Bild: Kevin Ilse Bild: Kevin Ilse
Made in Austria

Michi Buchinger: Toast mit Chips

13.11.2024 von Manuel Simbürger

Als Michi Buchinger zu Beginn seiner Karriere noch hauptsächlich für seine humorvollen YouTube-Videos bekannt war, gehörten sie zu den Fan-Favourites: seine Chaos-Kochvideos, in denen der damals 22-jährige Wiener schon mal die Küche abfackelt (obwohl er eigentlich nur einen Zitronenkuchen backen wollte) oder das Probieren der selbstgemachten Alkohol-Brownies mit den Worten kommentiert: „[Der Brownie] ist auf jeden Fall mit Alkohol vollgesaugt – so wie ich auf jedem Ukulele-Konzert meiner Freunde.“

Nun, viele Roman-, Podcast-, Kabarett- und Internet-Erfolge später, kehrt Buchinger zu seinen Wurzeln zurück und wird Koch – oder zumindest fast: Mit „Buchingers Kochbuch“ ist sein allererstes Kochbuch erschienen. Dort werden köstliche Rezepte serviert, die irgendwo zwischen Gen Z-Experimentierfreude und Omas Küche angesiedelt sind. Unterteilt in die Kapitel „Comfort Food: Kochen mit Chips“ (Lebensgrundlage für Buchinger), „Fitness“, „Michi Express / Schnelle Küche“, „Entertaining“, „Sieht scheiße aus, schmeckt aber gut“ sowie „Süßes“ (natürlich!) gestaltet sich das kulinarische Lehrbuch der etwas anderen Art genauso schillernd, abwechslungsreich, augenzwinkernd, lebensbejahend, reflektiert und natürlich humorvoll wie Buchinger selbst. Dazu gibt es, um der eigenen Marke treu zu bleiben, auch eine Hass-Liste über das Kochen (aber genauso eine Love-Liste), sowie eine passende Playlist.

Wie ist die Idee zu deinem Kochbuch entstanden?

Meine YouTube-Anfänge habe ich ja unter anderem auch mit Kochvideos gemacht, 2009 habe ich meinen berühmt-berüchtigten Chips-Toast erfunden. Danach habe ich alle paar Monate chaotische Kochvideos gemacht. Mich haben damals schon immer wieder Leute gefragt, wann ich endlich ein Kochbuch auf den Markt bringe.

An wen richtet sich dein Kochbuch?

Ich habe versucht, den Spirit der Kochvideos auch in das Buch einfließen zu lassen. Das heißt: Ja, es ist chaotisch, aber es soll das Gefühl erwecken, dass jeder kochen kann. Es richtet sich an Leute, die nicht so gern kochen oder die es nicht mögen, wenn jemand das Kochen verklärt oder auf ein Podest hebt. Wenn man ehrlich ist: Viele Menschen kochen eigentlich nicht gern, aber man muss es halt tun.

Und wie ist das bei dir?

Es gibt Tage oder Wochenenden, an denen ich absolut nichts zu tun habe. Dann stelle ich mich zwei, drei Stunden in’d Kuchl, lege mein Handy weg und koche oder backe etwas. Das ist wirklich schön. Aber Kochen ist oft schwierig mit dem Alltag und dem stressigen Berufsleben vereinbar, deshalb habe ich versucht, den Leuten beim Lesen ein gutes Gefühl zu geben und zu sagen: Ja, mir geht das Kochen meistens am Arsch, aber es bleibt mir halt nicht erspart. Ich kann auch nicht alle drei Mahlzeiten am Tag im Restaurant einnehmen oder immer beim Lieferservice bestellen. Das ist auch der Twist im Kochbuch: Ich kann den Leuten vielleicht nicht geniale Rezepte anbieten, aber ich finde, wenn man so kocht wie ich, dann fühlt es sich ein bisschen leichter an. Mein Kochen ist nicht mit einem Perfektionismus verbunden.

Du meintest, wenn du dir beim Kochen Zeit lassen kannst, fühlt es sich „schön” an. Was meinst du damit genau?

Ich bin ja ein Opfer meiner Generation: Plump gesagt ist es schon toll, wenn ich für ein paar Stunden einmal nicht auf mein Handy schaue. Das mache ich sonst ja fast nie. Kochen ist wirklich wie eine Beschäftigungstherapie. Außerdem, auf einer rein psychologischen Ebene: Du nimmst dir etwas vor, du hast ein paar rohe Zutaten, du wirfst sie in den Topf und du wirst sofort dafür belohnt. Du kannst danach sagen: Okay, der heutige Tag war vielleicht richtig scheiße, aber am Ende des Tages kann ich doch noch ein ziemlich gutes Chili zubereiten – zumindest das ist mir heute gelungen. Das Kochen bringt also im besten Fall kleine Erfolgserlebnisse. Obendrein entspannt es mich total. Natürlich kann es in stressigen Zeiten vielleicht nervig sein, aber wenn ich mich dann doch dazu überwinde, fühle ich mich danach meistens besser, weil das Kochen eine beruhigende Wirkung auf mich hat. Eines der Dinge, die mich am Kochen aber stören ist, dass man manchmal zwei Stunden in der Küche steht und dann in fünf Minuten alles aufgegessen hat. Aber dann versuche ich vielleicht, ein bisschen langsamer zu essen oder doppelt so viel zu kochen und es einzufrieren, damit man länger etwas davon hat. Oder doppelt so viel zu essen, auch das beschwichtigt meine Sorgen.

Bist du wirklich so ein chaotischer Koch, wie du behauptest?

Ich habe auf jeden Fall eine Zeitlang damit kokettiert. Okay, es sind früher wirklich viele Dinge schief gegangen, das war anfangs so nicht beabsichtigt. Aber ich habe mitbekommen, dass die Leute meine Kochvideos nicht so sehr wegen den Rezepten schauen, sondern deshalb, weil sie es witzig finden, wenn etwas Tollpatschiges passiert. Also habe ich dann absichtlich immer ein paar chaotische Momente eingebaut. Aber mein erstes Kochvideo ist mittlerweile 15 Jahre her und ich wage zu behaupten, dass ich ein bisschen etwas dazu gelernt habe. Das geht ja auch gar nicht anders, vor allem, wenn man ein Gericht schon zigmal zubereitet hat. Am ehesten geht immer noch etwas schief, wenn ich ein Gericht auf Instagram sehe und versuche, es nachzukochen. Manchmal ist das dann ein bisschen zu ambitioniert von mir und geht komplett in die Hose. Ein Spitzenkoch bin ich halt nicht.
Als ich anfing, kochen zu lernen, war ich 16 oder 17 Jahre alt. Eines der ersten Gerichte, die ich zubereitet habe, war eine Hühnerleber. Zum einen denke ich mir heute: Wer kommt mit 16 auf diese Idee?! Und zum anderen war es viel zu ambitioniert, die sehr teure Leber war verbrannt und ich musste sie danach wegschmeißen. Das war furchtbar! Meine Ausflüge in die Spitzengastronomie sind also fast immer gescheitert ...

Aber du probierst es wenigstens.

Genau. Und im Endeffekt schmeckt es dann meistens eh ganz gut, es schaut vielleicht nur nicht schön aus.

Was war bisher dein größtes Küchenfail?

Ich hatte schon zweimal Feuer in der Küche. Das ist im ersten Moment voll schockierend, aber meistens zum Glück leicht zu löschen. Und dann habe ich schon manchmal die Zutaten vertauscht: Ich finde es zum Beispiel überhaupt nicht gut, dass Zucker und Salz so ähnlich ausschauen. Mir ist es tatsächlich schon einmal passiert, dass ich bei einem Kuchen ur viel Salz reingegeben habe, weil ich geglaubt habe, es ist Zucker. Den Teig konnte ich dann natürlich wegschmeißen. Ansonsten brennt mir regelmäßig etwas an.

Welches deiner Gerichte kommt besonders gut an?

Im Moment und aufgrund des Kochbuchs ist es der Chips-Toast, den immer alle wollen, wenn ich sie bekoche. Auch nach meiner Pasta alla Wodka verlangen meine Freunde regelmäßig: Das ist einfach eine ganz normale Pasta mit Tomatensauce, aber mit einem Schuss Wodka, den man natürlich verkochen lassen soll. Aber das gibt dem Ganzen schon so einen gewissen Kick. Es ist leicht scharf, aber nicht so arg. Und ansonsten bin ich halt wirklich berüchtigt für meine Backwaren, zum Beispiel meine berühmten Brownies oder meine Chocolate Chip Cookies. Die soll ich oft mitbringen, wenn ich bei Freunden eingeladen bin. Das ist schon schön, wenn man mit einem bestimmten Gericht in Verbindung gebracht wird. Aber alles, was ich gern koche, ist in diesem Kochbuch drin. Und jetzt kann ich mich zurücklehnen, wenn meine Freunde zu mir sagen: „Ich hätte so gern, dass du mir wieder deine Pasta alla Wodka machst!“ Dann sage ich: „Hier ist das Kochbuch, Seite 36, mache sie dir selbst!“

Also das ist der wirkliche Grund, warum du ein Kochbuch geschrieben hast ...

Genau (lacht)! Aber auch umgekehrt, damit ich auch einmal zu den Leuten sagen kann, sie sollen für mich kochen!

Apropos Bekochen: Dein Freund Dominik kocht ja sehr gut. Hast du auch von ihm viel gelernt? Und was hält er von deinen Kochkünsten?

Er ist ein sehr intuitiver Koch. Er schaut in den Kühlschrank rein und weiß sofort, welche Zutaten zusammenpassen und ein gutes Gericht ergeben. Das habe ich nicht in mir, aber man kann es auf jeden Fall ein bisschen lernen. Im Kochbuch sind auch einige Rezepte drin, die aus seiner Familie stammen. Mein Freund hat das Kochen schon früh zuhause gelernt. Das war bei mir gar nicht der Fall. Aber ich glaube, meine Kochkünste hat er mittlerweile zu schätzen gelernt. Er verteidigt mich immer vor Freunden und sagt zu mir, dass ich eh voll gut kochen kann, es halt nur in der Küche ein bisschen hektisch zugeht.

Weißt du noch, was du Dominik das erste Mal gekocht hast?

Ich habe Tintenfischpasta für ihn gemacht. Allerdings hatte ich da vergessen, dass er zu diesem Zeitpunkt Vegetarier war. Ich habe ihn also nicht nur gezwungen, Fisch zu essen, sondern auch noch Tinte. Ich glaube, da dachte er schon, dass ihm Böses blüht. Aber wir haben es dann eh ganz gut hingekriegt.

Geht bei euch Liebe durch den Magen?

Ich finde schon. Wir lieben uns, also kochen wir füreinander. Natürlich gibt es Phasen, in denen wir beide voll viel zu tun haben und dann gehen wir mittags wohin essen. Aber dann ist es umso besonderer, wenn sich jemand von uns in die Küche stellt und kocht.

Es gibt zwei Arten von Köchinnen und Köchen: Die einen, die immer sofort alles wegräumen, damit ja kein Saustall in der Küche herrscht, sowie die, die erst einmal alles liegen und stehen lassen und erst nach dem Essen zusammenräumen. Zu welcher Sorte gehörst du?

Definitiv zur zweiten. Ich habe da eine ganz gute Abmachung mit meinem Freund: Wenn ich schon koche, dann räume ich nicht auch noch auf. Das muss er dann übernehmen. Entschuldigung, aber die Person, die sich bekochen lässt, muss dafür dann schon die Küche sauber machen! Dafür aber ist es sehr, sehr sauber in der Küche, wenn er kocht, er räumt immer gleich alles weg. Das ist praktisch, weil wenn ich danach aufräumen muss, habe ich nicht so viel zu tun wie er bei mir. Aber gut, das ist ja nicht mein Problem ... (lacht)

In deinem Podcast „Buchingers Tagebuch“ hast du mehrmals davon erzählt, dass du sehr oft essen gehst oder dir etwas zum Essen bestellst. Wann und wieso hat sich diese Gewohnheit zum Kochen gewandelt?

Mir ist dieses ganze Bestellessen irgendwann ein bisschen zum Hals herausgehangen. Es ist ein dunkles Kapitel in meinem Leben, in dem ich mehrmals am Tag beim Lieferservice bestellt habe. Oft hat man dann nur die Wahl zwischen Pizza, Burger und vielleicht Curry. Und ich muss auch dazu sagen, mir gefällt es nicht, wohin sich die Lieferdienste entwickeln. Einerseits sind da natürlich die schlechten Arbeitsbedingungen, von denen man immer wieder hört. Andererseits muss man mittlerweile bis zu fünf Euro bezahlen, um das Essen überhaupt rechtzeitig zu bekommen und es im Idealfall auch noch warm ist. Essen zu bestellen wird dann natürlich zum teuren Kostenfaktor. Und dann schmeckt es meistens nicht einmal besonders gut. Außerdem stört es mich, dass ich bei bestelltem Essen nicht weiß, welche Zutaten wirklich drin sind. Ich habe zwar zum Glück keine Allergien oder sonstige Ernährungseinschränkungen, aber ich möchte halt auch nicht, dass das Essen in Öl schwimmt! Mir gefällt, dass man beim Kochen alles selbst in der Hand hat, ich kann Zutaten auswechseln oder die Menge abändern.

Wie sieht es denn mit gesunder Ernährung bei dir aus?

Ich versuche wirklich, mich überwiegend gesund zu ernähren, deswegen gibt es auch ein Fitness-Kapitel im Kochbuch. Ich bin aber schon der Meinung, dass wenn ich mich halbwegs gesund ernähre und regelmäßig meinen Sport mache, dann kann ich am Abend auch einen Wodka-Martini trinken oder Chips essen oder irgendwelche Brownies backen. Ich finde, das gehört zu einem ausbalancierten Leben dazu – und meine unterschiedliche Ernährung wollte ich auch im Kochbuch widerspiegeln. Der rote Rezeptfaden im Buch bin einfach ich.

In Anlehnung an deine berüchtigten Hass-Listen: Welche fünf Lebensmittel magst du überhaupt nicht?

Ich bin eigentlich sehr unkompliziert in dieser Hinsicht. Ich habe eine Zeit lang keinen Koriander gemocht, aber auch das ist vorbei. Was ich nicht mag ist, wenn irgendwo Mayonnaise dabei ist, auch rohe Zwiebeln finde ich voll schwierig, weil ich keinen Mundgeruch haben will. Zu viel Knoblauch finde ich auch nicht gut. Knoblauchbrote in der Pizzeria sind aber geil! Also ich bin wirklich für sehr viel offen und auch sehr experimentierfreudig. Ich esse ja am liebsten so Dinge wie Hirn mit Nieren: Das bekommt man mittlerweile zwar selten, aber wenn, dann bestelle ich es immer.

+++ Hardfacts: Michi Buchinger +++

Michi Buchinger wurde 2009 mit seinen YouTube-Videos bekannt, wiederkehrende Formate sind seine Hass-Listen und Kochvideos. Seit 2018 stand er auch im Rahmen zweier Kabarettprogramme „Lange Beine, kurze Lügen” und „Ein bisschen Hass muss sein” auf den Kleinkunstbühnen des Landes, in seinem Podcast „Buchingers Tagebuch” plaudert er aus dem Nähkästchen.

Buchingers Podcast findet ihr an dieser Stelle, auf Instagram werdet ihr auch immer am Laufenden gehalten.


Live-Termine


MICHI BUCHINGERS VORERST LETZTER LIVE TERMIN

Sonntag, 8. Dezember | Orpheum, Graz

Infos auf dem Stand vom 13.11.2024  

Tickets
Artikel teilen

Könnte dich auch interessieren