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Tipp fürs Wochenende: das Vinyl & Music Festival mit Live-Beschallung

29.02.2024 von Stefan Baumgartner

In Zeiten der Inflation darf man es ja fast nicht mehr laut sagen, aber die wöchentlichen Plattenbestellungen gehören bei mir zu den Fixkosten wie das täglich Brot. Und auch im engen Freundeskreis hört man die geliebten Ehefrauen nicht selten seufzen, wenn der Göttergatte höchstgradig erregt erneut mit einem Stoß an schwarzem Gold in den ohnehin schon gut gefüllten eigenen vier Wänden auftaucht. Da hört man nicht selten die weltfremde, beinahe schon als frech einzuordnende Nachfrage, ob die x-te Pressung von Neil Young's "Harvest" denn wirklich nottue. Denn ja: das tut sie.

Aber auch abseits von meinem Freundeskreis, den Außenstehende vielleicht nicht selten als skurrile Sonderlinge abtun mögen, boomt der Schallplattenverkauf - so sehr, dass in Corona-Zeiten die Presswerke die Nachfrage nur schwer decken konnten. Kein Wunder: Superstars wie Taylor Swift veröffentlichen ihre neuen Alben in zahlreichen Versionen und setzen selbst im Streamingzeitalter davon Unmengen ab, Metallica kauften sich kurzerhand gar ein eigenes Presswerk, um nicht mehr vom Markt abhängig zu sein. Aber nicht nur auch der freilich nachgereihte Mittelstand an KünstlerInnen setzt neben Streaming auch fürderhin verstärkt auf Vinyl (und Kassette, nebst der banalen CD), sondern selbst eine Vielzahl an Proberaum-Bands kommt ohne Vinyl nicht mehr aus: Gerade im Heavy Metal setzen Kleinstbands hier noch respektable Mengen um, die angesprochene Käuferschicht bleibt anscheinend wohl lieber ein paar Tage bei Nudeln mit Tomatensauce, als auf die nächste obskure Vinyl zu verzichten.

Und so kommt es nicht von ungefähr, dass das Vinyl & Music Festival in der Wiener Ottakringer Brauerei vom großen Erfolg und Zuspruch verwöhnt am 2. und 3. März mittlerweile seine achte Runde zwischen Hopfen, Malz und Gerste dreht, sich "alte, weiße Männer", die mit Vinyl aufgewachsen sind, jungen Indie-Mädchen die Klinke in die Hand geben - um mit einem Augenzwinkern einmal ein Klischee zu droppen. Soll heißen: Vinyl ist nicht (nur) von gestern, sondern auch von heute und morgen. Vinyl, das wird nicht nur verkauft, wenn Beatles, Elvis, AC/DC oder Led Zeppelin draufsteht, sondern auch, wenn Namen wie eben Taylor Swift, Kings of Leon oder Coldplay in großen Lettern am Cover prangen. Und (knospende) Vinyl-Sammlungen sind, und das ist vielleicht noch schöner: geschlechtsunabhängig. Gerüchte besagen, dass eine der jugendlichen Töchter im Freundeskreis schon ein eigenes Regelfach benötigt und der Vater fürchtet, dass einige seiner Schätze kommentarlos und selbständig annektiert werden. Aber das ist eine andere Geschichte.

Das Vinyl & Music Festival

Rund 150 internationale Aussteller, Plattenläden und -händler, Instrumentenbauer (beim neu geschaffenen "Instrumente Salon", wo man von Geigen bis Gitarren alles ausprobieren kann), HiFi-Firmen, Poster-Künstler (die AI muss leider draußen bleiben!) und viele mehr sind (natürlich neben einer entsprechenden kulinarischen Begleitung) für das Vinyl & Music Festival in der Ottakringer Brauerei angekündigt - die vollständige Liste ist hier zu finden. Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt, es ist gänzlich wurscht, mit welcher musikalischen Neigung der Besucher oder die Besucherin das Festival besucht - Schlager reiht sich nahtlos an Heavy Metal, Klassik an Popmusik, Hip-Hop findet man neben Indie, und ja, nicht nur die Platten, die man auch in den Regalen von Media Markt und Co. vorfindet, sondern auch Obskures, Geheimtipps, die man sonst für teures Geld etwa auf Discogs erst einmal finden müsste.

Allerdings rotiert am Vinyl & Music Festival - daher auch der Doppelname - die Musik nicht nur am schwarzen (oder eben färbigen, durchsichtigen, bedruckten) Rundling, sondern passiert auch live auf der Bühne. Zu den größten Highlights darf man u. a. die reanimierten New-Wave-Helden Intimspray zahlen, Starmania Gewinner Stefan Eigner, das poppige Bläser-Ensemble Brassbeat und die Velvet-Underground-Fanaten Die Buben im Pelz - die mit Christian Fuchs zudem eine Koryphäe der heimischen Musiklandschaft in ihren Reihen verzeichnen dürften, schrieb er ab den späten Achtzigern doch mit Fetish 69 bereits Musikgeschichte, später gemeinsam mit den FM4-Journalisten Fritz Ostermayer, David Pfister (auch bei den pelzigen Buben) und Robert Zikmund bei der Neigungsgruppe Sex, Gewalt und Gute Laune.

Zudem buchte der heimische Ticketvertrieb oeticket, der mit dem aLIVE-Projekt sei 2012 heimische KünstlerInnen fördert, mit Velvet Wasted ein Grazer Quartett auf die Festivalbühne, das man sich anschauen und natürlich auch anhören sollte: "Velvet" und "Wasted", die beiden Teile des Bandnamens, sind hier nämlich Programm, changiert man gekonnt zwischen Rock und Soul, Indie und Pop. Hier treffen harte und sanfte Riffs gleichermaßen auf tiefschürfende Emotionen und kitzeln selbst aus dunklen Themen wie Verlust und Trennung einen Funken Hoffnung heraus. Obwohl man erst seit März 2020 gemeinsam musiziert, wird die stetig wachsende Fanschar und die Fachpresse nicht müde, selbst zu Granden wie Kings of Leon Vergleiche zu ziehen - insbesondere BesucherInnen des Lido Sounds, wo die Löwenkönige bekanntlich am ersten Festivaltag spielen, sollten sich die Chance auf den heimischen Ableger hautnah somit nicht entgehen lassen!

Vinyl & Music Festival: alle Infos

Am 2. und 3. März gastiert zum achten Mal das Vinyl & Music Festival in der Ottakringer Brauerei, am ersten Tag spielen um 15 Uhr Velvet Wasted presented by oeticket.com/alive. Außerdem spielen u. a. Intimspray, Brassbeat und Die Buben im Pelz am ersten, Starmania-Gewinner Stefan Eigner und Stranzinger am zweiten Tag. Tickets gibt es bei oeticket.

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