Bild: Anton Corbijn
Wenn es in der Realität nicht so tragisch und traurig wäre, dann müsste man die morbide Ironie des Schicksals von Depeche Mode anno 2022 fast schon augenzwinkernd analysieren: Denn am 26. Mai stoppten damals die Uhren der Bandgeschichte nach 42 Jahren das erste Mal für ein paar Tage, die Zukunft der Synthie-Pop-Könige war ungewiss wie nie zuvor. Ausgerechnet Andrew Fletcher, Gründungsmitglied, Keyboarder und stiller Handwerker im Hintergrund, erlag im Alter von nur 60 Jahren den Folgen einer Aortendissektion. Er war nicht nur das unscheinbarste, sondern auch zeitlebens gesündeste Mitglied einer an Skandalen nicht armen Band: Für Hauptsongwriter Martin L. Gore und Sänger Dave Gahan war die Party nicht selten wichtiger als die Musik.
Für Gore und Gahan war nach dem ersten Schock und einer mehrwöchigen Verarbeitungsphase schnell klar, dass es nur zwei Szenarien geben kann: Entweder beenden die beiden das Kapitel “Depeche Mode”, oder man macht weiter und startet noch einmal voll durch. Glücklicherweise entschied man sich für den Plan B, freilich können Kritiker nun das Kommerzdenken bekritteln und sich über die wirtschaftliche Komponente echauffieren, andererseits haben Depeche Mode aber bereits vor Fletchers Tod an den neuen Songs gearbeitet, die schließlich unter dem Titel “Memento Mori” im März 2023 erschienen und im selben Jahr auch bei uns in Österreich, im Wörthersee-Stadion in Klagenfurt, live vorgestellt wurden. Ein kleiner fotografischer Rückblick gefällig?
(Fotos: Eva Ruiz)
Freilich spielten Depeche Mode mit “Memento Mori” damals nicht nur in Österreich, sondern auch in Mexiko - und zwar gleich drei ausverkaufte Shows im Foro Sol. Gesichtet wurde dort auch ihr Haus-und-Hof-Fotograf und Filmemacher Anton Corbijn - dessen Ausstellung aktuell bekanntlich im Bank Austria Kunstforum zu sehen ist. Allerdings wurde Corbijn nicht nur im VIP-Bereich gesichtet, sondern sogar mit “großem Kamera-Besteck”. Auf großen Leinwänden im Stadion wurde auf Dreharbeiten hingewiesen und darauf, welche Bereiche gemieden werden sollten, sofern man nicht im damals noch unbetitelten Film auftauchen wollte. Aber nun kommt es doch ein bisschen anders!
Wie nun bestätigt wurde, soll dieses Jahr zwar tatsächlich ein Film mit dem Titel “Depeche Mode: M” erscheinen, Regie führte jedoch nicht Corbijn, sondern der ebenfalls preisgekrönte Fernando Frias. Die Mischung aus Live-Mitschnitt und Dokumentation untersucht die Parallelen zwischen den Themen von “Memento Mori” und der tiefen Verbindung zu Tod und Sterblichkeit in der mexikanischen Kultur, wie es heißt. Außerdem, so liest man in Fan-Foren, haben Fans damals Aktionen organisiert, die im Film optisch eine Menge hermachen könnten: Gerüchteweise sollen bei “Everything Counts” zahlreiche Fans weiße Handschuhe getragen haben, und bei “World In My Eyes” ausgedruckte Fletcher-Masken vor das Gesicht gehalten haben.
Ein genaues Veröffentlichungsdatum steht noch nicht fest, gemunkelt wird aber von “Herbst”. Wir halten euch am Laufenden!