Bild: Thomas Gidén
Mit “Sind sie zu stark, bist du zu schwach” werden Hustenbonbons beworben. Es ist dies ein pointierter Slogan, der aber auch auf drei Bands zutrifft, die sich kommendes Jahr dazu anschicken, die Raiffeisen Halle im Gasometer “zu zerstören”: So unterschiedlich und einzigartig Amon Amarth, Kreator und Machine Head auch sein mögen - sie alle verfügen über absolute Abriss-Qualitäten. Bewiesen wurde das bereits unzählige Male.
“Zerstören wir die Halle”, das ist ein alter Schlachtruf, den Mille Petrozza von Kreator wohl so um 1988 eingeführt haben muss und der bis heute zumeist live auf der Bühne zu hören ist, um die tobende Meute davor anzustacheln: Wenn Kreator, die selbstbezeichneten “Hordes of Chaos”, eine Konzerthalle in Besitz nehmen, dann ist Eskalation vorprogrammiert - Moshpits und fliegende Bierbecher inklusive, dem stolzen Einkaufspreis von sechs Euro aufwärts zum Trotz.
Doch die Ruhrpotter Thrash-Legenden haben die Zerstörung nicht für sich allein gepachtet. Wenn die schwedischen Melo-Deather von Amon Amarth einfallen, dann werden naturgemäß Erinnerungen an die Vikingerzeit wach: An allen Ecken und Enden der Halle brennt es, während Berserker Johan Hegg sein Longship durch die Halle pflügt. Der einzige Unterschied zur Wikingerzeit: Für die Enthauptung sorgt das Publikum beim Headbangen schon selbst, seine Axt muss Hegg nicht führen.
Hier die Axt - dort der Hammer: “With bloody fists I'll batter like a ten ton hammer” brüllt Robb Flynn im Bandklassiker “Ten Ton Hammer”, und tatsächlich sind die Neo-Thrasher Machine Head live nichts weniger als ein stringentes Geprügel, das die lärmende “Catharsis” durch jede Körperöffnung treibt, sodass selbst ein Stahlbetonkoloss wie die Raiffeisen Halle im Gasometer zwangsweise zumindest zwei Meter tiefergelegt wird. Aber: Manchmal gibt's nach der Peitsche auch Zuckerbrot …
Zur Einstimmung auf die drei Konzerte von Amon Amarth, Kreator und Machine Head kommendes Jahr in der Raiffeisen Halle im Gasometer gibt es an dieser Stelle schon einmal eine subjektive Best-of-Playlist von allen drei Bands - dabei ist jedes Album chronologisch einmal vertreten.
Erst kürzlich gab es von Amon Amarth mit ihrer neuen Single “We Rule The Waves” ein amtliches Statement, ein Statement, das zudem gleich ein neues Album für kommendes Jahr ankündet: “Klanglich barbarisch, aus Stahl gemeißelt, über Ozeane hallend”, verspricht dazu der Pressetext pathetisch.
Seit den frühen Neunzigern pflügen die Mannen rund um Johan Hegg über Land und See, wie schon die Wikinger anderthalbtausend Jahre vor ihnen. Benannt nach dem Schicksalsberg aus Tolkiens Klassiker “Der Herr der Ringe”, haben die Berserker wie auch ihre Vorfahren seit jeher den Segen und die Kraft von Gott Odin an ihrer Seite, wenn sie bewaffnet mit Axt und Hammer und begleitet von einem Flammenmeer durch die nordische Mythologie preschen: Wer Amon Amarth schon einmal live erleben durfte (zuletzt 2023 am Nova Rock Festival, 2022 in der Wiener Stadthalle) weiß, dass dies einer leibhaftigen Geschichtsstunde in der Größenordnung Sabatons gleichkommt, nur dass die Wikinger tatsächlich keine Gefangenen machen.
Wenn Amon Amarth auftauchen, dann grollt und lodert es an allen Ecken und Enden, und Hegg schnaubt als stimmliche Dampframme ins Mikro: “Vikings - raise the shield wall, hold the front lines! Fight 'til death!” Da kreist der Kopf von ganz allein und muss mit der Axt nicht erst enthauptet werden - und ja, auch die Trinkhörner sind bis zum Anschlag mit Gerstensaft gefüllt. Für manche mag das nach Klischee klingen, für viele jedoch nach ganz großem Theater: Amon Amarth sind der Thor der Metalwelt - Meere teilend und Schädel spaltend. Und im November, da werden Hugin und Munin über dem Gasometer kreisen …
Dieses Jahr gab es gleich zwei eindrucksvolle Lebenszeichen von Kreator: Einerseits veröffentlichte Sänger/Gitarrist Mille Petrozza seine Autobiografie “Your Heaven, My Hell”, begleitend dazu erschien der Dokumentarfilm “Hate & Hope”. Und nun folgt im Jänner ihr neues Studioalbum “Krushers Of The World” - ein absoluter Triumphzug zwischen totaler Zerstörung und ätherischer Erlösung.
Es ist dies ein Albumtitel, der treffender nicht sein könnte: Seit den Achtzigern pflügen Kreator aus dem Ruhrpott heraus dermaßen durch die Botanik, dass hierauf kein Gänseblümchen mehr steht - und ja, das gilt selbst für ein vergleichsweise experimentelles Album wie “Outcast”. Kein Wunder, dass da das Titelstück von ihrem zweiten Album “Pleasure To Kill” (1986) sogar in der umjubelten Netflix-Serie “Dark” verwurstet wurde.
Fast zwanzig Jahre später haben Kreator ihre ruppigen Anfangstage verdichtet, ihre unikale Brillanz ist es heute, Brutalität mit Bombast kongenial zu verschmelzen. Dementsprechend ist “Krushers Of The World” nicht lediglich ein knackiger Albumtitel, sondern vielmehr ein Statement: Bei ihnen trifft die Aggression von Slayer auf die Erhabenheit von Iron Maiden und den Bombast von Arch Enemy. Umgelegt auf das Marvel-Universum: Wenn Amon Amarth Thor ist, dann ist Kreator Thanos: “When I’m done, half of humanity will still be alive.”
“Klotzen, nicht kleckern” ist die Devise von Machine Head: Das bewiesen sie etwa schon 2019 in der Raiffeisen Halle im Gasometer, als sie den 25. Geburtstag von ihrem Debütalbum “Burn My Eyes” feierten. Mit dem spielten sie dereinst, 1994, bei ihrer ersten Europa-Tour sogar Slayer gegen die Wand. 25 Jahre später spielten sie es im Anschluss an ein 17-Song-starkes “Best-of”-Set in voller Länge, noch dazu mit den ehemaligen Band-Mitgliedern Chris Kontos und Logan Mader. Zum Abschluss gab es damals noch ein Medley aus Metallica-, Iron Maiden-, Slayer- und Megadeth-Klassikern. Die Konzertdauer? Etwa zweieinhalb Stunden.
Für ihr Konzert 2026 im Gasometer legen Robb Flynn und Co. noch eins drauf: Es wird keine Vorband geben. Dafür werden Machine Head gleich drei Stunden spielen. “Three hours of anthems, deep cuts, ragers and epics, the songs you've screamed so loud we could feel it in our bones”, wird versprochen - und gleich eine Aufforderung an die Fans nachgeschossen: “I want to see you jump until the floor shakes. I want to hear those first words of ‘Halo’ explode like a war cry. I want to hear that massive ‘Let freedom ring!!!' during ’Davidian' that rattles the walls. I want to feel the whole room move as one.” Weil: So und nur so werden Band und ihre Fans eins. Übersetzt aufs Marvel-Universum: “HULK SMASH!”