus und die ‚normalen‘ Leute haben zwar manchmal Angst vor uns, aber wir sind die friedlichsten Menschen, die es gibt auf dieser Welt!“
Parallel zu Wacken erschien dann auch sein erstes Heavy-Metal-Album, ebenfalls mit „Ich liebe Menschen“ betitelt und mit Duetten im breiten Spannungsfeld zwischen Saltatio Mortis (am 6. November im Gasometer) und Peter Maffay. Der wuchtigen Klänge zum Trotz beweist Bülent darauf, wie auch in seinen Comedy-Programmen, einen sehr genauen Blick auf die Gesellschaft, thematisiert haltungsstark Hass im Netz und Rassismus ebenso wie Nächstenliebe.
Noch ist nichts Näheres über den „Ich liebe Menschen“-Nachfolger bekannt – einzig, mit wem Bülent seine Leidenschaft für Heavy Metal vertiefen will, nämlich mit dem österreichischen (!) Kult-Label Napalm Records.
Eine meiner ältesten CDs, die ich besitze, ist die Debüt-EP „Where the Blood for Ever Rains“ der Klagenfurter Death-Metal-Legende Disastrous Murmur – eine CD mit der Katalognummer „NPR 001". Es war dies die allererste Veröffentlichung aus dem Hause Napalm Records, Anfang der Neunziger noch ein im steirischen Jugendzimmer von Markus Riedler geführtes Herzensprojekt.
Über die Jahre hinweg ist Napalm Records der Heimat Eisenerz zwar treu geblieben, ihr aber auch entwachsen: Zahlreiche Genre-Größen nicht nur aus Österreich, sondern aus der ganzen, weiten Welt haben bereits mit Napalm Records zusammengearbeitet. 1914, Alter Bridge (im Jänner im Gasometer), Belphegor, Candlemass, Cavalera Conspiracy, Cradle Of Filth (im November in der SIMMCity), DragonForce, Feuerschwanz (im März im Gasometer), Grave Digger, HammerFall, Jinjer (im Februar im Gasometer), KK’s Priest, Life Of Agony (im November in Dornbirn & Wien), Nile, Powerwolf, Satyricon, Unleashed, W.A.S.P. und viele mehr haben oder hatten ihr Zuhause bei Napalm Records gefunden – ein Label, das übrigens seit Jahren auch das Metal On The Hill Festival in der Grazer Kasemattenbühne ausrichtet, und seit vergangenem Jahr auch Partner vom steirischen Area 53-Festival ist.
Kein Wunder, dass bei all diesen Verdiensten diesen Sommer Napalm Records vom steirischen Landeshauptmann Mario Kunasek mit dem Landeswappen geehrt wurde. Damit, so Kunasek, werde ein Unternehmen ausgezeichnet, das seit seiner Gründung durch Markus Riedler im Jahre 1992 eine beeindruckende Entwicklung genommen hat: Gemeinsam mit dem zweiten Geschäftsführer Thomas Caser blieb Napalm Records zwar über all die Jahre auch in Eisenerz daheim, ist aber heute ein global agierendes Musikunternehmen mit mehr als 100 Beschäftigten – und Standorten auch in Amerika und in Berlin!
Mit Napalm Records würdigen wir ein Paradeunternehmen, das zeigt, wie viel internationales Potenzial in der Steiermark steckt. Dass ein weltweit tätiges Label seinen Ursprung in Eisenerz hat und diesem Standort bis heute treu geblieben ist, erfüllt uns mit Stolz. Ich wünsche noch viele weitere Jahre voller kraftvoller Klänge und wegweisender Veröffentlichungen und freue mich, die Urkunde zur Führung des steirischen Landeswappens überreichen zu dürfen.
Bei so viel Prominenz ist es natürlich kein Wunder, dass sogar eine Comedy-Größe wie Bülent Begeisterung zeigt: „Ich bin dankbar, dass Napalm Records an mich glauben. Wir rocken das gemeinsam. Das wird so krass!“
Wir, als Metal- oder Comedy-Fans, können einstweilen nur abwarten, was genau „krass wird“. Gesichert ist bisher nur, dass Bülent als Schmähtandler mit seinem Programm „Yalla Hopp!“ diesen Herbst noch einmal in Österreich gastiert, 2027 dann mit dem Nachfolger „Diktatürk“ gleich mehrmals:
In “Yallah Hopp!” (am 9. November im Festspielhaus Bregenz) herrscht Aufbruchstimmung! Corona ist besiegt, Prinz Charles endlich König und der Klimawandel kann sich auch schon mal warm anziehen. Oder besser kalt. Keine Panik auf der Titanic, Eisberge gibt's eh keine mehr! Bülent zeigt darin den täglichen Hiobsbotschaften den Mittelfinger, um wieder mit Spaß in die Zukunft zu blicken: Und zwar auch mit Künstlicher Intelligenz.
In “Diktatürk” (im April 2027 in Graz, Salzburg, Linz und Wien) hat Bülent die Nase voll. Überall Diktatoren! Egal ob Politik, Mode, Beziehung oder Ernährung - ständig will dir einer sagen, was Du zu tun hast. Aber nicht mit Bülent, denn der diktiert ab sofort zurück! Außer zuhause, denn da herrscht das Familienregiment - da muss sogar Bülent mal strammstehen. Und passend zum “Strammstehen”: Metal UND Marschmusik gibts im neuen Programm dann auch!