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Kultur

Michael Niavarani bringt Shakespeare in den Park

13.04.2023 von Sebastian Fasthuber

Bereits zum vierten Mal lädt das Theater im Park in den Sommermonaten in einen „Garten voller Geschichten, Melodien & Träume”. Im Zentrum steht, neben Abenden im Dienste des Kabaretts, des Wienerlieds, der Kammermusik und Klassik auch die Eigenproduktion „Sommernachtstraum” aus der Feder von William Shakespeare, in Bearbeitung von Hausherr Michael Niavarani. Grund genug, um über zeitlosen Reiz, Theater als moralische Lehranstalt und als Dienstleistungsbetrieb, zwanghaftes Witzeln und Niavaranis Haltung zur Cancel Culture zu sprechen.

Sie setzen im Theater im Park heuer auf Shakespeare und spielen den „Sommernachtstraum“. Was ist Ihr Antrieb?

Ich will zeigen, wie großartig und lustig seine Stücke sind. In England lachen die Leute bei Shakespeare. Wir haben das Problem, dass die deutschen Übersetzungen im 18. Jahrhundert von stocksteifen Gelehrten angefertigt wurden und sich entsprechend fad lesen. Diese Herren der Aufklärung wollten keine pöbelhaften Lacher, sie wollten das Theater als moralische Lehranstalt. Die Idee dahinter war gut, die Ausführung schlecht – ähnlich wie jetzt bei der Cancel Culture. Ohne Humor, davon bin ich überzeugt, kann man niemandem irgendetwas näherbringen.

Was war ihr Wow-Moment mit Shakespeare?

Meine jetzige Frau und ich waren in England. Sie wollte im National Theatre unbedingt „Edward II.“ von Christopher Marlowe sehen. Ich habe Hochkultur immer verweigert, war zwar oft in London in Theater, habe aber immer Musicals oder Stand-up-Comedy besucht. Zum Glück waren wir gerade im Anfangsstadium unserer Beziehung und ich wollte die neue Geliebte nicht allein ins Theater schicken. Ich bin also mitgegangen und war total fasziniert. Was war ich nur für ein Trottel, habe ich mir gedacht. Gleich nach der Vorstellung bin ich in eine Buchhandlung gestürmt, „Macbeth“ habe ich noch in der U-Bahn begonnen. So etwas Spannendes hatte ich noch nie gelesen! Als Komiker haben mich die zwei Mörder in „Richard III.“ besonders fasziniert. Die reden wie Farkas und Waldbrunn in einer Doppelconferènce. Mittlerweile habe ich 250 Bücher zum Thema Shakespeare zu Hause.

Welche Freiheiten haben Sie sich bei der Bearbeitung genommen?

Grundsätzlich alle. Aber den „Sommernachtstraum“ muss man gar nicht umschreiben, die Handlung bleibt komplett gleich. Die Bearbeitung betrifft die sprachliche Oberfläche. Es ist bei uns kein einziger Satz drin, den man nicht versteht, und es werden auch die Witze klarer.

Und ich nehme an, sie haben das Derbe, das die deutschen Aufklärer aus Shakespeares Stücken verbannt haben, wieder reingeschrieben.

Natürlich. Wobei der „Sommernachtstraum“ gar nicht so ordinär ist. Sehr sexuell, aber nicht ordinär. Das ordinärste Stück ist „Romeo und Julia“, da kommen die meisten Umschreibungen für Geschlechtsverkehr und das weibliche Geschlechtsteil vor.

Sie haben das Stück schon vergangenen August gespielt, es feiert aber erst heuer seine offizielle Premiere. Wie kommt das?

Es braucht einige Einspielvorstellungen. Durch das Spielen vor Publikum wird das Timing besser und Dinge entwickeln sich weiter. Vielleicht fallen uns sogar noch zwei, drei Witze ein. Die wirklich offizielle Premiere ist deshalb erst heuer im Mai. Das ist sehr angloamerikanisch. Dort spielen sie oft 50 Vorstellungen vor der eigentlichen Premiere. In einem durchschnittlichen österreichischen Theater braucht es vier Produktionen, um überhaupt auf 50 Vorstellungen zu kommen.

Was ist Ihre Maxime als Theatermacher?

Man muss Geschichten erzählen und darf die Leute nicht langweilen. Ich habe nichts gegen Regietheater, solang es nicht fad ist. Theater ist ein Dienstleistungsbetrieb. Die Leute zahlen Geld, damit sie zwei Stunden unterhalten werden. Oft verweigern sich die Künstler dem, aber es ist so. Man kann ja auch intelligent unterhalten.

Sie kommen als Komiker aus der Simpl-Schule. Denken Sie automatisch in Pointen?

Ja. Es ist eine Gehirnwindung, die man hat. Und sie bringt einen oft in Schwierigkeiten. Was habe ich mir dadurch für Probleme mit meinen Eltern oder Lebensgefährtinnen eingehandelt! Aber ich kann nicht anders. Ich muss diese depperten Witze machen.

Wie lang können Sie ernst sein?

Nicht sehr lang. Vielleicht inszeniere ich einmal etwas Ernstes wie „Madame Butterfly“. Aber es kann passieren, dass ich am dritten Tag alles umwerfe und das Orchester am Anfang „Jingle Bells“ spielen lasse. Ich habe noch nicht das Bedürfnis, den Leuten zu beweisen, dass ich auch ernsthaft spielen kann. Wahrscheinlich wird das bei mir nie kommen.

Sie haben die Cancel Culture angesprochen. Warum wurden Sie mit Ihren nicht immer ganz korrekten Witzen eigentlich noch nicht zur Zielscheibe?

Eine berechtigte Frage. Ich warte schon lange auf meinen Shitstorm. Schließlich steht in jeder Ecke jemand, der nur darauf wartet, beleidigt sein zu können. Aber wahrscheinlich merken diese Leute, dass mir das am Arsch vorbeigeht. Ich habe keine Angst. Dabei halte ich diese Bewegung für sehr richtig. Aber es ist Schwachsinn einen Komiker zu canceln, weil er einen Witz macht, dessen Thema zum Beispiel Hautfarbe ist. Die gehen auf die Falschen los. Ich wäre nur dann für Cancel Culture, würden wir in einer Komödiendiktatur leben, in der sich jeder Mensch täglich ein Kabarettprogramm anschauen müsste.

Wird die Debatte zu aggressiv geführt?

Mittlerweile schon und es fehlt der Humor. Wenn einem bestimmte Themen wichtig sind, sollte man in die Politik gehen und den Menschen erklären, dass zum Beispiel Transgender-Rechte vernünftig und richtig sind, anstatt sich über Witze aufzuregen. Angehen sollte man gegen tatsächliche Diskriminierung, Frauenmorde oder auch ganz grundsätzlich männliches Macho-Verhabern.

Letzte Frage: Wie sind Sie als Chef?

Grauenvoll. Ich nehme nichts ernst, komme manchmal zu spät und es muss immer was Gutes zu essen geben.

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Am Programm der diesjährigen Saison von Theater im Park steht neben Shakespeares "Sommernachtstraum" auch ein breites Programm aus Kabarett, Klassik und Musik - darunter Künstler wie Alex Kristan, Michael Maertens, Gery Seidl, T.C. Boyle, Science Busters, Thomas Stipsits, Lisa Eckhart, Stermann/Grissemann, Christoph Fritz und vielen mehr. Tickets gibt es bei oeticket.com.

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