Bild: Agentur Hoanzl
Joachim Ringelnatz sagt, dass Humor der Knopf ist, der verhindert, dass einem der Kragen platzt. WANN einem jedoch die Luft wegbleibt, das ist nicht nur ein individuelles Empfinden, sondern auch dem Umfeld geschuldet: Österreichischer Schmäh ist ungleich zum deutschen, und natürlich unterscheidet sich auch das britische vom amerikanischen Humorverständnis. Doch seit der Globalisierung durch das Internet verschwimmen auch hier die Grenzen und englischsprachige Kaliber wie Jim Jeffries, Sean McLoughlin und viele mehr beweisen auch hierzulande: Das Lachen ist aller Unterschiede zum Trotz eine universelle Sprache - und insbesondere Wien lacht längst zweisprachig.
Auf die Spitze treibt das selektive Humorverständnis die britische Komikertruppe Monty Python, die in ihrem Sketch “The Funniest Joke In The World” Krieg führen. Der Sketch spielt im Zweiten Weltkrieg, der Witzfabrikant Ernest Scribbler erfindet den lustigsten Witz der Welt und lacht sich darüber buchstäblich tot. Psychologische Kriegsführung kennt man ja mannigfaltig: Da wird von Wagner über AC/DC bis Metallica alles eingesetzt, um die Gegner zu demoralisieren, sogar übersteuerte Sesamstraßenmusik. Doch bei Monty Python setzt man das Lachen als effektive Kriegswaffe gegen die Nazis ein: “Wenn ist das Nunstück git und Slotermeyer? Ja! … Beiherhund das Oder die Flipperwaldt gersput!” Die Deutschen schießen mit ihrem “V-Joke” zurück: “Zere vere zwei peanuts valking down der Straße, and van was a salted … peanut.” Während die Nazis wie die Fliegen krepieren, sind die Briten gelinde gesagt lediglich irritiert. Bei all dem Nonsens fasst dies eine Grundvorstellung zusammen: Die Briten haben Humor – und die Deutschen nicht. “Deutscher Humor ist, wenn man trotzdem nicht lacht” – ein Vorurteil?
Lachen verbindet Menschen weltweit. Und doch gibt es nicht nur persönliche Empfindsamkeiten (die eigene Interpretation gefiltert durch den sozial-historischen Kontext), sondern auch kulturelle Unterschiede, worüber in einem Land gelacht wird – und ob jene Späße auch über die Grenzen hinaus funktionieren. 2011 untersuchte die Online-Community Badoo weltweites Humorverhalten: Als Spitzenreiter kristallisierten sich die Amerikaner heraus, Schlusslicht bildeten die Deutschen, mit den Briten in der goldenen Mitte. Angesichts der vielen US-Sitcoms, die den internationalen Markt überschwemmen, ist die Autorität freilich klar ersichtlich. Aber sind die Deutschen wirklich beim Status “große Dichter und Denker” hängen geblieben? Ist die (nach Mark Twain) “preußische Vernünftigkeit” nicht humorkompatibel?
Der deutsche Comedian Henning Wehn, der neben nur wenigen anderen Landeskollegen wie etwa Michael Mittermeier auch Erfolge im englischsprachigen Raum verbuchen kann, vermeint die Abwehrhaltung auf die Sprache zurückführen zu können: “Einer der Gründe sind die Unterschiede in Grammatik und Satzstruktur zwischen den beiden Sprachen.” Eine Überlegung, die auch für den österreichischen Kabarettisten Peter Klien nachvollziehbar erscheint: “Nachdem ich mit Blick auf die Mentalitäten der Ansicht bin, dass Völker verschiedene Arten des Denkens, Fühlens und Witzemachens haben, glaube ich nicht, dass alles in jeder Sprache geht”, schlussfolgert er.
Shakespeare hat vorgemacht, wie gekonnte Wortspiele ihre Wirkung entfalten, und bis heute beruht der Insel-Humor vor allem auf sprachlichen Irreführungen. Die größere Genauigkeit der deutschen Sprache und damit auch die des Denkens erschweren hingegen, solche Kniffe zu erzeugen. Daher mögen die Deutschen körperlichen Humor – Grimassen – so sehr, folgert Wehn.
Daheim füllen die bekanntesten Vertreter Stadien (Mario Barth), spielen am weltgrößten Heavy-Metal-Festival (!) Wacken (Bülent Ceylan) und flimmern nebenher wie zum Beispiel Chris Tall auch noch mit eigenen TV-Shows zur besten Sendezeit entgegen. Tatsache ist aber: Abgesehen von der Berliner Schnauze gehört in weiten Teilen Deutschlands – im Gegensatz zu Österreich! – der Witz nicht zum Arbeitsalltag, hier kommt er üblicherweise, gern auch etwa von Thomas Hermanns ("Quatsch Comedy Club") in wohlfeile Häppchen zerteilt, erst Abends zum Zug.
Zweifelsohne gibt es aber nicht nur die platten deutschen Kalauer (während in Österreich auch nicht nur der geistreiche Schmäh regiert), sondern beim Nachbarn auch den mit “Anspruch” (Loriot selig, Hagen Rether, Bodo Wartke, Georg Schramm) – und daheim, bei uns, sehr wohl auch die blöde Zote.
Deutsche Comedians, wie etwa Mario Barth, feiern auch in Österreich große Erfolge. Mit seinem neuen Programm “Männer sind nichts ohne die Frauen” füllt er 2026 etwa drei große Hallen in Österreich: Tickets sind bereits stark begrenzt!
Es heißt auch, Amerikaner verstünden Ironie nicht – die hingegen den britischen Humor am Grat zum Schwachsinn trägt. Simon Pegg, bekannt etwa aus “Hot Fuzz” und “Shaun Of The Dead”, widerspricht in einem Artikel für den Guardian jedoch diesem Vorurteil teilweise. Die Amerikaner, so die Conclusio, konnotieren einen Schmäh nur klarer als einen solchen, während der Brite stets zwischen den Zeilen beißt.
Englisches Humorverständnis gilt als stark von Ironie, Understatement und Selbstentwertung geprägt. Der englische Philosoph Simon Critchley beschreibt britischen Humor als “a way of maintaining distance - from power, from oneself, from the absurdity of the world” ("On Humour", 2002). Er funktioniert oft über das Unausgesprochene, die Pointe ist versteckt und zeigt sich oft erst nach einigem Nachdenken: Gerade Klassiker wie Monty Python arbeiten mit Absurdität, Sprachspielen und einem Hang zum Grotesken - stets mit der Bereitschaft, sich selbst lächerlich zu machen.
Im Unterschied dazu neigt der amerikanische Humor stärker zur Explizitheit. Wie der Soziologe Christie Davies in “Jokes and Their Relation to Society” (1998) festhält, bevorzugen US-Comedians klar erkennbare Setups und Punchlines, oft in der Tradition des Stand-up mit prägnanten, gerne auch harten Pointen und gesellschaftlichem Kommentar: Sie arbeiten mit dem Vorschlaghammer, nicht wie ihre britischen Kollegen auch zwischen den Zeilen. Dabei markieren sie den Witz jedoch stets als solchen - im Gegensatz zu ihren britischen Pendants.
Der britische Comedian Charlie Higson empfiehlt dahingehend eine Feldstudie: Vergleichen Sie “Stromberg” mit der britischen Vorlage “The Office” und schließlich dem amerikanische Remake. Sie werden sehen: Viele Wege führen nach Rom - in der britischen Ausprägung ist der Weg subtil, im Amerikanischen narrativ und pointiert, während es bei “Stromberg” auch gerne körperlich und überspitzt wird.
Doch gerade eine moderne Weltstadt wie Wien weicht nicht nur bevölkerungstechnisch die Grenzen auf: Natürlich feiern auch hierzulande die “eigenen” Kabarettisten wie Michael Niavarani, Josef Hader, Benedikt Mittmannsgruber und zahlreiche mehr große Erfolge - und sind ein Kulturgut, das höchste Anerkennung verdient: Das Kabarett, das genießt hierzulande Kultstatus. Allerdings zeigen Erfolge wie zuletzt etwa von Ricky Gervais, dem “The Office”-Schöpfer, dass auch internationaler und englischsprachiger Humor in Österreich ebenso seinen Platz hat - und das nicht nur bei der englischsprachigen Bevölkerung: Bereits zum dritten Mal hat er im Frühjahr 2024 die Wiener Stadthalle bis auf den letzten Platz ausverkauft. Humor, das ist immerhin manchmal auch das Vehikel, etwas über divergierende Realitäten und Lebensgewohnheiten zu lernen - und das nicht in einem nüchternen Frontalvortrag.
Allerdings gibt es neben Ricky Gervais noch einige andere internationale Comedians zwischen Amerika, Australien und Großbritannien, die beweisen: Wien lacht längst zweisprachig!
Mohammed “Mo” Amer ist ein gefeierter palästinensisch-amerikanischer Stand-up-Comedian und preisgekrönter Autor. Seit 2022 spielt er die Hauptrolle in der hochgelobten Netflix-Serie “MO”, einer semi-autobiografischen Produktion. In Wien präsentiert er eine Show, in der er über Leben, Familie und seine Reise als frischgebackener Vater im heutigen politischen Klima spricht – alles präsentiert mit seinem unverwechselbaren Humor und Blickwinkel.
Der Comedian, Schauspieler, Autor und gebürtige Australier Jim Jefferies ist einer der bekanntesten und angesehensten Comedians seiner Generation. Mit seiner provokativen, glaubensherausfordernden und zum Nachdenken anregenden Comedy begeistert er weltweit sein Publikum. In der Show – frisch verheiratet und das Leben mit seiner Frau und den Kindern genießend – spricht Jefferies über die Faulheit von Koalabären, die Ungerechtigkeiten des erblich bedingten Haarausfalls und den Grund, warum er nie wieder Alkohol trinken wird.
Sean McLoughlin ist ein gefeierter Stand-up-Comedian und Autor mit Sitz in London. Er ist sowohl im Vereinigten Königreich als auch international sehr gefragt und trat unter anderem in “Live At The Apollo”, “Mock The Week”, “The Stand-Up Sketch Show”, “Stand-Up Central” und Kevin Harts “LOL Network” auf. Nun kehrt er mit einer sensationellen neuen Stand-up-Show nach Wien zurück – über das Vorankommen, das Verlorensein und das Gefühl, vielleicht für immer nutzlos zu sein.
Matteo Lane ist ein vielseitiges Talent, bekannt für seine einzigartige Mischung aus Stand-up-Comedy, musikalischem Können und künstlerischer Vielseitigkeit. Er spricht fünf Sprachen und verfügt über eine Gesangsspanne von sechs Oktaven. Bevor er seine Comedy-Karriere begann, lebte Matteo in Italien als Ölmaler und klassisch ausgebildeter Opernsänger. In seinen Programmen greift Lane ein breites Themenspektrum auf – von seinen Erfahrungen als schwuler Mann bis hin zu urkomischen Beobachtungen aus dem Alltag.
In Tel Aviv, Israel, geboren, wanderte Modi im Alter von sieben Jahren mit seiner Familie in die Vereinigten Staaten aus und wuchs auf Long Island auf. Nach seinem Abschluss an der Boston University arbeitete er zunächst als Investmentbanker, bis ihm sein erster Open-Mic-Abend klar machte, dass Stand-up-Comedy seine wahre Berufung war. Mit scharfem Witz und einem besonderen Gespür für sein Publikum hat sich Modi zu einer festen Größe in der lebendigen New Yorker Comedy-Szene entwickelt. Oft lässt er dabei Elemente seines kulturellen Erbes in seine Auftritte einfließen und begeistert sowohl ein vielfältiges jüdisches Publikum als auch Fans aller Hintergründe und Überzeugungen.