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Oska: "Ich bin ein bisschen über mich hinausgewachsen"

25.06.2025 von Sebastian Fasthuber

Die österreichische Sängerin Oska im Gespräch über ihr neues Album “Refinde Believer”, eine Karriere ohne Hype, Coldplay, und warum sie keine Kontrolle über ihre Musik hat.

Mit traumwandlerischer Sicherheit balanciert Oska zwischen Pop und Indie. Unter diesem Namen ist die österreichische Singer/Songwriterin Marie Burger inzwischen auch international schon ein Begriff. Von Anfängen als Straßenmusikerin hat sie es bis zum Support-Act von Coldplay (und im Herbst dann auch von Tom Odell, der erst im Vorprogramm von Billie Eilish zu hören war) geschafft. Inzwischen pendelt sie zwischen London und Rastenfeld in Niederösterreich. Ihr zweites Album “Refined Believer” macht viel Freude: Die Songs sind nicht zu Tode produziert, sondern dürfen atmen, und die Stimme ist toll.

Oska ist live derzeit sehr aktiv, sie spielte vor kurzem einen ausverkauften Gig im Wiener Konzerthaus und ist am 4. Juli Support von Christina Stürmer bei deren Arena Open Air (sowie am 25. am Linzer Domplatz). Eigene Konzerte gibt es am 11. Juli bei den Festwochen Gmunden und am 12. beim Poolbar Festival in Feldkirch. Die eigentliche Tour zum Album folgt 2026: Oska spielt dann im Frühjahr in Salzburg, Linz, Dornbirn, Graz und Wien.

Oska 2020 während Corona, im Juni im Schlawiner, im September beim mobilen Donauinselfest. Bilder: Stefan Baumgartner

Du hast dir eine erfolgreiche Karriere aufgebaut, während wegen Corona alles stillstand. Wie konnte das in der Zeit funktionieren?

Weil ich damals alles reinstecken konnte. Je älter man wird, umso mehr Rechnungen bekommt man und desto schwieriger wird es. Es gab in der ersten Zeit genug Wellen an Aufmerksamkeit, die das Projekt vorangetrieben haben und mich auch immer wieder überrascht haben. Als der erste Song rauskam, habe ich mich gefragt, ob ihn sich überhaupt wer anhört. Und dann freut man sich, dass er auf FM4 gespielt wird. Solche kleinen Meilensteine kamen immer wieder. Einen Hype gab es nie, was ich sehr angenehm fand. Es passt zu meiner Persönlichkeit, dass ich Oska sehr stetig und auch mit Ruhe aufgebaut habe.

Und dann warst du auf einmal Support Act von Coldplay im Ernst-Happel-Stadion und sangst vor insgesamt 240.000 Menschen. Wie kam es dazu?

Ich weiß es bis heute nicht wirklich. Wir sind nicht auf Coldplay zugegangen, das ist ein bisschen von selber passiert. Coldplay wollen immer lokale Künstler als Support, soviel ist bekannt. Wahrscheinlich hat der Veranstalter in Österreich verschiedenste Vorschläge abgegeben. Nach dem Motto: Das wären Künstler, die in Frage kämen. Ich schätze mal, Coldplay hören kurz rein bei jedem und machen dann eine Bauchentscheidung.

Wie war die Erfahrung, in einem Riesenstadion auf der Bühne zu stehen?

Es war große Vorfreude da. Aber gleichzeitig war ich auch sehr gestresst, weil man macht sich da schon Gedanken, wie das wird und wie man sich auf sowas vorbereiten kann. Irgendwann habe ich beschlossen: Ich mache einfach, was ich kann und was ich immer mache - egal ob das jetzt eine kleine Bühne ist oder eine riesige. Ich bin mit einer Ruhe und Freude rausgegangen und habe versucht, zu zeigen, wo ich gerade stehe und was ich kann. Über die vier Tage bin ich auf der Bühne viel selbstsicherer geworden. Ich bin ein bisschen über mich hinausgewachsen, so kitschig das klingt.

Wie sehr hast du sonst noch davon profitiert?

Viele Leute, die jetzt zu meinen Konzerten kommen, sagen, dass sie mich bei Coldplay gesehen und entdeckt haben. Oska ist in Österreich jetzt eher ein Begriff.

Interessant an deiner Musik ist, dass sie kaum zu definieren ist. Sie ist Pop und gleichzeitig Indie, läuft auf Ö3 und FM4. Existieren für dich diese Geschmacksgrenzen nicht?

Es ist lustig: Mir ist klar geworden, dass ich nicht ganz beeinflussen kann, wie meine Musik wird. Ich würde manchmal gerne sagen: Jetzt schreibe ich einen Indie-Hit oder einen Pop-Hit. Aber meine Musik ist, was sie ist. Ich habe sehr wenig Kontrolle drüber. Manchmal hätte ich gern, dass sie ein bisschen definierter ist. Auf der anderen Seite finde ich es voll schön so.

Das neue Album heißt “Refined Believer”. Wie ist der Titel zu verstehen?

Ich finde, er fasst das Album gut zusammen. Für mich war es eine Reise. Vielleicht bin ich kurz vom Glauben abgekommen. Ich bin jung und idealistisch in diesen Job reingegangen. Dann macht man seine ersten Erfahrungen, auch Enttäuschungen und lernt extrem viel draus. Von diesem Prozess erzählen die Lieder. Es sind einfach viele persönliche Dinge passiert in der Zeit, als ich begonnen habe, das Album zu schreiben. Viele Veränderungen, Sachen, die ich loslassen musste. Für mich war das Schreiben ein sicherer Hafen, um das Ganze zu verarbeiten.

Man spricht manchmal vom “schwierigen zweiten Album”. Kannst du das bestätigen?

Ich weiß nicht, ob das mit dem zweiten Album zusammenhängt, aber mir ist klargeworden, dass Oska mit mir steht und fällt. Es gibt kein Riesenteam dahinter, da sind nur meine Managerin und ich. Das löst manchmal Druck aus. Und es ist ein Kraftakt, so ein Album zu machen. Das durchzuziehen. Jetzt bin ich stolz, dass ich das geschafft habe und es in den Händen halten kann. Ich habe das zweite Album auch gemacht, um weiterzukommen und hoffentlich ein drittes und viertes machen zu können.

Du hast in London an Musik gearbeitet, bist gleichzeitig aber auch von Wien nach Niederösterreich zurück zu deiner Mutter gezogen. Erzähl bitte über die Beweggründe.

Meine Wien-Zeit war vorbei, das habe ich ganz stark gespürt. Lange stand Berlin am Plan. Und dann habe ich mich für London entschieden, weil sich da von selber einige Türen geöffnet haben. Ich fand London immer so cool und hätte mir das früher schon gewünscht. Ich habe mir aber gedacht, da gibt es schon so viele Künstler. Was soll ich da als Österreicherin? Aber irgendwann habe ich so viel Zeit in London verbracht, dass ich die Wohnung in Wien auch sein lassen konnte. Dann habe ich meinen Lebensmittelpunkt ins Waldviertel verlagert. Die Diskrepanz zwischen Waldviertel und Großstadt finde ich cool und sehr inspirierend.

Und zwischen diesen beiden Polen pendelst du?

Nicht nur. Ich war jetzt auch eine Zeit lang in Nashville und habe dort geschrieben. Ich genieße es gerade, dass in meinem Leben vieles sehr offen ist. Ich weiß gar nicht genau, wo ich wohnen will. Ich weiß nur, dass ich Musik machen möchte.

Du genießt also die Freiheit. Deine Musik strahlt das auch aus.

Cool, das freut mich. 

Auf der anderen Seite muss man für eine Musikkarriere auch viele Kompromisse machen, nicht?

Schön, dass du das ansprichst. Das sehen irgendwie die wenigsten Leute. Ich bin sehr viel unterwegs und verpasse dadurch zum Beispiel Geburtstage von meiner Familie oder bin auch an meinem eigenen Geburtstag weg. Das tut mir eigentlich am meisten weh. Finanziell ist es auch so, dass ich das meiste, was ich verdiene, wieder ins Projekt stecke: Vom Album bis zu Musikvideos finanziert man sich sehr viel selber.

Was ist das Schönste an deinem Job?

Einerseits das Schreiben. Wenn ich eine Idee habe, sie verfolge und in einem Flow bin. Ich liebe es aber genauso, im Studio aufzunehmen. Mein Produzent hat mir diesmal Produktionscredits gegeben, weil ich mich so eingebracht habe. Ich genieße es voll, wenn ich einen Tag im Studio arbeite und es tut sich was. Am Weg nach Hause sitze ich mit dem Song im Ohr in der U-Bahn. Ich glaube, nur bei wenigen Jobs hat man gleich so ein Ergebnis.


Live-Termine


Oska

04. Juli 2025 | Wien, Arena Open Air (mit Christina Stürmer)
11. Juli 2025 | Gmunden, HIPP Halle (im Rahmen der Festwochen Gmunden)
12. Juli 2025 | Feldkirch, Altes Hallenbad (im Rahmen vom Poolbar Festival)
25. Juli 2025 | Linz, Domplatz (mit Christina Stürmer im Rahmen von Klassik am Dom)
23. November 2025 | Wien, Wiener Stadthalle D (mit Tom Odell)
12. März 2026 | Salzburg, ARGEkultur
19. März 2026 | Linz, Posthof
21. März 2026 | Graz, Orpheum
22. Mai 2026 | Wien, Arena


Infos auf dem Stand vom 25.06.2025  

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