Bild: Isaac Watson
Big Special, ein Duo aus dem britischen Birmingham, hat mit “National Average” am 4. Juli ohne große Vorankündigung sein zweites Album veröffentlicht - und reiht sich spätestens damit in die lange Liste an Bands aus Birmingham ein, die man kennen muss. Live kann man sich davon im Oktober in der Wiener Arena überzeugen.
Erst vergangenes Wochenende haben Black Sabbath, die Urväter des Heavy Metals, in Birmingham mit einer illustren Schar an Gästen ihr letztes Konzert gespielt - wir waren live dabei. Zuvor wurde den vier Mitgliedern Ozzy Osbourne, Tony Iommi, Geezer Butler und Bill Ward am 28. Juni die höchste Ehre ihrer Heimatstadt zuteil: Bei einer Zeremonie im Rathaus wurde ihnen vom Oberbürgermeister und Stadtrat Zafar Iqbal die Schriftrollen und Medaillen zur Auszeichnung “Freedom Of The City” überreicht. Diese Auszeichnung würdigt die Bedeutung von Black Sabbath für die kulturelle und musikalische Identität Birminghams, ihre starke Verbundenheit mit der Stadt und ihren anhaltenden Einfluss als Pioniere des Heavy Metals.
Dabei kommen sie eigentlich aus der Arbeiterklasse Birminghams: Sie alle wuchsen im Arbeiter-Stadtteil Aston auf und schufteten vor ihrer Musikkarriere gar in Fabriken, bevor sie mit ihrer Musik und Alben wie “Black Sabbath” und “Paranoid” zu Weltstars aufstiegen. Sie haben, so der Oberbürgermeister, Birmingham erst auf der musikalischen Landkarte platziert: So wie etwa die Beatles Liverpool, und nicht minder wichtig wie auch Städte wie etwa Memphis und Nashville.
Dabei sind Black Sabbath natürlich nicht die einzige Band, für die Birmingham heute steht: Auch das Electric Light Orchestra, das ebenfalls am vergangenen Wochenende seinen Live-Abschied beging, ist in Birmingham verortet, wie auch Duran Duran und die Heavy-Metal-Legenden Judas Priest, Napalm Death, Anaal Nathrakh und Benediction, sowie auch das lärmende Krach-Duo Godflesh.
Es ist natürlich auffallend, dass aus einem industriellen Moloch wie Birmingham in erster Linie Bands kommen, die laut sind und lärmen: So auch die neuen Superstars der Stadt, Big Special, die mit “National Average” nun völlig unerwartet ihren Nachfolger zu “Postindustrial Hometown Blues” präsentieren.
“National Average” klingt genauso direkt und dringlich wie ihr Debüt, wird aber aus einer anderen Perspektive erzählt: Während der “Hometown Blues” ein Gefühl von kleinstädtischer Wut kanalisiert, ist das neue Album eines über den Wandel und die Veränderung - Gefühle, die wohl uns allen aktuell so zahlreiche Wirren erschaffen. Das konzeptuelle Fundament ist dabei jedoch geblieben: Es dreht sich weiterhin um Arbeit, Klassenkampf und das System. Das Duo erzählt “live” und roh und ungeschönt direkt von ihrem Alltag, von ihrem Zorn - aber auch vom ureigenen britischen Humor, der nicht selten der rettende Anker ist.
Passend, dass Joe Hicklin und Callum Moloney das Album hierzulande in einem ehemaligen Schlachthof, nämlich der Wiener Arena vorstellen: Es werden Erinnerungen an den Gelegenheitsjob wach, den Black-Sabbath-Sänger Ozzy Osbourne vor seiner Musikkarriere hatte, verdiente er sich doch nicht nur in einem Bestattungsinstitut, sondern auch als Schlachter etwas Geld.
Mit “National Average” bringen Big Special jedenfalls ein unglaublich feines, dabei überaus räudiges Potpourri aus Punk, Hip-Hop, Eighties-Electronic und Blues mit einigen Funk-Flirren in die Arena - wie das Konzert in etwa aussehen wird, zeigt uns parallel zu “National Average” auch die Dokumentation “Vandull”, die Big Special auf der Tour zu ihrem Debütalbum “Postindustrial Hometown Blues” begleitet.
Doch Big Special sind nicht die einzige britische Band, die aktuell durch die Decke geht: In meinem Artikel “Scheiß auf den Brexit” hier bei uns am HEADLINER habe ich euch insgesamt 10 geile Bands von der Insel zusammengestellt - darunter Yungblud, der auch beim Abschied von Black Sabbath mit von der Partie war. Einige der dort aufgezählten Bands - etwa Yungblud, aber auch Fontaines D.C. und die Lambrini Girls - geben in den kommenden Monaten auch Konzerte bei uns in Österreich!