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Tricky Niki: Size matters?

04.03.2024 von Hannes Kropik

Tricky Niki verzaubert jung und alt mit seinem unvergleichlichen Mix aus Bauchreden, Zauberei und charmanter Comedy. Nach dem Erfolg von „NIKIpedia – Wenn das die Omi wüsste“ kehrt der Wiener Entertainer nun mit seinem fünften Soloprogramm „GRÖSSENWAHN“ auf Österreichs Kleinkunstbühnen zurück und zeigt einmal mehr, dass man am besten über sich selbst lachen kann. An seiner Seite: der frivole Drache Emil, sein etwas benebelter Biber Justin und – nach langer Zeit – endlich wieder der freche Affe Luigi.

Du bist dafür bekannt, dass du auf der Bühne so herrlich über dich selbst lachen kannst. Wie geht es dir persönlich damit, wenn das Publikum dann auch lacht? Du hast dir deine Körpergröße doch nicht selbst ausgesucht …

Die Leute lachen mich ja nicht aus, sie lachen über meine Pointen. Und das ist ein wichtiger Unterschied! Ich hatte als Kind und Jugendlicher riesige Komplexe, weil ich so klein war und so jung ausgesehen habe. Heute würde man sagen, ich wurde gemobbt. Damals hat man gesagt, sie haben mich permanent verarscht. Es war so schlimm, dass ich oft gar nicht mehr in die Schule gehen wollte.

Und heute bist du so selbstbewusst, dass sich dieser unübersehbaren Fakt als roter Faden durch dein neues Programms „GRÖSSENWAHN“ zieht.

Als ich mit 20, 21 Jahren meine ersten Zaubertricks perfektioniert habe, haben mich die Leute plötzlich beachtet. Ich konnte etwas, das nicht jeder kann! Auf der Bühne kann ich meine überschaubare Größe gerade als Bauchredner besonders gut zu meinem Vorteil nutzen: Das Publikum liebt es ohnehin, wenn ich mich über mich selbst lustig mache. Und noch mehr, wenn mich eine meiner Figuren ganz frech „O’zwickter“ oder „Laufmeter“ nennt …

Laut Untertitel bist du im neuen Programm „auf der Suche nach den fehlenden zehn Zentimetern“. Wäre dein Leben denn anders, vielleicht sogar besser, verlaufen, wenn du größer als deine 1,70 Meter geworden wärst?

Das kann ich natürlich nicht sagen. Meinen ursprünglichen Traum, Volleyballer zu werden und vom Sport leben zu können, musste ich jedenfalls bald aufgeben. Aber ich bin glücklich und demütig, dass ich mein Talent als Unterhaltungskünstler entdeckt habe. Ich habe eine tolle Familie und großartige Freunde, ich bin gesund und habe ein Dach über dem Kopf. Ich bin mit meinem Leben sehr zufrieden. Und auch wenn die Leute meine Gags über meine Größe lieben: Mit diesem Programm schließe ich mit meinem Komplex ein für alle Mal ab.

Obwohl der Titel „GRÖSSENWAHN“ vielleicht etwas anderes vermuten ließe: Du spielst auch dein neues Programm wieder auf sehr vielen kleineren Bühnen in ganz Österreich und nicht in größten Hallen. Warum?

Was ich auf der Bühne mache, fällt ja nicht nur aufgrund meiner Körpergröße in die Kategorie „Kleinkunst“. Ich verbinde die Zauberei mit dem Bauchreden und der Stand-Up-Comedy – und das passt meiner Meinung nicht auf riesige Bühnen.

Also ist „GRÖSSENWAHN“ ironisch gemeint?

Wir erleben eine Entwicklung, bei der es weniger um die Qualität und mehr um die Verpackung, das Marketing geht. Alles muss immer größer, besser, schneller, höher, weiter werden. Dabei geht das Wesentliche oft verloren. Schau dir Helene Fischer an: Die Leute schwärmen, wie geil ihre Show ist, sie fliegt sogar am Trapez übers Publikum! Aber kaum jemand achtet darauf, dass sie großartig singt. Wir werden von dem ganzen Drumherum erschlagen.

Dich reizen der Bombast, die riesigen LED-Wände, die Indoor-Feuerwerke nicht?

Ich will die Nähe, die Präsenz des Publikums spüren und spontan auf unerwartete Situationen reagieren können. Und ich will, dass mir die Leute beim Zaubern auf die Finger schauen und sehen können, dass ich beim Bauchreden die Lippen wirklich nicht bewege.

Du bist seit Jahren sehr erfolgreich – wird man da nicht automatisch „größenwahnsinnig“?

Selbstverständlich bin ich davon überzeugt, dass meine Kombination aus verschiedenen Kunstformen in den USA sehr gut funktionieren und ich dort als Entertainer richtig durchstarten würde. Aber es interessiert mich nicht. Ich muss kein Superstar sein, ich muss nicht reich werden. Im Gegenteil: Ich habe meine Show so konzipiert, dass ich alle notwendigen Utensilien im eigenen Auto transportieren und die Bühne selbst aufbauen kann. Ich bin unabhängig und kann die Zeit auf der Bühne mit meinem Publikum gemeinsam genießen.

Wie alle anderen Künstler warst auch du während der Corona-Lockdowns zum Nichtstun verdammt. Wie hat sich diese Erfahrung auf dein neues Programm ausgewirkt?

Diese Zeit hatte aus meiner Sicht nicht nur Nachteile. Es war gut, zwischendurch den Druck herauszunehmen und ohne schlechtes Gewissen ein paar Stunden einfach nichts zu tun. Uns ist die Möglichkeit gegeben worden, dass wir uns wieder langweilen. Und das ist großartig, denn Langweile produziert Kreativität. Ich hatte schon lang nicht mehr so viele Ideen wie während der Lockdowns. Ich hatte Zeit an Nummern zu arbeiten, an denen ich Zaubertricks und das Bauchreden noch intensiver miteinander verschmelze. Und ich habe eine neue Figur entwickelt.

Erzähl!

Ein supersüßes Faultier namens Diego, das mit spanischem Akzent spricht. Und Diego stellt mich vor so unglaubliche Herausforderungen, dass ich ihn nicht nur einmal aus der Show werfen wollte. Denn alle meine anderen Figuren sind, so wie ich selbst auch, unglaublich energiegeladen. Aber Diego ist das komplette Gegenteil. Seine Ex-Freundin ist übrigens eine Schnecke – sie wollten es langsam angehen, aber dann war sie ihm doch zu hektisch (lacht).

Tricky Niki: live

„GRÖSSENWAHN“ spielt es ab 5. März in ganz Österreich. Tickets gibt es bei oeticket.

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