Bild: Jeanette Sophie
Unter ihrem bürgerlichen Namen Vanessa Dullhofer wurde sie 2021 in der TV-Castingshow “Starmania” Dritte. Ihre erste Single hat NESS kurz danach veröffentlicht. Seither avancierte sie mit eigenen Songs sowie über Features und Remixes langsam zum Streaming-Star. In Deutschland ist die österreichische Sängerin heute ebenso beliebt wie in ihrer Heimat. Im November erscheint ihre neue EP “Leben überleben”, die fast schon ein Album ist.
Ich mache seit vier Jahren Musik und versuche, mich nicht von Zahlen leiten zu lassen - auch wenn sie toll klingen. Musik ist für mich mehr als das. Aber natürlich rutscht man immer wieder in diese Vergleichsmuster rein. Interessant ist: Wenn ich auf Tour bin und die Menschen wirklich aktiv sehen kann, verschwindet das komplett.
Ich brauche zum Schreiben schon Ruhe und einen Raum, der sich für mich sicher anfühlt, damit ich mich öffnen kann. Aber das Handy ist nie aus. Meistens spiele ich in den Sessions nebenbei Clash Royale. Ich bin aber dankbar, wenn mir jemand sagt: Hallo, schau mal kurz auf, es passiert hier gerade voll viel. Manchmal verliere ich mich in meinem Handy.
Ja, sehr gern. Ich glaube, ich unterscheide mich da von anderen Menschen aus der Musikindustrie. Oft höre ich, dass Artists Social Media hassen und das gar nicht machen wollen, aber eben müssen. Dabei ist es ein super Tool, um deine Musik und dich selbst zu vermarkten. Deswegen ist es eigentlich ein Segen, aber natürlich auch ein Fluch. Denn es kommt nebenbei leider sehr viel Blödsinn mit.
Komplett spontan. Ich habe vor zwei, drei Jahren ein TikTok-Cover von “Geboren um zu leben” gepostet. Kontra K hat das später entdeckt. Ich wurde gefragt, ob ich Lust drauf habe, auf seiner Version zu singen. Hatte ich. Meine Oma ist richtig ausgeflippt. Sie hat früher immer Unheilig gehört, ich bin mit der Musik aufgewachsen. Das Lied war damals sogar ihr Klingelton. Ich bin übrigens sehr froh, dass Der Graf jetzt wieder da ist, auch wenn ich nichts damit zu tun habe.
Was für mich Features ausmacht, ist die Zusammenarbeit mit Menschen, die mich inspirieren. Und das Schöne ist, dass man so auch die einzelnen Communities miteinander verbindet und erweitert. So entdecken andere Leute vielleicht meine Musik. Darum geht es doch: Musik soll verbinden. Das passiert durch Features.
Kontra K spielt übrigens im Rahmen seiner “Augen träumen Herzen sehen” am 17. November in der Wiener Stadthalle D [Tickets gibt es bei oeticket], Unheilig geben im Sommer 2026 zwei Comeback-Konzerte in Graz und auf Burg Clam [Tickets gibt es bei oeticket], 2027 gehen sie dann auf “Liebe Glaube Monster”-Tour und gastieren im Februar in Wien und Innsbruck [Tickets gibt es bei oeticket].
Auf jeden Fall. Jeder wünscht sich einen Solo-Song, der so riesengroß ist wie “Geboren um zu leben”. Eine Zeit lang habe ich mir selbst Druck gemacht. Nach dem Motto: Jetzt habe ich schon so viele Songs und keiner davon ist crazy explodiert. Aber ich erreiche trotzdem ganz schön viele Menschen damit. Selbst wenn ich nie einen großen Hit landen werde, habe ich schon mehr geschafft, als ich mir jemals erträumt habe. Eine Draufgabe wäre natürlich schon, aber ich bin superhappy damit, wo ich gerade stehe.
Das ist eine sehr gute, berechtigte Frage. Eigentlich ja. Von der Songanzahl wäre es ein klassisches Album.
Wenn ich irgendwann ein Album mache, und es wird bald soweit sein, muss einfach alles passen. Es braucht ein Konzept dahinter und jeder Song muss an der richtigen Stelle stehen. Bei einer EP ist dieser Zusammenhang nicht unbedingt nötig, es sind zum Beispiel auch schon ältere Stücke mit drauf. Das heißt nicht, dass die Songs schlechter sind, überhaupt nicht. Aber sie erfüllen für mich das Konzept und Format eines Albums nicht.
Würde ich schon sagen. Es heißt ja oft, das Album sei ein Auslaufmodell. Ich bin so dankbar, dass Künstler*innen immer noch Alben machen, auch wenn sie weniger gehört werden. Wer hört sich mittlerweile ein Album von vorn bis hinten in der korrekten Reihenfolge an? Nicht so viele. Aber wenn Musiker weiter Alben machen, wird es immer Menschen geben, die das lieben.
Der Song und die Formulierung stammen aus einer Phase, in der es mir nicht so gut ging. Ich hatte eher das Gefühl, dass ich überlebe, anstatt aktiv zu leben. Ein voll unangenehmer Zustand. Ich wollte einen Song machen, der das beinhaltet, aber auch eine andere Perspektive bietet. Nach meinen Songs sollen die Menschen ja nicht trauriger sein als davor. Es muss immer ein bisschen Hoffnung mitschwingen. Und ich fand dieses Bild einfach schön, zu sagen, wir zusammen als Gesellschaft müssen mehr zusammenrücken, uns auffangen, uns Liebe schenken. Lass uns dieses Leben, das so begrenzt ist, gemeinsam überleben.
Der ist extrem, aber vor allem auch sehr ehrlich. Er hat für mich eine Ehrlichkeit, aufgrund der ich mir zuerst nicht sicher war, ob ich ihn überhaupt veröffentlichen will. So verletzlich war ich noch nie auf einem Song. Aber hätte ich ihn nicht rausgebracht, wäre er eine krasse Last für mich.
Ich wollte mal so einen sexy-provokanten Song machen. Er war ursprünglich nur für mich gedacht, denn im Grunde passt er nicht zu meinem Projekt. Ich habe ihn dann aber auf TikTok angeteasert. Und auf einmal wollte jeder diesen Song. Die Leute haben keine Ruhe gegeben und immer wieder danach gefragt. Nach langem Überlegen habe ich mich dazu entschieden, ihn doch rauszubringen.
Außer für Ballermann-Sound bin ich für fast alles zu haben. Ich schätze selbst auch Musik, die - ich will nicht sagen, belanglos -, aber einfach glücklich, lustig, dancy ist, weil das brauchen wir auch. Musik kann ja in viele Richtungen gehen. Aber ich habe für mich entdeckt, dass das nicht meine Form ist, weil ich dabei nichts fühle. Meine Songs müssen für mich immer eine tiefere Bedeutung haben.