Bild: Kristian Schuller
Als Fotograf und Juror bei „Germany’s Next Topmodel“ wurde Kristian Schuller über die Grenzen seines Berufs hinaus berühmt. Vor seiner großen Ausstellung in Graz erzählt uns der deutsche Bildkünstler von seiner kindlichen Begeisterung für Kreativität und seiner puren Freude am Leben.
Kristian Schuller wurde 1970 in der rumänischen Kleinstadt Halchiu geboren, als Kind emigrierte er mit seinen Eltern nach Deutschland. Vater Frieder war Regisseur, Dramaturg, Schriftsteller – und ein maßgeblicher Einfluss für Kristian, der bei Vivienne Westwood Modedesign und beim legendären F.C. Gundlach Fotografie studierte. 2007 unterstützte der Wahl-Berliner als Fotograf erstmals Heidi Klums Suche nach „Germany’s Next Topmodel“, in der 5. Staffel (2010) fungierte er auch als Juror. Ab 23. Mai zeigt er im Messe Congress Graz (Halle A) auf 2.200 Quadratmetern „ein Feuerwerk aus Farben und Fantasie“.
Gemeinsam mit meiner Frau Peggy, die meine kreative Partnerin ist, fokussiere ich mich auf den expressiven Teil meiner Arbeit. Die Bilder spiegeln wider, wie wir die Themen „Mode“ und „Porträt“ in den vergangenen 15 Jahren interpretiert haben.
Und sehr intensiv! Jedes Modebild ist ja zuerst einmal das Porträt eines Menschen, der die Mode trägt. Ich liebe das immer neue und aufregende Zusammenspiel mit deinem Gegenüber. Ich fühle mich wie das Kind in der Zirkusmanege, das die faszinierende Welt der Träume, der Fantasie und Kreativität mit großen Augen bestaunt.
Ich muss mir dafür nicht einmal Mühe geben. Ich langweile mich schnell. Sich auf die Suche zu machen und die Welt mit neugierigen Augen zu bestaunen ist da die beste Abhilfe. Es ist wunderbar die Verwandlung zu beobachten, wenn du etwas Neues kreierst, wenn neue Energie entsteht. Es ist nicht meine Absicht, die Welt um mich herum nüchtern und rational zu beschreiben.
Mein Vater war ebenfalls Regisseur und Filmemacher. Er liebte Fellini und hat mir all diese Filme gezeigt. Ich war begeistert von Fellinis Sicht auf die Menschen, voller Wärme und Humor. Er hat sie so klar und direkt beschrieben, dass es dadurch vollkommen absurd rüberkam. Diese Absurdität war bei ihm die Normalität. Bei ihm hast du immer das Gefühl, in einer Zirkusmanege zu sitzen und dieses Feuerwerk an Kreativität, diese Freude am Leben hautnah mitzuerleben. Seine Filme waren die pure Freude am Leben! Diese intensive Kraft hat mich von Anfang an mitgerissen.
Es ist auch für mich ein Experiment, ich habe noch nie so große Bilder ausgestellt. Wir sind alle Kinder unserer Zeit und entwickeln unsere Gewohnheiten. Ich will diese Ausstellung als Chance nutzen, unsere alltäglichen Sehgewohnheiten aufzubrechen und eine neue Form des Staunens zu finden. Vor allem aber folge ich einem Ratschlag meines Vaters, der gesagt hat: „Bei aller Wichtigkeit deiner Botschaft vergiss niemals, das Publikum nicht zu langweilen.“
Diese neue Bekanntheit hat einen viel größeren Fokus auch mich gerichtet. Aber die Bekanntheit hilft dir auf Dauer nichts, wenn du sie nicht durch starke Arbeiten legitimierst.
Ich finde, dass man diese Diskussion sehr ernst nehmen muss. Wenn man den Beruf des Models professionell betreiben will ist das wie beim Leistungsport: das Grundtalent ist reiner Zufall, der Rest harte Arbeit. Nur hier ist es wichtig, die richtige Balance zu finden und auf des eigene Wohlgefühl zu achten. Für mich ist wichtig, jedem Menschen mit dem gleichen Respekt zu begegnen und mitzuhelfen, dass mein Gegenüber eine entspannte Zeit mit mir hat.
Ich war nie ein Modefotograf, der unbedingt „das neue Gesicht“ gesucht hat. Ich war immer in alle Richtungen neugierig! Es kann unglaublich aufregend sein, mit einem ganz jungen und unbekümmerten Model zu arbeiten. Es kann aber auch unglaublich faszinierend mit einer Person sein, die seit Jahrzehnten dabei und immer noch voller Elan, voller Rock’n’Roll ist. In der Zusammenarbeit mit Menschen gibt es keine Regeln. Es geht nur darum, gemeinsam eine spannende Geschichte zu erzählen. Mit Heidi zum Beispiel funktioniert das sehr gut.
Sie hat sich ihre grundsätzlich Neugier, ihre Power und ihre Offenheit gegenüber der Welt erhalten. Wenn sie einem Gegenüber vollkommen vertraut, kann sie sich heute noch immer richtiggehend in eine Idee fallen lassen. Für sie gilt, was für alle Großen dieser Branche gilt: Sie wird von einem irrwitzigen Feuer im Herzen angetrieben.
Die überdimensionalen, hinterleuchteten Bilder von Kristian Schuller, eine faszinierende Mischung aus Mode und Kunst, werden zwischen 23. Mai und 31. August in der Messehalle Graz ausgestellt. Tickets für die Ausstellung gibt es bei oeticket.