Harald Hoffmann / Sony Music Entertainment Harald Hoffmann / Sony Music Entertainment
Konzerte

Michael Patrick Kelly im Gespräch

25.11.2022 von Manuel Simbürger

In den 1990ern war er Paddy, heute ist er Michael Patrick Kelly: Das drittjüngste Mitglied der Kelly Family ist mittlerweile auch schon 44 Jahre alt und hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten Stück für Stück von seiner übermächtigen Family emanzipiert und sich als erfolgreicher Solokünstler etabliert. Sein letztes Soloalbum „iD" – mit Radiohits wie „iD", „Roundabouts" und „Et Voila" – hielt sich 94 Wochen in den deutschen Charts und erreichte Platin, die dazugehörige Tournee verkaufte über 500.000 Tickets. In Österreich belegte Michael Patrick mit der Platte den tollen siebten Platz in den Charts. Die aktuelle Scheibe „B.O.A.T.S.“ („Based On A True Story“), die seit einigen Tagen als Extended Version (*hustWEIHNACHTSGESCHENKhust*) erhältlich ist, ist sogar noch erfolgreicher, kletterte in Österreich, Deutschland und der Schweiz bis auf Platz 2 der Charts.

Klar, dass der ehemalige Teenie-Schwarm mit „B.O.A.T.S.“ (ein Schelm, wer jetzt an ein Hausboot denkt!) 2023 auch auf Tour geht – und unter anderem erneut in Österreich Station machen wird. Das erste Mal wird Michael Patrick Kelly, der sechs Jahre in einem Kloster verbrachte und schon mehrmals für Gefängnishäftlinge spielte, in der Wiener Stadthalle für Nächstenliebe und eine bessere Welt eintreten – unterstützt durch poppig-rockige Songs und einer internationalen Live-Band. Es ist das erste Mal, dass der irisch-amerikanische Künstler und „The Voice of Germany“-Coach auf den Bühnen der Stadthalle stehen wird. Aber das ist nicht der einzige Grund, wieso er sich auf seine Rückkehr nach Österreich freut, wie er uns verriet ...

Freust du dich schon auf dein Konzert in der Wiener Stadthalle im Februar 2023?

Absolut! Ich bin sehr gerne in Österreich, mache auch immer wieder Urlaub hier. Sogar eins meiner Bandmitglieder ist aus der Steiermark! Außerdem habe ich viele Freunde in Wien. Ich freue mich sehr, in der Wiener Stadthalle aufzutreten, denn hier haben bereits legendäre Leute wie Jimmy Hendrix und viele andere Musikgrößen gespielt. Für mich ist es mein erstes Mal als Soloartist dort!

Was sind denn deine Lieblingsplätze in Österreich?

Ich mag den Raum rund um Kitzbühel sehr gerne. Manchmal bin ich auch in Vorarlberg in den Bergen unterwegs. Und Oberösterreich gefällt mir auch gut.

Du scheinst ja ein echter Österreich-Experte zu sein!

Nicht ganz. Aber ich müsste, wenn man genau rechnet, in Österreich gezeugt worden sein. Ich kam zwar in Irland zur Welt, aber neun Monate davor lebte meine Familie in Wien. Irgendwo hat sich also die Lokalität in meinen Genen eingeschlichen ... (lacht)

Kommen wir auf deine Tour zurück. Wie würdest du jemandem, der dich noch nie live auf der Bühne gesehen hat, ein Michael-Patrick-Kelly-Konzert beschreiben?

Ein Michael-Patrick-Kelly-Konzert is a celebration of life! Damit meine ich, dass das Konzert sehr emotional ist. Es gibt euphorische, glückliche Explosionsmomente genauso wie sehr ruhige Momente, in denen es auch um Trauer und Schweigen geht.

Es gibt bei jedem meiner Konzerte eine Schweigeminute für den Frieden, die mit einer Peace-Bell eingeläutet wird; also eine über 800 kg schwere Friedensglocke, die aus Kriegsschrott gegossen ist. Das bedeutet: Wir haben Panzerstücke aus Butscha und Granathülsen aus Kiew eingeschmolzen und aus diesen Metallen die Friedensglocke geschmiedet. Diese Glocke kommt von der Decke heruntergefahren und wird dann geläutet, woraufhin 10.000 Menschen für eine Minute für den Frieden schweigen. Das ist für mich immer ein absoluter Gänsehaut-Moment!

Genauso gibt es in meinem Konzert aber auch Songs, die dem Hardrock-Genre zugeordnet werden können. Da geben wir zum Beispiel mit Pyro so richtig Gas! Auch Popsongs, die man vielleicht aus dem Radio kennt, sind dabei. Aus musikalischer Sicht gesehen ist es also ein Pop-Rock-Folk-Konzert.

Klingt sehr vielfältig und sehr emotional!

Ich weiß, dass etliche Menschen bei meinen Konzerten weinen. Musik hat die Kraft zu berühren. Deshalb ist es mir auch wichtig, so nahe wie möglich beim Publikum zu sein. Statt einer B-Stage gibt es bei mir eine Boot-Stage, nämlich ein ähnliches Boot, wie es auf dem Cover des aktuellen Albums „B.O.A.T.S.“ zu sehen ist.

Das bedeutet, das Boot löst sich von der Bühne und geht durch die Arena. So kann ich auch den Leuten in den hinteren Rängen etwas näher sein. Das ist mir sehr wichtig und ist sehr schön. Es ist wirklich toll.

Du trittst mit einer tollen Live-Band auf ...

Genau. Meine Band ist sehr international. Mein Drummer ist aus den USA und hat schon mit Lenny Kravitz oder auch Katy Perry gespielt. Mein Bassist ist aus Großbritannien, meine Keyboarderin aus Irland. Einer meiner beiden Gitarristen ist aus Ecuador – und der andere eben aus der Steiermark! Das sind alles wirklich tolle und talentierte Jungs und Mädels.

Außerdem gibt es eine sehr große LED-Wall, mit der wir beeindruckende Bilder zu den jeweiligen Songs projizieren können. Passend zum Albumtitel „B.O.A.T.S.“ – „Based On A True Story” – versuche ich, die Songs mit einer kleinen Story vorzustellen und die Hintergründe des Songs zu erklären. Das ist toll, weil die Connection zum Publikum somit eine noch größere ist.

Insgesamt spielen wir zweieinhalb, manchmal sogar drei Stunden. Es ist also wirklich eine big show!

Deine Songs sind sehr persönlich, du öffnest deine Seele vor tausenden wildfremden Menschen. Wie psychisch anstrengend, vielleicht sogar schmerzhaft kann dieser Seelenstrip sein?

Es gibt einen Song, der mir immer wieder mal schwer fällt zu singen. Dieser Song handelt von meiner verstorbenen Schwester. Manchmal gibt's Abende, an denen mir dieser Song einfach so sehr nahe geht, dass ich mit den Tränen kämpfen muss.

Einer meiner Vorbilder, was das Zulassen von Emotionen auf der Bühne angeht, ist Jacques Brel [belgischer Chansonnier; Anm.]. Immer, wenn er „Ne me quitte pas“ gesungen hat, sind ihm Tränen über die Wangen gekullert. Das sind ehrliche Emotionen, kein method acting! Auch ich versuche, bei jedem Song in die jeweilige Emotionslage zu kommen und das Gesungene gemeinsam mit dem Publikum intensiv zu leben.

Du hast aber Recht: Solch ein Konzertabend ist eine Achterbahnfahrt der Emotionen, man ist nach dem Konzert sehr aufgewühlt. Das ist wie eine zweieinhalbstündige Therapie! (lacht)

Deine aktuelle Single „Wonders“ handelt, wie der Titel schon sagt, um Wunder. Glaubst du persönlich an Wunder?

Für mich gibt es drei Kategorien von Wunder. Erstens: Die Natur und der Kosmos, in dem wir leben. Diese Dinge kann man zwar wissenschaftlich erklären, sind aber trotzdem wahnsinnig bewundernswert. Das menschliche Herz zum Beispiel schlägt ungefähr hunderttausendmal am Tag und hält uns am Leben. Wow! Wir nehmen die Erde, die Sonne, die Natur, etc. als selbstverständlich wahr, aber eigentlich sind das alles große, krasse Wunder.

Die zweite Kategorie von Wunder: Zivilcourage und Nächstenliebe. Wenn Menschen komplett selbstlos handeln, um jemand anderem das Leben zu retten. Manchmal riskieren sie dabei sogar ihr eigenes Leben. Diese Art von menschlichem Verhalten empfinde ich als heilig.

In die dritte Kategorie fallen Dinge, die wir tatsächlich rational und wissenschaftlich nicht erklären können. Ich bin kein Esoteriker oder glaube an Hokus Pokus. Jedoch glaube ich sehr wohl, dass es eine Dimension inmitten oder neben unserer Realität gibt, die nicht materiell ist. Meine feste Überzeugung: Wir Menschen sind nicht nur eine biologisch-chemische Masse, sondern haben auch eine Seele. Diese Seele können wir auf einer unsichtbaren Ebene spüren. Hier spielt natürlich auch der Glauben eine große Rolle. Aber nicht der Aberglauben (lacht)!

Wir leben seit geraumer Zeit in einer krisengebeutelten Welt. Haben dich die vergangenen Jahre an deinem Glauben zweifeln lassen? Hast du dich manchmal gefragt, wie Gott solch schlimme Dinge zulassen kann?

Mein Vertrauen in Gott ist auf jeden Fall eine Säule in meinem Leben. Aber trotzdem bin ich ja nicht immun gegen all die Sorgen und Ängste unserer Zeit. Trotzdem ist der Glaube an Gott für mich ein Fundament, das mir sehr viel Frieden, Zuversicht und Hoffnung schenkt.

Der größte Teil unserer Probleme ist ja nicht von Gott verursacht, sondern von uns Menschen selbst. Wir sind es, die Kriege führen, die wirtschaftliche Entscheidungen treffen. Trotzdem aber schimpfen wir dann mit Gott und fragen ihn erbost, wieso er schlimme Dinge zulässt. Das ist so, als wenn sich Kinder im Sandkasten streiten und irgendwann zu Papa und Mama sagen: „Du bist schuld an unserem Streit!“

Aber natürlich gibt es trotzdem Probleme, die nicht von Menschen verursacht sind und bei denen man sich fragt, wie sie passieren können. Das Gute in meinem Verständnis von Gott ist, dass man mit ihm über alles sprechen und auch sehr ehrlich sein kann. Ich glaube, das kann er aushalten! Wichtig ist, den Draht zu Gott offen zu halten. Er ist wie ein Big Dad, mit dem man auch streiten oder bei dem man seine Frustration abladen kann – und trotzdem ist er immer da.

Du hast zu Beginn die Schweigeminute für den Frieden in deinen Konzerten erwähnt. Glaubst du, dass du von Gott auf die Erde geschickt worden bist, um mit deiner Musik für Frieden auf der Welt zu sorgen? Ist das deine göttliche Bestimmung auf Erden?

Ich denke, dass jeder Mensch einzigartig und gewollt ist. Kein Mensch ist bloß ein Zufallsprodukt. Auch wenn wir von unseren Eltern nicht geplant waren – the Mastermind behind the Universe hat uns geplant! Das ist mein fester Grundglaube.

Außerdem glaube ich, dass jeder Mensch mit bestimmten Fähigkeiten und Talenten gesegnet wurde. Es ist wichtig für das Wohl der Gesellschaft, dass wir unsere Gaben so gut es geht ausüben. Wir alle wurden aus einem bestimmten Grund auf die Erde geschickt, jeder und jede einzelne von uns trägt zu einer guten Gesellschaft bei, zu einer großen humanen Familie.

Die Mediziner sind für die Gesundheit zuständig, die Polizei und die Feuerwehr für die Sicherheit, usw. Ich als Musiker bin für die Emotionen da. Das ist meine Berufung. Musik hilft uns, loszulassen und Eins mit unseren Gefühlen werden zu können – das haben wir zum Beispiel in der Pandemie sehr gut gesehen. Stell dir mal ein Leben ohne Musik vor! Nietzsche hat mal gesagt: „Das Leben ohne Musik wäre ein Irrtum!“ Und ich finde, da hat er Recht.

Michael Patrick Kelly spielt am 11. Februar in der Wiener Stadthalle, am 14. Juli dann in Ansfelden. Tickets gibt es bei oeticket.com.

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