Eigentlich hat jeder Programmname auch etwas mit mir und meinem Leben zu tun: "HETZ MICH NICHT!" greift mein „kreatives“ Verhältnis zur Uhrzeit und besonders zur Pünktlichkeit auf. „KEINE ANHUNG“ erklärt sich von selbst - erstrecht, wenn man bedenkt, dass selbst der Programmtitel nicht ganz richtig geschrieben ist. Auf „ICH FIND’S LUSTIG“ bin ich gekommen, weil mich mal ein Journalist gefragt hat, „Sie lachen selbst so viel auf der Bühne. Finden Sie das etwa lustig?“ Und "FAST FERTIG" soll erklären, dass ich auch mit längst laufenden Programmen nie wirklich fertig bin und immer noch etwas ändere, ausprobiere und jeden Abend anders mache. Sogar bei den allerletzten Liveshows eines Programmes habe ich immer noch etwas geändert und überlegt, was man beim nächsten Mal besser machen könnte. Obwohl es bei der letzten Show ja gar kein nächstes Mal gab. Dabei bin ich aber nie verbissen, sondern eher verspielt. Es steckt einfach in mir drin. Und gleichzeitig würde sonst vielleicht auch eine allzu große Routine eintreten, die der natürliche Feind der Kreativität ist.
Die Antwort ist A. Und B. Und C. Suchen Sie sich eine aus! Nein. C trifft es wohl am meisten. Ich würde sogar sagen „C plus Sternchen“. Sprich: Ich treibe nicht nur mich, sondern auch mein Umfeld und mein Team in den Wahnsinn. Aber es ist ein liebevoller, alberner Wahnsinn! Wie vorhin schon gesagt: ich mache das ja nur, weil man immer irgendwo irgendwas noch besser/lustiger machen kann. Sei es beim Text, der Musik oder beim Puppenspiel - und das selbst bei der allerletzten Show!
Ich würde es so ausdrücken: „gutgelaunt“ ist mein natürlicher Aggregatzustand (lacht). Ich wache tatsächlich mit einem Lächeln auf. Und es gehört schon einiges dazu, mir diese Fröhlichkeit auszutreiben. Außerdem habe ich mir angewöhnt, schlechte Nachrichten gar nicht oder nur sehr dosiert an mich und meine Lieben herankommen zu lassen. Das funktioniert ausgesprochen gut. Kann ich nur empfehlen. Und sollte ich doch mal einen mauligen Moment haben, behalte ich den heimlich für mich. Warum sollte ich auch andere damit belasten?
Jede Form von Böswilligkeit und Ungerechtigkeit. Und unsere Welt ist leider voll davon. Da ist es für mich inzwischen eine Art Lebensaufgabe, die Menschen wenigstens während der zweieinhalb Stunden in meinen Shows daraus in meine ganz bewusst kindlich-fröhliche Grammelwelt zu entführen.
Wenn wir nicht zusammen auf der Bühne stehen, haben die Puppen frei. Professor Hacke ist dann meist in seinem Labor, Frederic hängt entweder vor der Spielekonsole ab oder geht mit Kumpels skaten. Und Josie macht so oft sie kann kleine Daytime-Beautyschläfchen inklusive Rundum-Hornhautpeeling und Gurkensalatmaske.
Nein, soweit ist es dann noch nicht (lacht). Ich habe zum Glück ganz liebe Menschen um mich herum, mit denen ich über alles reden kann.
Tatsächlich wechselt das und ist von meiner jeweiligen Tageslaune abhängig. Bin ich grad selbst ein bisschen aufmüpfig, bringt mir Frederic am meisten Spaß. Bin ich eher verkuschelt und anhänglich drauf, entspricht Josie dann eher meinem Grundgefühl. Und habe ich einen meiner vielen besonders albernen Tage, freue ich mich immer sehr auf den skurrilen Irrsinn von Professor Hacke, dem Außerirdischen Herrn Schröder oder meinem berlinernden Katzenfisch Mieze.
Ganz klar: jein. Ich kann mich schon ganz gut selbst verwirklichen und sagen, was ich meine und denke. Die Puppen können das aber natürlich noch sehr viel charmanter, verrückter oder auch mal emotionaler und direkter als ich ausdrücken.
Als etwas rundliches, unsportliches und verträumtes Spandauer Kind könnte man meinen, dass ich auf der „Bitte-Hänsel-mich-Skala“ auf einem der vorderen Ränge stand. Wenn man dann noch wie ich, zusätzlich im Keller Zaubertricks übt und mit Handpuppen redet, hätten andere wohl sogar die unangefochtene Pole-Position inne.
Bei mir war das aber zum Glück nicht der Fall. Ich wurde nie gehänselt. Im Gegenteil, ich wurde gefühlt zu jedem Kindergeburtstag in meiner Klasse eingeladen. Und das obwohl oder vielleicht gerade weil ich die Zauberei und das Puppenspiel schon immer geliebt habe. Ich weiß es nicht. Vielleicht ist es auch meine Art, wie ich mit meinen Mitmenschen umgehe.
Ich mag keine Witze auf Kosten anderer. Besonders dann nicht, wenn diese schon am Boden liegen und man nochmals - verbal - nachtritt. Das finde ich billig und gemein. Ich will das Gegenteil, ich will die Menschen in eine heile, harmlose, manchmal endlos alberne und auch skurrile Welt entführen, in der es keine bösen Überraschungen oder schlechte Nachrichten gibt, in der sie „sicher“ sind - und das garantiert! Da hat zum Beispiel Politik nichts zu suchen. Bei meinen Puppen und mir stirbt niemand, niemand wird ernsthaft krank, niemand streitet sich, niemand wird geschieden, niemand verliert seinen Job und es gibt kein Problem, welches wir nicht mit „drüber reden“ - beziehungsweise „drüber lachen“ - lösen können. Bei uns zählen Freundschaft, Zusammenhalt und Respekt voreinander, auch wenn es natürlich kleine Kabbeleien und Sticheleien besonders zwischen Puppencharakteren wie Frederic und mir gibt. Aber das artet nie in einem echten Streit aus, wie es im wirklichen Leben schnell passieren kann. Meine kleine Grammelwelt ist quasi mein wünschenswertes Ideal unserer realen Welt da draußen.
Nein, ein spezielles Ritual habe ich da nicht. Etwas warmsprechen sollte man sich vor einer Show schon. Und wie auch bei anderen Berufen, die viel Sprechen oder Singen, sollte man seine Stimme etwas pflegen. Im Winter trinke ich regelmäßig Ingwer-Tee oder einfach heißes Wasser. Ansonsten muss man das Bauchreden schon regelmäßig üben, sonst wird man unsauber und die Illusion von frei und selbständig sprechenden Puppen geht kaputt. Die Zuschauer zeigen einem durch ihr Lachen und ihren Applaus ja nur, ob die Gags und das Puppenspiel gut, beziehungsweise lustig waren. Man bekommt aber keine direkte Rückmeldung, ob das Bauchreden auch gut war. Hier helfen mir dann Videoaufnahmen meiner Shows, die ich mir abends noch im Hotel ansehe oder auch Hinweise von meiner Crew, dass ich an bestimmten Stellen unsauber gesprochen habe. Die besagten Stellen übe ich dann. Musiker, Schauspieler und Akrobaten müssen ja auch regelmäßig üben, um jeden Tag gleichbleibende Qualität liefern zu können. Das gehört also dazu.
Im aktuellen Programm ganz klar: das Känguru Aaachim Spironsik. Wie beschreibt er seine Stimme selbst ganz treffend: „…ich klinge ja wie eine Ente im Stimmbruch!“. Und jetzt kann ja jeder mal probieren, wie anstrengend so eine Ente spricht (lacht)!
Ich finde, wenn es einem gut geht, sollte man etwas von seinem Glück weitergeben. Deshalb habe ich schon sehr früh den Charity-Gedanken mit mir herumgetragen. Und aus der Notwendigkeit heraus, für meine neuen Shows zu üben, entstand dann die Idee, meine Übungsauftritte mit einer Benefiz-Aktion zu verbinden. Und so kann ich mit meiner eigenen kleinen Benefiz-Idee im Kulturhaus Spandau, 12-mal im Jahr, vor 150 durchaus kritischen Besuchern neue Ideen ausprobieren, die Menschen vor Ort zum Lachen bringen und gleichzeitig Gutes tun. Ich nenne diese Show "LACHEN TUT GUT(es)!“. Und was sich im ersten Moment liest wie ein Schreibfehler, ist wie ich finde, eine der schönsten Ideen, wie man Humor und Hilfe, beste Unterhaltung und unbürokratische Unterstützung ganz einfach miteinander verbinden kann. Von den Leuten wurde das so gut angenommen, dass ich bis heute dabeigeblieben bin. Seit 2007 unterstütze ich mit den Einnahmen aus der Show unter anderem die "Roten Nasen", das sind speziell ausgebildete Clowns, die in Krankenhäusern versuchen Spaß und gute Laune zu verbreiten und die es immer wieder auf liebevolle Weise schaffen, kranken Menschen mal für ein paar Stunden ihre Krankheit vergessen zu lassen. Und wer einmal gesehen hat, wie die kleinen, aber auch großen Patienten strahlen, wenn die Clowns auf den Stationen unterwegs sind, der muss dieses Projekt einfach unterstützen!
Als Puppenspieler war es immer mein Traum Jim Henson persönlich kennenzulernen und mit ihm und einer seiner bekannten Puppen der „Muppet-Show“ wie Kermit oder Miss Piggy zusammen auf der Bühne zu stehen. Leider ist Jim Henson im Alter von 53 Jahren viel zu früh verstorben. Seine Puppen leben allerdings weiter. Mein Traum ist also noch nicht ganz geplatzt.
Sascha Grammel gastiert mit "FAST FERTIG!" im September in Innsbruck, Salzburg, Wien und Linz. Tickets gibt es bei oeticket.com.