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Michael Buchinger: "Ich möchte mich nicht verstellen!"

02.06.2025 von Manuel Simbürger

Er ist YouTuber, Influencer, Erfolgsautor ("Buchingers Kochbuch"), Podcaster und Kabarettist, vielleicht bald sogar Schauspieler: Im Interview erzählt uns das Allround-Talent Michael Buchinger über Klischees, Homophobie, Ampelpärchen, Dancing Stars - und Ellen DeGeneres.

Influencer, YouTuber, Erfolgsautor, Podcaster, Kabarettist und vielleicht bald auch Schauspieler: Der Lebenslauf des erst 32-jährigen Michael Buchingers ist so schillernd wie die Persönlichkeit des Wieners aus dem Burgenland, der nie ein Geheimnis, dafür mitunter aber ein gewohnt humorvoll-zynisches Trara um seine Homosexualität gemacht hat.

Zugegeben: mit “schillernd” und “homosexuell” betreten wir hier gefährlich-glitschig klischeehaften Boden, aber wenn wer darüber lachen kann, dann ist es Buchinger selbst. Dass er so manche Klischees bedient, damit hat er kein Problem, meint er. Dass er früher aufgrund seines Anders-Seins gemobbt wurde, aber schon. Humor und gesundes Granteln wurden zum Schutzschild des Tausendsassas, vor dessen scharfer Zunge wirklich niemand sicher ist - weder er selbst noch die LGBTIQ-Community. “5 Dinge, die mich am Schwulsein nerven” heißt eines seiner YouTube-Videos mit gesellschaftskritischer Partitur. Weil wenn das jemand sagen darf, dann der Michi.

Du bist von Beginn an, seitdem du in der Öffentlichkeit stehst, offen mit deiner Homosexualität umgegangen. War das eine aktive Entscheidung?

Ich war 15 Jahre alt, als ich meine ersten YouTube-Videos gemacht habe. Ich wollte kein großes Thema daraus machen. Ich habe für mich selbst gewusst, dass ich schwul bin, auch meine Familie hat es bereits gewusst, im Freundeskreis war es eh irgendwie klar. Wieso also großartig verstellen? Es kommt ja eh irgendwann raus, also sage ich es lieber von Anfang an, aber eher so nebenbei. Denn ich wollte den Leuten mitgeben, dass es keine große Sache ist. Damals veröffentlichten YouTuber sehr lange Coming-Out-Videos, in denen sie über ihre Erfahrungen gesprochen haben. Das wollte ich aber nicht, denn ich hatte zum Glück keine negativen Erfahrungen und für mich war mein Schwul-Sein keine große Headline. Rückblickend betrachtet habe ich mir wahrscheinlich viele Klicks entgehen lassen, weil ich aus meiner Homosexualität keine große Sache gemacht habe.

Trotzdem warst du von Beginn an als “offen schwuler YouTuber/Kabarettist” bekannt, dieser Aspekt wurde stets in der Berichterstattung über dich erwähnt. Störte dich das? Denn gleichzeitig hast du deine Homosexualität in deinen Videos beziehungsweise auf der Bühne gezielt zum Thema gemacht …

Ich möchte meine Sexualität und mein Privatleben ja nicht komplett außen vor lassen. Die Erwähnung meiner Homosexualität hat mich nur im ersten großen Artikel über mich gestört, es war 2010 oder 2011. Dort war vom “öffentlich schwulen Schüler aus dem Burgenland” die Rede. Auch meine Eltern störte das. Einfach deshalb, weil es zum Inhalt des Artikels nichts beigetragen hat, in dem Kontext war es vollkommen überflüssig. Leider war das die Journalismuskultur dieser Zeit. Leute haben über mich gesagt: “Er ist voll lustig und schwul.” Damit habe ich mich unwohl gefühlt. Der Kontext muss einfach stimmen. Übrigens sagen mir viele queere Personen, dass sie es gut finden, dass ich meine Homosexualität zwar anspreche, aber nicht zu meiner Marke mache.

Bei “Dancing Stars” hast du mit einem Mann getanzt …

… und das war meine aktive Entscheidung, wenn auch aus keinem bestimmten Grund. Vielmehr dachte ich, meine Community, meine Fans und mein soziales Umfeld würden es eigenartig finde, wäre ich mit einer Frau angetreten. Das wäre nicht ich gewesen.

Ich war sehr überrascht, dass meine Teilnahme mit Herbert Stanonik schlussendlich kein großes Thema war. Bei Alfons Haider [der Entertainer bildete 2011 mit Vadim Garbuzov das erste Männer-Paar bei „Dancing Stars“; Anm.] war das ja noch ganz anders, es gab eine Riesendiskussion darüber. Ich habe nur genau zwei böse E-Mails deswegen bekommen.

Apropos: Bekommst Du es regelmäßig mit homophoben Reaktionen zu tun?

Wenn, dann vor allem auf Instagram. Ich glaube, manche Leute finden mich einfach generell anstrengend. Schwer zu beurteilen ist für mich, ob sie mich aufgrund meiner Homosexualität anstrengend finden oder aus anderen Gründen. Weil wenn letzteres, kann ich ihnen das nicht übel nehmen, es muss mich ja nicht jeder mögen. Wenn aber negative Kommentare homophob motiviert sind, finde ich das gar nicht gut.

Was machen solche Angriffe mit Dir?

Man sagt immer, man soll so etwas nicht an sich ran lassen, aber das ist viel leichter gesagt als getan. Natürlich machen Hate-Kommentare etwas mit dir. Sind sie homophob, machen sie mich vor allem sauer. Nicht aus Ego-Gründen, sondern vielmehr, weil ich mir die Welt und die Gesellschaft gerne schön rede und mir denke, die Sache mit der Homophobie hat sich verbessert – und dann werde ich durch solche Kommentare auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt.

Wenn ich auf meiner Seite homophobe Kommentare bekomme lösche ich sie. Weil ich nicht will, dass jemand, der zum Beispiel mein Instagram-Profil als Safe Space sieht, mit so etwas konfrontiert wird. Es reicht schon, wenn ich diesen Scheiß lesen muss, ich möchte das nicht jemand anderem antun. Aber ich bekomme natürlich auch sehr, sehr viele wunderschöne Nachrichten, die mich in dem, was ich tue, bekräftigen.

Hattest Du in deiner Jugend ein queeres Vorbild?

Ellen DeGeneres, bevor sie gegrillt wurde. In ihrer Sitcom hat sie sich geoutet und diese Folge habe ich gemeinsam mit meiner Mama gesehen. Es war sehr spannend zu beobachten, wie sie darauf reagiert hat – nämlich sehr gut, was mir Mut gegeben hat. Ich konnte also ein bisschen vorfühlen.

Du findest es also wichtig, dass sich prominente Persönlichkeiten outen?

Die Leute sollen sich outen, wenn und wann sie wollen. Ich finde, niemand muss sich unbedingt outen, aber trotzdem: Je mehr es tun, desto besser ist es, weil es Sichtbarkeit schafft.

Queere Ampelpärchen oder Regenbogen-Zebrastreifen: Helfen solche Dinge, die Akzeptanz für die queere Community zu stärken?

Ich glaube, es ist einfach ein starkes Signal nach außen, es ist Teil einer Performance. Es geht wahrscheinlich erneut darum, Sichtbarkeit zu schaffen, das Thema in den Alltag zu integrieren. Das schadet wahrscheinlich nicht. Aber ob es jetzt die Gesellschaft wahnsinnig weiterbringt, wage ich auch zu bezweifeln. Aber natürlich: Jedes Mal, wenn ich einen bunten Regenbogenzebrastreifen sehe, freue ich mich, weil er schaut ja schön aus.

Mit Augenzwinkern: Was ist an dir das Schwulste?

Mir wird immer gesagt, es ist die Art und Weise, wie ich spreche. Entschuldigung, ich habe ich mir das jetzt per se auch nicht ausgesucht! Mir wird dann besonders gern vorgeworfen, dass ich das nur zur Show mache und dass ich wahrscheinlich privat ganz anders reden würde, aber das stimmt nicht.

Ja klar, ich bediene einige Klischees, aber so bin ich halt. Ich sitze nicht in einem Meetingraum mit meinem Management und denke darüber nach, wie ich schwuler wirken kann.

Klischees sind vollkommen okay, solange sie authentisch sind, oder?

Ich möchte mich nicht verstellen. Vielleicht habe ich das früher gemacht, aber jetzt nicht mehr. Deshalb wirkt es eventuell so, als würde ich aktiv Klischees bedienen, aber ich bin jetzt einfach mehr ich selbst.

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