Bild: SLASH Filmfestival
Bereits in seiner 15. Saison trägt das SLASH Filmfestival das Herz dorthin, wo die Außenseiter sind: Im breiten Spannungsfeld zwischen der diesjährigen Retrospektive über „Fake Truths” und B-Movies changiert Kurator Markus Keuschnigg erneut zwischen Grenzgängen. Ein Gespräch über Gratwanderungen und die Lust am Schauer.
Das ist schwierig zu sagen, ich habe immer Lieblingsfilme des Tages, des Monats oder des Jahres, zumal der Fantastische Film von der Horrorkomödie bis zum verstörenden Torture Porn auch ein breites Spektrum eröffnet. Aber natürlich gibt es schon prägende Klassiker. Wir haben kürzlich „The Shining“ präsentiert, einen Film, den ich sicherlich schon um die 25-mal gesehen habe und der mir immer noch Angst bereitet. Ich bin auch immer wieder überrascht, wie großartig er nach wie vor funktioniert und wie viel er noch immer mit aktuellen Strömungen zu tun hat, ich denke da etwa an das Gefühl des „Liminal Horrors“.
Dann gibt es aber auch „Freaks“ von Tod Browning, der jedes Jahr bei uns am Festival läuft und der mir aus emotionalen Gründen sehr viel bedeutet: Es geht hier um eine Bande an Außenseitern, die die Normgesellschaft bezwingen. Aber auch viele Filme, die Mitte der Neunziger rauskamen – wie etwa „Scream“ –, trage ich bis heute mit.
Ich komme nicht aus einem Haushalt, wo mir viele Märchen vorgelesen wurden, aber an „Die kleine Hexe“ von Otfried Preußler kann ich mich noch gut erinnern. Prägend war da eher für mich der „Pinocchio“-Animationsfilm aus den Vierzigern: Da gibt es eine Szene, wo sich Pinocchio im Schattenspiel kurzzeitig in einen Esel verwandelt und ziemlich schaurige Geräusche ausstößt. Das war vermutlich mein erster „Horror-Moment“ – oder auch der Stier in „Das letzte Einhorn“ und etwas später die Riesenspinne in „Auf der Suche nach dem Schatz der Könige“ von J. Lee Thompson. Dann kamen ganz klar Gateway-Filme wie „Gremlins“, die ich dann im Alter von 10 Jahren mitbekommen habe, weil ich dachte, die sind eh für Jugendliche geeignet.
Ich komme aus einem Arbeiterklassenhaushalt, da standen im Buchregal vielleicht fünf Bücher – eines davon war „Der Pate“ von Mario Puzo, der Rest waren Schwammerlbücher (lacht). Aber dafür gab es bei uns im Ort eine Videothek, bei der es am Samstag immer eine „3+1“-Aktion gab. Dort habe ich mich langsam vom Animations- über den Abenteuerfilm nach hinten vorgearbeitet, wo der berüchtigte Vorhang die Abteilung mit pornografischen Filmen abtrennte. Davor war in einer psychogeographischen Verortung der Horrorbereich mit vielleicht 100 Kassetten. Der Videothekar Werner war ziemlich laissez-faire und ließ mich auch schon mit 12 Filme wie „Freitag, der 13.“, „Sleepaway Camp“ und „Braindead“ ausborgen.
(lacht) Das war damals aber noch viel unschuldiger und instinktiver als heute. Man kennt das ja: Wenn man neue Sachen entdeckt, dann will man sie auch teilen. Aber ja, Filme, die ich besonders gut oder besonders gory fand, habe ich dann in meinem Kinderzimmer vorgeführt und vermehrt auf die Reaktionen geachtet, die sie bei meinen Freunden auslösen. Ich habe damals auch meine selbst aufgenommenen Videokassetten mit Kurzkritiken versehen – einige davon habe ich bis heute, das ist teilweise schon sehr cringe, was ich da geschrieben habe (lacht). Aber das zeigt, dass ich mich immer schon auch auf einer tieferen Ebene mit Filmen auseinandergesetzt habe, mich Filme schon immer mehr als andere beschäftigt haben. Ich habe damals auch einmal einen Brief an die deutsche Filmzeitschrift Cinema geschrieben und gefragt, was man denn eigentlich tun muss, um „irgendetwas mit Filmen“ zu machen – ohne zu wissen, was genau ich eigentlich machen will.
Ich hatte tatsächlich bis vor etwa fünf Jahren in meinem Heimatsbezirk Ottakring eine große Videothek, da habe ich das Ritual von früher wieder aufgegriffen. Ich bin also schon sehr geprägt von meiner Jugend und immer noch ein Freund von begrenztem Zugang, weil es das, was man wahrnimmt, zwangsweise aufwertet und zumindest ich mich dann viel bewusster mit den Filmen auseinandersetze. Es ist schon ein Gefühl einer Fallhöhe, einer Gefahr – und Gefahr hat für mich immer etwas Erotisches, etwas Aufregendes, etwas Sinnliches. Aber natürlich konsumiere ich heute auch Streaming-Dienste.
(lacht) Das ist in erster Linie eine Zeitfrage, wie auch die Idee, selbst ein kleines Kino zu übernehmen, die ich einmal hatte.
Ich habe keine so große Wohnung, aber mittlerweile doch so um die 2.300 Filme. Die sind natürlich alle so wie in einer Videothek nummeriert und katalogisiert, und ich kann in meiner eigenen Datenbank nach allen möglichen Kriterien filtern.
Gar nicht, deswegen auch die Nummern. Das Umschlichten, wenn man sich einen neuen Film kauft, wäre mir zu mühsam. Außerdem war immer genau die Frage: Nach was ordnet man die Filme? Nach Regisseur? Darsteller? Genre? Aber ja, ich kaufe nach wie vor viele Trägermedien, einerseits weil ich gerne sammle, aber auch weil ich ein großer Freund davon bin zu wissen, dass ich etwas auch wirklich besitze und ich nicht davon abhängig bin, dass auf irgendeinem Streaming-Anbieter Rechte auslaufen. Die Vielfalt im Streaming ist ohnehin nur eine scheinbare – das ist mir zuletzt erst wieder bei „Martyrs“ von Pascal Laugier aufgefallen. Ja, das ist ein großartiger Film, aber es werden immer dieselben 10 wichtigsten und besten Horrorfilme genannt, der Kanon verengt sich – dabei gibt es noch so viel mehr da draußen!
Ich glaube, das hat viel mit Unschuld zu tun. Ich kenne kaum zynische Kinder, aber sehr viele zynische Erwachsene, die sich an der Welt abgerieben haben und Auswürfe, die vielfältig und bunt sind und vielleicht von einer idealtypischen Welt mit „Gut“ und „Böse“ ausgehen, einfach ablehnen. Das hat viel mit Romantik zu tun. Und Romantik ist ja auch ein bisschen eine Weltsicht, nicht nur ein ästhetisches Prinzip. Ich würde mich privat jetzt auch nicht als einen Romantiker bezeichnen, aber ich lasse mich trotzdem gern auf diese auch mal kitschigen Welten ein. Es hat vielleicht auch etwas mit der Idee des Staunens zu tun, die mit dem Erwachsenwerden immer weniger wird. Ich suche immer wieder nach dem Moment des Staunens.
Es passiert immer wieder, dass Elias Fleischer, der unsere Illustrationen macht, Themen aufreißt, die am Festival so nicht wirklich abgebildet werden. Aber unsere Retrospektive ist ein zusätzliches Angebot, das wir unserem Publikum stellen – ein Luxus, den auch übrigens nicht alle Festivals des Genrefilms haben, weil damit klarerweise viel mehr Arbeit und viel mehr Kosten verbunden sind, während sich das Publikum oft dann im Zweifelsfall doch lieber einen neuen, aktuellen Film anschaut. Wiewohl: Unsere Retrospektiven laufen gut, und ich bin unserem Publikum sehr dankbar, dass sie das annehmen. Ich bin kein Erzieher, aber mir ist mit 43 Jahren schon aufgefallen, dass immer wieder junge Leute nachkommen, die zwar schon Fan des Genres sind, aber gewisse Klassiker wie zum Beispiel „Hellraiser“ nicht kennen. Heuer ist es zum Beispiel „[Rec]“, der nun auch schon 15 Jahre am Buckel hat und unser jüngeres Publikum vielleicht nicht kennt, jedenfalls aber nicht im Kino gesehen haben wird. Dieser Anspruch von mir kommt vielleicht auch aus meiner eigenen Sozialisation mit Kino insgesamt: Wie ich mit 20 von Tirol nach Wien kam, bin ich gewissermaßen die ersten fünf Jahre im Filmmuseum aufgewachsen. Ich war Student – ganz klassisch Publizistik und Theaterwissenschaften – und hatte entsprechend viel Zeit (lacht). Plötzlich gab es eine Unmenge an Filmkultur, viele Klassiker, die ich aufsaugen konnte – und das prägt. Deswegen ist mir die Retrospektive so wichtig, zu sagen, man beleuchtet ein gewisses Sub-Genre und macht es auf, gibt Menschen die Möglichkeit, einzutauchen.
Wir zeigen schon immer wieder auch Klassiker, aber gerade in Wien hat sich die Kinokultur über die Jahre hinweg stark verändert. Gerade das Filmcasino, das Burgkino oder auch im Rahmen der „Nachtblende“ im Gartenbaukino werden immer wieder viele Klassiker gezeigt. Das Angebot dahingehend ist hier schon so groß, dass ich für uns nicht wirklich den Bedarf sehe. Bei unserer Retrospektive setzen wir auf 35mm-Filme, was schon etwas Besonderes ist und recherchieren thematisch tief und zeigen so auch Filme, die beim Gros oft unterm Radar sind. So können wir dann sogar abgebrühte Horrorfans auch noch überraschen (lacht). Aber genau für solche Ansätze werden wir auch gefördert.
Angst ist natürlich eine Primäremotion, eine ganz starke Emotion – so wie das Lachen. Wie auch im Geisterhaus oder in der Geisterbahn spielt die Angstlust auch beim Fantastischen Film eine große Rolle, und gerade für jüngere Menschen ist das dann auch mal eine Mutprobe, da zelebriert man das dann im Freundeskreis so richtig. Aber ich habe mir oft auch die Frage gestellt, warum es nachweislich so ist, dass die fantastischen Genres viele Menschen anziehen, die insbesondere in der Kindheit und Jugend nicht auf der Sonnenseite des Lebens standen: Ich denke da an Vereinzelung und Bulling, von Kindern, die dick waren und gehänselt wurden, die irgendeiner Form der Minderheit angehört haben oder die man generell einfach ein bisschen freaky fand. Ich glaube, das spielt eine große Rolle, weil man da mit sehr vielen sozialen Ängsten hantieren muss. Bei mir war es dann so, dass mir Horrorfilme die Möglichkeit gaben, solche Ängste in einem sicheren Umfeld durchzuspielen und Strategien zu überlegen. Gleichzeitig haben sie mich in eine Form imaginäre Community entführt, weil ich gemerkt habe, dass etwa im Slasher meistens die AußenseiterInnen überleben. Das hat mir dann sehr geholfen.
Natürlich bin auch ich ein altes Showpferd und freue mich, wenn ich unser Publikum besonders erschrecken oder begeistern kann, aber bewusst wende ich so eine Maximierungslogik nicht an. Das würde in der Form auch gar nicht funktionieren, weil das SLASH auch ein Barometer für das internationale Genrekino ist und den Strömungen mit zahlreichen Variablen und Parametern unterliegt – etwa, wann welche Filme rauskommen, ob sie für einen gewissen Markt freigegeben werden, ob sie für Festivals freigegeben werden und ob wir sie dann auch wirklich bekommen. Das ist von Jahr zu Jahr immer sehr diffizil und verschieden, das SLASH muss demnach immer sehr beweglich bleiben. Wenn es unser Anspruch ist, die 50 besten Filme des Jahres zu zeigen, dann unterliegt das der Schwankung der Filmlandschaft – und da gibt es dann auch Jahre, wo man von einer bestimmten Erzählhaltung viel zu wenig hat, in den letzten Jahren etwa von B-Movies. Da hatten wir große Probleme, typische Nachtfilme zu finden, weil alles so elevated, langsam und „anstrengend“ war. Heuer ist genau das Gegenteil der Fall, heuer ist das Programm voll mit Filmen, die mich mit ihren Monstern, dem Blut und dem Gore an die Zeit erinnern, in der ich mich damals in das Genre verliebt habe. Aber nächstes Jahr kann es schon wieder ganz anders sein.
(lacht) Das sollte sich die Waage halten. Ich sage auch immer, wenn ich jemanden treffe, der sich eine Vielzahl an Filmen am SLASH angeschaut hat und alle großartig fand, dann habe ich etwas falsch gemacht. Mein Zugang verlangt nämlich nach Zugängen und nicht nach dem einen Zugang, das SLASH ist jetzt auch keine Schau, von der alle Filme meine persönlichen Lieblingsfilme sind, sondern es gibt auch Filme im Programm, die ich zwar in ihrer Wertigkeit einordnen kann, die ich mir aber selbst kein zweites Mal anschauen würde. Das SLASH zeigt, was im Genre aktuell gerade so passiert – von dem her sollte es auch nie etwas Geschmäcklerisches haben. Die Fantastik ist vom Avantgarde Porn bis hin zur tiefergelegten Slasherkomödie so breit, dass darin jede:r etwas finden kann. Aber die Beleidigung ist mir tatsächlich sehr wichtig, weil ich finde, dass Menschen auch durchaus empört sein dürfen – insbesondere, wenn man sich in einem Bereich bewegt, der mit Provokationen, mit Unzumutbarem hantiert. Deswegen fände ich es ganz schrecklich, wenn jeder jeden Film mit „gut“ abstempeln würde. Ich wähle auch immer wieder gerne Filme aus, wo ich merke, die sind besonders und eigen, gute Filme interessieren mich nicht, „gut“ ist so ein bürgerliches Kriterium – das ist die kleine Schwester von „Scheiße“.
Diese Gratwanderung hat sich in den letzten fünf Jahren sicherlich intensiviert. Ich gehe aber einmal davon aus, dass Menschen, die zu uns kommen, einschätzen können, was sie sich zumuten möchten. Gewisse Rollenbilder zum Beispiel muss man natürlich auch historisch kontextualisieren – bei einem zeitgenössischen Film würde ich vielleicht zweimal überlegen, ob man den dann zeigt, wenn sie nicht auch gebrochen werden. Aber in Filmen liegt auch eine gewisse Unschuld, ich würde einen Film nicht nicht auswählen, weil darin eine barbusige Blondine von einem Axtmörder durch den Wald gejagt wird. Es kommt immer darauf an, was der Film insgesamt erzählt. Wenn ich merke, dass da der Regisseur tatsächlich als Person Werte propagiert, die wir nicht gut finden, muss man das natürlich hinterfragen – oder eben in einen Diskurs stellen.
Ja. Jeder gute Filmemacher kann ein schlechter Mensch sein. Natürlich gibt es Extrembeispiele – etwa, ob man Victor Salva noch groß featuren sollte, der ja mehrfach wegen pädophilen Handlungen verurteilt wurde. Aber sein „Jeepers Creepers“ ist immer noch ein großartiger Film. Das ist natürlich dünnes Eis, das ist mir schon bewusst, aber ich bin definitiv gegen die Schere im Kopf, die viele andere in einer Programmierung ansetzen. Ja, wir sind sensibilisiert, aber wir verfolgen keine Quote.
Es gibt natürlich auf Social Media hie und da Rückmeldungen von Menschen, die sich an der einen oder anderen Darstellung stoßen, und das wird von uns auch durchaus ernst genommen. Aber das soll ja auch so sein, dass über Themen gesprochen und diskutiert wird, das kann ich auch als Kurator aushalten und vor allem auch nachempfinden. Meine Daumenregel ist: Auf jeden „woken“ Film, will ich zumindest einen reaktionären im Programm haben, einfach, um da auch eine Vielfalt darzustellen. Ich glaube, es tut Menschen von der einen wie auch anderen ideologischen Seite gut, auch die andere Seite kennenzulernen und aufeinander zuzugehen. Ich bin kein Fan davon, mein Publikum wie Weidevieh abzufüttern, Filme einfach in den Trog zu hauen – sondern auch und gerade Fankulturen herauszufordern. Fankulturen dampfen nur zu gern im eigenen Sud vor sich hin, das ist beinahe schon toxisch.
Bei mir ist es vorwiegend psychologischer, verstörender Horror. Kopfabschneiden hingegen finde ich lustig.
Ganz klar: Nein. Das wird auch kein regelmäßiger Teil vom SLASH sein – wenn es sich anbietet, ja. Bei „Love Sucks“ wollte ich einfach den österreichischen Filmemacher Andreas Prochaska, der die Serie für den ZDF verantwortet und von dem wir auch „In 3 Tagen bist du tot 2“ zeigen, ein bisschen vor den Vorhang holen, weil er selten erwähnt wird, wenn man über österreichischen Genrefilm redet.
Wir sind da sicherlich sensibilisiert, stärker als noch am Anfang vom Festival. Aber: ein guter Film ist ein guter Film ist ein guter Film. Ich würde jetzt nicht zwanghaft einen Film aus einem Land wählen oder suchen, nur weil man aus dem Land noch nichts hat. Das gleiche gilt etwa für Geschlechter oder Hautfarben. Natürlich ist das schon ein Punkt, über den man nachdenkt und der eine gewisse Relevanz hat, auch für mich – ich recherchiere dann schon auch ganz bewusst, ob es zum Beispiel Filme vom afrikanischen Kontinent oder von Frauen gibt. Aber wo nichts da ist, ist nichts da – auf Biegen und Brechen geben wir nichts in unser Programm rein. Wir sind dafür da, die unserer professionellen Meinung nach besten Filme des fantastischen Genres auszustellen. Wir sind nicht dafür da, ein Idealbild einer Welt zu reproduzieren, der wir uns verpflichtet fühlen. Man kann organische Entwicklungen nicht herbeierzählen, das halte ich für widersinnig und obszön – auch wenn ich eine immer stärker werdende Diversität begrüßen würde. Kunst ist bürokratischen Prozessen gegenüber sakrosankt. Ich nehme Filme vorwiegend emotional, als Mensch wahr, nicht als Zahlenschieber. Quoten werden nie und nimmer das Zünglein an der Waage sein.
Es gibt natürlich auch dort verschiedene Strömungen, aber ich finde, man hat es dort mit einer sehr klassisch-seriösen Herangehensweise an das Genre zu tun. Man merkt, es ist kein kommerzielles Produkt, sondern es ist unterspült von Traditionen. Was ist es denn bei dir?
Ich verstehe, was du meinst. Ich glaube, man kann da „Låt den rätte komma in“ von Tomas Alfredson, das auf einem Roman von John Ajvide Lindqvist basiert und der auch die Vorlage für „Handling the Undead“ geliefert hat, gut als Blaupause hernehmen. Mit dem Naturlicht wird dort ganz anders als sonst wo operiert, weil sich die Welt für die, die dort leben, auch tatsächlich so darstellt. Das ist dann für uns südlicher lebende Menschen auch ungewohnt, anders. Und auch bei der bedrohlich langsamen Erzählgeschwindigkeit stimme ich dir durchaus zu.
Das ist eine gute Frage. Ich würde behaupten, dass sehr alte Sprachen – zum Beispiel Walisisch oder Gälisch wie etwa in „Fréwaka“ von Aislinn Clarke, den wir heuer im Programm haben – einen Film noch beunruhigender machen können, gerade wenn sie thematisch mit Folk Horror verknüpft sind. Ähnlich beunruhigend wirken sicherlich auch Sprachen, die mit unserer Sprachfamilie genau gar nichts gemein und eine andere Intonation, eine andere Rhythmik haben. Aber ich würde jetzt keiner Sprache per se eine unheimliche Potenz zuschreiben wollen (lacht).
Schwarz-Weiß ist schon sehr schwierig, ordentlich zu machen. Weil einerseits schließt man sofort auf etwas Klassisches, gleichzeitig hat das Genrekino ohnehin schon eine Abstraktionsebene eingebaut, die stärker als bei einem naturalistisch-realistischen Film ist. Natürlich gibt es auch in Farbe Verfremdungseffekte, aber mit Schwarz-Weiß noch eine weitere Ebene einzuziehen, das ist schon eine Ansage, das muss profund funktionieren. Ja, das Spiel mit Hell und Dunkel und mit Schatten ist eine hervorragende Spielwiese, gleichzeitig kann aber Schwarz-Weiß auch wegen zahlreicher Kunstfilme ganz schnell etwas Prätentiöses haben, eine Form der Übererzählung – so in der Art: „Ich bin Kunst, nimm mich ernst.“ Da muss man sehr vorsichtig sein, das kann für oder gegen die Erzählung arbeiten.
(lacht) Nachdem ich selbst ein bisschen involviert war, bin ich natürlich voreingenommen und hoffe, dass er in die Endrunde kommt. Die Härte und Ungnädigkeit des Films könnte bei den JurorInnen der Academy aber auch auf Unverständnis treffen, wiewohl: Die Academy hat sich verjüngt und internationalisiert. Insofern hängt es wohl davon ab, wie bewusst sich die Academy auf den Film einlässt; seine Erzählhaltung und seine künstlerische Gestaltung sind ja unbestreitbar großartig, er kann also durchaus mithalten mit dem, was andere Länder so einreichen. Nur ist es oft so, dass nicht immer auch die künstlerisch interessantesten Filme in der Endrunde landen (lacht). Auch, ob es für eine europäische Produktion, die mit so einer Härte und Hoffnungslosigkeit agiert, im Kontext der Oscars für die finale Runde reicht, das traue ich mir nicht zu sagen.
(lacht) Viele kann ich ausschließen: Ich möchte nicht 30-mal mit einem Messer erstochen werden, eine Axt in den Rücken bekommen, gehäutet, ersoffen oder bei lebendigem Leib verbrannt werden. Aber Köpfen stelle ich mir vergleichsweise ganz okay vor, ich denke da etwa an „Freitag, der 13.“, wenn Jason Voorhees’ Mutter geköpft wird und ihr Schädel durch die Gegend fliegt.
„He was always underground.“
Da machst du zum Abschluss noch ein großes Ding auf (lacht): Ich fürchte ja, ich hoffe nein.
Das 15. SLASH Filmfestival gastiert zwischen 19. und 29. September im Gartenbaukino, Filmcasino und Metro Kinokulturhaus. Das Programm findet ihr ab sofort online, der Kartenverkauf startet diese Woche Freitag.
Wir verlosen 3x2 Tickets für den von uns gehosteten Film "Chainsaws Were Singing" am 29. September um 20:30 Uhr im Filmcasino. Beantwortet dafür einfach folgende Frage: