Bild: Patrick Münnich
Österreich hat kulturell einiges am Kasten – und das nicht nur auf den ganz großen Bühnen. In allen neun Bundesländern schlummern im Mai wieder echte Geheimtipps, die es verdient haben, aus dem Schatten zu treten. Ob Konzert, Kabarett, Theater oder Musical: Wir haben uns umgeschaut und für jedes Bundesland ein Highlight rausgepickt, das euch garantiert gefällt und überrascht!
Manchmal lohnt es sich, einen Schritt abseits der gewohnten Pfade zu machen – gerade, wenn es um die Freizeitunterhaltung geht. Denn Österreich ist mehr als nur Opernball und Donauinselfest, mehr als nur Salzburger Festspiele und Nova Rock. Wer ein bisschen tiefer gräbt, entdeckt ein kunterbuntes Sammelsurium an spannenden Gigs, schrägen Kabarettabenden, kleinen Theaterjuwelen und herzerwärmenden Musicals – oft gleich ums Eck und mit ganz viel Herzblut gemacht. Also: Augen und Ohren offenhalten, es zahlt sich aus!
Im Wonnemonat Mai sind uns zum Beispiel folgende Schmankerl aufgefallen, die man sich definitiv näher zu Gemüte führen könnte - und das im breiten Spannungsfeld zwischen den Rolling Stones, ewigem Glück und Würstelständen.
Natürlich, den Namen Mick Jagger kennt man - das ist der von den Rolling Stones. Der wäre natürlich kein Geheimtipp! Aber nur wenige wissen, dass auch sein Bruder, Chris Jagger Musik macht! Rund 120 Kompositionen in unterschiedlichen Bandbesetzungen hat er seit den Siebzigern bereits veröffentlicht, sein letztes Album war “Mixing up the Medicine” aus dem Jahre 2021. Mit diesem im Gepäck schickt er sich nun an, am 7. Mai gemeinsam mit seiner Band die Bühne der ((szene)) Wien zu betreten!
Es gibt kein Gesicht, in das wir blicken, ohne dass sich bei uns irgendein ein Gefühl einstellt. Doch genau dieses Gefühl kann täuschen. Als Mimik- und Physiognomik-Spezialist widmet sich Christoph Rosenberger seit über 20 Jahren dem Thema, wie wir mehr Verständnis für unser Gegenüber aufbringen und was wir daraus lernen können. In seinem Programm “Sehen, was Menschen denken” am 22. Mai im Bildungshaus St. Hippolyt in St. Pölten erklärt er uns, wie auch wir es schaffen können, im Bruchteil einer Sekunde zu erkennen, was unser Gegenüber über uns denkt.
Bei Drink&Paint erlebt man am 10. Mai in der Galerie Expuls in Linz einen absoluten Sinnesimpuls! Da kann man endlich einmal bei einem guten Glas Qualitätswein seine eigene Kreativität mit Farben, Pinsel und Leinwand ausleben - und das gleich über drei Stunden hinweg! Das Beste dabei: Es handelt sich um keinen Malkurs, und man kann auch teilnehmen, wenn man der Meinung ist, "nicht malen zu können" - hier geht es sehr ungezwungen zu und es geht vielmehr um das Suchen und Finden der eigenen, verborgenen Kreativität, die in jedem von uns schlummert und vom Alltag oft unterdrückt wird.
Dass der Wiener Würstelstand zum Weltkulturerbe erkoren wurde, hat wohl jede*r bereits mitbekommen. Warum, das erklären uns die Herren Blaikner, Baumann und Messner in ihrem Kultkabarett “Würstl sucht Stand” am 25. Mai in Salzburg (kleines theater): Die Welt trifft sich am Würstlstand, dem Brennpunkt der Gesellschaft, wo soziale Unterschiede wurscht sind. Ob Society-Schnösel, Alltagsfreak oder einfacher Hackler: Bei einer Käsekrainer sind plötzlich alle Menschen gleich. Und wo sonst kann man besser seinen Senf dazugeben? Dieses aberwitzige Kabarett zeigt: Irgendwo sind wir alle arme Würstln.
Dass es im Burgenland nicht nur endlose Weiten und Wein, das Nova Rock und das Lovely Days gibt, beweist der Klangfrühling, der ab 25. Mai in der Burgarena Stadtschlaining über die Bühne geht: Seit mehr als 20 Jahren (!) wird die urige Bühne da zu einem internationalen Musikzentrum, das eigentlich schon viel mehr als “nur” ein lokaler Geheimtipp sein müsste. Im Mittelpunkt des diesjährigen Klangfrühlings stehen so außergewöhnliche Künstler*innen wie die schrägen The Tiger Lillies, Voodoo Jürgens mit seiner Ansa Panier oder auch das gefeierte Blechblaser-Trio Wieder, Gansch & Paul.
“SM steht ned für Sailor Moon, Sadomaso oder Synchronmotor”, verrät der Fürstenfelder Kabarettist Stefan Schandor über sein erstes Bühnenprogramm “SM in Mundart”, das er beispielsweise am 22. Mai im Kulturkeller Gleisdorf auf die Bühne bringt: Social Media sowie artverwandte Themen und deren Stellenwert in der Gesellschaft werden darin von der geborenen Rampensau auf brutal ehrliche Weise greifbar gemacht - weil sie direkt aus dem Leben gegriffen sind. Aber er weiß auch wovon er spricht: Durch seine Tätigkeit als Referent für Jugendschutz sitzt er quasi an der Quelle zu laufend frischem Stoff …
Bernhard Murg, das “Ur-Tier” des berühmten Wiener Kabarett Simpl und Regisseur vieler österreichischer Kabarettgrößen und Stefano Bernardin, der Allrounder, Nestroy- und Romy-Preisträger und ehemalige Conferencier des Kabarett Simpl, haben sich endlich entschlossen ein eigenes Programm zu machen, das etwa auch am 13. Mai in der Blumenhalle in St. Veit an der Glan zu sehen sein wird. Es ist ein “Abend zum Lachen” und heißt “… bis einer weint”. Das Programm ist eine Zeitreise durch Sketches, Doppelconferencen und Monologe aus verschiedenen Jahrzehnten, und zwar von Farkas bis Niavarani.
Mit einem vielseitigen Programm aus Wissenschaft, Philosophie, Musik und Poesie versprechen die glück.tage am 16. und 17. Mai in Kufstein und Erl Orientierung, Denkanstöße und eine gehörige Prise Sternenstaub: Mit scharfer Zunge und hellwachem Geist spürt am ersten Tag der Philosoph und Autor Michael Schmidt-Salomon der uralten Frage nach dem Glück nach, dem Streben nach Freude und innerer Ruhe. Am zweiten Tag gewährt die Astrophysikerin Lisa Kaltenegger faszinierende Einblicke in die spannende Suche nach außerirdischem Leben: Vielleicht ist das Glück “da draußen”?
Tobias Pötzelsberger kennt man selbstverständlich als Nachrichtensprecher der Zeit im Bild. Dass er nebenbei aber auch Musiker ist, das wissen nur die Wenigsten! Mit seiner Band The More or The Less veröffentlichte er die Alben “We, the people” (2009) und “Keep Calm” (2012), 2024 folgte dann sein aktuelles Album “Prudence”. 12 Jahre liegen also zwischen den letzten beiden Alben, und vom Leben dazwischen erzählt es auch - weg vom früheren Bandnamen und hin zu einer breiteren musikalischen Farbpalette, die aber doch irgendwo im Folpop anzusiedeln ist Fans von Glen Hansard und Fleetwood Mac sollten da (zum Beispiel am 23. Mai in der Remise Bludenz) definitiv hineinhören!