Bild: Jan Frankl
Thomas Brezina hat zeitlebens gute und schlechte Erfahrungen gemacht. Und trotzdem ein erfülltes Leben gelebt. Nun verrät er uns, wie das geht: Nicht im Rahmen eines trockenen Vortrags, sondern mit seiner Lebensgeschichte, die auch viele Lacher bereitstellt.
Die Idee kam bei der Feier zum 60er, ein Alter, das zwar noch nicht den Lebenswinter bedeutet, aber in dem trotzdem schon langsam die bunten Blätter zum Fallen beginnen. Da blickte Thomas Brezina auf sein Leben zurück, auf gute, als auch schwierige Zeiten, auf Heiles, das kaputt ging, und Kaputtes, das wieder heil wurde. Wieso nicht draus ein Bühnenprogramm machen? Immerhin inspiriert Brezina mit seinen über 600 (!) Büchern, Podcasts, Social Media-Beiträgen und Vorträgen seit jeher alle Altersgruppen – und außerdem hat er immer „Ja“ zu allem gesagt, was auf ihn zukam.
„Lieben, lachen, anders machen: Eine Anleitung für ein Leben voller Freude“ ist keine Comedy, aber es gibt viel zu lachen. Kein Vortrag, aber viele Gedankenanstöße. Persönlich wie nie zuvor und mit überraschenden Wendungen erzählt Brezina unterstützt durch intime, berührende Fotografien und durch interaktive Aktionen mit dem Publikum aus seinem Leben. Das ausverkaufte Debüt im November 2023 im Wiener Globe war bereits ein voller Erfolg.
Natürlich ist es eine Herausforderung, aber wenn ich Menschen begegne, interessiert es mich auch nur, wenn sie ehrlich über sich erzählen und nicht irgendwelche Phrasen dreschen. Dafür habe ich keine Zeit! Aber wenn Menschen ehrlich über sich erzählen, dann kann ich davon etwas mitnehmen und lernen. Und aus diesem Grund mache ich so ein Programm gerne. Ich befinde mich aktuell zudem in einer Zeit in meinem Leben, wo ich vieles weitergeben möchte. Vielleicht helfe ich ja jemandem damit.
Ich blicke zurück, aber unter dem Motto: „Was kann ich weitergeben?“ Ich bin nicht wehmütig. Die Vergangenheit ist vergangen. Mich interessiert die Gegenwart, mich interessiert, was ich heute machen kann.
Eine der Geschichten, die mich ja selber sehr amüsiert, ist, dass mein Deutschprofessor in der sechsten Klasse meiner Mutter gesagt hat, ich soll alles im Leben machen, nur nichts mit Deutsch oder Sprache (lacht). Ich erzähle generell sehr viel über mich als Kind, weil unsere tiefste Lebensfreude, die wir auch als Erwachsene haben können, in uns schon als Kindern gesteckt ist. Wir müssen sie nur wiederentdecken. Ich zeige auf der Bühne auch, wie man das machen kann.
Ja, ich erzähle über eine sehr, sehr große Krise in meinem Leben, eine sehr traurige Trennung. Eine Zeit, in der ich wirklich dachte, ich werde mein ganzes Leben lang allein bleiben. Und wie sich dann alles auf völlig unerwartete Weise verändert hat. Damals habe ich gelernt: Wenn du Liebe suchst, muss dir klar sein, dass du sie nicht unbedingt findest, sondern es gibt da andere, bessere Tricks – auch dafür, selbst der bestmögliche Partner zu sein.
Ja und nein. Da gehört schon mehr dazu. Nur aufzuhören zu suchen, das klingt sehr resignativ. Es ist nicht so, dass ich im Zimmer sitzen kann und sage: Die Liebe wird mich finden! So ist es nicht. Man muss dem Leben eine Chance geben, aber gleichzeitig muss man es schaffen, mit sich selbst gut zu leben.
Was hilft’s, wenn ich es bereue? Geschehen ist geschehen. Es geht um das Jetzt, was ich jetzt tun kann. Es ist natürlich menschlich, zu bereuen. Aber die Frage ist: Wie lange bleibt man an diesen Gedanken hängen?
Bei aller Fantasie bin ich dafür wohl zu nüchtern. Was nützt es, noch einmal jung sein zu wollen? Mein gefühltes Alter liegt bei 38,5. Dieses verklärte Zurückschauen, der Wunsch, nochmal 20 sein zu wollen, heißt ja nur, man würde gerne wieder in einer bestimmten Situation sein, aber mit dem Wissen von heute. Erinnern wir uns: Damals als Kind wollten wir so schnell als möglich erwachsen werden.
Ja, ich hätte schon früher und öfter gerne gewusst, dass es besser wird, als ich im Augenblick denke, fürchte oder mir in meinen wildesten Träumen ausmale.
Glück ist ein völlig überstrapazierter Begriff. Das, worum es geht, ist ein erfülltes Leben. Ein erfülltes Leben ist nicht ständig Sonne und Wonne. Es besteht vielmehr darin, dass ich alles dransetze und das Beste tue, um das im Leben zu machen, was ich gerne machen möchte. Und dass ich mit all dem, was da kommt und was mir um die Ohren fliegt, so gut wie möglich umgehe. Manche Bestandteile im Leben mögen wir gar nicht und manche mögen wir sehr. Für die, die wir sehr mögen, müssen wir etwas tun.
Das waren wahnsinnig viele und man kann natürlich nur ganz wenige davon beantworten. Zum Beispiel wurde gefragt: „Ist Erfolg gefährlich?“
Ja, Erfolg ist absolut gefährlich. Du brauchst die richtigen Leute rund um dich, die dich am Boden halten und die dich ganz genau beobachten. Das halte ich für ganz, ganz wichtig. Denn Erfolg ist auch sehr herausfordernd.
Es kommt in der Osterzeit ein Buch über die Kraft des Vergebens heraus. Ein ganz besonderes Buch, das ich unbedingt schreiben wollte. Der Titel: „Na und, sagte der weiße Schimpanse – Eine Geschichte über das Vergeben“. Im Herbst kommt außerdem der neue Krimi rund um Kaiserin Sisi.
„Lieben, Lachen, anders machen” von Thomas Brezina erleben wir im April in Graz und Leonding, am 9. Juni im Theater im Park und im November in Klagenfurt. Tickets gibt es bei oeticket.