Bild: Jan Frankl Bild: Jan Frankl
Kabarett & Comedy

Dave, der Tunichtgut

27.03.2024 von Sebastian Fasthuber

Mit der ORF-Serie „Dave“ haben David Scheid und Jan Frankl einen Überraschungserfolg hingelegt. Jetzt bringen die beiden die Alltagsgeschichten des wohlstandsverwahrlosten Tunichtguts, der ein erfolgreicher Influencer werden möchte, auf die Bühne. Ein Gespräch über Christian Clerici, urinierende Hunde und Scheids neue Karriere als seriöser Schauspieler.

Dave ist ja eigentlich eine traurige Gestalt mit gutem Herz.

David Scheid: Ja. Es geht nicht darum, nur grauslich zu sein.
Jan Frankl: Oft wird er auf das Grausliche reduziert. Das hat mich von Anfang an gestört. Für mich ist „Dave“ eigentlich eine griechische Heldensage. Eine Odyssee. Er hat ein Ziel und wird ständig davon abgelenkt.

Warum wird „Dave“ auf Energy Drinks, Kiffen und Körpergeräusche reduziert?

Jan Frankl: Wahrscheinlich weil die Art Sendung fürs Publikum neu ist. Wenn man sich Boxen anschaut, ohne sich auszukennen, glaubt man auch, das ist irrsinnig gewalttätig. Eigentlich ist es aber ein sehr taktischer Sport.
David Scheid: Ich finde ja, dass sich die Figur in der zweiten Staffel schon sehr verändert hat. Man sieht einen Prozess, eine Entwicklung in der Persönlichkeit. Dave wird immer normaler.

Er wäre gern Influencer. Inzwischen ist euer Instagram-Kanal derart erfolgreich, dass die Grenzen zwischen Fiktion und Realität verschwimmen.

David Scheid: Es ist schön, wenn die Serie ins echte Leben reinspielt. Es hat allerdings die Kehrseite, dass sie manchmal als Reality-TV verstanden wird. Ich werde auf der Straße oft als dieser Dave wahrgenommen. Ein bisschen fürchte ich mich schon vor der Fahrzeugkontrolle durch einen Polizisten, der es nicht verstanden hat. Der nimmt mir das ganze Auto auseinander.  

Wie wurde aus der TV-Serie ein Bühnenprogramm?

David Scheid: Es ist definitiv ein Guzi für die Fans, damit sie das mal aus nächster Nähe erleben können. Wir wollen die Leute aus dem Wohnzimmer und von der Couch holen. Aber man muss die Serie nicht gesehen haben, um Spaß daran zu haben.
Jan Frankl: Wir bringen viele Witze, die in den ersten beiden Staffeln keinen Platz hatten.
David Scheid: Ein Rest of-Programm.
Jan Frankl: Mit sehr viel Publikumsinteraktion.

Wie jung oder alt ist die Zielgruppe?

Jan Frankl: Diverser als wir selbst dachen. Die stärkste Zielgruppe ist von 25 bis 35, danach kommen erst die 17- bis 24-Jährigen.
David Scheid: Sie schauen aber schon ab 12. Ich weiß nicht, ob das gesund ist.

Wieviel Freiheit lässt euch der ORF?

David Scheid: Sehr viel. Bei ein paar Kleinigkeiten bin ich im Nachhinein traurig, dass man sich das nicht getraut hat. Aber im Großen und Ganzen haben wir Narrenfreiheit. Unser Sendeplatz ist finanziell undankbar aber kreativ sehr dankbar. Wir können viel machen, was bei anderen verhandelt werden müsste.
Jan Frankl: Die Sendung funktioniert auch nur, weil sie ungeschliffen ist.

Gedreht wird im öffentlichen Raum. Folgt alles einem Drehbuch, oder wird auch wild improvisiert?

David Scheid: Wir haben natürlich ein Drehbuch. Dazu kommt Improvisation und manchmal unbeschreibliches Glück. Unser Set ist die Straße. Insofern wissen wir nie, was passiert. Zum Beispiel kommt während einer Szene ein Hund daher und uriniert. Darauf würden wir gar nicht kommen. Und wenn es uns einfallen würde, wäre die Umsetzung mit einem Hundetrainer sehr aufwändig.

Ex-ORF-Star Christian Clerici spielt eine wichtige Nebenrolle. Warum gerade er?

David Scheid: Weil er ein Schönling ist, ein Promi, aber kein A-List-Promi. In den Neunzigern war er jemand. Heute schaut er immer noch gut aus.
Jan Frankl: Er verkörpert perfekt den ORF-Star aus den Neunzigern. Nur die Jugend kennt ihn vielleicht nicht mehr.
David Scheid: Mittlerweile sprechen sie ihn aber schon auf der Straße an. Taugt ihm voll. Er erlebt jetzt einen zweiten Frühling.
Jan Frankl: Auch mit ihm hatten wir Glück. Er passt perfekt für die Rolle des sympathischen Machos und ist ein irrsinnig guter Improvisator.

David, du bist aktuell auch an der Seite von Maria Hofstätter und Anja Plaschg im Film „Des Teufels Bad“ zu sehen. Wie kam es zu dieser ernsten Rolle?

David Scheid: Der Caster des Films hat „Dave“ gesehen und mochte meine natürliche Art zu improvisieren. Für mich ist es eine große Chance. Ich darf zeigen, dass ich nicht nur rumstolpern und lustig sein kann. Ich muss allen Beteiligten danken. Sie hatten das Vertrauen, einen TV-Kasperl für eine wahnsinnig deepe, arg düstere, historische G’schicht zu nehmen.

Wie groß war der Respekt vor der Aufgabe?

David Scheid: Sehr groß. Wir haben uns intensiv vorbereitet. Die Geschichte spielt 1750. Wir mussten lernen, wie man damals gelebt hat. Ich habe als Vorbereitung mit Maria Hofstätter eine Woche bei einem Bauern in Oberösterreich mitgearbeitet. Und sie hat mein Oberösterreichisch verfeinert, damit es für die Rolle passt. Es geht stark um die Sprachmelodie und die Attitude, die dahinter steht. Das ist jetzt schon der zweite Dialekt, den ich mir angeeignet habe.

Wieso?

David Scheid: Ich bin als Kind von Wien nach Niederösterreich gekommen. In der Volksschule hatte ich sprachlich am Anfang Troubles, ich wurde nicht so willkommen geheißen als Weana Bazi. Also habe ich rasch Niederösterreichisch gelernt.

David Scheid: live

„Ein Miststück“ mit Dave & Jan spielt es laufend im Wiener Stadtsaal, am 20. März in der Kürnberghalle, am 19. Mai im Grazer Orpheum. Außerdem spielt Scheid „Als die Welt noch eine Scheibe war“ laufend in der Kulisse, im Niedermair und im Wiener Stadtsaal. Tickets gibt es bei oeticket.

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