Philipp Hirtenlehner
Nur eine Twitter-Meldung unter vielen nach der „Elefantenrunde” bei Im Zentrum am 11. September: „Ein junger Arzt, Musiker & Unternehmer, der politisch, in einer anderen Rolle als der des Bundespräsidenten, wohl eine Bereicherung für die Demokratie sein könnte, diskutiert mit 5 Irren.”
Umfrageergebnisse (und seien sie noch so desaströs) machen der niederösterreichischen Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner keine Sorgen, verriet sie erst kürzlich dem Kurier. „Große Sorgen” bereitet ihr allerdings der Vertrauensverlust in die Politik. Freilich: Es zeugt schon von äußerster Betise, wenn man die Kausalkette zwischen eben diesem und etwa dem insuffizienten Versuch einer Pandemie-Bewältigung oder auch der Teuerungskrise nicht erkennt. „Von Nichts kommt nichts“, heißt es schon beim römischen Philosophen Lukrez. Dass dieser Vertrauensverlust jedoch so weit geht, dass sich die diesjährige Bewerberliste um das immerhin höchste Amt im Staat las wie der Stammtischdeckel einer krähwinkligen Kaschemme, hat dann doch gewundert. Ja, selbst die finale Crème de la Crème, die am 11. September bei Im Zentrum auf ORF zusammentraf und ihre Narretei weitestgehend unkommentiert breittreten durfte, ist zwar im demokratischen Sinne, dennoch als bedenklich einzustufen. Ausgerechnet und allein Dr. Dominik Wlazny als Vorsitzender keiner „etablierten”, sondern der – es mutet beinahe wie ein Scherz an – Bierpartei (und nebenbei auch Kopf von Turbobier) wusste nicht nur mit Inhalten, sondern insbesondere auch mit Raison zu überzeugen.
Ich bin der Meinung, dass das Alter überhaupt nichts darüber aussagt, ob man ein guter Politiker oder eine gute Politikerin ist. Man sollte die Menschen danach beurteilen, ob sie ihre Arbeit gut machen. Manche haben in zehn Berufsjahren mehr geschafft als viele andere in 50.
Nur junge Leute ans Ruder zu setzen, kann aber auch nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Wahrscheinlich liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen. Eine gute Mischung aus kompetenten und motivierten Leuten quer durch alle Altersschichten ist glaube ich am sinnvollsten.
Das frage ich mich auch manchmal, aber ich glaube, dass es an der Zeit ist, Politik – und damit auch dieses Amt – neu zu denken, alte Strukturen aufzubrechen und frischen Wind in dieses verstaubte System zu bringen. Außerdem möchte ich die Gelegenheit nutzen, mir wichtige Themen anzusprechen und hoffentlich auch umzusetzen. Dafür nehme ich so manche Schwierigkeit gerne auf mich.
Politik wird glaube ich ernster genommen als je zuvor. Zu den anderen Kandidaten: Jeder von ihnen hat das Recht, auf dem Wahlzettel zu stehen, weil sie alle notwendigen Voraussetzungen erfüllen. Jeder der Kandidaten hat unterschiedliche Gründe, zu kandidieren und das ist legitim. Die Menschen sind nicht politikverdrossen – sie sind politikerverdrossen und wer kann es ihnen verdenken?
Was ist denn ein „wilder Rockmusiker“?! Ich bin tätowiert, trage gerne Lederjacken und zerrissene Jeans und höre Punkmusik. Ich habe aber auch studiert, habe eine eigene Firma, habe Arbeitsplätze geschaffen und zahle meine Steuern. Warum wiegt die eine Seite mehr als die andere? Ich weiß schon, dass Menschen gerne in Schubladen denken und dass ich in diesem System schwer einzuordnen bin. Ich habe aber glücklicherweise eine gute Erziehung genossen und weiß mich zu benehmen. Außerdem begegne ich allen Menschen gleichermaßen mit Respekt.
Diese Frage lässt sich relativ leicht beantworten: Machtgeilheit gepaart mit fehlenden Moralvorstellungen und völliger Selbstüberschätzung. Dieses Problem ist eines der Anliegen, die mir wirklich am Herzen liegen. Ich bin der Meinung, dass man sich viel Leid, Aufregung und auch Peinlichkeiten erspart hätte, wenn man sich genau angeschaut hätte, wer sich da für das Ministeramt bewirbt. Darum fordere ich einen Eignungstest für MinisterInnen. Bei jedem anderen Job muss man auch ein teils mehrstufiges Bewerbungsverfahren durchlaufen, bevor man den Job bekommt. Nur bei Ministerposten reicht anscheinend eine Mitgliedschaft im Bauernbund aus. Politik kann solidarisch und anständig sein – davon bin ich überzeugt.
Ich tu mir ehrlich gesagt ein bissl schwer mit dem Begriff „Vorbild“. Nicht, weil ich per se alles schlecht finde, was andere machen oder gemacht haben, aber ich versuche schon, so zu agieren, wie ich es für gut befinde und nicht, weil ich jemanden nachahmen möchte.
Der Bundespräsident kann und soll auch nicht dauernd in die Tagespolitik eingreifen, er kann aber sehr wohl die Regierung an ihre Aufgaben erinnern, als moralische Richtschnur fungieren und seine Meinung kundtun. Es steht auch nirgends geschrieben, dass ein Bundespräsident mit seiner Meinung hinterm Berg halten muss.
Die Bezirksräte der Bierpartei – mich eingeschlossen – geben auch einen Teil ihrer Aufwandsentschädigung ab. Dieses Geld kommt verschiedenen karitativen Einrichtungen zugute. Hier geht es natürlich nicht um 6-stellige Summen, aber es ist uns wichtig und darum leisten wir diesen Beitrag. Ich bin der Meinung, dass man als Bundespräsident dem Amt gemäß bezahlt werden sollte – man hat schließlich auch große Verantwortung – aber diese Summe ist so weit weg von der Realität, dass mir ganz schwindelig wird. Da könnte man schon ordentlich einsparen.
Das ist ganz klar festgelegt, als Bundespräsident darf man keiner anderen Tätigkeit nebenbei nachgehen.
Marco Pogo erzählt in "Gschichtldrucker" aus seinem bisherigen, bewegten Leben - laufend in Wien und in den Bundesländern. Tickets gibt es bei oeticket.com.
Alle Informationen zur Wahl des Bundespräsidenten, die am 9. Oktober stattfindet, findet man hier:
Weiterführende Informationen zu Dr. Dominik Wlazny und der Bierpartei findet man hier:
Österreich Wählt (@Wahlen_AT) sieht Dr. Dominik Wlazny bei der Sonntagsfrage am 8. September auf Platz 3 hinter dem Amtsinhaber Dr. Alexander Van der Bellen und Dr. Walter Rosenkranz. Weitere Informationen zur Umfrage findet man unter folgendem Link.