Christian Schreibmueller
Seit fast 30 Jahren sind Christoph & Lollo nicht aus der heimischen Kabarett- und Liedermacherszene wegzudenken. Mit ihren Skispringerliedern definierten sie die frühen FM4-Jahre mit und erreichten überbordende Bekanntheit. Nachdem die sich gar nicht so wirklich um Skispringer drehenden Geschichten auserzählt waren, wurde das seit Kindheitstagen befreundete Duo gesellschafts- und sozialpolitischer. Um sich und das Publikum ein bisschen vom schweren Ernst des Lebens zu befreien, ziehen die beiden mit zwei Corona-Jahren Verspätung ihre Skispringertournee durch – natürlich stilecht in der Wintersaison November bis März. Seit Mitte der 90er haben sich die Zeiten aber frappant verändert. Wie sie damit umgehen, das erzählen uns die beiden im ausführlichen Gespräch.
Christoph Drexler: 2020 hätte die Tour ursprünglich stattfinden sollen und der Entschluss dafür fiel ein Jahr davor.
Lorenz „Lollo“ Pichler: Die Idee dafür war noch zwei Jahre früher da. „Könnte man doch wieder machen“, war der Gedankengang dahinter. Es gab tatsächlich immer Nachfrage von Leuten auf unseren Konzerten, die das eine oder andere Skispringerlied hören wollten. Manchmal spielten wir sie, manchmal nicht. Dann überlegten wir, dass wir alle Wünsche konzentriert in einem Toursetting erfüllen könnten, um dieses Thema für immer und ewig abzuhaken.
Christoph: Ja eh. Wir waren uns anfangs gar nicht so sicher, wie wir zu diesen Liedern stehen würden. Wir haben irgendwann nicht radikal damit aufgehört, sie aber nur noch vereinzelt gespielt. Dann waren wir in der Schweiz bei einer Ausstellungseröffnung für den Skispringer Walter Steiner eingeladen und haben diese Lieder wieder gespielt. Das war 2018 und hat uns gut gefallen.
Lollo: Das ist eben unsere Professionalität, dass wir das trotzdem durchziehen (lacht).
Christoph: Mir gingen die Songs niemals auf die Nerven. Unser größter Hit ist wahrscheinlich „Seit ich ein Kind hab‘“, und den singe ich jedes Mal gerne. Es macht auch Spaß, weil man den Menschen damit einen Wunsch erfüllen kann. Wenn ich als Besucher wohin gehe, will ich auch alles hören, was ich kenne.
Christoph: Wir haben schon geübt und sind alle Lieder durchgegangen. Mit wenigen Ausnahmen ging es sogar besser als früher.
Lollo: Das ist bei uns ein bisschen wie mit den alten Leuten, die sich an alles, was früher war, sehr gut erinnern können. Was aber gerade eben passiert ist, das ist völlig weg.
Christoph: Am Ende der früheren Skispringer-Lieder-Phase haben wir gut herausgehabt, wie die Texte gehen und die Lieder sind. Andererseits haben wir was Interpretation und Zusammenspiel betrifft viel dazugelernt.
Christoph: Wir wollten am Eröffnungstag der Saison unsere Tour beginnen, aber dann wurde der Skisprung-Kalender über den Haufen geworfen wegen der Fußball-WM. So war das erste Springen auf der Matte – voll gemein von den Fußballern.
Lollo: Man kann unter massiven Einsatz CO2-erzeugender Technologien gut Schnee erzeugen. Alles kein Problem (lacht).
Christoph: Die Mattenspringen zeigen ja, dass sie adaptiv sind und gar keinen Schnee für den Sport brauchen. Im Vergleich zu den Ski-Alpin-Rennen zum Beispiel.
Lollo: Aber ist das dasselbe? Das ist die Frage.
Christoph: Von den Offiziellen hat mal einer gesagt: Man muss sich halt umstellen, wenn man sich umstellen muss.
Lollo: Da muss man dann den Schröcksnadel fragen. Oder eine andere Pappfigur, die ihm gefolgt ist.
Lollo: Das war schon damals 90 Prozent der Menschen egal. Es gibt vielleicht ein paar Superstatistiker wie die Springsteen-Fans, die in ihrem Buch notiert haben, was er 1987 in Westamerika spielte. Auch meine Kinder haben sich zuletzt beschwert, dass es da doch gar nicht um Skispringer dreht. Schon damals waren die Skispringer nur ein kurioses Detail und das ist heute nicht weniger kurios.
Lollo: Beim Wiederanhören der Lieder dachte ich mir schon, es wird ziemlich zwanghaft versucht, aus einem Skispringerlied mit einem Skispringer etwas völlig anderes zu machen (lacht).
Christoph: Viele Leute wussten wirklich nicht, dass es diese Springer gab. Damals gab es noch nicht einmal gescheit Internet, wo man nachschauen konnte, wen wir jetzt meinen.
Lollo: Von direkt Betroffenen eigentlich nie – nur um die Ecke.
Christoph: Wir sind gelegentlich Andi Goldberger begegnet und der hat uns berichtet, dass die Lieder eh jeder kennt. Lollo, du hast einmal berichtet, dass der Ski-Wachsler von Kazuyoshi Funaki eine CD geholt hat.
Lollo: Ja, der hat mit uns geredet. Vielleicht war es aber auch nur irgendein Betrunkener (lacht). Wir wissen jedenfalls aus mehreren Quellen, dass ein paar der Springer davon wissen. Falls uns jemand wegen unserer Untaten vor dem Internationalen Strafgerichtshof bringen möchte, dann wird sich hoffentlich Toni Innauer vor uns stellen, der uns mag und schätzt.
Lollo: Naja, deklariert, größter und Fan würde ich nicht sagen (lacht).
Christoph: Er ist aber ein sehr freundlicher und sympathischer Mensch und hat uns nicht geohrfeigt.
Lollo: Er ist sehr klug und belesen. Das ist nicht so häufig im Sportbereich. Übrigens ähnlich wie im Kulturbereich …
Christoph: Bei den Skispringern gibt es aber schon noch mehr Kluge …
Lollo: Echt? Nenne mir ein zweites Beispiel!
Christoph: Walter Steiner!
Lollo: Walter Steiner hat sich sehr dafür eingesetzt, dass die Schanzen sicherer werden. Dass die Profile nicht so sind, dass wenn man zu weit hüpft, stirbt. Er war so gut, dass er wusste, dass es ihn völlig zerlegt, wenn er voll durchspringt. Toni Innauer hat sich dafür eingesetzt, das Reglement zu ändern, damit die Skispringer nicht gezwungen sind, sich zu Tode zu hungern. Von ihm hat man auch sinnvolle Worte zum Thema Klimaerwärmung gehört, was im Skisport allgemein ein ziemliches Tabu ist. Goldberger ist sicher auch ein kluger, klasser Bursch. Wir haben ja eigentlich keine Ahnung.
Christoph: Ich selbst lese auch gar nicht. Hätte Goldberger ein Buch über Selbstreflektion geschrieben, ich würde nicht davon wissen.
Christoph: Das mag ich gar nicht. Sie haben uns mal eingeladen, aber das will ich bestimmt nicht. Es ist einfach uninteressant. Ich habe eine Sendung gesehen mit Pizzera & Jaus, der ehemaligen Tennisspielerin Barbara Schett und einem Pfarrer. Und der Pfarrer war dort der leiwandste, das musst du dir mal vorstellen (lacht).
Lollo: In solchen Sendungen wollen sie immer, dass wir über unsere Beziehung zueinander reden. Das würden wir niemals tun (lacht).
Lollo: Ein Grund, warum es so Spaß macht, ist die Ungezwungenheit. Wir haben viele Lieder, wo es um Gesellschaftliches und Politisches geht. Das ist oft kompliziert und viel und man muss nachdenken, sich Sorgen machen und schlechtes Gewissen haben und das ist hier überhaupt nicht der Fall. Die Skispringerlieder bestehen ja aus Poptexten, wobei wir uns bei der einen oder anderen Nummer denken, die kann man heute nicht mehr so singen. Die würden gar nicht mehr im Radio laufen.
Lollo: Bei „Funaki“ heißt es einmal „er befriedigt die Frauen am laufenden Band“. Da stellt man sich ein Förderband mit Frauen vor und das sieht nicht so gut aus.
Christoph: Man muss nicht. Gerade in diesem Zusammenhang müssen wir uns nicht so viele Sorgen machen. Die Tour ist als Nostalgieabend angekündigt und man singt auch „Mein kleiner grüner Kaktus“ anders. Das ist von früher und das darf man ja so singen oder?
Lollo: Man muss halt damit leben, dass heutzutage jeder Depp einen Twitter-Account und gerne 20 statt zwei Likes hat. Deshalb gibt er dann vor, irgendwo etwas nicht in Ordnung gefunden zu haben. Andererseits gibt es Leute, die tatsächlich sensibel sind und ein Problem mit Dingen haben, aber das ist wohl die Minderheit. Man kann noch immer über alles Witze machen, man muss nur die Antwort ertragen.
Lollo: Dafür sind wir in dieser Welt zu unwichtig.
Christoph: Ich bin da schon sensibel. Irgendjemand hat sich bei unserem „Karl-Heinz“-Lied beschwert, dass er dann von Gefängnismitinsassen vergewaltigt wird und dass wir darüber froh wären und das nicht singen dürften. Ich dachte mir dann: stimmt eigentlich.
Lollo: Das stimmt überhaupt nicht, weil weder Vergewaltigung vorkommt, noch, dass wir darüber froh wären. Es wird auch nicht suggeriert.
Lollo: Muss man eben nicht, denn es gibt auch für alles eine Gegenbewegung. In der Kunst, der Gesellschaft und vor allem im Internet gibt es Leute, die viel Geld damit verdienen, dass sie bewusst provozieren, damit sich andere aufregen. Der vernünftigste Gedanke wäre, das zu machen, was man selbst für sinnvoll und gut empfindet und mit den Reaktionen darauf zu leben. Man muss nicht jeden Blödsinn ernst nehmen. Wenn eine Aufregung fast ausschließlich auf sozialen Medien existiert, dann muss man sie mal nicht ernst nehmen. Spielt sie im echten Leben eine Rolle, ist das was anderes.
Lollo: Es gibt ja Gesetze. Es kommt immer auf den Zusammenhang an. Wenn man einen Witz erzählt, in dem die Frau dumm und ein Mann klug ist – also irgendwas mit Schuhen und Parkplätzen – dann ist das dann okay, wenn er gut ist und der nächste Witz umgekehrt funktioniert. Steht aber einer den ganzen Abend auf der Bühne und redet darüber, wie dumm Frauen und wie klug Männer sind, ist das kein Humor mehr, sondern Propaganda. Diesen Unterschied muss man sehen.
Christoph: Dürfen tut derjenige das aber trotzdem. Wahrscheinlich ist die Richtschnur wirklich das, was unsere Gesellschaft durch Gesetze als verboten ansieht. Darüber habe ich aber noch nicht so genau nachgedacht.
Christoph: Wenn man sich bewusst ist, dass man sich einer politischen Korrektheit beugen würde, dann wird man es wohl partout deshalb erst recht nicht machen.
Lollo: Wenn jemand zu uns kommt und glaubhaft sagt, von etwas persönlich betroffen zu sein ist das eine völlig andere Situation, als wenn sich jemand aufpudelt, weil es gerade in ist und er Aufmerksamkeit will. Das zu unterscheiden ist sehr einfach, wenn man genau schaut.
Lollo: Man darf ihn natürlich ausstrahlen und darf das Buch kaufen. Ein Verlag hat das Buch zurückgezogen und ich weiß ehrlich gesagt nicht genau, warum.
Christoph: Haben sich die Apachen beschwert?
Lollo: Natürlich hat sich niemand beschwert von den angeblich Betroffenen, sondern nur alle anderen (lacht).
Lollo: Andererseits ist es ein Feld, über das man sehr gut Witze machen kann. Alle aktuellen Komikerinnen und Komiker haben Sketches oder Programme darüber – wie Ricky Gervais oder Thomas Maurer mit seinem aktuellen Programm. Das Ganze gibt auch was her.
Lollo: Würde man jedes Thema weglassen, weil jemand sensibel darauf reagiert und keine Witze darüber hören möchte, dann bleibt natürlich nichts übrig. Das, was als letztes übrigbleibt, ist dann das Langweiligste und Unlustigste überhaupt. Humor lebt davon, einen hinterrücks zu überraschen und zu erwischen und ohne Provokation wird das nicht so ganz gehen. Sonst ist es am Ende so, dass der Künstler auf der Bühne einen Furz lässt und sich da auch noch einer aufregt (lacht).
Christoph: Der Humor hält den Leuten den Spiegel vor. Das bedeutet, man spürt einen kleinen Schmerz, wenn man sich mit der Warze im Gesicht sieht. Wenn man beispielsweise selbst Burgenländer und noch dazu dumm ist, dann mag man wahrscheinlich keine Burgenländerwitze. Humor tut immer ein bisschen weh.
Christoph: Die Leute, die sich beschweren und aufregen sind immer in der Überzahl. Wenn jemand etwas gut findet, dann meldet er sich für gewöhnlich nicht.
Lollo: Macht man Witze über andere, dann muss man auch einstecken können. Man muss über sich selbst lachen und einiges vertragen können. Es gibt ein paar bierernste deutsche Komiker, die die ganze Zeit Witze über Frauen, Linke, Alte und Kranke machen, aber nie welche über sich selbst. Solche Typen haben ein großes Problem.
Lollo: Es ist oft schwierig zu sagen, was oben und unten ist. Es gibt Leute, die glauben, dass ein Milliardär unten ist, wenn er schwul oder dunkelhäutig ist. Da bin ich anderer Meinung. Ich finde auch nicht, dass der weiße Mindestlohn-Hackler oben ist. Man muss immer genau schauen, was man als oben und unten definiert. Aber als Grundregel gilt schon, dass in eine Richtung treten nicht gut ist.
Christoph: Wenn man auf der Bühne steht, dann will man natürlich gefallen und am einfachsten ist das, wenn man Dinge sagt, die die Leute hören wollen. Dauernd Politiker herdreschen sollte man dahingehend machen, aber es ist vielleicht zu einfach.
Lollo: Deshalb machen wir auch Witze über Skispringer. Die sind zuerst oben und dann unten (lacht).
Christoph: Mich beschäftigt das gar nicht. Ich hatte sowieso nie irgendwelche Idole, aber früher habe ich mehr mit Springern mitgefiebert. Das liegt aber daran, dass Kinder das gerne machen. Ich kann nur den Kopf schütteln, wenn ich höre, dass Kylian Mbappe momentan das einzige ist, was die Buben in der Volksschule interessiert. Cristiano Ronaldo kennen die wahrscheinlich gar nicht mehr. Wir haben die Skispringerlieder jetzt einmal offiziell aufgeführt und ich betrachte das Kunstwerk heute noch abgehobener vom Menschen, der dahintersteht. Nicht einmal der Text ist mehr so zentral platziert wie vorher. Ich habe die Lieder viel gesamtheitlicher im Blick.
Lollo: Es ist aber erfreulich zu sehen, dass viele Menschen die Lieder von früher noch kennen. Es ist schön, wenn die Melodien im Kopf bleiben.
Lollo: In den „Rolling Stone“-Listen kommen wir noch nicht vor, aber für unsere Verhältnisse sind wir ganz zufrieden. Wir haben noch keine empirische Basis dafür, ob auch jüngere Leute nachkommen, aber es war jünger als üblicherweise.
Christoph: Selbst wenn die Leute so alt sind wie wir, und wir sind schon ziemlich alt, sind sie noch immer jünger als der Durchschnitt. Zu normalen Kabarettveranstaltungen kommt ein Publikum, das 60+ ist. Ich hatte schon das Gefühl, dass die Leute dieselben waren wie früher. Damals 14, heute 40.
Christoph: Sie sind bis zu einem gewissen Grad Hit-lastiger als jene, die wir in den letzten Jahren gesungen haben. Ein Skispringerlied hat eine Strophe, einen Refrain, eine Strophe, eine Bridge und eine letzte Strophe und dann ist es aus. Bei vielen neueren Liedern haben wir Textwürste, weil es nicht anders geht. Man kann die Skispringerlieder viel besser mitsingen.
Lollo: In letzter Zeit hatten wir wirklich sehr viele textlastige und komplizierte Lieder, die schwierige Inhalte vermittelt haben. Vielleicht sollten wir wieder mal einen Gang zurückschalten.
Christoph: Ich kann da wenig mitreden, aber es ist wahrscheinlich wirklich schwer, ein Thema zu behandeln ohne zu oberflächlich zu sein. Da braucht es einfach eine gewisse Menge an Text.
Lollo: Wir hatten ein Lied über die öffentlichen Inserate in Zeitungen und Zeitschriften in Österreich. Das ist ein kompliziertes Thema. Man könnte es natürlich vereinfachen, aber wir wollten, dass es gültig ist und die Situation so darstellt, wie sie eben ist. Zusätzlich muss der Song mitreißend und interessant zu hören sein. Das ist nicht so einfach. Doch die Zeiten werden immer unpolitischer und vielleicht machen wir mal ein Konzeptalbum übers Kochen. Gesungene Rezepte. Lieder übers Essen gibt es schon viele, aber vielleicht müssen wir ein bisschen mehr in Richtung Peter Alexander.
Christoph: Das könnten wir dann in einem Altersheim neben den Skispringer-Liedern singen.
Lollo: Und dann kommen die Zivildiener und sagen, das darf man nicht mehr singen, hört’s doch bitte auf (lacht).
Christoph: Wir hatten damals das erste Lied und Stermann hat gesagt, wir brauchen da viele mehr. Also haben wir weiterproduziert. Wir waren die meiste Zeit geleitet von anderen, die uns angestoßen haben, das oder das zu machen.
Lollo: Angefangen hat es dann mit den Feiertagsliedern über Feiertage, über die es keine Lieder gibt. Wir wollten immer die Themen aufgreifen, die sonst keiner aufgegriffen hat.
Christoph: Ein gutes Beispiel ist die „Klinik für Geschwister von berühmten Fernsehtieren“, da kam die Idee vom Gunkl oder von Clemens Haipl. Darüber sind wir uns nicht ganz einig.
Lollo: Oder das „Karl-Heinz“-Lied. Damals war es so, dass er öffentlich völlig anders wahrgenommen und dargestellt wurde als heute. Er war alle paar Wochen auf dem Cover der Boulevardmedien und wurde abgefeiert als coolster Typ und alle Vorwürfe wären eine Frechheit. Jeder vernünftige Mensch dachte sich damals, da muss man ja auch mal die andere Seite zeigen – deshalb entstand das Lied.
Christoph: Ein praktisches Problem ist, dass vieles übermorgen bereits wieder irrelevant ist. Wir haben beispielsweise ein Lied über korrupte Machenschaften. Es war damals arg und jeder hat darüber geredet, aber es ist in der Zwischenzeit so viel passiert, dass sich keiner mehr erinnern kann, um was es in dem Lied ursprünglich ging.
Lollo: Das ist ein Grund, warum die Skispringerlieder-Tournee so viel Spaß macht. Man muss sich weniger Gedanken darüber machen und alle Lieder sind gleich wenig anstrengend anzuhören. Ansonsten kann man auch nicht vier politische Lieder zu je fünf Minuten aneinanderreihen. Das ist viel zu hart. Derzeit spielen wir eher Blues-Konzerte.
Lollo: Wir wissen es noch nicht, aber ich glaube schon. Die Lieder sind generell ein bisschen langsamer als früher.
Christoph: Manche sind über längere Zeit in einer höheren Tonlage, das ist auch anstrengend.
Lollo: Wir bemühen uns sehr, den guten alten Rock’n’Roll-Flair reinzubringen und das kostet natürlich Energie.
Lollo: Wir haben das früher nicht am laufenden Band gemacht und im Wiener Stadtsaal wäre es für beide Parteien wahrscheinlich eher ungünstig gewesen.
Christoph: Das war vielleicht ein schlechter Gradmesser für eine Premiere, weil es ein Sitzpublikum war, das wir früher nie hatten. Ich hatte das Gefühl, sie haben sich nicht so recht mitzusingen getraut. Das Reinspringen hätte dann eher zu schweren Verletzungen geführt. Vielleicht geht das dann im Chelsea etwas leichter.
Lollo: Es kommt auf alle Faktoren an. Wie sitzen die Leute? Haben sie auch Tische dabei? Sind die Sessel bequem? Das sind alles Einflüsse.
Christoph: Im Burgtheater haben wir mal gespielt, da war die Ehrfurcht schon eine große. Da war der Erfolg, dass es vorbei war.
Christoph: Schon. Wir haben mal bei einer Preisverleihung im Stadttheater Gmunden gespielt. Das hat mir auch keinen Spaß gemacht, das war mir zu viel Verantwortung. Es war eigentlich ein freudiges Ereignis, aber ich fiel fast in Ohnmacht und ich war froh, als es vorbei war.
Christoph: Wien ist schon einmal eine gute Voraussetzung, weil wir mit dem Publikum eins sind und uns alle auf einer Wellenlänge befinden. Man muss nicht weit von Zuhause wegfahren, um zu merken, dass die Leute woanders eine andere Auffassung von Humor haben.
Lollo: Wenn wir aber weit wohin fahren, dann kommen wir als Band und geschlossene Crew zusammen. Umgeben von feindlichem Ausland. Das ist auch entspannend, denn man wird als Kuriosität wahrgenommen und kann sich daher weit aus dem Fenster lehnen.
Lollo: Niederösterreich ist für mich mehr Ausland als Oberösterreich.
Christoph: Es gibt viele Parameter. Land/Stadt ist ein Unterschied. Katholisch/Protestantisch. Kärnten kann auch schwierig sein.
Lollo: Letztens hatten wir vor über 400 Leuten in Völkermarkt aber einen der besten Abende überhaupt.
Christoph: Das war ein gemischter Abend, das ist ja wieder was anderes. Das war mit Schreiner, Radeschnig, Klakradl, Magda Leeb und uns.
Lollo: Man weiß es vorher nie und manchmal weiß man es nachher auch nicht. Das ist die Magie des Moments. Wäre alles berechenbar, dann würden alle nur mehr DVDs schauen.
Christoph: Nein, das Album muss wirklich nicht sein. Wir stehen gerade erst am Beginn einer Epoche. Was Auftritte betrifft, ist nach dieser Tour erst einmal ein Loch.
Lollo: Erst einmal Reha oder Kur (lacht).
Christoph & Lollo befinden sich aktuell mit ihren Skispringerliedern auf Tour durch ganz Österreich und gastieren etwa in Linz, Graz, St. Pölten, Dornbirn, Baden und Wien. Tickets gibt es bei oeticket.com.