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Was macht Österreich und noch viel wichtiger: Was macht JJ nach dem ESC-Gewinn?

19.05.2025 von Stefan Baumgartner

JJ hat uns mit „Wasted Love“ am Samstag den „Schas“ gewonnen: Österreich wird 2026 den ESC ausrichten, so viel ist fix. Jedoch wo er genau über die Bühne geht, das steht noch in den Sternen. Und noch viel wichtiger: Was macht JJ nun nach seinem Gewinn?

In der Nacht von Samstag auf Sonntag war nicht nur in Basel, sondern auch in zahlreichen österreichischen Haushalten der Jubel groß: Zwar hatte es lange so ausgesehen, als müsse sich JJ mit seiner „Popera“-Ballade „Wasted Love“ den Favoriten aus Schweden, KAJ mit „Bara badu bastu“, geschlagen geben – überraschend konnte JJ jedoch elf Jahre nach dem Triumph von Conchita in Kopenhagen erneut die Eurovision Song Contest-Trophäe nach Österreich holen!

Viele Opernsänger*innen haben bereits vor Countertenor Johannes Pietsch, wie JJ bürgerlich heißt, ihr Glück beim Eurovision Song Contest versucht, darunter die schwedische Sopranistin Malena Ernman, der rumänische Countertenor Cezar oder das italienische Trio Il Volo – doch bislang konnte niemand Europa mit der durchaus frischen und spannenden Gattung einer „Popera“ überzeugen. Doch der 24-jährige Hietzinger konnte mit großen Emotionen, Klaus-Nomi-Gesang, Ohrwurmgarantie und einer gewagten Inszenierung (fast) ganz Europa abholen – und verwies im spannenden Finale Israel deutlich abgeschlagen auf den zweiten Platz, Estland knapp dahinter auf den dritten und Schweden gar auf den vierten Platz. 

Auch wenn alle Augen (und Ohren) auf JJ gerichtet waren, darf an dieser Stelle nicht vergessen werden, dass für seinen Triumph auch ein starkes Team mitverantwortlich war: „Wasted Love“ stammt nicht allein aus seiner Feder, mitgeschrieben haben auch der Kärntner Produzent Thomas Thurner und Teodora Špirić. Letztgenannte hat bereits selbst ESC-Erfahrung: 2023 trat sie in Liverpool gemeinsam mit Salena als Duo Teya & Salena mit „Who The Hell Is Edgar?“ an und erreichte den respektablen 15. Platz.

ÖSTERREICH UND DER ESC

Seit 1958 wird der Eurovision Song Contest immer im Land des Vorjahressiegers ausgetragen – und erst sechsmal kam es bisher vor, dass ein anderes Land als Veranstalter einsprang: Fünfmal war dies Großbritannien (1960 für die Niederlande, 1963 für Frankreich, 1972 für Monaco, 1974 für Luxemburg und 2023 für die Ukraine) sowie einmal die Niederlande (1980 für Israel). Österreich wird den von JJ gewonnenen ESC-Kelch jedoch nicht an sich vorüberziehen lassen und wird nach dem diesjährigen Gewinn mit “Wasted Love” somit kommendes Frühjahr zur „bunten Bühne“.

Denn noch in der Nacht gratulierte ORF-Chef Roland Weißmann JJ zum Sieg und bestätigte, dass Österreich den kommenden, siebzigsten ESC ausrichten wird: Zuletzt ging der 60. Song Contest 2015 nach dem Gewinn von Conchita Wurst mit „Rise Like A Phoenix“ in der Wiener Stadthalle über die Bühne. Zuvor hatte Österreich erst einmal den ESC ausgerichtet, und zwar 1967 nach dem Gewinn von Udo Jürgens mit „Merci Chérie“ – im Großen Festsaal der Wiener Hofburg.

Einen „Heimsieg“ konnte Österreich übrigens weder 2015 noch 1967 einfahren: 1967 schickten wir Peter Horton mit „Warum es 100.000 Sterne gibt“ ins Rennen – und wurden mit nur zwei Punkten neben Norwegen (ebenfalls 2 Punkte) und der Schweiz (0 Punkte) Schlusslicht. Auch 2015 rangierten wir an der hinteren Spitzenposition: The Makemakes brachten uns mit „I Am Yours“ nur null Punkte, gleichauf mit unserem großen deutschen Nachbarn, die für „Black Smoke“ von Ann Sophie ebenfalls null Punkte zugesprochen bekamen.

Ist das ein schlechtes Omen für den 70. Eurovision Song Contest? Natürlich fließt noch viel Wasser die Donau hinab, bis der ORF bekanntgeben wird, welche*r österreichische Musiker*in 2026 Österreich beim ESC vertreten wird – eine Einschätzung über unsere Chancen kann somit freilich noch nicht getroffen werden. Jedoch darf bei aller Euphorie beim ORF, bei unseren Spitzenpolitiker*innen, bei JJ, Conchita und vielen Österreicher*innen davon ausgegangen werden, dass wir uns nicht jedes Jahr einen rot-weiß-roten Triumph leisten können: Den ESC auszurichten, das bringt natürlich eine unglaublich gute Werbung für unser Land und auch eine gigantische Wirtschaftsleistung, kostet dem ORF aber auch eine Stange Geld – und das in einer Zeit, wo auch beim Rundfunk ordentlich gespart werden muss, die Haushaltsabgabe für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk wird in den kommenden Jahren bekanntlich nicht indexangepasst.

ÖSTERREICH IST NICHT WIEN ALLEIN

„Ich wünsche mir, dass der Song Contest nächstes Jahr in Wien stattfindet, weil mein Freund gleich bei der Stadthalle wohnt. Dann könnte ich zu Fuß hingehen“, verriet JJ lachend der Presse nach seinem Gewinn in Basel – und kündigte auch gleich seinen Wunsch an, kommendes Jahr den ESC dann auch zu moderieren.

Ob der ESC nächstes Jahr aber tatsächlich in Wien, in der Wiener Stadthalle, oder in einer anderen österreichischen Stadt ausgetragen wird, das steht allerdings für den ORF noch nicht fest: Es ist nicht zwingend vorgeschrieben, dass der ESC in der Hauptstadt eines Landes über die Bühne gehen muss – so kamen bereits etwa Birmingham, Liverpool, Malmö, Göteborg, Den Haag, Rotterdam, München, Düsseldorf, Turin und zuletzt Basel ebenso zum Handkuss.

Neben Wien haben sich bereits Graz, Wels, Innsbruck und sogar Oberwart ins Rennen gebracht – abgewunken haben hingegen Klagenfurt und Salzburg. Bereits vor zehn Jahren, als das Wörthersee Stadion nach Conchitas Sieg als mögliche Austragungsstätte im Gespräch war, hat man in Kärnten die Anforderungen hinsichtlich Halle und Infrastruktur genau analysiert und ist zum Schluss gekommen, dass die notwendigen Adaptierungen zu kostspielig wären – daran hat sich bis heute „leider“ nichts geändert. Auch Salzburgs Bürgermeister Bernhard Auinger wäre als „Chef der Mozartstadt“ natürlich prinzipiell für den ESC zu haben – sieht aber ebenfalls Probleme bei der Umsetzung: „Bei uns würde eigentlich nur die Salzburgarena in Frage kommen. Diese sechs Wochen für ein Event zu blockieren, ist für 2026 im Veranstaltungskalender de facto, glaube ich, unmöglich.“

In Wels wird hingegen gerade eine neue Messehalle gebaut, die im März 2026 fertig werden soll: Für Bürgermeister Andreas Rabl wäre der ESC definitiv eine mehr als passende „Eröffnungsgala“ – hat man sich doch auch bereits als Austragungsort im Jahre 2015 (freilich noch mit der „alten“ Messehalle) angeboten. Innsbruck und Graz galten 2015 neben Wien bereits auch schon als die aussichtsreichsten Kandidaten, und Innsbrucks Bürgermeister Johannes Anzengruber will auch für kommendes Jahr die Olympiaworld wieder ins Rennen bringen – die Bergkulisse der Tiroler Landeshauptstadt würde jedenfalls für sich sprechen. Und auch Doris Kampus, Vorsitzende der SPÖ Graz, will den Eurovision Song Contest 2026 in die steirische Landeshauptstadt – möglicherweise in die Grazer Stadthalle – holen: „Graz hat alles, was es braucht – Herz, Kultur, Erfahrung.“

Kurios hingegen wirkt das Interesse aus dem burgenländischen Oberwart: Burgermeister Georg Rosner sieht im Messezentrum der drittgrößten Stadt des Burgenlandes „alle Voraussetzungen, ein solches Event zu veranstalten“. Wobei: Immerhin hat JJ einen Bezug nach Oberwart, ist dort immerhin seine persönliche Gesangslehrerin beheimatet.

Die drei wahrscheinlichsten Austragungsorte des Eurovision Song Contest 2026: Die Wiener Stadthalle, die Grazer Stadthalle und die Olympiahalle in der Olympiaworld in Innsbruck.

WAS BRINGT JJ DIE NAHE ZUKUNFT?

Bemerkenswert an unserem Gewinn beim diesjährigen ESC ist auch, dass Johannes Pietsch zwar bereits im Ensemble der Wiener Staatsoper Bühnenerfahrung sammeln konnte – „Wasted Love“ war jedoch seine erste Single! Mittlerweile steht er bei Warner Music unter Vertrag, eine Nachfolgesingle und eine EP sind bereits in Planung – seine Opernausbildung will er jedoch nebenbei weiterführen.

Und auch sein erster „normaler“ Liveauftritt ist bereits fixiert: Egal, ob der ESC 2026 vielleicht doch im Burgenland stattfinden wird oder nicht – bereits dieses Jahr besucht JJ nicht nur (privat) seine Gesangslehrerin in Oberwart, sondern wird am 6. und 7. Juni im Rahmen der „Starnacht“ auch auf der Bühne in Mörbisch am Neusiedler See stehen. Neben ihm freuen wir uns auch auf Auftritte von Musikgrößen wie Howard Carpendale und Semino Rossi, Francine Jordi, Josh., Thorsteinn Einarsson, Rian, Milow und vielen mehr!


Live-Termine


Starnacht am Neusiedler See u. a. mit JJ

06. und 07. Juni 2025 | Mörbisch am See, Seebühne


Infos auf dem Stand vom 19.05.2025  

Tickets

EIN BLICK NACH „DEUTSCHLAND“

JJ war jedoch nicht der einzige Österreicher beim ESC in Basel! Unser Nachbar Deutschland schickte mit dem Geschwisterpaar Abor & Tynna – bürgerlich Attila und Tünde Bornemisza – und ihrem Song „Baller“ ebenfalls zwei Österreicher ins Rennen. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten in den Wochen vor dem ESC konnten auch sie am Samstagabend mit dem 15. Platz ein respektables Ergebnis einfahren. Kein Wunder: Während in den vergangenen Jahren das österreichische Publikum beim Tele-Voting nicht viel für Deutschland übrighatte, gab es diesmal die vollen 12 Punkte von uns!

Im Gegensatz zu JJ haben Abor & Tynna bereits langjährige Erfahrung in der Welt der Popmusik: Zwar kommen sie aus einem „klassischen“ Haushalt – ihr Vater ist Cellist bei den Wiener Philharmonikern –, seit 2015 machen sie jedoch gemeinsam elektronische Musik. 2020 gab es mit „Anti Ally“ die erste Single, 2025 folgte ihr Debütalbum „Bittersüß“ und Konzerte im Vorprogramm von Nina Chuba. Bereits am Tag vor dem ESC-Finale ist „Bittersüß“ nun nochmal in einer Deluxe-Version erschienen, das besondere Schmankerl dabei: Erstmals zu hören ist „Baller“ auch in einer akustischen Fassung in der Muttersprache der beiden: Ungarisch.

Im Oktober gehen Abor & Tynna dann auf Headliner-Tour und spielen hierzulande im Wiener Flex und im Linzer Posthof.


Live-Termine


Abor & Tynna - "Bittersüß"

04. Oktober 2025 | Wien, Flex
08. Oktober 2025 | Linz, Posthof


Infos auf dem Stand vom 19.05.2025  

Tickets

WAS TUN BIS ZUM EUROVISION SONG CONTEST 2026?

Der 70. Eurovision Song Contest soll voraussichtlich im Mai 2026 stattfinden - bis dahin finden in den drei wahrscheinlichsten Austragungsorten noch zahlreiche Events statt, die es lohnt, zu besuchen und vielleicht schon einmal vorab etwas ESC-Luft zu schnuppern! Ein paar Empfehlungen habe ich für euch herausgepickt:

In der Wiener Stadthalle wird unter anderem ein ehemaliger ESC-Gewinner auf die Bühne geholt: Das Pepe Lienhard Orchester von Udo Jürgens spielt am 20. Februar. Und auch Il Volo (2. November) kennen die Wiener Stadthalle bereits bestens: 2015 haben sie Italien beim ESC in Wien vertreten! Aber es gibt noch viel mehr:

  • Tate McRae am 8. Juni
  • Cro am 13. und 14. September
  • “One Vision of Queen” feat. Marc Martel am 26. September
  • Il Volo am 2. November
  • One Republic am 11. November
  • Wanda am 19. Dezember
  • “Holiday On Ice” zwischen 22. Jänner und 01. Februar 2026
  • “Da Capo Udo Jürgens - Die Originalshow mit dem Orchester Pepe Lienhard” am 20. Februar 2026
  • Eros Ramazzotti am 13. April 2026
  • Michael Patrick Kelly am 30. April 2026
Alle Infos zur Wiener Stadthalle

In der Grazer Stadthalle steht ebenfalls ein buntes Programm an: Zwischen zahlreichen musikalischen Highlights wird in der Steiermark auch sehr viel Show geboten!

  • Max Raabe & Palast Orchester am 9. Oktober
  • Josh. am 24. Oktober
  • Fab Fox mit “Fabulous” am 8. November
  • Ehrlich Brothers mit “Diamonds” am 11. Jänner 2026
  • Thommy Ten & Amélie van Tass mit “Dreifach zauberhaft” am 20. März
  • “The World of Hans Zimmer” am 5. April
Alle Infos zur Grazer Stadthalle

In der Olympiahalle Innsbruck wird ein nicht minder buntes Programm zwischen Musik und Show geboten - also eigentlich ein perfekter Eindruck von dem, was der ESC so braucht!

  • Fab Fox mit “Fabulous” am 12. September
  • “One Vision of Queen” feat. Marc Martel am 28. Oktober
  • “Cavalluna” am 22. und 23. November
  • “Holiday On Ice” zwischen 16. und 18. Jänner 2026
  • “The World of Hans Zimmer” am 4. April 2026
  • Ehrlich Brothers mit “Diamonds” am 14. Mai 2026
Alle Infos zur Olympiahalle Innsbruck
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