Bild: Universal Music
Seit vergangenem Jahr ist Olivia Rodrigo auf “GUTS World Tour”, natürlich ohne Termin in Österreich. Bei ihrem vorletzten “Guts”-Tourstopp am 24. Juni in Dublin hat Rodrigo einer ihrer Lieblingsbands Tribut gezollt: Sie spielte “I Love You” von Fontaines D.C. - und immerhin die kommen demnächst nach Österreich.
“Guts”, Olivia Rodrigos zweites Album, war zweifelsohne eines der besten Pop-Alben des Jahres 2023. Seit Februar 2024 stellt Olivia Rodrigo das Album auf ihrer “Guts”-Welttournee auch live vor - natürlich sind seit Anbeginn alle Termine in Amerika, Europa, Asien und Down Under restlos ausverkauft. Das liegt jedoch nicht nur an Rodrigo selbst, sondern auch an den Support Acts: Unter anderem St. Vincent (die diese Woche erst im Wiener Globe eine fantastische Show abgeliefert hat), PinkPantheress, Chappell Roan (bald am Frequency!) und Beabadoobee spielten im Vorprogramm, und bei ihrem Konzert in Inglewood sangen Rodrigo und Chappell Roan sogar zusammen “Hot To Go!”.
Natürlich ging Österreich auch bei Olivia Rodrigo wie bei so vielen anderen Megastars leer aus - vielleicht wird sich das durch die neue Eventarena in St. Marx dann ändern? Für die “Guts”-Tour von Olivia Rodrigo bringt uns dieser Hoffnungsschimmer jedoch nichts mehr, denn sie spielt gerade ihre letzten Konzerte: Nach Dublin am 24. Juni stehen noch Auftritte unter anderem beim Glastonbury Festival, beim Roskilde in Dänemark und beim Lollapalooza in Paris an. Und bei ihrem Auftritt in Dublin hat Olivia Rodrigo einer ihrer Lieblingsbands Tribut gezollt: Sie spielte von Fontaines D.C., die vergangenes Jahr auch das Arena Open Air bei uns ausverkauft haben, “I Love You”.
“I am really obsessed by this band, Fontaines D.C.”, sagt Olivia Rodrigo da, bevor sie “I Love You” spielt: Es ist dies neben “Hot to Go!” von und mit Chappell Roan, “Don't Speak” von No Doubt, “If It Makes You Happy” von und mit Sheryl Crow und “Smile” von und mit Lily Allen sowie “Burning Down the House” von Talking Heads, den sie auch gemeinsam mit David Byrne sang, eines der wenigen Cover, die sie im Rahmen ihrer “Guts”-Tour gespielt hat.
Fontaine’s D.C. gehören aktuell zu den spannendsten Musik-Exporten, die Irland zu bieten hat: Schon mit dem 2019 erschienen Debüt “Dogrel” manifestierte sich das Quintett rund um Sänger Grian Chatten zur großen Post-Punk-Hoffnung - eine Erwartungshaltung, die man mit dem Nachfolger “A Hero's Death” (2020) und “Skinty Fia” (2022) auch mühelos sprengte, bevor man mit dem aktuellen Album “Romance” (2024) etwas mehr in Indie-Gefilde schielte.
“I Love You” stammt jedoch noch vom dritten Album “Skinty Fia”: Der Titel liest sich dabei natürlich schnell wie eine Liebeserklärung - was auch zu Olivia Rodrigo passen würde. Ganz so einfach ist es allerdings nicht: Denn mit “You” ist hier in erster Linie keine Person, sondern die irische Heimat der fünf Musiker gemeint. Klar: Punk hatte schon immer eine zumindest subversive und politisch aufgeladene Tradition, aber Chatten hat “I Love You” als “den ersten offen politischen Song, den wir je gemacht haben” bezeichnet. Für seine innere Zerrissenheit gegenüber Irland findet er im Song wie gewohnt poetische Worte: “I loved you like a Penny loves the pocket of a priest / And I’ll love you ’til the grass around my gravestone is deceased”. Der Song steigert sich dann immer weiter, versteckt er sich nicht hinter Metaphern, sondern findet klare Worte - wie etwa zur hohen Suizid-Rate unter jungen Männern in Irland: „Hold a mirror to the youth and they will only see their face / Makes flowers read like broadsheets, every young man wants to die / Say it to the man who profits, and the bastard walks by“. Mit „I Love You“ finden Fontaine’s D.C. einen eindrucksvollen Mittelweg zwischen Liebe und Verbundenheit zur eigenen Kultur auf der einen Seite und Kritik an Missständen in der Vergangenheit und Gegenwart des Landes auf der anderen.
Und auch, wenn wir Olivia Rodrigo zumindest vorerst nicht in Österreich zu sehen bekommen: Vielleicht trösten uns der Auftritt von Chappell Roan am FM4 Frequency und das Konzert von Fontaines D.C. in Graz ein wenig darüber hinweg …? Im Vorprogramm von Fontaines D.C. werden wir übrigens eine weitere irische Post-Punk-Band hören: Sprints haben erst vergangenes Jahr ihr Debütalbum “Letter To Self” auf die Menschheit losgelassen - dominiert von Karla Chubbs kratziger Stimme und hypnotisch wiederholenden Buzz-Lines. Ende September folgt dann schon ihr zweites Album “All That Is Over”.