Bild: Instagram Lexi Jones
Alljährlich steht der Jänner ganz im Zeichen von David Bowie, einem der einflussreichsten Künstler unserer Zeit: Vor 10 Jahren starb er am 10. Jänner, nur kurz nach Veröffentlichung seines letzten Albums “Blackstar”. Nun macht sich auch seine Tochter Lexi als Musikerin und Künstlerin einen Namen - ohne sich auf seiner Prominenz auszuruhen.
2016 erschien an David Bowies 69. Geburtstag sein letztes Album, “Blackstar” - was damals außerhalb seines eigen Umfeldes niemand wusste: Bowie kämpfte bereits während der Aufnahmen gegen seine unheilbare Krebserkrankung. Rückblickend betrachtet waren aber in den Liedtexten entsprechend deutliche Bezüge und eine Todesnähe zu finden: Denn nur zwei Tage nach dem Erscheinen starb Bowie am 10. Dezember 2016 in New York.
Hinterlassen hat Bowie nicht nur ein unglaublich reiches, vielseitiges, spannendes künstlerisches Werk - darunter die “Berlin-Trilogie” bestehend aus den Alben “Low”, “Heroes” und “Lodger”: Damals, in den späten Siebzigern, litt er an einer Universalkrise und einem massiven Drogenproblem und tauschte - wie etwas später auch Nick Cave - den Hollywood-Lifestyle mit einem mehr oder weniger anonymen Künstlerleben in einer Mietwohnung im geteilten Berlin der Achtzigerjahre. Mit dabei: Sein Kumpel Iggy Pop.
Hinterlassen hat Bowie aber auch zwei Kinder, aus seiner ersten Ehe mit Angie seinen Sohn Duncan Jones, der mittlerweile als Regisseur von etwa der “Warcraft”-Verfilmung (2016) oder auch “Mute” mit Pennywise-Bruder Alexander Skarsgård in der Hauptrolle (2018) in Erscheinung getreten ist. Aus Bowies zweiter Ehe mit dem Model Iman ging 2000 seine Tochter Alexandria “Lexi” Zahra Jones hervor - die mittlerweile ebenfalls ein mehr oder weniger anonymes Künstlerinnenleben führt, sich also nicht dazu entschlossen hat, als Nepo Baby mit dem großen Namen ihres Vaters Kapital zu schlagen: Klangheimlich veröffentlichte sie vergangenes Jahr ihr Debütalbum “Xandri”.
Also “Nepo Baby” bezeichnet man Personen, die durch die berühmten oder einflussreichen Namen ihrer Eltern Vorteile für ihre eigene Karriere ziehen, insbesondere in ähnlichen Branchen, wobei der Erfolg oft als unverdient wahrgenommen wird: Als Aushängeschilder werden hier gern der Rapper Jaden Smith, Sohn von Hollywood-Schauspieler Will Smith, und der Fotograf Brookyln Beckham - Sohn von “Spice Girl” Victoria und Fußballer David Beckham - genannt. Erfolgreich von der Bezeichnung, ein Nepo Baby zu sein, etabliert hat sich hingegen Lily-Rose Depp, Tochter von Johnny Depp und Vanessa Paradis: Sie hat etwa mit der Serie “The Idol” oder in der Hauptrolle von “Nosferatu” an der Seite von Bill Skarsgård (an der Skarsgård-Familie ist kein Vorbeikommen) ihre künstlerischen Qualitäten bewiesen.
Auch Lexi Jones schickt den prestige- und zugkräftigen, verkaufsfördernden Namen “Bowie” nicht voraus: Vergangenes Frühjahr veröffentlichte sie ohne großem Medienecho und ohne viel Aufhebens also ihr erstes Album “Xandri” - dabei war die Veröffentlichung nicht einmal großartig geplant. Als Inspirationen nennt sie das breite Spektrum zwischen Fiona Apple, Radiohead, Led Zeppelin und Janes Joplin, ihre Kunst versteht sie als Verarbeitung ihrer Mental Health Issues: So wurde sie etwa 2025 mit Autismus diagnostiziert. Und weiter sagt sie auch: “Ich will nicht in die Fußstapfen meines Vaters treten - sondern meinen eigenen Weg gehen.”
Auf die durchaus naheliegende Frage aus ihrer Community, ob es schon immer ihr Plan gewesen wäre, Musik zu machen, antwortete sie damals mit einem klaren “Nein”: “Ich habe es lange vor mir weggeschoben, ich habe es förmlich abgelehnt. Ich wollte nicht als verlängerter Arm von ‘ihr wisst schon wem’ wahrgenommen werden.” Glücklicherweise hat sie schließlich eine “Fuck It”-Attitüde entwickelt, brilliert auf ihrem Debütalbum als mittlerweile 25-jährige irgendwo zwischen Pop, Indie und Alternative, lässt dabei ihr musikalisches Erbe tatsächlich kaum durchblitzen.
Mit butterweicher Stimme erzählt sie da von ihrer Selbstfindung und den großen Fußstapfen, in denen sie aufgewachsen ist - obwohl sie eine Prominenz und etwa Anfragen, als Model in Erscheinung zu treten, stehts abgelehnt hat. Lieber übt sie sich in Zurückhaltung, auch musikalisch: Teils angejazzt, manchmal mit verzerrten Gitarrenspuren, aber auch mit Zither und fröhlichen Synthies schwelgt sie zuvörderst in sanfter Americana, die auch etwa an Feist erinnert.
Doch damit nicht genug: Neben der Musik malt Lexi auch und veröffentlichte vergangenen Sommer unter dem Titel “404: A Collection of Short Stories” auch ein Buch mit zehn Kurzgeschichten, “a collection of the lost and found, slipping through the cracks of memory, time, self and sound”: Dies kann durchaus als Ergänzung zu ihrem Album verstanden werden, wurde das Albumcover ebenfalls von ihr gestaltet und die Kurzgeschichten sind auch wie ihre Lieder Geschichten darüber, wie man sich selbst wieder aus dem Sand zieht.
Mit Lexi Jones haben wir also eine Universalkünstlerin vorliegen, die sich vom großen Namen ihres Vaters etabliert hat, gleichzeitig aber auch sein Erbe hochhält: Auch ihr dürfte eine tiefschürfende - wenngleich auch weniger himmelhoch jauchzende - Karriere in die Wiege gelegt worden sein.