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Kultur

Der Bücherwurm #8

05.11.2026 von Stefan Baumgartner

In der HEADLINER-Serie "Bücherwurm" empfehlen wir euch in unregelmäßigen Abständen aktuelle Bücher, die es wert sind, entdeckt zu werden. Denn Lesen ist, so finden wir, eine der wertvollsten Gewohnheiten, die das Leben bereichern: Wir tauchen ab in eine andere Welt, unsere Gedanken werden entfesselt und unser Bewusstsein erweitert. Wir lernen dazu, werden unterhalten oder schaffen es, für einen kurzen Moment aus der Realität auszubrechen. Lesen ist Entspannung und Bildung gleichzeitig!

Kindern erzählt man Geschichten zum Einschlafen, Erwachsenen, damit sie aufwachen.

(Jorge Bucay)

Über das Leben und das Sterben

Als Rapperin findet FIVA alias Nina Sonnenberg seit Jahren die richtigen Worte. Jetzt hat sie sich daran auch in Romanform versucht - und ein Buch über ein Thema geschrieben, das alles andere als locker-flockig ist: Neles Vater liegt “während die ganze Welt im Freibad ist” im Sterben, und obwohl sie einen Bruder hat, bleibt nach dem frühen Tod der Mutter und der Oma erneut alles an ihr hängen; nicht nur die Bürokratie, die mit dem Tod einher geht, sondern in erster Linie auch die emotionale Last. Acht Tage begleiten wir Nele dabei, acht Tage, in denen sie ihre eigene Vergangenheit und Familiengeschichte Revue passieren lässt. Nicht selten möchte man sie da während der Lektüre umarmen und nicht selten schiebt man da den Gedanken weg, dass auch die eigenen Eltern irgendwann einmal nicht mehr sein werden. Glücklicherweise findet FIVA nicht nur auch hier die richtigen Worte - sondern sogar ein paar Fünkchen Humor …

FIVA präsentiert ihr Romandebüt zwischen Dezember und Februar in ganz Österreich.

Antidepressiva in der Weihnachtszeit

Sven Regener von Element Of Crime legt mit “Frankie und Freddie” den siebten Teil aus dem Lehmann-Kosmos vor, zum fünften Mal spielt die Geschichte nun in Berlin. Chronologisch schließt sie an “Der kleine Bruder" (2008) an und ereignet sich vor “Herr Lehmann” (2001): Das Ganze spielt diesmal an einem einzigen Tag, dem Tag vor Heiligabend 1980: Frank “Frankie” Lehmann will seinen älteren Bruder Manfred “Freddie” aus einer Einrichtung am Kurfürstendamm abholen, in der dieser sich als Versuchskaninchen für Psychopharmaka etwas dazuverdient hat. Im Anschluss steht die Überlegung im Raum, zum Weihnachtsfest doch die gemeinsamen Eltern im heimatlichen Bremen zu besuchen. Davor muss aber noch die Tasche wiedergefunden werden, die Freddie verlegt hat: “immer unterwegs und überall zu spät”, ließe sich da mit einem der schönsten Element-of-Crime-Lieder sagen. Und eine Liebesgeschichte gibt's obenauf auch noch.

Sven Regener präsentiert “Frankie und Freddie” Mitte November im Rabenhof Theater!

Geht die Welt langsam unter?

Florian Scheuba ist als Kolumnist, Podcaster, Kabarettist und Autor bekannt. In seinem neuen Buch nimmt er einmal mehr das politische Zeitgeschehen unter die Lupe - von Trump über Orban bis Kickl, von Demokratie bis Menschenrechte. Wer beim Untertitel “Satire als Notwehr” jedoch hofft, dass Scheuba damit zumindest im Ansatz einen Leitfaden dafür vorlegt, wie man als Normalsterblicher der drohenden Apokalypse entgegensteuern kann, wird jedoch enttäuscht: Denn wengleich Scheuba für sein pointiertes Aperçu bekannt ist, so möchte man bei seinem Gegenwartschronismus doch allerweil das eigene Lächeln brechen, indem man immerwährend mit dem Kopf auf die Tischplatte knallt. Kann Humor wirklich Untergangstendenzen bekämpfen? Oder müssen wir einfach nur allesamt wachgekitzelt und wütend werden: Die Welt geht uns alle an!

Florian Scheuba präsentiert sein Buch im April im Rabenhof, steht aber auch mit Florian Klenk und mit “Schönen guten Abend” auf den Bühnen des Landes.

Ein Regierungsprogramm - mitten aus dem Volk

Im Oktober wurde Severin Groebner für sein aktuelles Programm “Ich bin das Volk!” bei der Österreichischen Kabarettpreis-Gala im Globe der Hauptpreis verliehen. Sein (man muss es klar als solches bezeichnen) Manifest ist - und da ging auch sein Laudator Hosea Ratschiller d'accord - ein kongeniales Psychogramm nicht nur über einen Herrscher, sondern auch die Beherrschten: Groebner schlüpft darin in die Kunstfigur Walter Essermann (erinnert nicht zufällig an "alter weißer Mann"), der zwar gerade Frau, Job und Wohnung verloren hat, demzufolge auf einer Parkbank residiert. Anstatt zu verzweifeln, suhlt er sich in der Hybris eines Imperators: Sein Regierungsprogramm, das er nun auch in Buchform monologisch vorstellt, ist definitiv eine bitterkomische, politkritische Charakterstudie, ein heftiges, aber scharfsinniges und komisches Manifest, das nicht zu Unrecht als “moderne Variante des 'Herrn Karl'" gefeiert wird.

Severin Groebner spielt “Ich bin das Volk!” aktuell in Linz, Wien, St. Pölten und Salzburg.

Eine Hommage, von Alkohol bis Zigarre

Fragt man nach den prägendsten Namen der deutschen Populärmusik, dann bekommt man - je nachdem, wen man fragt - unterschiedliche Antworten kredenzt, von Helene Fischer bis Die Ärzte, von Kraftwerk bis Herbert Grönemeyer. Nicht fehlen darf da natürlich auch Udo Lindenberg! Irgendwo im Einerlei deutschsprachiger Musik fand er dereinst irgendwo zwischen Krautrock und Schlager eine eigene Nische, seine schnoddrige Art, alltägliche Geschichten zu erzählen, ist bis heute einfach ungewöhnlich. Dieses Jahr feierte er seinen 80. Geburtstag, zu diesem Anlass machte ihm einer seiner größten Fans (und einer seiner besten Freunde) ein besonderes Geschenk: Popliterat Benjamin von Stuckrad-Barre ("Panikherz") stellt mit “Udo Fröhliche” ein biographisch-liebevolles “Lindenberg-Alphabet” vor, von “Alkohol” über “Hut" bis "Zigarre”. Das liest sich kundig, aber auch witzig und scharfsinnig, und nicht zuletzt: anrührend.

Benjamin von Stuckrad-Barre präsentiert “Udo Fröhliche” am 22. Jänner im Linzer Musiktheater.

Aus dem Leben einer Iron Maiden

Viele Kultbands befinden sich in den letzten Jahren forschen Schrittes auf dem Weg in die Pension, da wundert es nicht, dass immer mehr Autobiografien erscheinen, um noch einen nostalgischen Rückblick zu wagen. So auch von Nicko McBrain: Er war mehr als 40 Jahre Schlagzeuger von Iron Maiden, bevor er sich 2024 vom Tourleben zurückzog. Bei seiner Buchpräsentation in Berlin zeigte er, wieso: Seit seinem Schlaganfall 2023 kann er mit der rechten Hand das Tempo nicht mehr halten. Während Maiden mit Simon Dawson munter weitertouren, rollt Nicko nun sein Leben auf: Von ersten Trommelversuchen mit Messern am Herd (!) über Essensschlachten bis hin zu teils skurillen Zusammentreffen mit Legenden wie Ozzy Osbourne oder John Bonham. Ist das jetzt ein endgültiger Schlussstrich? Weit gefehlt! Am kommenden Maiden-Album möchte er im Studio sehr wohl mitarbeiten, außerdem plant er eine Europa-Tour mit seiner Coverband Titanium Tart. Und erst in vielen Jahren möchte er nach seinem Ableben in einem Sarg beerdigt werden, der aus Teilen eines seiner Drumkits hergestellt wurde …

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