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Christina Stürmer: Eine Burg, die nichts erschüttert

17.12.2024 von Alicia Weyrich

Christina Stürmer ist die erste Musikerin im deutschsprachigen Raum, die von MTV eingeladen wurde, die legendären Unplugged-Konzerte zu spielen. Ihre Natürlichkeit hat die Künstlerin behalten. Ein Gespräch über das wahre Glück.

Gerade hat Christina Stürmer einen Teil ihrer MTV Unplugged Tour hinter sich, im kommenden Sommer spielt die 42-Jährige mit ihrer Band in Österreich und Deutschland weitere Konzerte. Der Fokus der zweifachen Mama hat sich in den vergangenen Jahren verschoben. Wie sie ihre Musikkarriere mit dem Mama-Sein vereint und wer sie dabei unterstützt ...


Deine Töchter sind 8 und 3,5 Jahre alt. Wie vereinbarst du Tourleben und Familybusiness?

Früher war die Große mit auf Tour, heuer ist Oliver (Oliver Varga, Partner und Bandmitglied, Anm.) zum ersten Mal in 22 Jahren nicht mit uns mit und passt auf unsere Kinder auf. Wir hören und sehen uns dank Videotelefonie täglich, es ist okay für sie, aber sie machen sich einen Kalender zu Hause, wo sie Tag für Tag abschneiden, bis ich wiederkomme. Bei uns hält die gesamte Familie zusammen, da unterstützen auch die Großeltern.

War es für dich schwierig, deine Arbeit und die Anfänge vom Mama-Sein unter einen Hut zu bringen?

Ich war zwar nahe am Wasser gebaut und habe nach wie vor viel Respekt davor, was der weibliche Körper alles kann. Aber ich hatte das große Glück, dass sowohl meine Schwangerschaft als auch die Geburten gut verlaufen sind und ich auch nie das große Überforderungsgefühl verspürte. Sicher auch dank meiner Hebamme und meiner guten Veranlagung. Bei meiner ersten Tochter Marina war ich auf Tour, als sie ein dreiviertel Jahr alt war, rückblickend ziehe ich den Hut vor mir selber. Damals habe ich gestillt, das raubt viel Kraft und ich musste vor den Konzerten timen, wann ich stille und abpumpe, das war schon heftig. Mental war da sicher die größte Herausforderung die Öffentlichkeit. Die Leute haben mich via Social Media als Rabenmutter beschimpft. Und wenn Marina beim Papa war, haben die Menschen geschrieben, dass das Kind zur Mutter muss.

Du bist die erste deutschsprachige Musikerin, die zum MTV Unplugged Format eingeladen wurde. Ein Hinweis darauf, wie ungerecht verteilt es zugeht in der Musikbranche. Musstest du mehr abliefern, weil du eine Frau bist?

Ich hatte nie das Gefühl, dass ich extra abliefern muss in unserer Gruppe, weil ich zwar lange die einzige Frau war, aber eben auch die Chefin. Jetzt auf Tour ist unsere Pianistin Maria mit, das bereichert die Band und bringt eine neue Energie mit. In der Branche ernte ich viel Respekt, das liegt daran, dass ich das einfach schon seit 22 Jahren mache. Generell sitzen so viele Männer am Hebel im Musikbusiness, das finde ich schwierig. Aber auch hier gibt es Veränderungen, Wanda haben zum Beispiel eine Managerin und bei mir macht das jetzt Barbara Stilke. Auf Tour war es mir wichtig, dass die Vorbands größtenteils weiblich sind und ich so meinen Beitrag dazu leiste. Es gibt genug weibliche Talente. Es muss die Leistung passen, nicht jede Position muss von einer Frau besetzt werden, aber fähige Frauen gehören gefördert.

Deine Songs behandeln manchmal traurige Themen. Wie erklärst du deinen Töchtern deine Texte?

Die kleine Lotta bekommt das noch nicht mit, aber Marina mit 8 schon, die weint immer wieder bei meinen Liedern, zum Beispiel bei „Mama“. Wichtig ist, dass man den Kindern das Gefühl von Sicherheit gibt, mit ihnen darüber spricht und auch vermittelt, dass sie bei uns so sein können, wie sie sind. Es ist gut, die Schleusen zu öffnen. Manchmal weiß man gar nicht, warum man weint, das habe ich oft. Aber mir geht es danach immer besser, es ist eine Art von Reinweinen ...

Du warst schon jung erfolgreich und wirkst nach wie vor bodenständig — wie machst du das?

Schwierig zu sagen. Ich glaube, dass alles so stabil in mir ist, weil ich meine Kinder habe, die mir so viel Kraft geben und ich dadurch nie das Gefühl habe, abzuheben. Ich mache wahnsinnig gerne Musik und weiß es zu schätzen, aber das Größte sind meine Töchter. Ich fühle mich seit den Kindern wie eine Burg, die nichts und niemand erschüttern kann, weil mein Körper das alles leisten konnte und leistet als Mama. Ich bin davon überzeugt, dass wir das gut machen als Eltern und als Paar. Das macht mich innerlich so stark.

(Das volle Gespräch findet man auf funk-tank.at.)

+++ Über Christina Stürmer +++

Christina Stürmer wurde 1982 in Linz geboren. Ihre musikalische Karriere begann 2003, als sie in der ORF-Castingshow Starmania mit ihrer Interpretation von „Ein Kompliment“ von den Sportfreunden Stiller den zweiten Platz belegte. Kurz darauf feierte sie mit ihrem ersten eigenen Song „Ich lebe“ ihren nationalen Durchbruch. Seither veröffentlichte sie acht Studioalben, zuletzt „MTV Unplugged in Wien”, das sie im August 2023 im Wiener Volkstheater aufnahm. Seit 2006 ist sie mit ihrem Bandgitarristen Oliver Varga liiert, mit dem sie zwei Töchter hat.

Christina Stürmer findet ihr auf Instagram und Spotify.


Live-Termine


Christina Stürmer

29. Juni 2025 | Graz, Kasemattenbühne
04. Juli 2025 | Wien, Arena Open Air
20. Juli 2025 | Latschach, Burgarena Finkenstein
25. Juli 2025 | Linz, Domplatz


Infos auf dem Stand vom 17.12.2024  

Tickets

 

Neben Christina Stürmers Konzert am 25. Juli vor der beeindruckenden Kulisse des Linzer Doms finden im Rahmen von "Klassik am Dom" 2025 noch weitere fantastische Konzerte statt - und das in einem erfrischend breiten Spektrum! Alle Informationen findet ihr [hier]!

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