Bild: Jasmin Schuller
Am 24. November fand im GLOBE WIEN erneut die Verleihung des Österreichischen Kabarettpreises statt: Das Kabarett ist bekanntlich ein urösterreichisches Kulturgut - und Berni Wagner, Antonia Stabinger, sowie Der Kuseng zählen zu den besten ihrer Zunft.
Das GLOBE WIEN im dritten Wiener Gemeindebezirk ist ein Theater, das von Georg Hoanzl - Chef der gleichnamigen Agentur (u. a. Theater im Park, Edition Der Österreichische Film) - und Kabarettist Michael Niavarani (u. a. Kabarett Simpl, Theater im Park) geführt wird: Seit 2014 finden im Haus, das in Ausstattung und Form an Shakespeares historisches Globe Theatre in London erinnert, regelmäßig fantastische Theater-, Kabarett- und Musikveranstaltungen statt. So dürfen wir uns in den nächsten Tagen und Wochen etwa auf den schnellsprechenden Klaus Eckel, auf die Geburtstagssause der Kernölamazonen und die bereits weihnachtlich gestimmte Conchita Wurst freuen - alle Infos zu den kommenden Veranstaltungen findet ihr [an dieser Stelle].
Die Hausherren Michael Niavarani & Georg Hoanzl (Bild: Markus Wache), sowie das GLOBE von Außen (Bild: Adrian Rigele) und von Innen (Bild: Jan Frankl).
Doch am gestrigen Abend (24. November) wurde es im Haus besonders glamourös: Erneut fand im Theater die Verleihung des 1999 begründeten Österreichischen Kabarettpreises statt. Die Jury, bestehend aus namhaften Kulturjournalist*innen des Landes, votierte für Berni Wagner (Hauptpreis), Antonia Stabinger (Programmpreis) und Der Kuseng (Förderpreis). Der Sonderpreis ging dieses Jahr an das Kabarett Simpl, der Fernsehpreis - übergeben von Philipp Hansa - an die Science Busters, der Onlinepreis an den Wiener Alltagspoeten Andreas Rainer. Moderiert wurde der Abend von Clemens Maria Schreiner, den ihr aktuell in “Fehlerfrei” und “Das Beste vom Guten” auf den heimischen Kleinkunstbühnen erleben könnt (Mehr Informationen [an dieser Stelle].).
Fünf Soloprogramme und einige kabarettistische Kollaborationen lang (zum Beispiel das 2024 ausgezeichnete “GHÖST”) beweist Berni Wagner einen scharfen Blick auf die Ausstülpungen unserer Gesellschaft, urteilt da etwa Jury-Mitglied Peter Wustinger vom ORF.
Mit enormer Energie, starker Bühnenpräsenz und hoher Wuchteldichte arbeitet er sich an aktuellen Themen ab, mit einer eigenen Dynamik spielt er sympathisch und dennoch eindringlich Alltagsszenen und hebt seine Abende damit über Stand-Up weit hinaus.
Zudem hat er auch Anliegen: Natur (als gelernter Biologe), Nachhaltigkeit und Nächstenliebe waren und sind maßgebliche Themen seiner Programme. Und das zwiespältige Verhalten als Mann! Vielleicht bezeichnend, dass sich sein Männerbild von “Schwammerl” (erstes Solo 2013) zum aktuellen Programm “Monster” gewandelt hat?! Wie Berni Wagner heute mit dem Thema Männlichkeit umgeht, lässt einen schaudern, lachen und gelegentlich den Mund offenstehen.
Wenn bereits das erste Solo-Programm einer Kabarettistin mit dem Programmpreis ausgezeichnet wird, dann ist dies wohl außergewöhnlich – und doch nicht überraschend, urteilt da etwa Jury-Mitglied Alexander Hauer, künstlerischer Leiter der Bühne im Hof.
“Mit Antonia Stabinger ist Feminismus lustvoll und lustig” titelte die Presse zu “Angenehm”. So uneingeschränkt richtig dieser Satz ist, so steht Stabinger mit all dem, was sie sich und ihrem Publikum zumutet, für weit mehr: Als scharfsinnige Beobachterin und absurd-witzige Botschafterin gesellschaftskritischer, heikler Themen beweist sie, dass Begriffe wie politische Unbestechlichkeit, Respekt, Gerechtigkeit und Menschlichkeit keine hohlen Schlagwörter sind, sondern ein Wertgefüge, dem man mit urkomischer Leichtigkeit ein relevantes Gewicht zu verleihen vermag.
Dabei herrscht sie sprachlich wie schauspielerisch brillant die Mittel der Satire wie der Polemik bravourös, läuft dabei mit ihrer ikonographischen Figur der Clit/Doris nicht in Gefahr eines plumpen, besserwisserischen Zynismus.
Der Kuseng ist nicht nur ein würdiger Nachfolger von Michael Niavarani - immerhin braucht jede Generation einen Nia -, sondern hat sich ein eigenständiges Bühnen-Alter Ego erschaffen, urteilt da etwa Jury-Mitglied Julia Baschiera von Ö1.
Der Kuseng unternimmt in seinem ersten Solo eine Zeitreise zurück in seine oberösterreichische Kindheit - zwischen Landgemeinde, Jugendkultur und iranischem Elternhaus. Er formt daraus eine pointierte Reflexion über gesellschaftliche Normen, Zugehörigkeit, Identität - und über all das, was uns trotz Unterschieden verbindet: Nie belehrend, stets mit wachem Blick und auf Augenhöhe mit dem Publikum, uneitel und präzise.
Somit schafft er einen “Safe Space”, in dem Herkunft, Geschlecht oder Milieu keine Trennungslinien sind, sondern Teil eines größeren Ganzen. Sein Humor baut Brücken, sein Spiel trägt Haltung - und mit seinem feinen Gespür für Sprache erschafft er aus seinen eigenen persönlichen Erlebnissen universelle Erzählungen. Und zu guter Letzt bringt er auch zum Lachen, ohne dabei auszuteilen.